Journalisten ausgeschlossen

Empörung über Hausverbot bei DESG-Pressekonferenz

26. Februar 2026, 17:30 Uhr · Quelle: dpa
DESG-Medienrunde zu Vorwürfen
Foto: Britta Pedersen/dpa
DESG-Präsident Matthias Große wies die Kritik zurück.
Hausverbot für ARD-Journalisten, ein Präsident im Angriffsmodus und Kritik von allen Seiten: Die Deutsche Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft liefert eine denkwürdige Pressekonferenz ab.

Berlin (dpa) - Auf einen Eklat mit einem Hausverbot für zwei ARD-Journalisten folgte eine zweieinhalbstündige Abrechnung von Matthias Große: Der Präsident der Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft holte auf einer denkwürdigen Pressekonferenz zu einem Rundumschlag gegen die Medien aus. Währenddessen mussten Hajo Seppelt und Jörg Mebus am Fuße des Müggelturms hinter einem Gitter bleiben - und verharrten dort in einem Auto. 

Seppelt und Mebus waren zuvor maßgeblich an einem kritischen Bericht der «Sportschau» zu Beginn der Olympischen Winterspiele beteiligt gewesen. In dem wurden der DESG Unregelmäßigkeiten vorgeworfen und über ein belastetes Verhältnis zwischen einigen Athleten und der Verbandsspitze berichtet.

Von der ARD, Journalisten-Verbänden und auch aus der Politik hagelte es Kritik an dem denkwürdigen Eklat mit dem Ausschluss der zwei Journalisten. «Die im Grundgesetz verbriefte Pressefreiheit ist ein hohes Gut. Dies gilt natürlich auch für den Bereich des Sports. Auch kritische Journalistinnen und Journalisten müssen in einer Demokratie grundsätzlich Zugang zu Pressekonferenzen erhalten. Die Bundesregierung setzt sich für Transparenz ein», sagte ein Sprecher aus dem Haus der Sport-Staatsministerin Christiane Schenderlein (CDU) der Deutschen Presse-Agentur.

ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky reagierte mit Empörung auf den Ausschluss von Seppelt und Mebus. «Die Nicht-Zulassung ausgewählter Berichterstatter zu einer offiziellen Pressekonferenz verstößt eklatant gegen Grundsätze einer freien und unabhängigen Berichterstattung und ist aus unserer Sicht grundsätzlich nicht akzeptabel.» Es sei ein für einen deutschen Sportfachverband beispielloser Fall, sagte Balkausky.

Große spricht von «Hassspiel» und «Schmutzkampagne»

Der umstrittene Präsident und mächtigste Mann in der DESG wies in seiner Abrechnung auf seinem Anwesen im Südosten der Hauptstadt jegliche von Seppelt und Mebus erhobenen Vorwürfe der vergangenen Wochen von sich. In weißem Hemd und blauem Anzug mit Einstecktuch erhob Große während des Medientermins immer wieder die Stimme, stand auch auf, wurde emotional, laut und phasenweise aggressiv.

Im Fokus seiner Generalkritik stand der besagte «Sportschau»-Bericht zu Beginn der Olympischen Winterspiele in Italien. Der Lebensgefährte der fünfmaligen Olympiasiegerin Claudia Pechstein sprach von einem «Hassspiel» gegen den Verband, sich und auch seine Partnerin und bezeichnete den Bericht als «Schmutzkampagne» gegen die DESG.

Seppelt: «Muss bemerkenswerte Pressekonferenz gewesen sein»

Auf diese Kritik zu reagieren, hatten Seppelt und Mebus zunächst keine Chance. Sie warteten nach ihrem Ausschluss abseits des Müggelturm-Areals hinter einem Gitter auf das Ende. «Dem Vernehmen nach muss das eine bemerkenswerte Pressekonferenz gewesen sein. Da werden sich im Nachgang noch einige Fragen im Umgang von Herrn Große mit der Pressefreiheit stellen», sagte Seppelt nach dem Medientermin.

Große verteidigte den Ausschluss: «Das Grundgesetz schützt doch Lügner nicht», sagte er und ergänzte: «Wollen Sie mir wirklich erzählen, dass ich verpflichtet bin, alle Leute einzuladen, die es wollen.»

Während Seppelt und Mebus im Müggelturm fehlten, wichen Großes Anwälte nicht von dessen Seite. Er habe von ihnen eine Liste an Worten bekommen, die er nicht sagen dürfe, sagte Große. «Sonst hätte ich noch ganz andere Sachen gesagt.» Er wolle mit Leuten wie Seppelt nur noch den Gerichtssaal teilen, sagte der 58-Jährige. Sie würden Unwahrheiten verbreiten.

Große weist Anschuldigungen zurück

In dem ARD-Bericht ging es unter anderem um verspätete Prämienauszahlungen. Die Anschuldigungen, Sportler hätten «jahrelang» auf ihr Geld warten müssen, wies er zurück. Der Begriff «jahrelang» impliziere schließlich einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren – also rund 730 Tage. Eine derart lange Wartezeit habe es jedoch in keinem Fall gegeben. Zur Untermauerung seiner Darstellung verwies Große auf eine Präsentation, in der unter anderem die erfolgten Prämienauszahlungen aufgeführt waren.

Auch den Vorwurf einer erhobenen Teilnahmegebühr für Weltcups bestritt Große. «Kein Sportler muss in diesem Verband einen Euro bezahlen, wenn er nicht will. Und wir werden hingestellt, als plündern wir unsere Athleten aus. Was für ein Schmutz.» Demnach müssen Sportlerinnen und Sportler nur mehr zahlen, wenn sie auf eigenen Wunsch früher zu einem Weltcup anreisen wollen. Doch die Rechtfertigungen gerieten angesichts des Ausschlusses in den Hintergrund.

Kritik von DOSB und Journalisten-Verbänden

Der Deutsche Olympische Sportbund als Dachorganisation kritisierte das Hausverbot durch die DESG. «Wir erwarten von unseren rechtlich eigenständig und autonom handelnden Mitgliedsorganisationen, dass sie die Pressefreiheit in gleicher Weise respektieren, wie wir das tun», hieß es in einer Stellungnahme. Die Pressefreiheit sei ein «essenzielles Gut unserer Demokratie, das der DOSB selbstverständlich respektiert und wertschätzt».

Der Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS) protestierte scharf gegen die Ausladung und wertete sie als klaren Eingriff in die Pressefreiheit. Zudem erinnerte er daran, dass die DESG öffentliche Gelder erhalte und daher eine besondere Verantwortung trage. Dem Versuch, kritischen Sportjournalismus zu reglementieren, trete man «vehement entgegen», schrieb der VDS. Aus Sicht des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV) war der Ausschluss ein «unglaublicher Vorgang».

Eisschnellläufer Petzold drohen nach Kritik Konsequenzen

Mit Konsequenzen muss Eisschnellläufer und Olympia-Teilnehmer Fridtjof Petzold rechnen, der bei den Winterspielen die seiner Meinung nach schlechte Betreuung und strukturelle Probleme angeprangert hatte. Es gebe DESG-Verantwortliche, die «sehr nah» beim Große angesiedelt seien, hatte Petzold gesagt. «Jeder hat da natürlich auch Angst, irgendwie was zu sagen, weil er um seinen Job besorgt ist, dass er ihn dann verliert.»

Die Kritik konterte Große: «Der Athlet hat sich immer normal zu benehmen. Verbandsschädigende Aussagen kann er treffen, aber intern und nicht öffentlich», sagte er.

Eisschnelllauf / Shorttrack / Medien / Wintersport / Berlin / Deutschland / Pressefreiheit
26.02.2026 · 17:30 Uhr
[1 Kommentar]
Real Madrid - FC Bayern München
Madrid (dpa) - Erst umarmten sich die beiden Matchwinner Manuel Neuer und Harry Kane erleichtert, dann jubelten die beiden Stars des FC Bayern München nach dem wichtigen 2: 1 (1: 0)-Erfolg im Viertelfinal-Hinspiel über Angstgegner Real Madrid verhalten. Der deutsche Fußball-Rekordmeister machte in Madrid bei seiner Champions-League-Mission einen […] (01)
vor 1 Stunde
Henning Höne (Archiv)
Düsseldorf - Henning Höne, Vorsitzender der FDP Nordrhein-Westfalen, setzt im Machtkampf mit FDP-Vize Wolfgang Kubicki um den Parteivorsitz auf eine breite inhaltliche Aufstellung der Liberalen und einen neuen Führungsstil. "Ich möchte eine Partei, die alle Lesarten des Liberalismus verbindet: In dieser Partei haben Menschen, die sich besonders dem […] (00)
vor 34 Minuten
Das Wireless Festival wurde abgesagt, nachdem das Innenministerium Kanye die ETA entzogen hat.
(BANG) - Das Wireless Festival wurde abgesagt, nachdem das Innenministerium Kanye die ETA entzogen und ihm damit die Einreise ins Vereinigte Königreich verweigert hat. Festival Republic bestätigte die Entscheidung in einer Erklärung und teilte mit, dass alle Ticketinhaber Rückerstattungen erhalten werden. Ein Sprecher sagte: "Das Innenministerium hat YE […] (00)
vor 7 Stunden
Eine Zollbeamtin läuft durch ein Paketlager
Berlin/München (dpa/tmn) - Ob Geräte, Elektronik, Kleidung oder Schuhe - manchmal müssen oder sollen es Waren von weit her sein, weil es sie nur in bestimmten Ländern gibt oder weil sie dort besonders günstig zu haben sind. Soweit die Theorie. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher ordern dann online direkt bei einem Anbieter oder über Marktplätze und […] (00)
vor 29 Minuten
FC 26 fixt nervigen Exploit – Update bringt wichtige Gameplay-Änderung
Viele Spieler kennen das Problem nur zu gut: Du liegst zurück, willst nochmal angreifen und dein Gegner spielt minutenlang den Ball zum Torwart zurück. Zeitspiel, Frust, kaum Chancen einzugreifen. Genau hier setzt das neue Update 1.5.3 für EA Sports FC 26 an. Und die Änderung dürfte für viele ein echter Gamechanger sein, die sich einige erhofft haben. […] (00)
vor 2 Stunden
ESPN kommt zu Disney+: Sport-Offensive startet in Europa
Der Streamingdienst baut sein Live-Angebot massiv aus und bringt große US-Ligen direkt in eine App. Der Sport rückt bei Disney+ stärker denn je in den Mittelpunkt: Gemeinsam mit ESPN startet der Konzern sein erweitertes Angebot ab sofort in 53 Ländern in Europa sowie im Asien-Pazifik-Raum. Insgesamt erreicht ESPN über Disney+ damit rund 100 Märkte weltweit – ein klarer Schritt hin zu einer […] (00)
vor 3 Stunden
bitcoin, gold, coin, icon, symbol, logo, bitcoin gold, bitcoin logo, currency, cryptocurrency
Der Bitcoin-Kurs hat sich seit über einem Monat über der Marke von $65.000 gehalten. Diese Preisstabilität wirft die Frage auf, ob der Markt eine Basis bildet oder ob ein weiterer Rückgang auf bis zu $40.000 bevorsteht, bevor eine echte Rallye beginnen kann. Eine weitere wichtige Frage ist, wie die nächste Bewegung von Bitcoin den Zeitplan für eine […] (00)
vor 43 Minuten
Metallbalgkupplung KG
Kleinwallstadt, 07.04.2026 (PresseBox) - Die Metallbalgkupplungen der KG-Baureihe, optional auch in Edelstahlausführung als Baureihe „KG-VA“ erhältlich, erfüllen hohe Anforderungen. Die Kraftübertragung erfolgt über verdrehsteife, zwei-, vier oder sechswellige Edelstahlbälge, die Kupplungen sind für Drehmomentbereiche von 5 (MKG) – 3000 Nm (KG) sowie […] (00)
vor 6 Stunden
 
Pernille Harder
München (dpa) - Die Fußballerinnen des FC Bayern München sind wie in den beiden Vorjahren ins […] (04)
Dynamo Dresden - Hertha BSC
Frankfurt/Main (dpa) - Die Deutsche Fußball Liga (DFL) und DFB-Präsident Bernd […] (08)
Eva Lys
Oeiras (dpa) - Zum Neustart nach dem Abstieg aus der Weltgruppe des Billie Jean King […] (01)
Frankfurter Börse
Frankfurt/Main - Am Dienstag hat der Dax deutlich nachgelassen. Zum Xetra- […] (01)
Gwyneth Paltrow
(BANG) - Gwyneth Paltrow soll Carolyn Bessette "verärgert" haben. Der Vorwurf ist in […] (00)
Instant-Play-Plattformen haben die Einstiegshürde komplett entfernt Das Wachstum von […] (00)
Alexander Zverev
Monte-Carlo (dpa) - Auf dem Motorroller düste Alexander Zverev zum Mini-Tennis- […] (04)
Geopolitische Spannungen und ihre Auswirkungen auf den Rentenmarkt Der deutsche […] (00)
 
 
Suchbegriff