Dutzende Tote bei Anschlag auf Pilger in Bagdad
Mindestens 45 Menschen starben, 70 weitere wurden verletzt, bestätigte ein Polizeisprecher in Bagdad. Die Attentäterin hatte sich mit einer Sprengstoffweste an einer Raststation am Nordrand der Stadt unter die Pilger gemischt, bevor sie ihre tödliche Ladung zündete.
Tausende Schiiten aus allen Landesteilen sind derzeit auf dem Weg ins 100 Kilometer südlich von Bagdad gelegene Kerbela, um an den bevorstehenden Arbain-Feierlichkeiten zum Gedenken an den Märtyrer Hussein teilzunehmen. Viele legen den Weg zu Fuß zurück. Oft sind sie tagelang unterwegs. An eigens eingerichteten Raststätten können sie Speisen und Getränke zu sich nehmen.
Da die Sicherheitsvorkehrungen bei religiösen Feiern im Irak inzwischen massiv sind, versuchen Terroristen neuerdings immer wieder, Pilger auf ihren Anfahrtswegen anzugreifen. Auch die nahende Parlamentswahl am 7. März dürfte nach Ansicht von Beobachtern Terroristen und Extremisten zu verstärkten Aktivitäten veranlassen. Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle verurteilte den Anschlag in aller Schärfe. «Dieser blutige Terror darf den Weg der Aussöhnung in Irak nicht stoppen», erklärte er in Berlin.
Das am Freitag stattfindende Arbain-Fest beendet die 40-tägige Aschura-Periode, mit der des Märtyrertodes von Hussein gedacht wird. Der von den Schiiten als Heiliger verehrte Propheten-Enkel starb 680 in einer Schlacht bei Kerbela, wo auch seine Grabmoschee steht.
Im heutigen Irak bilden die Schiiten mit rund 60 Prozent der Bevölkerung die größte Glaubensgemeinschaft im Land. Unter dem 2003 gestürzten und 2006 hingerichteten Diktator Saddam Hussein, einem Sunniten, waren Prozessionen der Schiiten verboten. Nach dem US- Einmarsch, der zu Saddams Sturz führte, wurden sie immer wieder zu Zielen von blutigen Anschlägen sunnitischer Extremisten.

