Investmentweek

Die stillen Weltmeister des Zinseszinses

28. Juli 2025, 07:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Erfahren Sie, wie Unternehmen durch gezielte Übernahmen herausragende Renditen erzielen. „Serienkäufer“ zeigen, dass Wachstumssystematik der Schlüssel zum Erfolg ist.

Wenn Kaufen zur Strategie wird

Wer in den letzten zwanzig Jahren in Apple, Amazon oder Nvidia investiert hat, liegt heute weit vorn. Doch es gibt Aktien, die sich im Schatten dieser Tech-Giganten zu wahren Renditemaschinen entwickelt haben – und das ganz ohne große Schlagzeilen. Ihr Rezept: Kaufen, was passt. Und das immer wieder. So simpel das klingt, so effektiv ist es – wenn man es konsequent durchzieht.

Serienkäufer: Was ist das überhaupt?

Serienkäufer, im angelsächsischen Raum "Serial Acquirers" genannt, sind Unternehmen, deren Geschäftsmodell auf ständigen Übernahmen beruht. Sie kaufen regelmäßig kleinere Firmen, integrieren sie – oder lassen sie bewusst unabhängig arbeiten – und schaffen so ein wachsendes Netzwerk profitabler Töchter.

Der besondere Reiz: Die Gewinne der übernommenen Firmen fließen direkt in die nächste Übernahme. Es entsteht ein Kreislauf, der sich selbst verstärkt. Wachstum durch Zukauf – multipliziert durch Zeit.

Constellation Software: 30.000 Prozent seit 2006

Einer der Stars dieser Strategie ist Constellation Software aus Kanada. Das Unternehmen kauft seit Jahren spezialisierte Softwareanbieter auf – meist klein, meist profitabel.

Quelle: Eulerpool

Über 800 Akquisitionen später steht ein Konzern, der ohne Marketing-Buzz, ohne Tech-Hype, aber mit klarer Linie fast 30.000 Prozent Kursgewinn seit dem Börsengang geschafft hat.

Brown & Brown: Der Versicherungsmakler, der nie aufhört zu kaufen

Was klingt wie eine graue Maus aus der Finanzwelt, ist in Wahrheit eine der größten Rendite-Stories der US-Börsengeschichte. Brown & Brown hat seit 1988 rund zwei Millionen Prozent zugelegt.

Das Unternehmen übernimmt regelmäßig kleine Versicherungsmakler und lässt sie im Konzernverbund effizienter arbeiten – ohne ihre Eigenständigkeit zu verlieren. Ergebnis: Mehr Umsatz, mehr Gewinn, mehr Übernahmen.

Schweden: Heimat der Zinseszinskönige

Skandinavien spielt in dieser Liga ganz vorne mit. Vor allem Schweden hat einige der erfolgreichsten Serienkäufer hervorgebracht. Vitec Software zum Beispiel hat sich mit Softwarelösungen für Nischenmärkte einen Namen gemacht – von Apotheken bis Immobilienverwaltungen. Seit 1999 ist die Aktie um über 46.000 Prozent gestiegen.

Vitec Software aus Schweden wächst mit Nischenlösungen – doch ein zu starker Fokus auf kleine Märkte birgt Klumpenrisiken bei Konjunkturschwächen.

Auch Hexagon, Spezialist für Digitalisierung und industrielle Automatisierung, setzt seit Jahren auf gezielte Übernahmen. Über 170 Zukäufe hat das Unternehmen seit 2000 gestemmt. Die Aktie liefert im Schnitt 22 Prozent jährlich.

Multiplikation statt Innovation

Diese Firmen zeigen: Es braucht nicht immer die nächste große Erfindung. Oft reicht ein kluges System. Serienkäufer denken nicht in Quartalen, sondern in Dekaden. Sie investieren in Unternehmen, die sie verstehen, die zu ihnen passen – und zu einem Preis, der stimmt.

Dabei setzen viele auf Dezentralität. Statt alles zentral zu steuern, lassen sie ihren Tochterfirmen Freiraum. Das bewahrt Unternehmergeist und sorgt dafür, dass die Integration funktioniert – ohne kulturelle Reibungsverluste.

Wachstum, das sich rechnet

Ein Beispiel für die wirtschaftliche Logik hinter dieser Strategie: Ein Unternehmen, das mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 25 bewertet wird, kauft ein Unternehmen mit einem KGV von 10.

Wenn der Gewinn des übernommenen Unternehmens in den Konzern einfließt, steigt der Gewinn pro Aktie – und der Markt honoriert das mit steigenden Kursen. Eine Art stille Arbitrage.

Alimentation Couche-Tard: Tanken, Snacks – und 423.000 Prozent Kursplus

Klingt langweilig, ist aber hochprofitabel: Der kanadische Betreiber von über 14.000 Tankstellen- und Convenience-Stores wächst seit Jahrzehnten durch Übernahmen – von Nordamerika bis Asien. Für Anleger hat sich das mehr als gelohnt: Seit 1988 liegt die Rendite bei durchschnittlich 25,4 Prozent pro Jahr.

Auch Schrauben und Pools können sexy sein

Es müssen nicht immer Software oder Tech sein. Pool Corp, weltgrößter Großhändler für Schwimmbadzubehör, erzielt rund 23 Prozent pro Jahr – seit 1995. Oder Fastenal, ein Unternehmen für Industrie-Schrauben und Verbindungstechnik. Seit 1987 im Schnitt 22,7 Prozent pro Jahr.

Amphenol, Spezialist für Steckverbindungen, ist mit über 20 großen Übernahmen ebenfalls ein klassischer Serienkäufer. Die Nachfrage nach seinen Produkten wird durch Megatrends wie Elektromobilität und 5G getragen. Ergebnis: 22 Prozent Rendite pro Jahr seit 1997.

Logistik? Auch hier gibt es Seriensieger

DSV, ein dänischer Logistikriese, ist durch Zukäufe wie Panalpina oder Agility zum Global Player aufgestiegen. Die Aktie legte seit 1995 über 85.000 Prozent zu – mit durchschnittlich 25 Prozent pro Jahr. Auch hier: Wachstum mit System, nicht mit Spekulation.

Wer zu früh geht, verpasst den Effekt

Kritiker sagen: Diese Aktien sind doch längst zu teuer. Doch das ist zu kurz gedacht. Serienkäufer wachsen regelmäßig in ihre Bewertungen hinein. Wichtig ist: Wer mitspielen will, braucht Geduld. Wer 2006 Constellation Software gekauft und 2010 wieder verkauft hat, hat das meiste verpasst.

Finanzen / Zinseszins / Serienkäufer / Aktienrendite / Unternehmensübernahmen
[InvestmentWeek] · 28.07.2025 · 07:00 Uhr
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