Demonstrationen in Frankreich: Gewerkschaften setzen neuen Premier Lecornu unter Druck
Der politische Wind in Frankreich steht erneut auf Sturm: Zehntausende Menschen zogen landesweit durch die Straßen, um gegen mögliche Sparmaßnahmen der neuen Regierung zu protestieren. Nach Informationen des Innenministeriums beteiligten sich bis zum Mittag rund 85.000 Menschen an den Demonstrationen. Die Zahlen aus der Hauptstadt Paris, die traditionell im Fokus solcher Proteste steht, waren hierbei noch nicht berücksichtigt.
Das öffentliche Leben in Frankreich war durch den Streik spürbar beeinträchtigt. In der Metropole Paris mussten einige Metro-Stationen geschlossen bleiben und einzelne Straßenbahnlinien stellten komplett den Betrieb ein. Auch der regionale Bahnverkehr litt unter den Ausständen, speziell in der südlichen Landesteilen und der grenznahen Region Grand Est. Der Streik machte auch vor dem kulturellen Erbe nicht halt: Im weltbekannten Louvre blieben mehrere Ausstellungsräume geschlossen.
Die Proteste wurden von einem breiten Zusammenschluss französischer Gewerkschaften organisiert. In einem konzertierten Vorstoß versuchen die Verbände, politischen Druck auf Frankreichs neuen Premierminister Sébastien Lecornu auszuüben, der derzeit den Haushalt für das kommende Jahr erarbeitet. Im Fadenkreuz der Kritik stehen Pläne seines Amtsvorgängers, die Kürzungen und eine Reform der Arbeitslosenversicherung umfassen. Lecornu, der Unklarheit über seine Bereitschaft zur gleichmäßigen Lastenverteilung hinterlässt, betont, die Haushaltsplanung von Grund auf neu starten zu wollen.
Frankreich zählt zu den am höchsten verschuldeten Ländern der EU, gemessen an der Wirtschaftsleistung. Mit einer Schuldenquote von 114 Prozent rangiert es hinter Griechenland und Italien. Die beachtlichen Staatsausgaben und ein Haushaltsdefizit von 5,8 Prozent führten dazu, dass die EU bereits ein Defizitverfahren gegen das Land eingeleitet hat.

