CustomCells startet neu durch – mit Fokus auf Verteidigung und Motorsport

Nach über sieben Monaten der Ungewissheit meldet sich der norddeutsche Batteriehersteller CustomCells mit einem erfolgreichen Abschluss seines Restrukturierungsprozesses zurück. Der 2012 gegründete Betrieb hat sich in der Zwischenzeit erheblich verkleinert: Die Mitarbeiterzahl wurde von 230 auf etwa 100 reduziert, bestätigte der neue CEO Benno Leuthner. Einer der Einschnitte war die Schließung des Standorts in Tübingen, der in erster Linie zur Versorgung des Elektroflugzeugbauers Lilium gedient hatte. Diese Schließung war notwendig geworden, nachdem Lilium seine Rechnungen in zweistelliger Millionenhöhe nicht beglichen hatte.
Trotz dieser Herausforderungen bleibt der Produktionsstandort in Itzehoe erhalten, wo CustomCells weiterhin Lithium-Ionen-Batteriezellen herstellt. Die künftige Ausrichtung soll vor allem die Bereiche Verteidigung und Motorsport abdecken, wie Leuthner erläuterte. Selbst während der Insolvenz war die Produktionskapazität in Itzehoe voll ausgelastet, was die Fortführung des Geschäfts begünstigte.
Der globale Batteriemarkt befindet sich im Aufwind. Laut Einschätzungen der Internationalen Energieagentur soll der Marktwert bis 2024 etwa 130 Milliarden US-Dollar betragen. Zudem plant die EU, bis 2030 rund 90 Prozent des Bedarfs aus heimischer Produktion zu decken.
Im Bereich Verteidigung sind die Batterien von CustomCells vor allem für Drohnen gefragt, berichtete Produktvorstand Andreas Löhrke. Im Motorsport finden sie Anwendung in Rennwagen. Konkrete Kundennamen wurden jedoch nicht genannt, da Vertraulichkeit oberste Priorität hat. Besonders im Verteidigungssektor punkten die weitgehend unabhängig von China gestalteten Lieferketten von CustomCells, obgleich Rohstoffe wie Graphit nach wie vor aus China bezogen werden müssen.
Ein Konsortium aus Family-Offices, angeführt von Abacon und Salvia, hat unlängst finanzielle Mittel bereitgestellt, um CustomCells während der Umstrukturierung zu unterstützen. Technologievorstand Jan Diekmann zeigte sich zuversichtlich: „Wir sind finanziell so aufgestellt, dass wir notwendige Schritte zur Entwicklung und Industrialisierung für unsere Kunden und Zielmärkte umsetzen und profitabel werden können.“

