Bundeswehr verlässt Zentralirak - Auch Nato zieht Truppen ab

07. Januar 2020, 22:15 Uhr · Quelle: dpa

Washington/Bagdad/Kerman/Berlin (dpa) - Die Bundeswehr hat ihre im Zentralirak eingesetzten Soldaten wegen der Spannungen in dem Land abgezogen.

Die zuletzt 32 Männer und Frauen im Militärkomplex Tadschi seien am Dienstag mit einem Transportflugzeug A400M zur Luftwaffenbasis Al-Asrak in Jordanien gebracht worden, teilte die Bundeswehr mit. Zudem wurden bereits am Vortag drei deutsche Soldaten zusammen mit Offizieren anderer Nationen aus dem Hauptquartier in Bagdad nach Kuwait geflogen.

Zuvor hatten Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) und Außenminister Heiko Maas (SPD) an die Obleute im Verteidigungs- und im Auswärtigen Ausschuss des Bundestags geschrieben, dass vor allem die Standort Bagdad und Tadschi «vorübergehend ausgedünnt» würden. Das Schreiben liegt der Deutschen Presse-Agentur vor.

Nach der Bundeswehr entschied sich wegen der Spannungen im Nahen Osten auch die Nato dazu, einen Teil ihrer Soldaten aus dem Irak abzuziehen. Das bestätigte ein Sprecher des Militärbündnisses am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur in Brüssel.

Die Nato habe sich zum Schutz der Soldaten entschlossen, einen Teil des Personals an andere Orte im Irak oder außerhalb des Landes, sagte der Sprecher. Man sei bereit, die Ausbildungsmission wieder aufzunehmen, wenn es die Lage vor Ort zulasse. Zuvor hatte der «Spiegel» darüber berichtet.

Angesichts der aktuellen Lage in der Region hatte die Nato bereits am Wochenende entschieden, die tägliche Ausbildungsarbeit zunächst auszusetzen. Die Mission laufe aber grundsätzlich weiter, hatte ein Sprecher betont.

Auch ein Teil des kroatischen Kontingents der Nato-Mission wurde von Bagdad nach Kuwait verlegt, wie das Verteidigungsministerium in Zagreb mitteilte. Dies betreffe 14 Soldaten. 7 weitere hätten ihre Mission abgeschlossen und seien zurück in die Heimat geflogen worden.

Das US-Militär hegt trotz der Forderung des irakischen Parlaments nach einem Truppenabzug aller ausländischen Streitkräfte nach eigenen Angaben keine entsprechenden Pläne. «Die US-Politik in Bezug auf unsere Truppenpräsenz im Irak hat sich nicht verändert», erklärte Pentagon-Sprecherin Alyssa Farah am Montagabend (Ortszeit).

Damit trat sie dem - durch einen Brief an das irakische Verteidigungsministerium entstandenen - Eindruck entgegen, das Militär habe Vorbereitungen für einen Abzug der US-Soldaten angekündigt. Generalstabschef Mark Milley bezeichnete den Brief später als Entwurf, der versehentlich publik geworden sei.

Die USA haben derzeit rund 5000 Soldaten im Irak stationiert, vor allem als Teil des internationalen Militärbündnisses für den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Das Parlament in Bagdad hat die irakische Regierung aufgefordert, alle ausländischen Truppen des Landes zu verweisen. Auch den irakischen Luftraum sollen ausländische Truppen künftig nicht mehr nutzen dürfen. Der Beschluss vom Sonntag war durch den tödlichen US-Luftangriff auf den iranischen Top-General Ghassem Soleimani in Bagdad ausgelöst worden.

Soleimani war als Chef der iranischen Al-Kuds-Einheiten der wichtigste Vertreter der Streitkräfte des Irans im Ausland und galt als Architekt der Militärstrategie Teherans im Nahen Osten. Der Iran hat im Irak großen Einfluss, stützt sich in militärischen Fragen aber vor allem auf örtliche schiitische Milizen.

Sollte es tatsächlich zu einem Abzug ausländischer Soldaten aus dem Irak kommen, wäre das ein großer Erfolg für Teheran. US-Präsident Donald Trump drohte dem Irak mit drastischen Sanktionen, falls das Land die US-Bedingungen für einen Abzug nicht akzeptieren würde. Trump forderte etwa die Rückerstattung von Kosten für von der US-Regierung finanzierte Infrastruktur im Irak.

Das Pentagon distanzierte sich von der Drohung Trumps, im Falle iranischer Angriffe auf US-Ziele auch bedeutende Kulturstätten im Iran zu attackieren. «Wir werden die Gesetze des bewaffneten Konflikts befolgen», hieß es bei einer gemeinsamen Pressekonferenz von Verteidigungsminister Mark Esper und Generalstabschef Mark Milley am Montag (Ortszeit). Trump hatte am Samstag mit Angriffen auf Dutzende iranische Ziele gedroht, darunter auch kulturell bedeutende Orte. Diese Drohung sorgte im In- und Ausland für Entrüstung.

Außenminister Maas und Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer bekräftigen in ihrem Schreiben, dass mit der irakischen Regierung weiter Gespräche über eine Fortsetzung des Einsatzes geführt würden. «Selbstverständlich werden wir jede souveräne Entscheidung der irakischen Regierung respektieren», heißt es dort. «Wir sind grundsätzlich bereit, unsere bewährte Unterstützung in einem international koordinierten Rahmen weiterzuführen, sofern dies durch den Irak gewünscht ist und die Lage es erlaubt.»

Die Bundeswehr unterstützt den Kampf gegen den IS mit Tornado-Aufklärungsjets und Tankflugzeugen sowie mit Militärausbildern im Irak. Die Flüge über dem Irak und Syrien finden nach wie vor statt.

Angesichts der Forderung des irakischen Parlaments stellte der Wehrbeauftragte des Bundestags den gesamten Bundeswehreinsatz in dem Krisenland infrage. Eine Entscheidung der Führung in Bagdad müsse akzeptiert werden, sagte der SPD-Politiker Hans-Peter Bartels der «Passauer Neuen Presse» (Dienstag). Außenminister Maas sagte am Montagabend im ZDF-«Heute Journal», es gebe kein Mitglied der Anti-IS-Koalition, das «im Irak bleiben wird, wenn man dort nicht erwünscht ist». Letztlich entscheiden müsse dies die Regierung in Bagdad.

Der Iran hat Vergeltung für die Tötung Soleimanis angekündigt. Das iranische Parlament erhöhte das Budget der Revolutionsgarden (IRGC) bis zum Ende des persischen Jahres (20. März 2020) um 200 Millionen Euro. Das gab Parlamentspräsident Ali Laridschani am Dienstag bekannt. Die Erhöhung stehe im Zusammenhang mit der Umsetzung des Plans der «harten Rache».

Irans berühmt-berüchtigtes Gesicht im Ausland

Trumps heikler Auftakt ins Wahljahr

Internationaler Militär-Einsatz im Irak

Warten auf Teherans Racheakt

Abzug nach Jordanien: Bundeswehr zieht im Irak Konsequenzen

Konflikte / Militär / Heiko Maas / Donald Trump / Pentagon / Bundeswehr / Truppenabzug / USA / Irak / Deutschland / Jordanien
07.01.2020 · 22:15 Uhr
[13 Kommentare]
Mario Adorf (Archiv)
Berlin - Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat zum Tod von Schauspieler Mario Adorf kondoliert. Steinmeier würdigte Adorf am Donnerstag als "einen der bedeutendsten deutschen Schauspieler", der das kulturelle Leben weit über die Landesgrenzen hinaus bereichert habe. Adorf sei sowohl im deutschen Autorenfilm als auch im internationalen Kino zu […] (00)
vor 19 Minuten
Britney Spears und Madonna bei den VMAs 2003
(BANG) - Madonna soll sehr daran interessiert sein, Britney Spears für ihr neues Album zu gewinnen. Die "Queen of Pop" hat eine besondere Verbindung zu der 'Toxic'-Interpretin, nachdem sie 2003 bei den MTV VMAs einen berüchtigten Kuss teilten. Im selben Jahr arbeiteten sie auch gemeinsam an Britneys Hit 'Me Against the Music'. Madonna arbeitet derzeit […] (00)
vor 1 Stunde
Schauspieler Mario Adorf
Paris/München (dpa) - Bösewichte und Patriarchen spielte Mario Adorf oft und gern: Die einen lieben ihn für seinen Auftritt als protziger Fabrikant in der Kultserie «Kir Royal», andere kennen ihn als den Schurken Santer aus den Karl-May-Filmen. Mario Adorf hat schier unzählige Rollen gespielt, am Theater, im Fernsehen und im Kino. Am Mittwoch ist die […] (01)
vor 2 Stunden
DayZ: Bohemia Interactive liefert das bisher größte technische Update 1.29
Das Überleben in der apokalyptischen Welt von DayZ war selten so flüssig, so atmosphärisch und so klar wie jetzt. Bohemia Interactive hat mit Update 1.29 ein Paket geschnürt, das weit über das hinausgeht, was ursprünglich geplant war – und das auf allen Plattformen gleichzeitig. Was genau drinsteckt und warum sich selbst erfahrene Überlebende freuen […] (00)
vor 21 Minuten
KiKA startet neues Smart-TV-Angebot für Kinder
Mit einer überarbeiteten Plattform auf Basis des gemeinsamen StreamingOS von ARD und ZDF baut KiKA sein digitales Angebot weiter aus. Der Kinderkanal von ARD und ZDF treibt seine Streaming-Strategie voran: KiKA hat ein vollständig überarbeitetes Smart-TV- und HbbTV-Angebot gestartet. Die neue Anwendung setzt auf eine modernisierte Nutzerführung, die sich gezielt an den Sehgewohnheiten von […] (00)
vor 3 Stunden
Ella Seidel
Oeiras (dpa) - Den deutschen Tennis-Frauen droht beim Billie Jean King Cup der nächste Abstieg. Das Team von Cheftrainer Torben Beltz verlor in Oeiras nahe Lissabon auch das zweite Spiel gegen Schweden mit 1: 2. Schon das Auftaktduell gegen die gastgebenden Portugiesinnen hatte die DTB-Auswahl mit 1: 2 verloren. Der Traum von der schnellen Rückkehr in […] (00)
vor 33 Minuten
kostenloses stock foto zu banknoten, bargeldlose gesellschaft, berlin
Am 9. April gab es keine Kryptowährung unter den Top 100, die einen zweistelligen Kursverlust verzeichnete. Anders sieht es jedoch bei einigen weniger bekannten Altcoins aus, deren Kurse nach einer Ankündigung der weltweit größten Kryptobörse stark eingebrochen sind. Der Binance-Effekt Binance überprüft regelmäßig die auf seiner Plattform gelisteten […] (00)
vor 59 Minuten
Research: Analysten betrachten Formation Metals als stark unterbewertet
Hamburg, 09.04.2026 (PresseBox) - Die Analysten von Argentum Research haben die Aktie des kanadischen Goldexplorers Formation Metals ( WKN A3D492 / CSE FOMO ) unter Beobachtung genommen und sehen eine starke Unterbewertung des Unternehmens. Sie vergeben deshalb das Rating „Sector Outperform“ und ein Kursziel auf Sicht eines Jahres von 0,70 CAD. Vom […] (00)
vor 1 Stunde
 
Fahne von Russland (Archiv)
Moskau - Die Menschenrechtsorganisation Memorial ist in Russland offiziell als […] (00)
Aral-Tankstelle (Archiv)
Bonn - Nach dem Sinken des Rohölpreises infolge des Waffenstillstands zwischen den […] (03)
Irans neuer Führer Modschtaba Chamenei schwer verletzt – außer Gefecht, nicht bei Bewusstsein
Nach einem Bericht der britischen Zeitung „The Times" ist Irans neuer Oberster Führer […] (02)
Wärmepumpe (Archiv)
Berlin - Wenn Hauseigentümer ihren Gasanschluss abklemmen lassen wollen, um auf eine […] (03)
Rückgang der Ölpreise und seine Auswirkungen Der jüngste Rückgang der Öl- und […] (00)
Stephen Colbert hält sich mit einem 'eisernen Griff' an 'The Late Show' fest.
(BANG) - Stephen Colbert hält sich mit einem "eisernen Griff" an 'The Late Show' […] (01)
Ella Seidel
Oeiras (dpa) - Die deutschen Tennis-Frauen haben beim Billie Jean King Cup einen […] (01)
Xbox Game Pass April 2026: Alle neuen Spiele, Termine und Abgänge
Der April wird für viele Gamer richtig spannend. Microsoft zündet im Xbox Game Pass […] (00)
 
 
Suchbegriff