Blick auf ein ungeahnt gefragtes Diebesgut: Altspeisefette
In der deutschen Entsorgungswirtschaft sorgt eine ungewöhnliche Diebstahlserie für erhebliche Unruhe. Immer mehr kriminelle Banden haben es auf ein eher unerwartetes Gut abgesehen: gebrauchte Speisefette und Öle, die normalerweise diskret auf den Hinterhöfen von Restaurants in speziellen Behältern gelagert werden. Diese alten Fette spielen eine zentrale Rolle in der Produktion von Biodiesel und haben daher einen realen Wert, der sie zu einem lukrativen Ziel macht.
Der Bundesverband der Deutschen Entsorgungswirtschaft (BDE) schlägt Alarm, denn der finanzielle Schaden für die Branche summiert sich auf mehrere Millionen Euro. Im Jahr 2023 sind bisher über 7.000 Fälle registriert worden, doch die Verurteilung der Täter bleibt selten. Nur wenige Verfahren führen zu einer Verurteilung, da sie häufig als Bagatelldelikte abgetan oder frühzeitig eingestellt werden.
Das Ausmaß des Problems wird besonders deutlich, wenn man die Organisation hinter diesen Diebstählen betrachtet: arbeitsteilig vorgehende Gruppen, die das gestohlene Fett oft über inoffizielle Kanäle, vor allem in Richtung Niederlande, gegen Bargeld weiterverkaufen. Altspeisefett ist ein gefragter Sekundärrohstoff, und allein in Deutschland entstehen jährlich etwa 120.000 Tonnen dieses Produkts, das strengen Zertifizierungspflichten unterliegt.
Für die Gastronomiebetriebe und ihre Entsorgungsunternehmen bedeutet dieser illegale Handel vor allem eins: finanzieller Verlust. Da Restaurants ihr gebrauchtes Fett in der Regel an Recyclingfirmen verkaufen, die es weiter an Raffinerien liefern, sind die Einkommensverluste erheblich. Ein Pfälzer Unternehmer berichtete von täglichen Diebstählen und einem Schaden von rund 40.000 Euro allein in diesem Jahr.
In Hockenheim gelang es der Polizei kürzlich, zwei mutmaßliche Täter in flagranti zu stellen. Ihre Beute - zwölf Fässer Altfett - weckt Hoffnung auf einen Lichtblick im trüben Umfeld der Ermittlungen.

