BIP stärker gesunken als gedacht

22. August 2025, 08:12 Uhr · Quelle: dts Nachrichtenagentur
Das Bruttoinlandsprodukt sank im zweiten Quartal 2025 um 0,3 Prozent. Welche Faktoren beeinflussten die Wirtschaftsleistung? (45 Wörter)

Wiesbaden - Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im 2. Quartal 2025 gegenüber dem 1. Quartal 2025 - preis-, saison- und kalenderbereinigt - um 0,3 Prozent gesunken.

Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Freitag mitteilte, fiel der Rückgang der Wirtschaftsleistung damit um 0,2 Prozentpunkte stärker aus als zunächst geschätzt. Vor allem die Industrieproduktion entwickelte sich schlechter als zunächst angenommen. Im 1. Quartal 2025 war das BIP noch um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal gestiegen, im 4. Quartal 2024 um 0,2 Prozent.

Anhand der neu verfügbaren Daten entwickelte sich insbesondere die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe und im Baugewerbe im Juni 2025 schlechter als erwartet. Zusätzlich wurde der private Konsum für das 2. Quartal 2025 aufgrund neu vorliegender Informationen zu den Dienstleistungsbereichen wie beispielsweise der Monatsstatistik im Gastgewerbe für Juni 2025 nach unten revidiert. Zusammengenommen hatten die zwischen der BIP-Schnellmeldung und dem neuen Berechnungsstand eintreffenden Konjunkturindikatoren eine Verschlechterung des wirtschaftlichen Gesamtbilds im 2. Quartal 2025 zur Folge.

Die Konsumausgaben insgesamt nahmen im 2. Quartal 2025 preis-, saison- und kalenderbereinigt gegenüber dem 1. Quartal 2025 um 0,3 Prozent zu. Darunter verzeichnete der private Konsum nur einen geringen Zuwachs von 0,1 Prozent, der damit schwächer ausfiel als in der BIP-Schnellmeldung angenommen. Die Konsumausgaben des Staates nahmen um 0,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal zu.

Die Bruttoanlageinvestitionen gingen im 2. Quartal 2025 preis-, saison- und kalenderbereinigt deutlich zurück (-1,4 Prozent), nachdem sie zu Jahresanfang noch leicht gestiegen waren. Die Investitionen in Ausrüstungen - also vor allem in Maschinen, Geräte und Fahrzeuge - sanken um 1,9 Prozent. Die Investitionen in Bauten nahmen sogar noch etwas stärker um 2,1 Prozent ab.

Auch vom Außenhandel blieben positive Impulse aus: Exportiert wurden im 2. Quartal 2025 preis-, saison- und kalenderbereinigt insgesamt 0,1 Prozent weniger Waren und Dienstleistungen als im 1. Quartal 2025. Der Grund hierfür waren rückläufige Warenexporte (-0,6 Prozent), während die Dienstleistungsexporte um 1,4 Prozent wuchsen. Die Importe von Waren und Dienstleistungen stiegen im Vorquartalsvergleich erneut deutlich um insgesamt 1,6 Prozent.

Die preis-, saison- und kalenderbereinigte Bruttowertschöpfung war im 2. Quartal 2025 insgesamt um 0,2 Prozent niedriger als im 1. Quartal 2025. Einen stärkeren Rückgang als in der BIP-Schnellmeldung angenommen verzeichnete das Baugewerbe mit -3,7 Prozent, nachdem der Jahresauftakt aufgrund guter Witterungsbedingungen noch positiv ausgefallen war. Nach dem deutlichen Anstieg im 1. Quartal 2025 musste auch das Verarbeitende Gewerbe im 2. Quartal 2025 einen Rückschlag hinnehmen. Die Wirtschaftsleistung sank um 0,3 Prozent zum Vorquartal und war damit ebenfalls schlechter als bei den ersten vorläufigen Ergebnissen vom 30. Juli 2025 angenommen. Dabei ging die Produktion in nahezu allen Bereichen des Verarbeitenden Gewerbes zurück. Lediglich bei der Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen sowie im Sonstigen Fahrzeugbau konnten gegenüber dem Vorquartal leichte Zuwächse verzeichnet werden. Während die Wertschöpfung im Bereich Handel, Verkehr, Gastgewerbe mit -0,6 Prozent ebenfalls sank, blieb sie bei den öffentlichen Dienstleistern, Erziehung, Gesundheit (+0,1 Prozent) sowie den sonstigen Dienstleistern (0,0 Prozent) nahezu unverändert. Dagegen konnten der Bereich Information und Kommunikation und die Unternehmensdienstleister ihre wirtschaftliche Leistung im 2. Quartal 2025 jeweils um 0,5 Prozent steigern.

Im Vorjahresvergleich war das BIP im 2. Quartal 2025 preisbereinigt um 0,2 Prozent niedriger als im 2. Quartal 2024, wobei im 2. Quartal 2025 ein Arbeitstag weniger zur Verfügung stand. Preis- und kalenderbereinigt nahm die Wirtschaftsleistung daher gegenüber dem Vorjahresquartal um 0,2 Prozent zu.

Im 2. Quartal 2025 setzte sich der Rückgang des Investitionsvolumens im Vorjahresvergleich fort, es sank preisbereinigt um 1,9 Prozent. Die Ausrüstungsinvestitionen gingen deutlich um 3,9 Prozent gegenüber dem 2. Quartal 2024 zurück, was unter anderem auf einen Rückgang der gewerblichen Kraftfahrzeug-Zulassungen zurückzuführen war. Begleitet von einer weiterhin überdurchschnittlichen Preisentwicklung im Baugewerbe sanken die preisbereinigten Bauinvestitionen um 2,9 Prozent.

Einen Anstieg zum Vorjahresquartal verzeichneten dagegen die Konsumausgaben, die preisbereinigt um 1,5 Prozent zunahmen. Darunter stiegen die privaten Konsumausgaben um 1,2 Prozent, wobei die preisbereinigten Ausgaben für Güter, wie zum Beispiel für Nahrungsmittel und Getränke, im Vergleich zum 2. Quartal 2024 besonders stark zulegten. Die preisbereinigten Konsumausgaben der privaten Haushalte für Dienstleistungen, wie beispielsweise Gastronomie- und Beherbergungsdienstleistungen, wiesen hingegen nur ein kleines Plus auf. Auch die Konsumausgaben des Staates nahmen mit +2,1 Prozent zum Vorjahresquartal zu. Grund hierfür waren insbesondere höhere soziale Sachleistungen in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung.

Der Handel mit dem Ausland entwickelte sich im 2. Quartal 2025 weiterhin zweigeteilt: Die preisbereinigten Exporte sanken deutlich um 2,4 Prozent zum Vorjahresquartal. Dabei standen deutliche Rückgänge der Warenexporte (-3,6 Prozent) einem Anstieg der Dienstleistungsexporte (+1,8 Prozent) gegenüber. Die negative Entwicklung der Warenexporte war unter anderem auf geringere Ausfuhren von Maschinen, chemischen Erzeugnissen sowie Kraftfahrzeugen und Kraftfahrzeugteilen zurückzuführen. Die Importe von Waren und Dienstleistungen legten dagegen mit +3,3 Prozent kräftig im Vergleich mit dem Vorjahresquartal zu. Dabei wurden sowohl mehr Waren (+4,7 Prozent) als auch mehr Dienstleistungen (+0,3 Prozent) eingeführt als noch ein Jahr zuvor. Ursächlich für den Anstieg der Warenimporte waren vor allem höhere Einfuhren von Nahrungsmitteln, Metallen, elektrischen Ausrüstungen sowie von Maschinen.

Insgesamt lag die preisbereinigte Bruttowertschöpfung im 2. Quartal 2025 um 0,7 Prozent unter dem Niveau des 2. Quartals 2024. Dabei setzte sich die Abwärtsdynamik im Verarbeitenden Gewerbe und im Bau weiter fort: Das Baugewerbe musste mit -6,9 Prozent den deutlichsten Rückgang der Wertschöpfung hinnehmen. Dort sank die Wirtschaftsleistung in allen drei Unterbereichen, im Ausbaugewerbe aber besonders stark. Im Verarbeitenden Gewerbe lag die Bruttowertschöpfung 2,2 Prozent unter dem Vorjahreswert.

In den Dienstleistungsbereichen stagnierte die Wirtschaftsleistung insgesamt (0,0 Prozent). Insbesondere in den zusammengefassten Bereichen öffentliche Dienstleister, Erziehung und Gesundheit (+1,2 Prozent) sowie Handel, Verkehr, Gastgewerbe (+0,4 Prozent) erhöhte sich die preisbereinigte Bruttowertschöpfung im 2. Quartal 2025. Dagegen sank die wirtschaftliche Leistung der Unternehmensdienstleister um 1,2 Prozent, die der sonstigen Dienstleister um 0,5 Prozent zum Vorjahresquartal.

Die Wirtschaftsleistung wurde im 2. Quartal 2025 von rund 46,0 Millionen Erwerbstätigen mit Arbeitsort in Deutschland erbracht. Das waren 10.000 Personen (0,0 Prozent) mehr als im 2. Quartal 2024. Weiter anhaltende Rückgänge im Verarbeitenden Gewerbe und im Baugewerbe standen dabei einem Anstieg im Dienstleistungsbereich gegenüber.

Im Durchschnitt wurden je Erwerbstätigen weniger Arbeitsstunden geleistet als im 2. Quartal 2024 (-0,5 Prozent). Das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen - also das Produkt aus der gestiegenen Erwerbstätigenzahl und den geleisteten Stunden je erwerbstätiger Person - sank im gleichen Zeitraum ebenfalls um 0,5 Prozent. Das ergaben vorläufige Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit.

Die gesamtwirtschaftliche Arbeitsproduktivität - gemessen als preisbereinigtes BIP je Erwerbstätigenstunde - nahm nach vorläufigen Berechnungen gegenüber dem 2. Quartal 2024 um 0,3 Prozent zu. Je Erwerbstätigen sank sie dagegen um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal.

In jeweiligen Preisen war das BIP im 2. Quartal 2025 um 2,7 Prozent und das Bruttonationaleinkommen um 3,1 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Das Volkseinkommen war um 2,7 Prozent höher als im 2. Quartal 2024. Dabei stieg nach vorläufigen Berechnungen das Arbeitnehmerentgelt insgesamt um 4,8 Prozent. Die Unternehmens- und Vermögenseinkommen sanken hingegen um 3,5 Prozent. Je Arbeitnehmerin und Arbeitnehmer stiegen die durchschnittlichen Bruttolöhne und -gehälter im 2. Quartal 2025 um 4,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Netto erhöhten sich die Durchschnittsverdienste mit +3,6 Prozent aufgrund stark gestiegener Sozialbeiträge der Arbeitnehmer weniger deutlich.

Da der Konsum der privaten Haushalte im Vorjahresvergleich stärker zulegte (+3,7 Prozent) als ihr gesamtwirtschaftliches Einkommen (+2,5 Prozent), reduzierte sich die Sparquote auf 9,7 Prozent. Im 2. Quartal 2024 hatte sie bei 10,8 Prozent gelegen.

In den anderen großen Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) sowie in der EU insgesamt entwickelte sich die Wirtschaft im 2. Quartal 2025 besser als in Deutschland. Das preis-, saison- und kalenderbereinigte BIP stieg in Spanien mit +0,7 Prozent am deutlichsten und nahm auch in Frankreich (+0,3 Prozent) sowie in der EU insgesamt (+0,2 Prozent) gegenüber dem Vorquartal zu. In Italien dagegen sank die Wirtschaftsleistung mit -0,1 Prozent weniger stark als in Deutschland. In den Vereinigten Staaten (USA) fiel das BIP im Vergleich mit dem 1. Quartal 2025 um 0,7 Prozent höher aus.

Im preis-, saison- und kalenderbereinigten Vorjahresvergleich nahm die Wirtschaftsleistung in Deutschland leicht um 0,2 Prozent zu, während sie in der EU insgesamt deutlich um 1,5 Prozent anstieg, so die Statistiker.

Wirtschaft / Deutschland / Industrie / Wirtschaftskrise
22.08.2025 · 08:12 Uhr
[0 Kommentare]
Epstein-Skandal - Peter Mandelson festgenommen
London (dpa) - Im Zusammenhang mit dem Epstein-Skandal ist der frühere britische US-Botschafter Peter Mandelson festgenommen worden. Das berichtete die britische Nachrichtenagentur PA unter Berufung auf Scotland Yard. Der Verdacht lautet demnach auf Fehlverhalten im öffentlichen Amt. Mandelson war wegen seiner engen Beziehung zum inzwischen verstorbenen […] (03)
vor 20 Minuten
Radiohead scheinen neue Projekte in Arbeit zu haben.
(BANG) - Radiohead scheinen neue Projekte in Arbeit zu haben. Fans sind in Aufruhr, nachdem alle fünf Mitglieder der legendären Band offiziell als Direktoren eines neu gegründeten Unternehmens aufgeführt wurden, das den vielsagenden Namen 'Futile Endeavours Limited' trägt. Wie aus Einträgen im britischen Handelsregister hervorgeht, wurden Thom Yorke, […] (00)
vor 4 Stunden
Apple plant Ankündigung fünf neuer Produkte nächste Woche
Der Bloomberg-Redakteur Mark Gurman berichtet in der aktuellen Ausgabe seines „Power On“-Newsletters, dass Apple in der kommenden Woche mindestens fünf neue Produkte vorstellen wird. Vom 2. bis zum 4. März 2026 dürfen sich Apple-Fans auf eine spannende, dreitägige Produktankündigung freuen. iPhone, Bild: pixabay 5 neue Apple Produkte im […] (00)
vor 4 Stunden
Sudden Strike 5 findet seinen Weg zum Steam Next Fest
Publisher  Kalypso Media  und Entwickler  Kite Games  geben bekannt, dass das im Zweiten Weltkrieg angesiedelte Echtzeitstrategie-Spiel  Sudden Strike 5  mit einer  spielbaren Demo  beim  Steam Next Fest  vertreten ist. Die Demo zum neuesten Teil der legendären Sudden-Strike-Reihe ist ab heute bis einschließlich 2. März verfügbar. Nach einer […] (00)
vor 2 Stunden
National Geographic WILD zeigt «Die geheimnisvolle Welt der Bienen»
Die neue Doku-Serie von James Cameron feiert Anfang April TV- und Streaming-Premiere. National Geographic WILD präsentiert mit Die geheimnisvolle Welt der Bienen den nächsten Teil der Emmy-prämierten Reihe «Die geheimnisvolle Welt der …». Produziert wurde die zweiteilige Dokumentation von Oscar-Preisträger James Cameron. Die deutsche TV-Premiere erfolgt am Sonntag, 5. April 2026, um 22: 00 […] (00)
vor 6 Stunden
dpa Chefredaktionskonferenz
Berlin (dpa) - Für Rudi Völler ist die schwelende Debatte um einen Boykott der Fußball-WM in den USA «sinnlos». Bei der dpa-Chefredaktionskonferenz in Berlin sagte der Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bunds zu dem Thema: «Es ist sinnlos, das zu diskutieren. Es bringt nichts und du schadest nur den Athleten.» Völler verwies auf seine Erfahrungen als […] (01)
vor 2 Stunden
PayPal am Abgrund: CEO-Rauswurf nach Kurs-Debakel – Ist das der Todesstoß?
Die Ära von Alex Chriss bei PayPal endet nicht mit einem Paukenschlag, sondern mit einem operativen Offenbarungseid. Nur zweieinhalb Jahre durfte der Hoffnungsträger am Ruder bleiben, bevor das Board die Reißleine zog. Es ist ein Akt der Verzweiflung in einem Moment, in dem der Payment-Gigant so verletzlich wirkt wie nie zuvor. Ein Kursverlust von fast […] (00)
vor 1 Stunde
Zwischen Stich und Linie – Achtsames Zeichnen in der Ausstellung mit Anne Nilges
Mainz, 23.02.2026 (lifePR) - Auf einem großen Blatt Papier entstehen spontan Linien, Punkte und Formen, die deinen Atem, deine Aufmerksamkeit und deine Stimmung sichtbar machen. Du wählst Stifte nach Lust und Laune, kombinierst Farben und Größen, lässt deine Hand frei über das Papier fließen – und am Ende kannst du als kleine Erinnerung einen Ausschnitt […] (00)
vor 3 Stunden
 
Weiße Haus
Washington/Brüssel (dpa) - Nach der jüngsten Zoll-Entscheidung des Obersten US- […] (02)
Protest gegen AfD-Treffen
Düsseldorf (dpa) - Nach Protesten am Wochenende sind am Abend in Nordrhein-Westfalen […] (05)
Bundeswehr-Soldat (Archiv)
Berlin - Das "Spock"-Radarsatellitensystem der Bundeswehr wird bereits vor dem Start […] (00)
Britische Polizei (Archiv)
London - Peter Mandelson, der ehemalige britische Wirtschaftsminister und Botschafter […] (00)
Oklahoma City Thunder - Cleveland Cavaliers
Oklahoma City (dpa) - Welt- und Europameister Dennis Schröder hat in der […] (01)
Soziale Netzwerke auf dem Smartphone
Berlin (dpa) - Die Grünen stellen sich hinter das von der CDU angestrebte Social- […] (00)
kostenloses stock foto zu aktienmarkt, bargeldlos, berlin
Der Kurs von Ripple (XRP) hat sich in den letzten Tagen dem allgemeinen Markttrend […] (00)
Pokémon GO führt Super Mega Raids ein, neue Währung spaltet die Gemeinschaft
Pokémon GO hat in seiner langen Geschichte schon so einige Neuerungen gebracht, die […] (00)
 
 
Suchbegriff