Beruf oder Berufung? Warum viele Ärzte weit über das Rentenalter hinaus arbeiten wollen

30. Oktober 2025, 09:12 Uhr · Quelle: klamm.de
Mit 70 noch im Kittel: Neuer Medscape-Report zeigt auf, warum viele Ärzte ihren Beruf nicht aufgeben wollen

Früher Ruhestand? Für viele Medizinerinnen und Mediziner ist das kein Thema. Laut aktuellem Medscape-Report denken nur 3% an ein Karriereende in ihren 50ern. Mehr als ein Drittel plant den Ausstieg erst in den späten 60ern. 21% möchten sogar bis in die 70er ärztlich tätig bleiben, 4% darüber hinaus. Besonders niedergelassene Ärztinnen und Ärzte zeigen sich entschlossen, lange beruflich tätig zu bleiben: 25% von ihnen planen, bis in die 70er weiterzuarbeiten.

Die Beweggründe sind vielschichtig: 59% der Befragten sehen ihre berufliche Rolle als festen Bestandteil der eigenen Identität, 42% sprechen von echter Leidenschaft. Weitere 27% möchten ihre Patientinnen und Patienten weiterhin versorgen und 16% sehen kein anderes Tätigkeitsfeld als ähnlich erfüllend an. Der Arztberuf wird dabei nicht nur als Profession, sondern als Lebensform verstanden. Weitere Einblicke in Planungen, Hoffnungen und Sorgen, die Medizinerinnen und Mediziner zum Thema Ruhestand bewegen, liefert die aktuelle Medscape-Umfrage.

Bei den Planungen für den Ruhestand spielen neben der starken Identifikation mit dem Arztberuf auch wirtschaftliche Faktoren unter Medizinern eine wichtige Rolle: 34% der Befragten geben an, nicht ausreichend vorgesorgt zu haben, um früher in den Ruhestand zu gehen. Auffällig ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern: Während 41% der Ärztinnen finanzielle Gründe für den späten Renteneintritt nennen, tun dies nur 29% der Ärzte.

Der Hintergrund könnten unterbrochene Erwerbsbiografien durch Teilzeit oder Familienarbeit sein – auch wenn dies in der Umfrage nicht vertieft wurde. Im Schnitt veranschlagen die Befragten 2.874 Euro netto pro Monat als Zielsumme für ein finanziell sorgenfreies Leben nach dem Beruf. Männer kalkulieren mit 3.314 Euro deutlich höher als Frauen mit 2.004 Euro. Im Durchschnitt erwarten die Befragten, dass 58% ihrer Altersbezüge aus der Ärzteversorgung kommen, 17% aus Ersparnissen und 6% aus staatlichen Leistungen. Weitere 8% speisen sich aus individuellen Einkommensquellen – etwa Vermietung, Nebentätigkeiten oder Kapitalanlagen.

Für viele ist klar: Der Abschied von der ärztlichen Tätigkeit bedeutet nicht nur das Ende des Berufslebens, sondern auch einen tiefgreifenden Wandel im Selbstverständnis. Fast die Hälfte der Befragten rechnet damit, mit dem Ausscheiden aus dem Beruf einen Teil der eigenen Identität zu verlieren.

Dennoch fühlt sich eine große Mehrheit der Befragten (80%) sehr zuversichtlich oder zumindest zuversichtlich, auch nach dem Ausstieg aus der aktiven Medizin ein erfülltes Leben zu führen. Die Verbundenheit zur Medizin bleibt dabei bei vielen Ärztinnen und Ärzten bestehen: So planen 73%, sich weiterhin über medizinische Entwicklungen auf dem Laufenden zu halten.

Zwischen Vorfreude und Abschiedsschmerz

Neben finanziellen Aspekten spielen emotionale Erwartungen eine zentrale Rolle. 26% der Befragten vermuten, dass sie den Ruhestand als Erleichterung empfinden werden, 25% erwarten ein „einfach gutes Gefühl“. Gleichzeitig rechnen 14% mit Traurigkeit beim Übergang. Besonders niedergelassene Ärzte äußern, dass das Ende ihrer Tätigkeit mit einem Verlust an Sinn verbunden sein könnte.

Neue Pläne: Teilzeit, Reisen und Ehrenamt

Viele Mediziner wollen den Übergang in den Ruhestand schrittweise gestalten. 28% planen nach dem Ausstieg zunächst in Teilzeit weiterzuarbeiten, knapp ein Viertel (24%) hat noch keine konkreten Pläne. Privat stehen Reisen (78%) und mehr Zeit für Freizeitaktivitäten (76%) ganz oben auf der Wunschliste. Darüber hinaus sehen viele ihre Zukunft im ehrenamtlichen Engagement, in wissenschaftlicher Tätigkeit oder in der Ausbildung des medizinischen Nachwuchses.

Geschlechterunterschiede in Vorsorge und Planung

Die Unterschiede zwischen Ärztinnen und Ärzten ziehen sich durch viele Antworten. Während Männer im Schnitt deutlich höhere Zielbeträge für die Altersvorsorge angeben, äußern Ärztinnen häufiger Zweifel, ob diese Summen tatsächlich erreicht werden können. Dies spiegelt nicht nur unterschiedliche Erwerbsbiografien wider, sondern auch die anhaltende strukturelle Ungleichheit in Einkommen und Karrierechancen im Gesundheitswesen. So überrascht es nicht, dass Ärztinnen häufiger angeben, aus finanziellen Gründen länger arbeiten zu müssen.

Wandel in der Rolle des Arztes – Ruhestand heißt nicht Rückzug

Viele Befragte sehen den Arztberuf nicht als Tätigkeit mit klarer Grenze zum Ruhestand, sondern als Lebensaufgabe. Für 59% ist er eng mit der eigenen Identität verwoben. Das erklärt auch, warum 73% planen, nach dem offiziellen Berufsausstieg weiterhin über medizinische Entwicklungen informiert zu bleiben. Mehr als ein Drittel möchte durch Fachzeitschriften oder Mitgliedschaften in ärztlichen Gesellschaften verbunden bleiben.

Gesundheitliche Aspekte im Beruf und die gesellschaftliche Verantwortung als Motivation

Ein Teil der Befragten verbindet die Entscheidung für ein längeres Berufsleben auch mit der eigenen Gesundheit. Ärztinnen und Ärzte, die körperlich und psychisch fit bleiben, möchten ihre Fähigkeiten nicht ungenutzt lassen. Gleichzeitig spielt die hohe Arbeitsbelastung vieler Kliniken und Praxen eine Rolle: 19% der Befragten geben gesundheitliche Gründe für ihren Ausstiegswunsch an.

Neben finanziellen und persönlichen Gründen nennen viele Ärztinnen und Ärzte auch den Wunsch, ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen. 27% geben an, dass die Versorgung ihrer Patientinnen und Patienten für sie ein zentrales Motiv ist, im Beruf zu bleiben.

Die Generation 70+ als Vorbild?

Bemerkenswert ist, dass 4% der Befragten sogar über die 70 hinaus tätig bleiben wollen. Sie sehen sich als Vorbilder für jüngere Kolleginnen und Kollegen und möchten zeigen, dass der Arztberuf auch im hohen Alter erfüllend sein kann. Gleichzeitig weisen sie auf flexible Modelle hin: kürzere Arbeitszeiten, selektive Tätigkeiten oder die Konzentration auf bestimmte Bereiche wie Beratung und Lehre machen ein längeres Berufsleben möglich.

„Der Arztberuf prägt viele bis ins hohe Alter – weil er nicht nur Beruf, sondern Berufung ist. Das zeigt sich auch in den Plänen für die Zeit nach der aktiven medizinischen Karriere“, so Claudia Gottschling Chefredakteurin von Medscape Deutschland.

Für den Medscape-Report* „Wie Ärzte und Ärztinnen Ihren Ruhestand planen“ nahmen im Zeitraum vom 28. März 2025 bis 14. Juli 2025 insgesamt 1.035 Ärztinnen und Ärzte, die in Deutschland leben und arbeiten, an einer Online-Umfrage teil. 60% der Teilnehmenden waren Männer und 40% Frauen, die Mehrzahl war über 45 Jahre alt.

Weitere Informationen finden Sie unter:

https://deutsch.medscape.com/report_aerzte_ruhestand_2025

Die Sample-Größe dieser Umfrage ist nicht repräsentativ und die Ergebnisse lassen sich nicht auf die Allgemeinbevölkerung übertragen. Die Standardabweichung beträgt 3,05% bei einem Konfidenzintervall von 95% unter der Verwendung einer Punktschätzung von + - 50%.

Berufe / Arzt
30.10.2025 · 09:12 Uhr
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