Battlefront 3 hat offenbar einen hohen Preis: Musste Mass Effect dafür weichen?
Star Wars Battlefront 3 könnte Electronic Arts Hunderte Millionen Dollar kosten. Doch der eigentliche Preis des Projekts ist offenbar noch viel höher. Laut einem neuen Bericht von Bloomberg war die Aussicht auf einen dritten Battlefront-Teil einer der wichtigsten Gründe dafür, dass EA das nächste Mass Effect eingestellt und BioWare nach mehr als 30 Jahren geschlossen hat.
EA stand demnach vor einer ziemlich unangenehmen Entscheidung. Im Portfolio befanden sich plötzlich zwei große Sci-Fi-Projekte, deren Entwicklung jeweils mehrere hundert Millionen US-Dollar verschlingen sollte: das neue Mass Effect und Star Wars Battlefront 3.
Beides wollte sich EA offenbar nicht leisten.
Bloomberg-Journalist Jason Schreier schreibt unter Berufung auf mit der Situation vertraute Quellen:
Battlefront 3 galt für EA offenbar als sicherere Wette
Das Überraschende daran: Star Wars Battlefront 3 soll noch nicht einmal richtig in Entwicklung sein. Das nächste Mass Effect war dagegen bereits seit Jahren angekündigt und zuletzt deutlich weiter, als EAs Formulierung von einer frühen Entwicklungsphase zunächst vermuten ließ. Ehemalige Entwickler berichteten zuletzt von einer vorhandenen Story, Begleitern, Hubs und bereits entwickelten Gameplay-Systemen.
Trotzdem soll EA Battlefront 3 als die „weniger riskante, besser vorhersehbare Wette“ eingestuft worden sein. Ein neuer großer Star-Wars-Shooter galt intern offenbar als besser kalkulierbar als ein weiteres umfangreiches Rollenspiel von BioWare. Das passt auch zur Struktur des Publishers. EA besitzt mit Battlefield seit Jahrzehnten große Erfahrung mit Shootern. Dazu kommt eine Star Wars-Marke, die eine enorme weltweite Reichweite besitzt.
Star Wars war EA schon einmal zu teuer
Besonders kurios wird die Geschichte mit Blick auf die Vergangenheit. DICE hatte bereits vor einigen Jahren einen dritten Battlefront-Teil vorgeschlagen. EA lehnte das Projekt damals angeblich wegen der hohen Lizenzkosten ab. Battlefront 3 hätte laut der Aussage des Entwicklers rund 20 Prozent mehr Exemplare verkaufen müssen, um denselben Ertrag wie ein vergleichbares EA-eigenes Spiel zu erzielen. Die genauen damaligen Lizenz-Bedingungen zwischen EA und Disney wurden nie veröffentlicht.
Ob diese Rechnung beim neuen Projekt noch gilt, ist unbekannt. Die alten Zahlen lassen sich nicht einfach auf den heutigen Deal übertragen. Eines zeigt der Vergleich trotzdem: Battlefront war für EA schon immer ein teures Geschäft. Diesmal scheint der Publisher trotzdem bereit zu sein, dieses Risiko einzugehen.

Mass Effect: Universe (oder auch besser bekannt als Mass Effect 5) wird es nie geben. – Bild: BioWare, EA
18 Milliarden Dollar Schulden erhöhen den Druck auf EA
Hinter der Entscheidung steht offenbar auch die neue finanzielle Situation von Electronic Arts. Nach der rund 55 Milliarden US-Dollar schweren Übernahme des Publishers im August trägt das Unternehmen laut Bloomberg rund 18 Milliarden US-Dollar Schulden. Bei der Planung kommender Großproduktionen muss EA deshalb stärker darauf achten, welche Spiele zuverlässig Einnahmen bringen können.
Mass Effect und Battlefront gleichzeitig mit jeweils mehreren hundert Millionen Dollar zu finanzieren, war unter diesen Bedingungen offenbar keine Option. Dazu kamen BioWares Probleme der vergangenen Jahre. Mass Effect: Andromeda konnte die Erwartungen nicht vollständig erfüllen, Anthem scheiterte und Dragon Age: The Veilguard blieb laut EA deutlich hinter den eigenen Verkaufszielen zurück.
Battlefront 3 bekam am Ende offenbar den Vorzug.
EA selbst spricht von schwierigen Entscheidungen und den größten zukünftigen Chancen.
Offiziell angekündigt ist Battlefront 3 weiterhin nicht.



