Tragödie

Bahn-Katastrophe in Spanien: Deutsches Opfer unter 45 Toten

22. Januar 2026, 21:41 Uhr · Quelle: dpa
Arbeiten nach Zugunglück in Spanien werden fortgesetzt
Foto: Francisco J. Olmo/EUROPA PRESS/dpa
Unter den geborgenen Opfern ist auch eine Frau aus Deutschland.
Beim Zugunglück in Spanien stirbt auch eine Deutsche. Vier Tage nach der Katastrophe steigt die Zahl der Todesopfer weiter. Es gibt aber auch eine positive Nachricht: Es gibt keine Vermissten mehr.

Adamuz (dpa) - Vier Tage nach dem schweren Zugunglück im Süden Spaniens sind in den Trümmern immer noch Leichen geborgen worden. Die Zahl der Todesopfer kletterte am Donnerstag von 43 auf 45. Die spanischen Behörden bestätigten unterdessen eine Mitteilung des Auswärtigen Amtes in Berlin, wonach sich unter den Toten ein Opfer aus Deutschland befindet. Es handele sich um eine Frau, sagte ein Sprecher der Polizei vor Journalisten. Weitere Information zur Identität des deutschen Opfers wurden vorerst nicht bekannt.

Unter den 43 bisher identifizierten Todesopfern gebe es nach jetziger Erkenntnis insgesamt drei Ausländer. «Eine Frau aus Deutschland, eine aus Russland und eine aus Marokko», sagte der Sprecher der Polizeieinheit Guardia Civil. Das AA hatte vormittags mitgeteilt, die Angehörigen des deutschen Opfers würden von Mitarbeitern des deutschen Konsulats in Málaga betreut. Weiter hieß es: «Über die genaue Anzahl der betroffenen deutschen Staatsangehörigen gibt es derzeit jedoch noch keine verlässlichen Angaben.»

An der Unglücksstelle entdeckten die Einsatzkräfte nahe der Ortschaft Adamuz in der andalusischen Provinz Córdoba nachmittags zwei weitere Leichen. Es handele sich um zwei erwachsene Männer, teilte die Regionalregierung in Andalusien im Süden des Landes mit. Die beiden Leichen seien in einem der beiden Waggons gefunden worden, die beim Unglück eine vier bis fünf Meter hohe Böschung hinuntergestürzt und besonders schwer zerstört worden waren.

Die Suche nach Opfern in den Trümmern wird beendet

Der andalusische Regionalpräsident Juanma Moreno erklärte anschließend vor Journalisten: «Es gibt glücklicherweise keine Vermissten mehr.» Die Suche nach Todesopfern werde offiziell abgeschlossen. Die Autopsie und die offizielle Identifizierung der beiden letzten Leichen am Gerichtsmedizinischen Institut in der Provinzhauptstadt Córdoba stand allerdings noch an.

Das Staatsbegräbnis zu Ehren der Opfer soll am 31. Januar unter Vorsitz von König Felipe VI. in der andalusischen Stadt Huelva stattfinden. Darauf einigten sich die Zentral- und die Regionalregierung, wie beide mitteilten. Huelva deshalb, weil die meisten Opfer aus der gleichnamigen Provinz stammen.

Bei dem Zusammenstoß von zwei Hochgeschwindigkeitszügen waren auch Dutzende Menschen zum Teil schwer verletzt worden. Die Verletztenzahl wurde zuletzt offiziell mit 123 angegeben. 31 liegen noch im Krankenhaus, und sechs von ihnen würden noch auf Intensivstationen behandelt, teilte der andalusische Notdienst auf X mit. Aber kein Verletzter schwebt demnach in Lebensgefahr.

Unglücksursache steht noch nicht fest

Die Identifizierung der Opfer gestaltete sich schwierig. Die Behörden hatten Familien deshalb unter anderem um DNA-Proben gebeten, um das Verfahren zu beschleunigen. Die 43 Leichen, die vor der jüngsten Entdeckung geborgen worden waren, wurden aber inzwischen alle identifiziert. Namen wurden nicht veröffentlicht. Die Familien sollten erst benachrichtigt werden. Am Donnerstag wurden unterdessen in Spanien erste Opfer zu Grabe getragen.

Es war eines der schwersten Zugunglücke in der Geschichte des Landes. Die Ursache ist noch unklar. Nach jüngsten Angaben wird ein Gleisschaden oder ein Fehler an einem der Züge als Auslöser der Katastrophe nicht ausgeschlossen. Der spanische Innenminister Fernando Grande-Marlaska schloss Sabotage aus.

Bei der Untersuchung von Zügen, die die Unfallstelle zuvor passiert hatten, wurden auffällige Beschädigungen festgestellt, wie Medien unter Berufung auf die Ermittler berichteten. Verkehrsminister Óscar Puente bestätigte diese Informationen, betonte allerdings, noch sei völlig unklar, ob dieser und andere von den Medien erwähnten Aspekte überhaupt mit dem Unfall in Zusammenhang stünden. Verfrühte Spekulationen seien unter anderem respektlos gegenüber den Opfern und deren Angehörigen.

Bahnverkehr in Katalonien weiter lahmgelegt

Nur zwei Tage nach dem Unglück von Adamuz war Spanien am Dienstagabend von einem zweiten tödlichen Unfall erschüttert worden. Ein Nahverkehrszug wurde im katalanischen Gelida westlich von Barcelona von einer Stützmauer getroffen, die während eines heftigen Sturmes auf die Gleise gestürzt war. Einer der Lokführer, ein 28-Jähriger, der noch in der Ausbildung war, kam dabei ums Leben. Dutzende Passagiere wurden verletzt, fünf davon schwer.

Am Donnerstag löste dann die Nachricht über einen weiteren Bahnunfall zunächst große Sorge aus. «Schon wieder?», hieß es in Cafés und in einigen Medien. Eine kleine Einwagen-S-Bahn fuhr in Alumbres in der Region Murcia im Osten des Landes gegen einen Kran. Doch schnell kam Entwarnung: Es gebe nur sechs Leichtverletzte, der Wagen sei kaum beschädigt worden, hieß es. 

Lokführer wollen landesweit streiken

Der Betrieb in Katalonien war vom spanischen Schienennetzbetreiber Adif am Mittwoch vorläufig ausgesetzt worden, um die durch das Unwetter beschädigte Infrastruktur zu prüfen. Am Donnerstag sollte er bereits um sechs Uhr morgens wiederaufgenommen werden. Doch dazu kam es nicht. Die Lokführer der Region forderten Sicherheitsgarantien, so die spanische Bahngesellschaft Renfe, die die Züge von «Rodalyes de Catalunya» betreibt. Am Nachmittag gaben dann beide Seiten bekannt, man komme einer Einigung nahe.

Obwohl Ersatzbusse zur Verfügung gestellt wurden, herrschte in Katalonien Chaos, wie Medien berichteten. Es gebe lange Staus auf den Straßen und lange Schlangen in den Bahnhöfen, hieß es. Die Lokführer seien verunsichert, räumte Verkehrsminister Puente ein.

Die Lokführer-Gewerkschaft kündigte einen landesweiten dreitägigen Streik an. Sie fordert, dass «die Sicherheit und Zuverlässigkeit des Netzes gewährleistet werden». Die «Häufung tödlicher Unfälle» habe «unter den Lokführern eine starke emotionale Belastung ausgelöst». Der Ausstand soll vom 9. bis 11. Februar stattfinden. Wegen der gesetzlich vorgeschriebenen sogenannten «Mindestdienste» haben Streiks im öffentlichen Verkehr in dem Land allerdings vergleichsweise geringe Konsequenzen für die Passagiere.

Unfälle / Bahn / Verkehr / Spanien / Zugunglück / Lokführer / Sicherheit
22.01.2026 · 21:41 Uhr
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