Auffällige Mode als Erkennungssymbol für heutige Jugendkulturen

Der Umstand, dass Jugendliche sich gern von ihren Eltern abheben möchten und ausbrechen, ist nicht neu, aber die Art und Weise, wie sie dies nach außen tragen, ändert sich ständig. In einer schnelllebigen und von visuellen Eindrücken geprägten Zeit, ist vor allem das äußere Erscheinungsbild ein sofort zu überprüfender Gradmesser.
Moderne Jugendkulturen
Klassische Jugendkulturen sind heutzutage schwer auszumachen. Natürlich gibt es sie noch, die Punks, die Hard-Rocker, die Rockabillys und Gothics. Dabei gehören aber gerade die Letztgenannten schon längst nicht mehr allein zur Jugendkultur, Menschen jeden Alters leben eine bestimmte Weltanschauung und frönen ähnlichen Interessen.
Auch nicht mehr ganz frische, aber dennoch vornehmlich dem jugendlichen Spektrum zuzuordnende Gruppierungen sind Emos, Skater und Hipster. Während Emos schon fast wieder aus der Mode gekommen sind und mit der Band Tokio Hotel ihren Höhepunkt – zumindest in Deutschland - erlebt haben, ist die Skatergemeinde stetig wachsend.
Jugendliche mit Skate- und Longboards bevölkern vor allem die Großstädte und fordern Freiraum für ihr Hobby ein. Bekommen sie keine entsprechenden Anlagen, werden öffentliche Plätze und Denkmäler zum „Spielplatz“ und Versammlungsort. Oft mit entsprechender Beschallung durch Hip Hop Musik und Reggae und ebenso oft zum Ärgernis von Anwohnern und Ordnungskräften.
Die Hipster befinden sich im Gegensatz zu den eben genannten beiden Gruppen bereits in den Zwanzigern und sind in Studentenkreisen weit verbreitet. Wie alle Jugend- und Subkulturbewegungen ist Musik für sie ein zentrales Gemeinschaftsmerkmal. Ein spezielles Genre lässt sich bei Hipstern jedoch schwerer definieren, sie zeichnen sich durch einen besonders starken Wunsch nach Einzigartigkeit aus, die auf Außenstehende schnell als Eigenartigkeit wirkt.
Elektronische Tanzmusik, Indie-Pop und die besonders wertgeschätzte – weil handgemachte – Singer/Songwriter-Musik trifft besonders häufig den Geschmack dieser jüngsten aller Jugendkulturen. Oft werden Hipster folgendermaßen beschrieben: Jutebeutel, minimalistische Tattoos, extravagante Piercings, gern auch mal in Gold und mit Perlen und dazu eine unpassende Frisur, die wie aus den 1980ern nur verunglückt wirkt. Dazu eine Club Mate Flasche in der Hand und fertig.
Dem Mainstream entfliehen und doch dazugehören
Ein besonders wichtiger Punkt ist jedoch die Kleidung. Hierbei spielen Marken entweder gar keine oder sogar eine entscheidende Rolle, ganz abhängig von der jeweiligen Jugendkultur. Gelten Bench, DC und Carharrt als typische Skatermarken, werden diese von Hipstern eher abgelehnt. Sie suchen sich lieber in Berliner Secondhand-Shops ihre Outfits zusammen.
Das Problem der Jugendlichen ist dabei Folgendes: Bewegen sie sich in ihrem familiären Umfeld, können sie sich durch ihre Kleidungswahl durchaus deutlich abheben. In der heterogenen Gruppe hingegen beziehen Gleichgesinnte ihre Mode gern von ähnlichen Quellen, da ein wachsendes Spektrum an Firmen, die einstigen Nischen für sich entdeckt hat und Massenware von z. T. sehr guter Qualität anbietet.
Skater und Hip-Hopper, manchmal sogar Menschen der Gothic- und Punk-Szene werden dadurch zwar nicht in ihrer Individualität eingeschränkt, müssen sich aber manchmal etwas mehr einfallen lassen, um aufzufallen. Letztere stellen viele Outfits selbst her oder dekorieren Kleidung und Taschen durch Aufnäher, Sticker oder schlicht durch Kronkorken und Sicherheitsnadeln, wie man sie häufig bei Punks entdeckt.
Einzig die Hipster, oft als ökologisch interessierte und konsumkritische Gruppe wahrgenommen, lassen sich bisher noch schwer von der Modeindustrie fassen. Aber clevere Geschäftsleute werden auch diese Neuerscheinung einbinden und eine Alternative zu den Secondhand-Läden schaffen wollen – mit Sicherheit. Bis dahin wird es aber vermutlich schon wieder eine neue Bewegung geben, die ihre eigenen Regeln und (optischen) Ausdrucksformen hervorbringt.

