Künstliche Intelligenz

Algorithmen greifen an: Was hinter den KI-Attacken steckt

06. August 2026, 12:49 Uhr · Quelle: dpa
Illustration Cyberkriminalität
Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Hackerangriffe können mit Hilfe von KI weitgehend automatisiert ablaufen. (Symbolbild)
Warum Tech-Konzerne KI-Attacken offenlegen und was das für Online-Banking und Privatanwender bedeutet – Antworten auf die wichtigsten Fragen zu den aktuellen KI-Angriffen.

Berlin (dpa) - Immer häufiger steckt KI hinter Cyberattacken. Nun ist auch ein Programm des Facebook-Konzerns Meta damit aufgefallen. Was steckt hinter den Vorfällen bei Meta, OpenAI und Anthropic?

Was genau ist bei Meta, OpenAI und Anthropic passiert?

Die führenden KI-Unternehmen aus den USA haben eingeräumt, dass ihre fortschrittlichen Sprachmodelle im Rahmen von Sicherheitsüberprüfungen oder realen Tests in der Lage waren, eigenständig IT-Schwachstellen zu identifizieren und auszunutzen. Während KI bisher vor allem Texte generiert oder Programmiercode geschrieben hat, zeigten die Modelle hier erstmals Fähigkeiten, die man klassischerweise Computerkriminalität zuordnet - etwa das Umgehen von Sicherheitsbarrieren oder das automatische Aufspüren von Systemlücken.

Warum häufen sich Berichte über KI-Systeme als Hacker gerade jetzt?

Der Hauptgrund ist der technologische Übergang von reinen Chatbots zu sogenannten autonomen KI-Agenten. Während frühere Systeme lediglich Texte und Bilder generierten, führen moderne KI-Agenten eigenständig Befehle aus, steuern Software und nutzen Schnittstellen im Internet. Da Entwickler ihren Modellen immer mehr Handlungsspielraum einräumen, um komplexe Programmieraufgaben zu lösen, steigen zwangsläufig die Risiken. 

Haben die KI-Systeme völlig autonom gehandelt oder wurden sie gesteuert?

Nach aktuellem Erkenntnisstand handelten die KI-Systeme nicht aus eigenem «Willen». Sie erhielten von menschlichen Nutzern oder Tester-Teams Vorgaben, um die Sicherheit von Zielsystemen zu überprüfen. Der entscheidende Unterschied zu früher ist jedoch der Grad der Selbstständigkeit: Die KI erhielt nur eine allgemeine Aufgabe («Finde einen Zugang zu diesem Server») und kombinierte anschließend eigenständig die erforderlichen Schritte, um das Ziel ohne weitere menschliche Anleitung zu erreichen.

Wie unterscheidet sich ein «KI-Hacker» von herkömmlicher Schadsoftware?

Klassische Viren oder Trojaner folgen einem starr programmierten Ablauf. Ändert das Zielsystem seine Verteidigung, scheitert der Angriff meist. Ein KI-System hingegen kann flexibel reagieren. Es analysiert Fehlermeldungen in Echtzeit, passt seine Strategie an und probiert neue Methoden aus - ähnlich wie ein menschlicher Hacker, allerdings in einem Bruchteil der Zeit und mit schier unendlicher Geduld.

Warum räumen die Tech-Konzerne diese Vorfälle öffentlich ein? Ist das reine Transparenz? 

Nur bedingt. Dahinter könnte auch kühles PR-Kalkül und geschicktes Marketing stehen, sagt der renommierte IT-Sicherheitsexperte Christoph Fischer. «Das gehört wohl auch zur Vorbereitung auf einen möglichen Börsengang mit dazu.» Dass Meta den Vorfall ausgerechnet am Tag der Präsentation seines neuesten KI-Modells einräumte, dürfte daher kein Zufall sein. Nicht nur Fischer vermutet: Das Thema dient als indirekte Eigenwerbung. Die Botschaft an den Markt lautet unterschwellig, dass die eigene KI mittlerweile so leistungsfähig ist, dass sie selbst komplexe IT-Systeme überlisten kann. Daneben spielen natürlich auch der Druck von Aufsichtsbehörden und drohende Berichtspflichten eine Rolle.

Welcher Schaden ist durch die Vorfälle konkret entstanden?

In den behandelten Fällen kam es nach Angaben der Hersteller zu keinen flächendeckenden Netzwerkausfällen oder großflächigem Datendiebstahl bei Endkunden. Die Vorfälle wurden größtenteils in kontrollierten Testumgebungen oder frühzeitig bemerkt. Der eigentliche Schaden liegt im Vertrauensverlust und in der Erkenntnis, dass die Sicherheitsbarrieren der Hersteller bislang nicht lückenlos funktionieren.

Wie haben die Unternehmen reagiert, um die Sicherheitslücken zu schließen?

Die Entwickler arbeiten mit mehrstufigen Schutzmaßnahmen: Zum einen werden die Modelle durch Nachtraining darauf konditioniert, Anfragen mit Bezug auf Cyberangriffe strikt zu verweigern. Zum anderen richten die Unternehmen rund um die KI automatische Filter ein, die verdächtiges Verhalten - wie das massenhafte Scannen von IP-Adressen - entdecken und sofort unterbrechen sollen.

Stehen wir vor einer neuen Welle von automatisierten Cyberangriffen?

Experten warnen genau davor. Die Schwelle für Cyberkriminalität sinkt drastisch: Um komplexe Angriffe durchzuführen, benötigt man künftig kein tiefes Informatikwissen mehr, sondern lediglich Zugang zu einem entsprechenden KI-Modell. Das könnte zu einer erheblichen Zunahme von Phishing, Identitätsdiebstahl und gezielten Angriffen auf kleine und mittlere Unternehmen führen, die oft nicht über hochmoderne Abwehrsysteme verfügen.

Muss ich mir als Privatperson Sorgen machen, wenn ich KI nutze?

Für den normalen Alltag mit gängigen Chatbots (wie ChatGPT, Claude oder Meta AI) besteht aktuell keine direkte Gefahr einer Systemübernahme Ihres PCs. Die Vorfälle betrafen spezialisierte Entwicklungs- und Testumgebungen. Dennoch betrifft die Entwicklung Privatanwender indirekt: Wenn KIs komplexe Angriffe vereinfachen, nimmt die Qualität und Masse von Phishing-Mails, gefälschten Webseiten und Betrugsanrufen (Deepfakes) spürbar zu.

Der Karlsruher Sicherheitsexperte Christoph Fischer beobachtet den Einsatz von KI vor allem bei Angriffen auf das Online-Banking der privaten Anwender. Gefälschte E-Mails oder gar gedruckte Phishing-Briefe würden immer perfekter und lockten ahnungslose Kunden dazu, ihre Zugangsdaten zu dem Online-Konto herauszugeben. Online-Banking und andere sensible Anwendungen sollten stets mit einer Zweifaktor-Authentifizierung (2FA) abgesichert werden. Die 2FA schützt ein Benutzerkonto, indem sie für die Anmeldung zwei unterschiedliche Nachweise fordert - typischerweise etwas, das man weiß (wie ein Passwort), und etwas, das man besitzt (wie einen Bestätigungscode auf dem Smartphone).

Computer / Internet / Software / Informationstechnologie / Cybersicherheit / Künstliche Intelligenz / KI
06.08.2026 · 12:49 Uhr
[0 Kommentare]
Start Raketensystem «Starship» von SpaceX
Austin (dpa) - Elon Musks Weltraumfirma SpaceX legt mit einem großen Frequenzkauf in den USA den Grundstein, um sich als Mobilfunk-Anbieter zu etablieren. Mit dem Dienst Starlink bietet SpaceX derzeit schnelles Internet direkt von Satelliten aus dem All an. Für den Empfang auf der Erde ist bisher aber ein Empfangsgerät mit eigener Antenne notwendig - […] (00)
vor 1 Stunde
Verena Bentele (Archiv)
Berlin - In der Debatte um die Pflegereform kritisiert der Sozialverband VdK Deutschland die geplanten Kürzungen für pflegende Angehörige im Rentenalter. Falls die Bundesregierung diese Rentenart streiche, werde es diejenigen treffen, die den wertvollen Dienst der häuslichen Pflege ihrer Familienmitglieder leisteten, sagte VdK-Präsidentin Verena Bentele […] (00)
vor 43 Minuten
Britney Spears und ihre Söhne im Dollywood-Freizeitpark (c) Instagram
(BANG) - Britney Spears hat gemeinsam mit ihren beiden Söhnen einen Familienausflug ins Dollywood unternommen. Dabei hat sie offenbar einen Freizeitpark für sich entdeckt, von dessen Existenz sie zuvor gar nichts wusste. Die 'Toxic'-Sängerin teilte auf Instagram mehrere Videos von ihrem Besuch in dem Freizeitpark in Tennessee, der 1986 von der […] (00)
vor 8 Stunden
Enshrouded 1.0 erscheint bald und bringt neues System mit
Keen Games stellt das Funkenwerk-System vor. Dabei handelt es sich um eine Sammlung von Funktionen für Ersteller: innen, die das Adventure-Sharing zum Start von Enshrouded Version 1.0 erweitern. Mithilfe des Funkenwerk-Systems können eigene Abenteuer entworfen, gebaut und mit der Community geteilt werden. Keen Games entwickelt die Werkzeuge anhand von […] (00)
vor 4 Stunden
Machtkampf nach dem Tod eines Drogenbosses: «City of God» geht weiter
⁠HBO Max setzt die Geschichte des brasilianischen Filmklassikers mit sechs neuen Folgen fort. Der Tod eines Drogenbosses bringt das fragile Machtgefüge in Rio de Janeiro erneut ins Wanken. In der zweiten Staffel von City of God: The Fight Rages On kämpfen rivalisierende Gruppen um die Kontrolle über die gleichnamige Favela, während sich Bewohnerinnen und Bewohner gegen Gewalt und politische […] (00)
vor 1 Stunde
Aleksander Ceferin (l.) und Gianni Infantino
Berlin (dpa) - Aleksander Ceferin will für weitere vier Jahre UEFA-Präsident bleiben - einen Herausforderer von Gianni Infantino hat Europas Fußball aber auch bei einem Spitzentreffen in Berlin noch nicht ausgerufen. Statt einen Gegenkandidaten für den FIFA-Chef zu benennen, stellte die Europäische Fußball-Union UEFA die Kriterien für die gesuchte […] (03)
vor 7 Stunden
nahaufnahme mehrerer bitcoin-münzen auf einer laptop-tastatur, die digitale währung und kryptowährungshandel symbolisieren.
PowerCompute hat im September 8,1 Bitcoin (BTC) geschürft, was einem Anstieg von 37 % im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Zum Monatsende sank der Bitcoin-Bestand des Unternehmens auf 63,7 BTC, nachdem 267,4 BTC zur Tilgung eines mit Bitcoin besicherten Kredits in Höhe von $22,45 Millionen verwendet wurden. Dadurch wurde der Großteil der gesicherten […] (00)
vor 58 Minuten
Jetzt ist „Warte-Zeit“ für das Dach
Kiel, 08.10.2026 (lifePR) - Die Heizung wird nochmal gecheckt. Beim Auto kommen jetzt die Winterreifen zum Einsatz und es wird auf die kalte Jahreszeit vorbereitet. Und was ist mit dem Dach? „Auch das bestens gewartete Auto und die neueste Heizung helfen nicht über den Winter, wenn das Dach undicht ist“, bringt es Jan Juraschek vom Landesinnungsverband […] (00)
vor 8 Stunden
 
Nubert – Neue Farbvariante für nuLine 34 und die nuLine 284 vorgestellt
Nubert stellt die nuLine 34 und die nuLine 284 in der neuen Farbausführung Cappuccino […] (00)
Samsung
Suwon (dpa) - Dank der massiv gestiegenen Preisen für Speicherchips hat der […] (00)
Apple Watch Series 12 und Ultra 4: Ernüchternde Reparierbarkeit im iFixit-Teardown
Die Reparaturspezialisten von iFixit haben die Apple Watch Series 12 und die Apple […] (00)
Donald Trump und Wladimir Putin telefonieren.
Moskau (dpa) - Ein Termin für ein Gespräch von Kremlchef Wladimir Putin und US- […] (01)
Olivia Rodrigo
(BANG) - Olivia Rodrigo hat sich einen besonderen Fan-Traum erfüllt und dafür tief in […] (00)
Frauen-Fußballnationalmannschaft - Training
Karlsruhe (dpa) - Nach dem Hype um Jürgen Klopp und seinen XXL-Kader bei der Männer- […] (00)
BR bestätigt Christian Nitsche als Chefredakteur
Außerdem wird Eva Lell die Abteilung Politik und Wirtschaft übernehmen. Der Rundfunkrat des […] (00)
Mehr Leistung für E-Scooter-Fans: Segway präsentiert zwei neue Modelle
Segway, der weltweit führende Anbieter innovativer Lösungen für persönliche Mobilität […] (00)
 
 
Suchbegriff