Original: Naissance des pieuvres
Regie: Celine Sciamma
Darsteller: Marie Gili-Pierre, Pauline Acquart
Laufzeit: 81min
FSK: ab 12 Jahren
Genre: Drama (Frankreich)
Filmstart: 03. Juli 2008
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
Wildes Stimmengewirr in der Umkleidekabine. Die Vorbereitungen für den großen Auftritt der Synchronschwimmerinnen sind in vollem Gange. Die Altersspanne reicht von kleinsten Mädchen bis zu Jugendlichen mitten in ihrer Pubertät, doch alle richten sich gleichermaßen korrekt wie erwachsene Topmodels her: Perfekte Schminke, glatt zurück gestylte Ballettfrisuren, glitzernd bunte Badeanzüge – ein letztes Mal werden die Tanzfiguren im Trocknen repetiert.
Dann ist es soweit – in Reihe nach Größe geordnet schreiten die jungen Damen von tosendem Applaus empfangen in die Schwimmhalle, ihre Körper spiegeln sich im noch unberührten Blau des Wassers. Eine treibend sehnsuchtsvolle Instrumentalmusik hat die Eingangssequenz und mit ihr die junge, schlaksige Marie in den Zuschauerbereich der Schwimmhalle begleitet. Sie scheint gelangweilt in ihre Welt versunken. Erst mit der Kür des Juniorenteams, bei der das Wasser richtig in Wallung gerät und sich Härte und Präzision des Sports im eingefrorenen Lächeln der jungen Damen erkennen lassen, spiegelt sich auch in Maries Gesicht Faszination und Leidenschaft. Doch nicht allein der Sportart gilt Maries Interesse, insbesondere die Anführerin der Truppe, die wunderschöne Floriane, hat es ihr angetan. Barfuss im Gang vor der Umkleidekabine wartet Marie auf ihre beste Freundin Anne, die auch an der Vorführung beteiligt war. Nur ein kurzer Blickwechsel als Floriane an ihr vorbeiläuft – die eine bewundernd, die andere arrogant gelangweilt.
Unterdessen leidet die etwas pummelige Anne in der Gemeinschaftsumkleidekabine an den Qualen ihrer Körperlichkeit. Erst als alle gegangen sind, zieht sie sich um – prompt öffnet ein Junge die Tür und erblickt Anne in völliger Nacktheit ihres durchaus gut entwickelten Körpers. Nur ein kurzer Augenblick, der Annes Gefühle durcheinander geraten lässt. Von da an ist es jener Junge, François, von dem sie ihren ersten richtigen Kuss erhaschen will. Auf der Schwimmparty am Abend versuchen die beiden Freundinnen ihren Zielen näher zu kommen und werden enttäuscht: Vor ihren Augen küssen sich ausgerechnet Floriane und François. Während Anne hoffnungslos ihrer Verzweifelung freien Lauf lässt, bleibt Marie hartnäckig und schlägt Floriane einen Deal vor: Darf sie mit zum Training, wird sie Floriane einen Gefallen nach Wahl erweisen. Floriane willigt ein. Doch die zu leistende Gefälligkeit entpuppt sich als schlichte Alibifunktion für Florianes Date mit François.
Trotzdem scheint Marie bei Floriane einen gewissen Eindruck hinterlassen zu haben und beim nächsten Handel gleicher Art verzichtet diese auf ihr Date und zieht mit Marie los. Durch ihr perfektes Äußeres ist Floriane das Objekt des Begehrens sämtlicher Jungenherzen geworden – zum Ärgernis aller Mädchen. Ihr Verhalten hat Floriane der übergestülpten Rolle angepasst – sie ist provokant und lasziv. Jetzt öffnet sie sich der stillen und doch fordernden Marie und bekennt ihr ihre Fassade. Je vertrauter die beiden miteinander werden, umso mehr wendet sich Marie von Anne ab, deren expulsive Art sie als kindisch kritisiert.
Aber wie ernst meint es Floriane wirklich? Und wie nimmt Marie Florianes flüchtig dahin geworfenen Zuneigungshappen in sich auf? Oder ist nicht vielleicht Anne, trotz ihrer Emotionalität, das mutigste der drei Mädchen?
Drei fünfzehnjährige Heranwachsende, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Drei Wege der Auseinandersetzung mit dem Erwachen sexueller Begierden. Drei Lebenslinien, die sich treffen, beieinander bleiben oder trennen können.
Während dieses heißen Sommers in der trostlosen Vorstadtidylle wird sich für Marie, Floriane und Anne das Leben verändern. Am Ende werden sie um einige Erfahrungen, Schmerzen und leidenschaftliche Gefühlserlebnisse reicher sein.