The Wild Blue Yonder

DVD / Blu-ray / iTunes / Trailer :: IMDB (6,3)
Regie: Werner Herzog
Darsteller: ?????
Laufzeit: 81min
FSK: ???
Genre: Dokumentation (Deutschland, Frankreich, Großbritannien)
Filmstart: 01. November 2007
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
Die Eroberung des Weltraums ist eine uramerikanische Fantasie. Als die ersten Siedler im Zuge der Eroberung des Westens an den Pazifik gelangten, blieb nur noch eine Himmelsrichtung übrig, die räumliche Expansion fortzuführen: der Weg nach oben. Die Frage, ob es im Weltall weiteres Leben gibt, womöglich sogar eine uns überlegene Spezies, fasziniert die Menschheit. Bemannte Raumfahrt, milliardenschwere NASA-Programme, aber auch Science-Fiction-Filme, die sich ein Leben im Weltall ausmalen, sind Ausdruck solcher Träume. Vor diesem Hintergrund erzählt »The Wild Blue Yonder« die fiktive Geschichte zweier hoffnungsloser Begegnungen mit der jeweils anderen Art. Unbemerkt von den Menschen haben sich Außerirdische schon vor Jahrzehnten von ihrer sterbenden Heimat, einem Planeten namens »The Wild Blue Yonder«, auf die Erde geflüchtet. Doch viel Erfolg haben sie in der »neuen Welt« nicht gehabt. Einer der letzten überlebenden Außerirdischen, dargestellt von Schauspieler Brad Dourif (»Einer flog über das Kuckucksnest«, »Der Herr der Ringe«), berichtet von der Tragödie seiner Heimat und rekapituliert die gescheiterten Versuche der Aliens, auf der Erde Fuß zu fassen. Frustriert resümiert er: »Wir Außerirdischen sind Versager« In einem zweiten Erzählstrang kreist ein irdisches Space-Shuttle hilflos um die Erde. Zurück von einer Mission zu eben jenem Planeten der Außerirdischen kann seine Besatzung nicht heimkehren, da die Erde in der Zwischenzeit unbewohnbar geworden ist. Den Grund dafür lässt der Film offen - waren es Kriege, unkontrollierbare Seuchen, Verstrahlung nach dem Verschwinden der Ozonschicht oder was immer sonst? Für die Astronauten jedenfalls gibt es weder ein Vorwärts noch ein Zurück - sie sind Gefangene im Raum. Als sie eine Drohne aussenden, um an den Rändern des Universums nach Leben zu forschen, erhalten sie ein ernüchterndes Ergebnis: Im bekannten Universum gibt es keine für Menschen bewohnbare Zone. Kult-Regisseur Werner Herzog (»Fitzcarraldo«, »Cobra Verde«) unterläuft in seinem experimentellen Film »The Wild Blue Yonder« alle Zuschauererwartungen an einen üblichen »Science-Fiction«-Film. Stattdessen erzählt seine »Space Fantasy«“ von der Vergeblichkeit des menschlichen Bemühens, die Grenzen des Irdischen zu überwinden und fremde Sterne zu kolonisieren. Nach heutigem Wissensstand ist das unmöglich. Weder Theorie noch Technologie reichen aus, um diesen Menschheitstraum zu verwirklichen. Und wenn er möglich wäre - würde die Menschheit sich auf einer neuen Welt anders verhalten als auf der ersten? Statt Fluchtträumen vom radikalen Neuanfang mit unbegrenzten Ressourcen nachzuhängen, macht Werner Herzog in seinem Requiem für einen »sterbenden Planeten« eine andere Entdeckung: die schützenswerte Schönheit der Erde. Unter dem Blick des Außerirdischen wird unsere Erde zu einer rätselhaften Welt von fremdartiger, fragiler Poesie. In »The Wild Blue Yonder« hat sich Herzog zu einem ungewöhnlichen Umgang mit dem Medium entschlossen: »Ich will Bilder und Töne in einer Weise verwenden, wie man sie bisher nicht kennen gelernt hat.« Er montiert seinen Film überwiegend aus found footage, vorgefundenem Bildmaterial, das umfunktioniert und von Erzähler Brad Dourif in einen neuen Kontext gestellt wird. Den flüssigen Planeten »The Wild Blue Yonder« visualisiert Herzog beispielsweise mit Material, das vom Musik-Produzenten eines seiner letzten Filme stammt: in türkisblaues Licht getauchte Unterwasserszenen unter einer meterdicken Eisschicht, die ursprünglich während einer Expedition der National Science Foundation unter dem Eis der Antarktis gedreht worden sind. Für die Szenen im Inneren des Space-Shuttle ist Herzog auf verschollen geglaubtes Material von der NASA aus den achtziger Jahren gestoßen. Wie die Bilder ist auch der Soundtrack eine Assemblage, die aus der Zusammenarbeit von klassischen und Jazz-Musikern mit Sängern aus dem Senegal und einem sardischen Schäfer-Chor entstanden ist, gemixt mit Ausschnitten aus Händels Oper »Xerxes« von 1738. Radikal räumt »The Wild Blue Yonder« mit allen Space-Mythen und Verschwörungstheorien um Ufos und die »Area 51« in Roswell, Nevada, auf. »Der Film macht Schluss mit unseren Illusionen über intergalaktischen Reiseverkehr«, sagt Herzog. »Das werden wir nicht schaffen, es ist einfach zu weit«.

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