Original: The Pervert´s Guide to Cinema
Regie: Sophie Fiennes
Darsteller: Slavoj Zizek
Laufzeit: 154min
FSK: ab 16 Jahren
Genre: Dokumentation (Großbritannien, Niederlande, Österreich)
Filmstart: 12. März 2009
Bewertung: n/a (1 Kommentar, 0 Votes)
Zizek, von Fiennes inszeniert, ist in jeder Einstellung ganz bei sich und in seinem Element. Mit aufgekrempelten Hemdsärmeln durchpflügt er die Originalschauplätze der zitierten Filme. Er thront, Francis Ford Coppolas ‚Dialog’ analysierend, auf der Studiokulissen-Toilette von Zimmer 771 des ehemaligen Jack Tar Hotel in San Francisco. Oder er doziert neben dem Lederstuhl aus der ‚Matrix’, in dem sich Neo entscheiden muß, welche Pille er schluckt. Dann, in edlem Schwarzweiß, breitet er im Keller von Hitchcocks ‚Psycho’ heftig gestikulierend Thesen von beträchtlicher Spannweite aus. Oder knattert im Außenborder quer durch die Bodega Bay, während im Hintergrund die Explosionen aus Hitchcocks ‚Vögel’ den Himmel verdunkeln.
„The Pervert‘s Guide to Cinema“ sind furiose Filmseminare. Lakonisch, übermütig, mitreißend und vor Ideen sprühend fächert Zizek auf, was wir im Kino alles mit uns treiben. Überrascht und baff reibt man sich die Augen, welche Subtexte sich in Filmsequenzen offenbaren, wenn man sie in Zizek-Kommentare einmontiert zu sehen bekommt. In einem zweieinhalbstündigen Workout spinnt er seine Fäden quer durch die Filmgeschichte. Ein Beispiel springt in Zizek Film-Fitnesscenter höher das vorherige.
Zu sehen sind Sequenzen aus 43 großen Klassikern: Der Exorzist, Alien, Das Testament des Dr. Mabuse, James Whales Frankenstein, Cecil B. DeMilles Die zehn Gebote, Der große Diktator, der sowjetische Musical-Klassiker Kubanskie Kazaki, Alice im Wunderland, Stanley Kubricks Dr. Seltsam und sein letztes Werk Eyes Wide Shut, Fight Club, Dialog, Blue Velvet, Vertigo, Andrej Tarkowskis Stalker und Solaris, Wild at Heart, Lost Highway, Dune, Persona, Drei Farben: Blau, In the Cut, Der Zauberer von Oz, Dogville, Hitchcocks Klassiker Über den Dächern von Nizza, Fenster zum Hof und Der unsichtbare Dritte, Iwan der Schreckliche, Lichter der Großstadt usw.
Wie die Filme, Schauplätze und Geschichten wechselt Zizek seine Fragstellungen. Da werden Filme mit philosophischen oder psychoanalytischen Theorien erklärt; nicht weniger gerne nimmt er aber auch umgekehrt ein Film her, um philosophische oder psychoanalytische Theoriestücke zu erklären. Zizeks Motto: „Was Sie immer schon über Lacan wissen wollten und Hitchcock nie zu fragen wagten“.