Regie: Irene von Alberti
Darsteller: Sabrina Ouazani, Said Bey
Laufzeit: 100min
FSK: ab 6 Jahren
Genre: Drama (Deutschland, Marokko)
Filmstart: 14. Mai 2009
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
Tanger, Marokko. In der legendären Hafenstadt prallen die westliche und die islamische Welt aufeinander. Die spanische Küste ist zum Greifen nah und doch für die meisten unerreichbar. Das deutsche Pärchen Pia und Tom reist für einen Sommer nach Tanger. Beide sind Musiker und wollen sich auf die Spuren der arabischen Musik begeben. Tagsüber streifen sie durch die Straßen Tangers, sprechen mit einheimischen Musiklegenden und machen Aufnahmen für ein eigenes Projekt; sobald es dunkel wird, genießen sie das Nachtleben der Metropole.
Eines Nachts lernen sie in einer Bar die junge Marokkanerin Amira kennen, eine aufregende und schöne Tänzerin. Pia und Tom freunden sich mit Amira an – nicht zuletzt, weil sie sich in der arabischen Musikszene gut auszukennen scheint. Mit Pia zieht Amira durch die Stadt, zeigt ihr besondere Plätze, für Tom will sie ein Treffen mit legendären Musikern organisieren. Doch bald zeigt sich, dass hinter den schlichten Freundschaftsangeboten weit mehr steckt.
Denn Amira will nach Europa. Nach ihrer Flucht vor einem traditionell weiblichen Lebensentwurf mit Heirat, Heimarbeit und vielen Kindern, in den ihr Onkel sie hineinzwingen will, lebt sie in einer Wohngemeinschaft mit vier anderen Frauen, die sich mehr schlecht als recht allein durchbringen – zur Not auch im Rotlichtgewerbe. Ihre Nächte verbringen sie in den Clubs und Bars von Tanger und hoffen darauf, dass irgendwann der westeuropäische Märchenprinz auftauchen und ihnen ein anderes Leben ermöglichen wird. Zwischen Geld und Liebe kann es auch für Amira kaum einen Unterschied geben, wenn sie ihr eigenes Leben, wenn sie als Tänzerin Karriere machen will. Und so ist Amira fest überzeugt vom dem Grundsatz – „If you give me a lot, you love me lot.“ Pia und Tom sind von der Marokkanerin fasziniert. Pia bewundert sie wegen ihrer Fähigkeiten als Tänzerin.
Tom begehrt die exotische Schöne und trifft sie immer häufiger allein. Zunächst glaubt Pia in Amira eine nützliche Verbündete gefunden zu haben, um für sie Toms Gefühle auf die Probe zu stellen. Doch bald schon entwickelt sich die Beziehung zwischen Tom und Amira nach ganz eigenen Regeln: sie lassen sich auf eine Affäre ein und die ohnehin schon angeschlagene Beziehung zwischen Pia und Tom beginnt unter Amiras wachsendem Einfluss zu bröckeln.
Amira sieht in Tom ihre große Chance und verführt ihn nach allen Regeln der Kunst. Und Tom lässt sich verführen, bietet ihr tatsächlich an, mit nach Berlin zu kommen und verspricht, sich um ihre Papiere und ein Visum zu kümmern. Die Dreiecksbeziehung zwischen Amira, Pia und Tom rutscht in eine Grauzone zwischen Freundschaft und Ökonomie, der Freundschafts- und Liebesdienst ist zu einem messbarem Tauschwert geworden.
Doch sowohl Pia als auch Tom haben Amira und die Welt, in der sie lebt unterschätzt. Was für die beiden westlichen Urlauber Gefühls-Experiment und Affäre sind, hat für Amira existentielle Bedeutung. Jeder einzelne lässt sich auf einen gefährlichen Balanceakt ein – zwischen Bedürfnis und Versprechen, zwischen Freundschaft und Kalkül, zwischen Loyalität und Eigennutz.
Erst als Amira zusammen mit anderen Frauen nach einer Razzia von den marokkanischen Behörden in ein Untersuchungsgefängnis gesteckt und der Prostitution beschuldigt wird, beginnen Pia und Tom zu verstehen. Jetzt müssen sie eine Entscheidung treffen, deren Dimensionen weit über das Niveau einer Urlaubsbekanntschaft hinausgeht – eine Entscheidung zwischen Vertrauen oder Verrat.
Zwischen den Kulturen hat Irene von Alberti ihren Spielfilm angelegt. Mit „Tangerine“ erzählt sie eine Geschichte über das Verführen und verführt werden, über die rätselhafte Faszination des süßen Orients auf die Einen und der Traum vom reichen freien Westen für die Anderen.