Original: Peak - Über allen Gipfeln
Regie: Hannes Lang
Darsteller: ?????
Laufzeit: 94min
FSK: ohne Altersbeschränkung
Genre: Dokumentation (Deutschland)
Filmstart: 28. März 2013
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
Mächtige Alpengipfel, wolkenloser Himmel, eine strahlend weiße Skipiste und Après Ski Hits, das sind die wichtigsten Bestandteile für den aktiven Wintertouristen. Doch was steckt hinter der weißen Schneepracht, die zu perfekt um wahr zu sein scheint? Wie viel Natürlichkeit steckt in der Schneelandschaft? Womit verdient sich die Bevölkerung in den Alpen im Sommer ihren Lebensunterhalt? Gibt es noch etwas anderes außer dem Fremdenverkehr? – Hannes Lang nähert sich in seiner Dokumentation diesen Fragen und deckt die zwei kontrastreichen Welten der Alpen im Wandel der Jahreszeiten auf. Die bodenständige und traditionsbewusste Kultur der Einwohner trifft auf den großen Wirtschaftszweig des Wintertourismus.
Der Fremdenverkehr ist überlebenswichtig für die Bevölkerung im Pitztal in den Ötztaler Alpen. Viele Haushalte hängen finanziell an den Winterurlaubern, sei es durch die Arbeit am Lift, in der Gastronomie oder im Hotelgewerbe. Die Branche finanziert über die Wintermonate ihre Existenz, während im Sommer die Hotelanlagen leer stehen. Deshalb ist eine perfekte Skipiste notwendig, um auch im folgenden Jahr genügend Touristen zum Gletscherskisport in die Alpen zu locken. Aus diesem Grund gehe es heutzutage nicht mehr ohne Kunstschnee, sagt Manfred Fiegl, der schon jahrelang auf den Pisten der Alpen arbeitet.
In Tirol schneit es seit den 1980ern immer später im Jahr und auch die Temperaturen steigen an. Infolgedessen wird auch der Gletscher in den Ötztaler Alpen von Jahr zu Jahr schwächer. Um den fehlenden Schnee auf der Piste auszugleichen, hatte man 1984 mit dem Einsatz von Schneemaschinen begonnen. Damals wurde das Wasser noch aus der Ötztaler Ache entnommen. Aber über die Jahre stieg der Bedarf an Wasser so an, dass der Vorrat aus dem Fluss nicht mehr ausreichte. Um die Pisten mit genügend Schnee zu versorgen und um gleichzeitig die Gletscherschmelze durch zusätzliche Beschneiung zu verlangsamen, musste das System modernisiert werden.
2010 begann schließlich der Bau eines Speichersees in Sölden. Der künstliche See speichert das Schmelzwasser des Gletschers und da er in 2000 Metern Höhe gelegen ist, werden so in Zukunft die Transportwege kürzer und der Energieverbauch reduziert. Hannes Lang dokumentiert den Werdegang der Bauarbeiten des neuen Wasserspeichers vom Beginn der Bauarbeiten bis zur festlichen Eröffnung.
Inzwischen gibt es allein in Sölden rund 350 Schneeanlagen der neusten Generation. In 24 Stunden können so 2600 Kubikmeter Schnee erzeugt werden; das ist eine Menge von 30 000 vollbeladenen LKW. Eine hochmoderne „Snowmaker“-Anlage auf 2800 Metern Höhe bildet das Herzstück der technischen Steuerung der Beschneiungsanlage im Pitztal. Sie ist die erste ihrer Art auf der Welt gewesen und wurde aus Israel bis in die Alpen befördert. Viele Rutschen und ein innovatives Rohrsystem transportieren den produzierten Schnee auf die Pisten, auf denen er verteilt wird. Das System ist hochkomplex und hochmodern und alle Einstellungen können bequem von einer Zentrale aus vorgenommen werden.
Der Speichersee, die hochmoderne Pumpanlage sowie die Schneeerzeuger bilden die Grundvoraussetzung für den Wintertourismus. Das Wetter und die natürlichen Gegebenheiten scheinen nur noch am Rande eine Rolle zu spielen. Die Frage ist, wie lange kann die Technik noch gegen die Natur oder mit der Natur kämpfen? Denn ganz aufhalten wird man die Gletscherschmelze nicht, dennoch wird es weiterhin touristischen Gletscherskilauf im Pitztal auf der Höhe von knapp 3000 Metern geben.
Ganz anders stellt sich die Situation auf der italienischen Seite der Alpen in der Provinz Vercelli dar. Die frischen grünen Täler bilden eine Kontrastwelt zum grellen, lauten Touristenalltag. In dem kleinen Dorf Rimella scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Das Leben der Bewohner wirkt idyllisch und geruhsam; das Kartoffelfeld und die Wiesen werden noch per Hand bewirtschaftet. Zu Hause bei der rüstigen 82-jährigen Aurelia Calzio und ihrem Sohn Bruno stammen auch der Käse und die Butter noch aus eigener Herstellung.
Aber die sukzessive Wetterveränderung und die Abwanderung der Bevölkerung, haben das Leben der Alpenbauern verändert. Ganz so harmonisch wie es scheint, ist der Alltag am Rande der Alpen nicht, denn nur alte Menschen sind noch da, um die Felder zu bestellen. „Man muss sich immer nach dem Wetter richten, das kann man nicht erzwingen.“
Dass es keine jungen Leute mehr gibt, die das Land bewirtschaften und ihren Nachwuchs mit in die Provinz bringen, macht Aurelia traurig und nachdenklich. Die Hoffnung bleibt, dass die jungen Leute sich an ihre Wurzeln erinnern und wegen der wirtschaftlichen Lage wieder zurück kommen. Aber was passiert, wenn niemand mehr in die kleine italienische Provinz zieht?