Mit Mistgabel und Federboa - Farmer John

DVD / Blu-ray / iTunes / Trailer :: Website :: IMDB (7,5)
Original: The Real Dirt on Farmer John
Regie: Taggart Siegel
Darsteller: Anna Nielsen, John Edwards
Laufzeit: 83min
FSK: ohne Altersbeschränkung
Genre: Dokumentation (USA)
Verleih: Kinostar Filmverleih
Filmstart: 13. September 2007
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
Heute ist der Angelic Organics Hof in Caldedonia, Illinois ein florierender, biologisch-dynamischer Gemüseanbau, betriebswirtschaftlich modernst und erfolgreich geführt. In den Schuppen und Häusern, auf den Feldern und Äckern des Hofes herrscht emsige Betriebsamkeit, der Hof ist in so gut wie jeder Hinsicht ein Musterbetrieb. Doch dies was nicht schon immer so. Vielmehr ist die Geschichte der Farm, engst verbunden mit der Geschichte ihres betreibenden Bauern in 3. Generation – Farmer John Peterson, eine lange Geschichte voll Leid, Orientierungslosigkeit und Verzweiflung. Aber auch eine Geschichte voll Heimatund Naturliebe, Mut zum Neuanfang und Hoffnung auf ein besseres Morgen; und eine Geschichte über die Fähigkeit des Menschen sein eigenes Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und zu beeinflussen. Schon als Kind arbeitet John zusammen mit seinen Eltern auf dem Bauernhof der Familie. Das Stück Land, vom Großvater während der großen Rezession Anfang des letzten Jahrhunderts mühevoll erarbeitet und bewahrt, ist der einzige und zugleich auch kostbarste Besitz der Familie. Und die Basis ihres Lebensunterhalts. Emotional ist John eng mit der Mutter verbunden, in der Farmarbeit ganz seines Vaters treuester, begeisterter Schüler. So ist es keine Frage, dass John die Farmarbeit übernimmt als der Vater schon sehr früh stirbt. Und John wird zum einzigen Teenager weit und breit, der neben der Schule noch eine komplette Farm bewirtschaftet. Während für andere die erste Schulstunde der Beginn des Tages ist, hat John um diese Zeit bereits schon 20 Kühe gemolken und gefüttert ... Und er liebt dieses harte Leben. Das ist sein Leben. Keine Frage. Dies ändert sich auch nicht, als John am College zu studieren beginnt. Und der junge Mann mit dem eigenen Bauernhof erweckt Interesse im Kreise der Kommilitonen. Viele finden den Weg auf seinen Hof, das verlockende, einfache Bauernleben mit körperlicher Arbeit und genügend Zeit den eigenen künstlerischen Ausdruck in Bildhauerei, Theater und Bild in der Scheune zu entdecken, passt zudem nur all zu gut zum Zeitgeist der Hippie-Zeit der 60er- und 70er. Zumal John die Entwicklung kräftig fördert – schätzt er doch selbst neben seiner Arbeit das Künstlerische sehr. Argwöhnisch beobachtet vom konservativ-ländlichen Umfeld der Nachbarn, wird die Farm über Jahre zur Hippie-Kommune mit allem was dazu gehört ... John bleibt über die Jahre immer auch der aktive Bauer mit Leib und Seele. Und die Farm seine Heimat. So schön die jungen Jahre verlaufen, umso härter trifft es John Peterson in Folge. Der Zinsmarkt dreht, zudem verändert sich der Markt für Agrarerzeugnisse (nicht nur) in den USA total - viele kleine Familienbetriebe brechen unter dem Teufelskreis aus Schuldenlast aufgrund von Maschinenneuanschaffungen und ausbleibenden Einnahmen zusammen. Auch Farmer John Peterson muss aufgeben und schmerzenden, schweren Herzens große Teile des Betriebes sowie fast die gesamten Maschinen versteigern lassen. Mehr noch als der Verlust des Materiellen trifft Peterson der ideelle Verlust und das Gefühl seine Familie enttäuscht zu haben indem er die Farm zum Scheitern brachte. Tief deprimiert sucht er sein Seelenheil in der Kunst als Theatermacher und Skulpteur; er reist rastlos durch die Welt; sucht zu vergessen, sucht seinen inneren Ruhepunkt, seine Ausgeglichenheit wiederzufinden. Es zieht ihn zurück. Dorthin wo schon seine Wiege stand. Auf den Hof seiner Ahnen, seinen Hof. Er spürt die Erde in seinen Händen, wie unter Zwang beginnt er wieder mit dem Feldbau. Doch der Markt ist nicht offener geworden für kleine Produzenten, die Zeiten für Kleinbauern sind noch immer hart. Zudem vermag John sehr oft selbst nicht so recht klar sehen, wer er nun ist. Ein Künstler der gerne Feldbau betreibt? Ein Bauer mit einem Faible für Kunst? Zahlreich die kleinen und großen Krisen über die Jahre, die Versuche, die Enttäuschungen und auch die Momente der Leere; des Nicht-mehr-weiter-Wissens. Und auch des Nichtmehr-weiter-Könnens. John weiß immer nur eines: Er liebt es zu sehen wie Pflanzen wachsen. Wie aus einem Samenkorn neues Leben entsteht. Wie die Erde riecht. Wie sie sich anfühlt. Er liebt es dem eisernen Pflug zuzusehen wie er die Erde bearbeitet. Erst als John Peterson das bis heute für Bauernhöfe zukunftsweisende CSA-Prinzip (CSA = Community Supported Agriculture) entdeckt, einhergehend mit dem verstärkten Aufkommen von Umsetzungs- und Absatzmöglichkeiten für Biologisch-Dynamischen Landbau, zeigt sich für Peterson wieder ein deutlicher, auch für ihn gangbarer Weg in die Zukunft. Das CSA-Prinzip basiert darauf, dass Familien Hofteilhaber werden, die jeweils mit einem bestimmten Betrag zur Finanzierung des Hofes beitragen und so den Grundstein für notwendige Investitionen legen. Im Gegenzug bekommen die Teilhaber die Möglichkeit zum Bezug von Hoferzeugnissen (Obst, Gemüse, Eier etc.) Somit hat der Landwirt eine solide Arbeitsgrundlage und ist unabhängig von nur an finanziellen Kriterien interessierten Geldgebern, die Familien haben den Vorteil die Erzeuger ihrer Nahrungsmittel direkt zu kennen und auch einen gewissen Einfluss auf diese ausüben zu können. Mit Hilfe des CSA-Prinzips und der Grundsätze der Biologisch-Dynamischen Landwirtschaft gelingt es Peterson die Farm erneut zum Erblühen zu bringen. Er findet wieder zurück in seine perfekte Balance zwischen Kunst und Gemüsebau, Leben und Erleben, Körper und Seele ...

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