Original: Menschen, Träume, Taten
Regie: Andi Stiglmayr
Darsteller: ?????
Laufzeit: 87min
FSK: ohne Altersbeschränkung
Genre: Dokumentation (Deutschland)
Filmstart: 26. Februar 2009
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
Am 23. Juni 2007 feiert das Ökodorf Sieben Linden seinen zehnten Geburtstag. Die Alternativgemeinschaft in der Altmark unweit von Poppau (Sachsen-Anhalt) kann auf zehn sehr erfolgreiche und bewegte Jahre zurückblicken. Angefangen hatte die Initiative Ökodorf mit nicht viel mehr als einer Handvoll Menschen und ihrer Vision vom alternativen und selbstbestimmten Leben. Heute wohnen 43 Frauen, 35 Männer und 33 Kinder in Sieben Linden und haben eine ökologische Gemeinschaft in genossenschaftlicher Selbstverwaltung begründet.
Zwei der Bewohner sind Silke und Martin, die bereits mehrere Jahre in »Sieben Linden« leben. Für Silke stand schon vor dem Abitur fest, dass sie der Konsumgesellschaft den Rücken kehren will. Ihren Traum von einem möglichst naturnahen und ökologischen Leben konnte sie in »Sieben Linden« konsequent verwirklichen. Martin hatte zunächst ein Studium der Energietechnik absolviert und kann heute sein Wissen in vielen Projekten einbringen. Nicht von allen Bewohnern des Ökodorfes werden Silkes Vorstellungen und Radikalität geteilt. Deshalb hat sie zusammen mit Martin den »Club 99« gegründet, eine von sechs nach Interessen ausgerichteten Nachbarschaften in Sieben Linden.
»Der Club99« ist eine Lebensgemeinschaft mit eigenem Gelände im Ökodorf »Sieben Linden«, heißt es in einer Selbstbeschreibung. »Wir haben für unser Zusammenleben eine Vision zur Entwicklung einer Seinsweise formuliert, die wir seit 1999 versuchsweise umsetzen und dabei ständig weiterentwicklen. Wir möchten allem Leben mit Achtung begegnen. Wir möchten nicht mehr Wohlstand für uns selbst, als bei einer gerechten Verteilung allen Menschen der Welt zustünde. Wir möchten dabei Ressourcen und Lebensräume für zukünftige Generationen aller Lebewesen erhalten und wiederherstellen. Wir wissen, dass es nötig ist, unseren Konsum auf höchstens ein Zehntel des derzeitigen Bundesdurchschnittsverbrauchs zu senken, um dies zu erreichen. Wir sind bereit, uns zu hinterfragen, unsere Gewohnheiten, unser Denken, Reden und Handeln entsprechend zu verändern und unseren Wohlstandsbegriff zu entmaterialisieren.«
Silke und Martin wollen die Gesellschaft verändern und Vorbild sein. Sie engagieren sich besonders im Wohn- und Energiebereich. In Sieben Linden haben sie ein sowohl nach modernsten wissenschaftlichen Erkenntnissen als auch nach archaischen afrikansichen Bautraditionen gestaltetes Niedrigenergiehaus gebaut, dessen Wände aus Lehm mit nur zehn Prozent des üblichen Energieaufwands auskommen. Momentan entsteht ein Strohballenhaus, die »Villa Communia«, das eine ähnliche Engergieeffizenz aufweisen soll. Andere Bewohner von Sieben Linden betreiben ökologische Landwirtschaft mit Pferd und Pflug oder Tierzucht. Die Mehrheit der Bewohner lebt allerdings vegan oder vegetarisch, und die Aufzucht von Tieren »für eine Minute Gaumenfreude« ist äußerst umstritten.
Im Laufe der Jahre ist aus dem Ökodorf eine weiträumige Anlage geworden. Es gibt verschiedene Handwerksbetriebe, ausgebildete Ingenieure, Computerspezialisten und Köche. Jeder versucht, sein Können in die Gemeinschaft einzubringen. Obwohl die Dorfbewohner eine weitgehend autarke Lebensweise führen, sind sie wirtschaftlich nicht vollkommen autonom. Innerhalb des Dorfes herrscht Tauschökonomie - Fahrradreparatur gegen Lebensmittel. Darüber hinaus muss jeder Bewohner im Monat zirka 180 Euro für Essen aufbringen sowie weitere 80 Euro für Platzmiete, Brennholz, Warmwasser und gegebenenfalls Schulgeld für die Kinder. Manche Bewohner fertigen Schmuck an, den sie auf Flohmärkten verkaufen, andere halten Seminare ab oder engagieren sich beim Eurotopia-Projekt, einem Verzeichnis aller Ökogemeinschaften.
Auf die Bürger der Nachbargemeinde Poppau wirken die Sieben Lindener ungewöhnlich. Vielen ist der Lebensstil zu einfach und chaotisch, andere sind fasziniert von der selbst geschaffenen Infrastruktur und vom selbstbestimmten Leben. Interessiert schauen sie sich am Tag der offenen Tür einmal um. Dokumentarfilmer Andreas Stiglmayr hat sich um ein differenziertes Bild des Ökodorfes bemüht. Er zeigt die guten und die schwierigen Situationen im Alltag einer Großkommune und entwirft ein Porträt von Menschen, die ihre Sehnsüchte in gelebte Utopie verwandelt haben.