Mensch 2.0 - Die Evolution in unserer Hand

DVD / Blu-ray / Trailer :: IMDB (7,6)
Regie: Basil Gelpke, Alexander Kluge
Darsteller: ?????
Laufzeit: 108min
FSK: ohne Altersbeschränkung
Genre: Dokumentation (Deutschland, Schweiz)
Filmstart: 27. September 2012
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
Was ist der Mensch? Keine geringere Frage bestimmt den Erkenntnisdrang des Filmpolitikers Alexander Kluge und des Journalisten Basil Gelpke in ihrem jüngsten Filmprojekt „Mensch 2.0 – Die Evolution in unserer Hand“. In Zeiten hochtechnologischer Expansion ins Unendliche und der rasant zunehmenden Auslagerung menschlicher Denk- und Handlungsprozesse drängen sich grundsätzliche Fragen nach erstrebenswerten Lebensformen und sozialen Bedingungen menschlicher Existenz stärker auf denn je. Der Homo Sapiens war gestern – heute existiert der Mensch 2.0. Schafft die technologische Revolution eine neue Spezies Mensch? Was für Konsequenzen hat es, wenn das Gehirn den Menschen verlässt? Können wir mit dem Knie denken? In einer dichten Materialsammlung präsentiert „Mensch 2.0“ die aktuellen Entwicklungen der Bio-, Nano- und Computertechnologie und fragt vor allem nach Sinn und Unsinn des unaufhaltsamen Fortschritts in der Medizin. Wenn Roboter uns die Arbeit abnehmen, eröffnet sich ein riesiges Potential von Selbstentwürfen und eine unendliche Vielfalt kreativen Schaffens. Wenn Maschinen uns die Arbeit wegnehmen, findet wir uns sozialer und ökonomischer Existenzbedrohung ausgesetzt, Armut, Vertreibung und Entmenschlichung. Das Subjekt gerät in eine Krise. Schließlich schaffen wir uns selbst ab. Von der Metapher zur Metonymie: Was ist noch Mensch und was Maschine? Sind wir den Robotern ein Vorbild oder ahmen Menschen den Automaten nach? Die technologische Revolution verlangt nach Menschen ohne Fehler, nach Optimierung des Gewinns und stetiger Effizienzsteigerung. Ganz im Klugeschen Sinne vieldeutiger und undurchsichtiger Realität präsentiert „Mensch 2.0“ zahlreiche Interviews mit Künstlern, Ärzten, Neurowissenschaftlern, Philosophen, Schriftstellern, Soziologen, Informatikern und Psychologen zu jüngsten Entwicklungen in der Robotik. Dazwischen geschnitten erscheinen Kommentare zu menschlichen Organen und Weltansichten sowie Bildwelten zur Position des Menschen in der Geschichte. Wenn Helge Schneider in Wehrmachtsuniform rohe Eier durch den Krieg trägt während im Hintergrund unüberhörbarer Kanonenhagel ertönt, stellt sich die Frage nach der Zerbrechlichkeit menschlicher Existenz und die Bedeutung von Wahrnehmung im historischen Prozess. Nach Kluge entsteht der Film im Kopf des Zuschauers. Mittels einer assoziativen Montage und produktiven Bildermengen sucht „Mensch 2.0“ einen Denkraum zu schaffen, in dem sich der Rezipient dem ungeformten Material gegenüber selektiv verhält und seine eigenen Erfahrungen an den Film anlagert. Der Dokumentarfilm „Mensch 2.0“ fragt nach dem Status von Horror, Fantasie, Wunschdenken, Träumen und Science Fiction. Wie lässt sich künstliche Intelligenz erzeugen? Was sind Emotionen? Die Forschung in der aktuellen Robotik zeigt, Mensch-Sein ist nicht programmierbar, sondern muss erlernt werden, durch Beobachtung, Interaktion und Kommunikation. Wenn Maschinen ein Rattengehirn eingesetzt wird, können sie die tierischen Neuronen trainieren und zur Steuerung von Bewegungen einsetzen. Was bedeutet dann noch Wille, Absicht und Bewusstsein? Wo bleibt die Persönlichkeit, wenn zum Beispiel Bina Rothblatts Klon, Bina 48, sich mit ihrem Erfinder über Religion und Gefühle unterhalten kann? Alexander Kluge und Basil Gelpke konzentrieren sich auf die Entwicklungen in der Medizin. In ihrem Film zeigen sie, wie Forschung in Biotechnologie und -elektronik neben Implantaten wie Herzschrittmachern oder einer künstlichen Retina sowie komplexen Prothesen, etwa Roboterhände hervorbringt, die quer über den Atlantik Nervensystem und Computer verbinden können. Außerdem gibt es intelligente Rollstühle für Schlaganfallpatienten, die Gedanken lesen und Muskeln anhand von Gehirnimpulsen trainieren können. Mittels Exoskeletten lassen sich menschliche Anlagen um ein Vielfaches erweitern. Den Zukunftsversionen sind keine Grenzen gesetzt. Im technischen Sinne sind wir eigentlich schon jetzt fast alle Cyborgs. „Mensch 2.0“ fragt, inwiefern künstliches Leben möglich ist und was für gesellschaftliche Umwandlungen aktuelle Erkenntnisse der Bio-, Nano- und Computertechnologie evozieren. Während die natürliche Evolution der Arten – und damit auch des biologischen Menschen – sehr langsam vor sich geht, erfährt die künstliche Intelligenz, wie Zivilisation, Industrie und Gesellschaft, eine schier unaufhaltsame Beschleunigung. An einem bestimmten Punkt erhält Intelligenz eine neue Konkurrenz: die der Dinge, in die menschliche Arbeit gesteckt wurde. Diese Dinge (Institutionen, Werte, Waren, Maschinen, Netze) enthalten gewaltige Portionen menschlicher Lebenszeit. Sie gewinnen aus dieser Mitgift ihr Eigenleben. Für das, was uns Menschen ausmacht, entsteht hieraus eine radikale Herausforderung: für das Ich, die Philosophie, die Lebenspraxis, das Gemeinwesen. Das stellt uns vor die Frage: Was heißt Mensch 2.0? Kann man ihm vertrauen? Oder ist er gefährlich?

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