Manda Bala - Send a Bullet

DVD / Blu-ray / Trailer :: Website :: IMDB (7,3)
Regie: Jason Kohn
Darsteller: ?????
Laufzeit: 85min
FSK: ab 16 Jahren
Genre: Dokumentation (Brasilien, USA)
Verleih: b. film Verleih
Filmstart: 15. Januar 2009
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
Auf jedem Hochhaus eine Helikopterlandefläche: In keiner anderen Stadt gibt es so viele Hubschrauberflüge wie in der 20-Millionen Metropole São Paulo. Hier fliegen die Reichen von Haus zu Haus. Allein in der Luft sind sie noch sicher vor den gut organisierten Entführern und Lösegeld-Erpressern aus den Armenvierteln. Sie gehen mit ungeheuerer Brutalität vor, die einen wie die anderen. Korruption und Gewalt sind im heutigen Brasilien allgegenwärtig. Sie sind Ursache und Folge der Kontraste, die das Land prägen: ungeniert zur Schau gestellter Reichtum einer kleinen Oberschicht hier, das Elend der Massen dort. In der Kluft zwischen Reich und Arm werden die Mittelschichten und die von ihr getragene Bürgergesellschaft zum Auslaufmodell. Brasilien hat die zweifelhafte Ehre, Namenspate dieses Phänomens zu sein: Soziologen sprechen von »Brasilianisierung«. Einer der Protagonisten in »Manda Bala« drückt es plastisch aus: »Der eine stiehlt mit dem Stift, der andere mit der Pistole.« Zu den ersten gehört beispielsweise der Politiker Jader Barbalho, der mit einem komplizierten Geflecht aus Scheinfirmen systematisch zwei Milliarden Dollar an Staatsgeldern unterschlagen hat, die als Hilfe für das unterentwickelte Amazonasgebiet im Norden Brasiliens gedacht waren – weg das Geld, steinreich ein Einzelner, die Massen hoffnungslos wie zuvor. Barbalhos Raubzug ist in Brasilien ein öffentliches Geheimnis, passiert ist ihm fast nichts. Barbalho ist einer der einflussreichsten Männer des Landes, der Staatsanwalt machtlos. Am anderen Ende stehen diejenigen Bewohner der Armenviertel, die Wohlhabende entführen, um Lösegeld zu erpressen – auch ein Weg, das Glück in die eigene Hand zu nehmen. Rund um São Paulo ist eine regelrechte »Entführungsindustrie« entstanden, vor der die Reichen zittern. Oft greifen die Täter zu drastischen Maßnahmen: Es hat sich eingebürgert, den Entführten ein Ohren abzuschneiden, um die Dringlichkeit der Lösegeldzahlung zu unterstreichen. So setzt sich ein Strudel von Abschottung, Aufrüstung und zunehmender Brutalität in Bewegung. Armut und Chancenlosigkeit im Angesicht des Luxus erzeugen Gewalt, gegen die man sich kostspielig schützen muss. Das lässt ganze Geschäftsfelder neu entstehen: Wer sich Hubschrauberflüge nicht leisten kann, braucht zumindest einen gepanzerten Wagen. Sicherheitsberater verdienen blendend mit Fahrtrainings für den Fall eines Entführungsversuchs – Crash-Kurse zur Cash-Sicherung. Und ein Schönheitschirurg hat sich darauf spezialisiert, die verstümmelten Ohren der Opfer zu rekonstruieren. An der Gewalt verdienen viele. Das macht sie so reich, dass sie zu potentiellen Opfern werden und sich wiederum selbst mit hohem und teuerem Aufwand schützen müssen – eine düstere Ironie. Inmitten des Panoramas aus Geld und Gier: Frösche. Die größte Froschfarm der Welt in Brasilien war eine der Geldwasch-Anlagen, mit denen Jader Barbalho seine Milliarden beiseite gebracht hat. Ihr heutiger Besitzer mag Frösche lieber als Menschen: »Menschen greifen normalerweise von hinten an – Frösche von vorne. Ein Frosch schaut dir in die Augen, wenn er dich fressen will.« In den Becken der Farm hocken die Frösche in ihrer trüben Brühe, dicht gedrängt. Ab und zu verschlingt ein großer einen kleineren – Spiegel des Überlebenskampfes aller gegen alle im Großstadtdschungel São Paulos. Ein Entkommen gibt es nicht – zumindest für die Frösche. Am Ende werden sie geschlachtet und landen auf den Tellern derer, die es sich leisten können. Das letzte Wort hat einer der Entführer. Auch er ist ein Unternehmer wie die, die er kidnappt. Der Mann aus dem Slum jedoch versteht sich als führsorglicher »Pate« seines Stadtviertels. Mit dem erpressten Geld sorgt er für soziales Wohlergehen, kauft Lebensmittel und Medikamente – behauptet er jedenfalls. Der Familienvater mit zehn Kindern blickt optimistisch auf die Aussichten des freien Unternehmer tums und seine Chancen auf sozialen Aufstieg: »Dies ist die Zukunft Brasiliens. Vielleicht wird einer meiner Söhne sogar einmal Präsidentund bringt dieses Land in Ordnung!«

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