Original: Lenin kam nur bis Lüdenscheid - Meine kleine deutsche Revolution
Regie: Andre Schäfer
Darsteller: ?????
Laufzeit: 88min
FSK: ab 12 Jahren
Genre: Dokumentation (Deutschland)
Filmstart: 05. Juni 2008
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
„Lenin kam nur bis Lüdenscheid. Bis Solingen ist er nicht gekommen. Aber fünfundzwanzig Kilometer weiter östlich, im Zeltlager in Lüdenscheid, schien die Weltrevolution bereits geglückt“, erinnert sich Richard David Precht an den sozialistischen Kosmos seiner Kindheit. Geboren in eine Zeit, die von politischen Umwälzungen in Deutschland und der ganzen Welt geprägt ist: 1964, das Jahr, in dem die letzte gesamtdeutsche Olympiamannschaft bei Olympischen Spielen antritt, der Oberste Sowjet Nikita Chruschtschow im für manche so nahen Russland sämtliche Ämter verliert und die ersten Menschen in Solingen und anderswo gegen Atomkraft demonstrieren.
Während sich das Gesicht der Welt auf dem globalen politischen Parkett tief greifend verändert, versucht eine Solinger Familie, sich und ihren Kindern ein kleines sozialistisches Universum inmitten kapitalistischen Feindeslandes zu konstruieren. Vater Precht liest Marx und Engels, während Sohn Richard die Rauschebärte der Avantgarde mit dem des Tiervaters Brehm verwechselt. Überhaupt entwirft der Junge in seinem Solinger Kinderzimmer seine eigene Welt – einen Mikrokosmos, der vieles durcheinander wirft: Die DDR stellt er sich als riesigen, durch eine hohe Mauer geschützten Zoo vor – er hatte gelesen, dass der Tierpark Berlin-Ost tatsächlich der größte der Welt sei. Mutter Precht erzieht ihre Kinder nach einem klaren Weltbild, trennt scharf zwischen Gut und Böse, Sozialismus und Kapitalismus. Coca-Cola ist zu Hause ebenso verpönt wie Raumschiff Enterprise. Richard und seine Geschwister dürfen Asterix lesen, weil das irgendwie subversiv ist und die Römer die Besatzer sind, so ähnlich wie die Amerikaner.
„Lenin kam nur bis Lüdenscheid. Bis Solingen ist er nicht gekommen. Aber fünfundzwanzig Kilometer weiter östlich, im Zeltlager in Lüdenscheid, schien die Weltrevolution bereits geglückt“, erinnert sich Richard David Precht an den sozialistischen Kosmos seiner Kindheit. Geboren in eine Zeit, die von politischen Umwälzungen in Deutschland und der ganzen Welt geprägt ist: 1964, das Jahr, in dem die letzte gesamtdeutsche Olympiamannschaft bei Olympischen Spielen antritt, der Oberste Sowjet Nikita Chruschtschow im für manche so nahen Russland sämtliche Ämter verliert und die ersten Menschen in Solingen und anderswo gegen Atomkraft demonstrieren.
Während sich das Gesicht der Welt auf dem globalen politischen Parkett tief greifend verändert, versucht eine Solinger Familie, sich und ihren Kindern ein kleines sozialistisches Universum inmitten kapitalistischen Feindeslandes zu konstruieren. Vater Precht liest Marx und Engels, während Sohn Richard die Rauschebärte der Avantgarde mit dem des Tiervaters Brehm verwechselt. Überhaupt entwirft der Junge in seinem Solinger Kinderzimmer seine eigene Welt – einen Mikrokosmos, der vieles durcheinander wirft: Die DDR stellt er sich als riesigen, durch eine hohe Mauer geschützten Zoo vor – er hatte gelesen, dass der Tierpark Berlin-Ost tatsächlich der größte der Welt sei. Mutter Precht erzieht ihre Kinder nach einem klaren Weltbild, trennt scharf zwischen Gut und Böse, Sozialismus und Kapitalismus. Coca-Cola ist zu Hause ebenso verpönt wie Raumschiff Enterprise. Richard und seine Geschwister dürfen Asterix lesen, weil das irgendwie subversiv ist und die Römer die Besatzer sind, so ähnlich wie die Amerikaner.
Richard David Precht, auf dessen gleichnamigem Buch der Dokumentarfilm basiert, liefert die unverklärte Sicht auf das wichtigste Kapitel der jüngsten deutsche Geschichte – den freien, fast naiven Blick aus der Sicht eines Kindes und gleichzeitig ein Fallbeispiel, das die „68er“ im Jubiläumsjahr 2008 in ein neues, mindestens so unterhaltsames wie erhellendes Licht rückt. Der Film ist eine provozierende Abrechnung mit der Wucht idealistischer Erziehung, die so fortschrittlich daherkam und dann doch im Wunsch der Kinder erstickte, endlich erwachsen zu werden.