Original: La León
Regie: Santiago Otheguy
Darsteller: Daniel Valenzuela, Daniel Sosa
Laufzeit: 85min
FSK: ab 12 Jahren
Genre: Drama (Argentinien, Frankreich)
Die Kamera gleitet langsam durch einen Urwald. In Cinemascope und Schwarz-Weiss. Eine hypnotische Bewegung durch Unterholz, Schilf und Wasserläufe, beunruhigend und faszinierend zugleich. Ihr Blick entspricht dem Blick Alvaros, der sich mit seinem kleinen Holzboot einen Weg durch diese Landschaft hindurch bahnt. Seine Geschichte spielt im argentinischen Paraná-Delta, einem wilden, unnahbaren Labyrinth aus Flüssen und Inseln, nur etwa 30 Kilometer von Buenos Aires entfernt und doch wie aus einer anderen Welt. Auf den umliegenden Inseln leben wenige Menschen genauso wie er, fischen oder schneiden Schilf für die Korbflechter, betrinken sich in der einzigen Bar, treffen sich ab und zu beim wöchentlichen Fußballspiel.
Turu, ein grobschlächtiger und machtbewusster Mann, ist der Besitzer der Fähre LA LEON, die für viele Bewohner des Deltas der einzige Kontakt nach draußen oder zu den Nachbarn ist. Turu streut Gerüchte über Familien, die sich in der Gegend neu ansiedeln und die er ‚Misioneros’ nennt – Fremde, die nicht von den Inseln des Deltas stammen und angeblich den Dorfzusammenhang bedrohen. Auch Alvaro ist ihm nicht geheuer. Denn Alvaro ist schwul – ein Einzelgänger, der sich in seinem einsamen Leben ohne die anderen eingerichtet hat, der mit den ‚Fremden’ redet, Bücher liest. Sein Schwulsein verheimlicht er vor den anderen, Affären hat er nur mit Touristen, die er unterwegs trifft. Seine Zurückgezogenheit wird erst herausgefordert, als Turu ihn öffentlich bloßstellt und ihm nach einem Fest im Wald auflauert...