Jesus Camp

DVD / Blu-ray / iTunes / Trailer :: IMDB (7,5)
Regie: Heidi Ewing, Rachel Grady
Darsteller: Becky Fischer, Mike Papantonio
Laufzeit: 84min
FSK: ab 12 Jahren
Genre: Dokumentation (USA)
Filmstart: 01. November 2007
Bewertung: 10,0 (1 Kommentar, 1 Vote)
Sie werfen ihre Arme in die Luft, verharren regungslos, murmeln gottesfürchtige Beschwörungsformeln und brechen kollektiv in Tränen aus. Wenn die Pastorin Becky Fischer in Fahrt gerät und vor Hunderten Fünf- bis Zwölfjähriger im Sommercamp »Kids on fire« ihre rhetorischen Fähigkeiten ausspielt, kann sich ihr niemand entziehen. Die Kids hängen hingerissen an ihren Lippen: »We can fix the world« - wir können die Welt auf den rechten Weg bringen, skandiert Betty Fischer ununterbrochen, und ein Kind nach dem anderen stimmt wie in Trance ein. Für Betty Fisher, Mitglied der evangelikalen Bewegung, deren Einfluss in den USA stetig wächst, sind die Methoden, mit denen sie die Kinder manipuliert, eine Notwendigkeit. Weil der Islam Kinder zu bewaffneten Kriegern ausbilde, sieht sie ihre Bibel-Camps als notwendige Selbstverteidigung. Betty schwärmt davon, wie brauchbar und empfänglich gerade Kinder für die Sache des Christentums seien. »Ihr werdet für den Rest eures Lebens dem Herrn dienen!« schärft sie ihnen ein. Betty Fisher plant langfristig: Was man einem Kind in diesem Alter an Überzeugungen mitgebe, daran werde es sein Leben lang festhalten. In den Teilnehmern ihrer Camps sieht sie die ersten Mitglieder einer Armee Gottes, die einen Siegeszug gegen alles anführen werde, was nicht dem wahren Glauben entspricht. Das Weltbild evangelikaler Christen speist sich aus der wortwörtlichen Auslegung der Bibel. Es beinhaltet einen absoluten Wahrheits- und Führungsanspruch ihrer Religion, Ablehnung der Evolutionstheorie, radikale Verdammung der Abtreibung, ja teilweise sogar die Ablehnung von Umweltschutz, da das Leben auf der Erde nur eine Zwischenstation sei. Weltweit wird der Anteil derjenigen, die sich als Teil dieser Bewegung verstehen, auf über ein Viertel der organisierten Christen geschätzt. Auch in Deutschland nimmt ihre Zahl zu. »Jesus Camp« gewährt unzensierte Einblicke in die Welt evangelikaler Christen in den USA und ihre politischen Ziele, ohne sie zu kommentieren - seine Bilder sprechen für sich und sind erschreckend. In den USA hat der Dokumentarfilm von Rachel Grady und Heidi Ewing bereits zu heftigen Kontroversen geführt. Ranghohe Evangelikale, wie Reverend Ted Haggard, der direkten Zugang zum Weißen Haus hat und im Film bei einer Predigt zu sehen ist, fühlten sich verunglimpft und haben sich über den »Angriff auf charismatische Christen« beschwert. Kritiker in den USA werfen Teilen der evangelikalen Bewegung vor, dass sie systematisch die Trennung zwischen Staat und Kirche untergrabe und ein undemokratisches Gesellschaftssystem wolle, in dem für Andersdenkende kein Platz sei. An der resoluten Erweckungspredigerin Becky Fischer prallen solche Vorwürfe ab. Sie ist überzeugt, dass »Demokratie und Freiheit sich selbst zerstören«.

Kommentare

1mirkuss11. Dezember 200710/10
Im Fernsehen lief neulich eine gekürzte TV-Version dieses Films. Absolut beeindruckend und erschreckend zu sehen, wie manipulativ Kinder durch die selbsternannten Hüter von Moral und Religion erzogen werden. Und da es sich in diesem Film um Christen handelt wird sehr schön deutlich, dass jede Religion totaler Käse ist, sobald sie anfängt sich von Andersdenkenden abzugrenzen oder diese gar abwertet. Toller Film!!