Regie: Jan Fehse
Darsteller: Anne Schäfer, Wiebke Puls
Laufzeit: 88min
FSK: ab 16 Jahren
Genre: Drama (Deutschland)
Filmstart: 14. Juni 2012
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
Eine junge Frau namens Jasmin trifft in einer psychiatrischen Einrichtung auf die Ärztin Dr. Feldt. Jasmin hat ihre Tochter getötet, ihr eigener Suizidversuch scheiterte. Die Gutachterin soll klären, was die Mutter bei ihrer Tat antrieb. Vier Tage lang werden sich die beiden in einem Raum der Anstalt gegenübersitzen und unterhalten.
Tag 1: Dr. Feldt blättert in ihren Unterlagen, ihr gegenüber sitzt die junge Jasmin, die sehr nervös und angespannt wirkt. Die Ärztin erklärt ihr das Vorgehen, dass es nicht einfach werde, aber helfe: gemeinsam werden sie in groben Zügen durch ihr Leben gehen und sich erinnern – eine Exploration durchführen. Die Ärztin fragt die junge Frau, was sie tun würde, wenn sie im Leben noch einmal von vorne anfangen könnte. Zuerst gibt Jasmin an, ihren Selbstmordversuch nicht wiederholen zu wollen, doch nach kurzer Überlegung würde sie es das nächste Mal einfach "richtig" machen. Als Dr. Feldt die Tat andeutet, bricht die junge Frau in Tränen aus. Die Ärztin erklärt Jasmin, dass sie für den anstehenden Prozess einen Auftrag vom Gericht hat und in erster Linie da ist, um ihr zuzuhören. Da sich Jasmin aber nicht mehr beruhigt, wird sie auf ihr Zimmer gebracht.
Tag 2: Dr. Feldt wartet auf Jasmin im Gesprächszimmer. Als diese kommt, erklärt sie, dass drei bis vier Sitzungen nötig sind, bis sie bei der Tat ankommen werden. Sie werden über frühkindliche und schulische Entwicklung, Pubertät, Erwachsenenalter, berufliche Entwicklung, Beziehungen, Hobbys, Sucht und physische/psychische Erkrankungen sprechen. Doch Jasmin kann sich an nichts erinnern. Sie deutet zum ersten Mal an, dass ihr Kind nicht mehr da ist.
Die Exploration beginnt mit Jasmins Kindheit: sie erzählt von dem schlechten Verhältnis zu ihrer Mutter und der engen, vertrauten Bindung zu ihrem Vater, der starb als sie sechs Jahre alt war. Sie spricht von Sabine, der Schwester ihres Freundes Benno, bei der sie eine Zeit mit der gemeinsamen Tochter Franziska gewohnt haben und die viel auf das Kind aufgepasst hat. Eines Tages muss dem Kind der Magen ausgepumpt werden – die Tablettensucht ihrer Schwägerin hatte Jasmin bis dahin ausgeblendet. Sie beschreibt ihre Tochter Franziska als anstrengend, als Baby hat sie viel geschrien. Jasmin spricht aber von der unendlichen Liebe zu ihrer Tochter und dass sie "es" nicht gemacht hat, um sie loszuwerden. Doch niemand fragt, was wirklich passiert ist. Ihre Tochter war sehr krank, sie hatte ein Loch im Herz. Jasmin beginnt zu weinen und beendet die Sitzung.
Tag 3: Dieses Gespräch beginnt Dr. Feldt mit Jasmins Schulzeit. Mit 17 hat sie die Schule geschmissen, um ihren damaligen Freund mit seiner Band auf Tour zu begleiten. Als dieser sie betrog, war sie zutiefst enttäuscht und kehrte zu ihrer Mutter zurück. Diese konnte Jasmin jedoch nicht verzeihen, abgehauen zu sein. Darüber hinaus gab sie Jasmin, wie schon in ihrer Kindheit, die Schuld am Tod des Vaters. Die junge Frau beschreibt, wie sie den Vater ihres Kindes kennen lernte, wie es aber schnell schwierig wurde, weil Benno das Kind nicht wollte. Sie jedoch hatte sich ein Kind gewünscht und beschreibt die Schwangerschaft trotz der schwierigen Beziehung zu Benno und den widrigen Umständen als die schönste Zeit ihres Lebens. Dann aber hat Benno sie und Franziska verlassen, keinen Unterhalt gezahlt, sich nicht gekümmert. Frau Feldt weiht Jasmin ein, dass sie selbst schwanger ist.
Tag 4: Der letzte Tag der Exploration. Langsam öffnet sich Jasmin und erzählt Dr. Feldt, dass sie ihre Tat als das Schlimmste ansieht, was ein Mensch tun kann, und dass sie die Abscheu der anderen Leute ihr Gegenüber verstehen kann. Das Gespräch wird nun intensiver. Jasmin erzählt von der Zeit, nachdem Benno sie verlassen hat. Durch die Eröffnung eines Cafés hat sie sich in hohe Schulden gestürzt. Franziska wurde immer kränker, ihr Café ging pleite, die Miete konnte sie nicht mehr zahlen. Plötzlich stand sie mit ihrer Tochter auf der Straße und musste bei ihrer Mutter Unterschlupf suchen, die ihr immer wieder Schuldzuweisungen machte. Jasmin konnte sich ihre Krankenversicherung nicht mehr leisten, musste mit ihrer herzkranken Tochter aber oft ins Krankenhaus. Sie fühlte sich wie eine Bittstellerin. Jasmin sieht ihr Leben als Aneinanderreihungen von falschen Entscheidungen und gibt allein sich die Schuld dafür. Ihre Tochter war dabei das Einzige, was ihr Leben zusammengehalten hat und ihr Kraft geben konnte.
An dieser Stelle versucht Jasmin das Gespräch abzubrechen, doch die Ärztin fordert sie auf, weiterzumachen – sich an die Tatnacht zu erinnern. Jasmin verlässt den Raum, geht zu ihrem Zimmer und stoppt - kehrt zurück zu Frau Feldt. Sie gibt den Widerstand auf, öffnet sich und berichtet der Ärztin von ihren Selbstmordgedanken. Als Franziska so unglaublich krank war, sah sie keinen Ausweg mehr. Vorher dachte sie, alles schon irgendwie in den Griff zu bekommen. Ihrer Tochter ging es jedoch immer schlechter. Die Selbstvorwürfe wurden immer lauter. Sie konnte nicht mehr. Im Haus fiel ihr Blick auf ein Seil. Der passende Balken dazu fand sich auf dem Dachboden. Der Ausweg war zum Greifen nahe, die Lösung unausweichlich. Bei diesem Gedanken habe sie eine innere Ruhe gespürt und die unendliche Liebe zu ihrer Tochter. Franziska schlief friedlich. Da fasste Jasmin den Entschluss, ihre Tochter mitzunehmen…