Original: Io non ho paura | I´m Not Scared
Regie: Gabriele Salvatores
Darsteller: Giuseppe Cristiano, Mattia Di Pierro
Laufzeit: 109min
FSK: ab 12 Jahren
Genre: Drama (Großbritannien, Italien, Spanien)
Filmstart: 18. Dezember 2003
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
Ein Sommerwind durchstreift die reifen Getreidefelder. Wie ein goldgelbes Meer erstrecken sie sich bis zum Horizont, die Sonne brennt vom tiefblauen Himmel. Der Sommer 1978 ist der heißeste seit Jahren und in der Hitze steht das Leben im süditalienischen Aqua Traversa scheinbar still.
Das winzige Dorf inmitten der Kornwüste besteht nur aus wenigen Häusern. Die Erwachsenen versuchen, im Schatten der Hitze zu entgehen, die Kinder jagen der Abwechslung hinterher, sehnen sich nach Abenteuern.
Hier lebt der neunjährige Michele mit seiner Schwester Maria, der attraktiven Mutter Anna und dem Vater Pino, der als Fernfahrer viel unterwegs ist.
Mit vier Freunden und Maria spielt Michele im Kornfeld. Sie laufen vorbei an der gruseligen Farm des harschen Candela und seinen furchteinflößenden Schweinen, hinaus in die endlose, kornfarbene Landschaft. Bei einem verlassen Gutshaus entdeckt Michele ein tiefes Loch im Erdboden. Es ist verdeckt und getarnt und als er hineinlugt, stellt er sich vor, es wäre „eine Höhle, gefüllt mit Gold und Edelsteinen ...“
Doch in der Finsternis befindet sich kein Schatz, sondern eine menschenähnliche Gestalt unter einer Plane. Michele erkennt einen kleinen Fuß und macht sich angsterfüllt davon.
Wieder zu Hause begrüßen Michele und Maria freudig ihren Vater. Endlich ist er mit seinem Lastwagen wieder heimgekehrt und hat Geschenke mitgebracht. Als es darum geht, Wein aus dem dunklen Keller zu holen, hat Vater Pino eine Idee. Er hält drei Streichhölzer, wer das Kurze zieht, hat verloren. Doch das Glück meinte es nie so gut mit Pino, also zieht er das kürzere Holz und muß in den Keller.
Wie jede Nacht liest Michele unter der Decke von Abenteuern, von einer weiten Welt jenseits der staubigen Kargheit von Aqua Traversa.
Am nächsten Tag fährt Michele wieder zu dem verlassenen Gutshaus, er möchte wissen, was in dem Loch ist. Er lehnt sich weiter über den Erdrand, versucht etwas zu erkennen und plötzlich erscheint die Gestalt: blondes verfilztes Haar, ein verzerrtes Gesicht mit verklebten Augenlidern, ein ungeheuerliches Quieken. Michele schreit auf, taumelt zurück und fährt panisch mit seinem Rad davon. Ein Schlagloch im Feldweg bereitet der Flucht ein jähes Ende. Zerschrammt und mit kaputtem Rad kommt Michele im Dorf an und wird auch gleich vom Vater gescholten, wo er denn gewesen sei.
Schon am nächsten Morgen ist der Ärger vergessen, doch Michele geht die schreckliche Gestalt nicht mehr aus dem Kopf. Selbst das „Regungslos“-Spiel mit seinen Freunden macht ihm keinen Spaß mehr. Er kehrt zurück zum Erdloch.
Diesmal spricht die Gestalt mit ihm, bittet kaum hörbar um Wasser. Michele sucht im verlassenen Haus nach einem Gefäß. Dabei findet er einen Kochtopf, der ihm von zu Haus bekannt vorkommt.
An einem Strick lässt er einen Topf voll Wasser ins Loch hinab, fragt ins Dunkle „Bist du ein kleiner Junge?“, das blasse Wesen bejaht. Und es hat Hunger.
Michele macht sich auf den Weg nach Haus, kommt wieder an Candelas Farm und den gefräßigen Schweinen vorbei, Unheil liegt in der Luft.
Michele ist aufmerksamer geworden. Er findet im Küchenschrank Töpfe, die genauso aussehen, wie jener im verlassen Bauerngut. Ihm fällt auf, dass Vater Pino das Essen sorgfältig verpackt, welches Maria nicht mehr will. Und er ist skeptisch, als der Vater Sergio ankündigt, einen Freund, der für einige Tage bleiben wird.
Am Abend erzählt Michele seiner Schwester eine Gutenachtgeschichte und verarbeitet darin seinen Verdacht, das Kind im Loch sei sein ausgesetzter Bruder. Natürlich mag Maria diese gruselige Geschichte nicht.
Was kauft man für einen hungrigen Jungen? Michele gibt sein Erspartes für Brot aus, will es dem Jungen bringen. Unterwegs beobachtet er am verlassenen Haus Felice, den Bruder eines seiner Freunde. Er ist ein ungemütlicher, grober Kerl, mit dem man sich nicht anlegen sollte. Doch was hatte er an diesem Ort verloren?
Michele lässt dem Jungen das Brot ins Erdloch herab und fragt ihn, ob Felice den Jungen gefangen hält und versorgt. Doch der isst gierig vom Brot und antwortet nicht auf die Fragen. Enttäuscht will Michele nach Hause fahren, doch dann fällt ihm auf, daß er den Brotlaib mitnehmen muß. Sonst könnte jemand Verdacht schöpfen, dass er den blassen Jungen versorgt. Dazu muss er aber hinabsteigen, und so stehen sich die Beiden erstmals gegenüber. Der andere Junge scheint verwirrt. Er erzählt seltsame Dinge, glaubt tot zu sein und beginnt zu schreien. Verwirrt flieht Michele erneut.
Die verdächtigen Ereignisse beginnen sich zu häufen. Sergio taucht auf, ein furchteinflößender Mann, vor dem sogar Micheles Vater Respekt hat. Im Fernsehen bittet eine verzweifelte Mutter die Entführer ihres Kindes, dem Sohn Filippo nichts zu tun. Die Erwachsenen des Dorfes finden sich zu geheimen Treffen zusammen, und Michele begreift langsam, welch abscheuliches Verbrechen in Aqua Traversa vor sich geht. Aus ihrer wirtschaftlichen Not heraus haben sich die Erwachsenen entschlossen, den Sohn des Lombardischen Industrialisten Giovanni Carducci gegen Lösegeld zu entführen, eine Verzweiflungstat.
Der Junge im Loch ist eben jener Filippo, er ist auch neun Jahre alt und hält Michele für seinen Schutzengel. Dabei dürfte Michele gar nichts von seiner Existenz wissen. In seiner jugendlichen Sicht auf die Dinge erkennt er jedoch ganz klar die Ungerechtigkeit dieser Tat.
Schon bald erfahren die Entführer, daß Michele Filippo gesehen hat. Die Ereignisse überstürzen sich, die Entführung wird den Beteiligten zu heikel und Filippo soll getötet werden. Während Sergio, Pino und die anderen Erwachsenen mit Streichhölzern auslosen, wer das bestialische Urteil vollstrecken wird, begibt sich Michele in höchste Gefahr, um seinen neuen Freund zu retten...