Happy-Go-Lucky

DVD / Blu-ray / iTunes / Trailer :: Website :: IMDB (7,0)
Regie: Mike Leigh
Darsteller: Nonso Anozie, Eddie Marsan
Laufzeit: 118min
FSK: ab 6 Jahren
Genre: Drama, Komödie (Großbritannien)
Filmstart: 03. Juli 2008
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
Poppy (Sally Hawkins) radelt fröhlich durch die Straßen Londons und winkt hin und wieder freudestrahlend freundlichen Passanten zu. Wer jetzt annimmt, Poppy sei die sechsjährige Heldin eines pädagogisch wertvollen Kinderbuches für Leser im Grundschulalter, der liegt etwas daneben. Denn bei Poppy, die eigentlich Pauline heißt, handelt es sich nicht um eine fiktive Grundschülerin, sondern vielmehr um eine sehr reale Grundschullehrerin, die sich allerdings das sonnige Gemüt ihrer sechsjährigen Zöglinge bewahrt hat. Nachdem sie ihr Fahrrad an einem Zaun festgemacht hat, betritt die Pädagogin einen Buchladen, wo sie sich bald in ein Kinderbuch vertieft. Zum Kauf kommt es jedoch nicht, da der wortkarge Buchhändler (Elliot Cowan) mit Poppys unbeschwerter Art nun so gar nichts anfangen kann. Als Poppy zu ihrem Fahrrad zurückkehren will, ist es weg. Poppy hätte sich zwar gerne noch von ihrem langjährigen und inzwischen sehr klapprigen Gefährt verabschiedet, aber sie nimmt’s mit Humor. Typisch Poppy. Am gleichen Abend sieht man Poppy auf der Tanzfläche eines Londoner Clubs ausgelassen herumzappeln. Voll wie fünf der berühmten Strandhaubitzen wanken Poppy, Schwesterchen Suzy (Kate O’Flynn), Mitbewohnerin Zoe (Alexis Zegerman) sowie deren Kumpaninnen Dawn (Andrea Riseborough) und Alice (Sinead Matthews) erst im Morgengrauen aus dem sündigen Vergnügungstempel. Am nächsten Tag erwacht Poppy frohgemut mit einem Lächeln auf den Lippen, denn Poppy gehört zu den Menschen, die täglich frohgemut mit einem Lächeln auf den Lippen erwachen. Suzy hingegen ist ziemlich verkatert und verknautscht und muss deshalb gewaltsam Morpheus’ Armen entrissen werden. Danach lümmeln die beiden Schwestern noch eine Weile auf dem Bett herum und unterhalten sich über Suzys Examen, das sich bereits als dunkle Wolke am Horizont abzeichnet. Zoe, die inzwischen auch wieder von den Toten auferstanden ist, bildet später den dritten ungeduschten Matratzenbelag. Nachdem Suzy fortgegangen ist, plaudern Poppy und Zoe über Poppys andere Schwester Helen (Caroline Martin). Helen ist, wie man so schön sagt, in freudiger Erwartung und erwartet darüber hinaus den Besuch der drei Damen: Es gäbe dann auch was vom Grill. Das Gespräch der beiden Grundschullehrerinnen - denn Zoe ist vom selben Metier - schwenkt dann auf didaktisches Fachgebiet über. Es geht um Tiere mit Migrationshintergrund, einfacher gesagt, um das Leben der Zugvögel, das laut Lehrplan nächste Woche der zwergenhaften Klientel näher zu bringen ist. Und übrigens wird Poppy, wie sie nun im Tonfall eines Fanfarenchors ankündigt, ihren entwendeten Drahtesel nicht durch einen neuen ersetzen, sondern stattdessen Fahrstunden nehmen! Anderen Morgens spielen sich in Poppys – und einige Kilometer entfernt auch in Zoes – Unterricht Szenen ab, die von einem Horrorfilmklassiker Alfred Hitchcocks inspiriert sein könnten: Zahllose Vögel schwirren unkontrolliert durch den Klassenraum. Besorgte Eltern dürfen aber jetzt wieder aufatmen, denn hier wiederholt sich nicht die Tragödie von Bodega Bay, denn das sich kreuz und quer herumflatternde Geflügel entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als ein Schwarm harmloser Kinder mit selbstgemalten Vogelmasken. Poppys und Zoes ausgefeiltes Lehrkonzept sieht nämlich auch einen praktischen Teil vor, der das theoretisch Erlernte am eigenen Körper nachvollziehbar machen soll. Nachdem die Pausenklingel den munteren Piepmätzen wieder Bodenhaftung verordnet hat, strebt Poppy gutgelaunt ihrem wöchentlichen Trampolinkursus entgegen. Das Trampolin ist nämlich ein Sportgerät, das genau zu Poppy passt: Man kann darauf gutgelaunt herumhüpfen und flieeeeegen. Tags drauf nimmt Poppy ihre erste Fahrstunde. Ihr Lehrer Scott (Eddie Marsan) ist ein gestrenger und grantiger Typ und somit das ganze Gegenteil von Poppy – Konfrontation vorprogrammiert. Scotts elaboriertes Erziehungskonzept findet auch sogleich seine Anwendung in der Praxis: Was hat seine neue Schülerin denn da eigentlich an den Füßen? Diese hochhackigen Boots sind kein Beitrag zur Verkehrssicherheit! Als Scott erfährt, dass es sich bei seiner Schülerin um eine leibhaftige Lehrerin handelt, ist er, vorsichtig gesagt, etwas irritiert. Sieht so eine Respektsperson aus, die der britischen Jugend ein Vorbild geben soll? Nach einer weiteren Trampolinstunde verspürt Poppy, die gerade den Schulkorridor durchschreitet, ein fieses Zwicken im Rücken: Gestern wohl ein wenig zu ausgelassen herumgehüpft! Trotz dieser kleinen Unpässlichkeit ist sie aber sofort Feuer und Flamme, als ihr die Schulrektorin Heather (Sylvestra Le Touzel), der sie gerade in die Arme gelaufen ist, vorschlägt, sie zu ihrem wöchentlich stattfindenden Flamenco-Kurs zu begleiten. Flamenco klingt nach mediterraner Lebensfreude. Das wird bestimmt lustig! Aber erstmal geht Poppy zum Orthopäden: Der renkt alles wieder schön ein! Die zweite Fahrstunde: Scott guckt schon wieder so finster aus der Wäsche, dass bei repräsentativen Umfragen sogar Darth Vader höhere Sympathiewerte erzielen würde. Schuld an der Übellaunigkeit ist die Ungeschicklichkeit seines letzten Schülers, der daraufhin den Zorn der dunklen Seite der Macht so richtig zu spüren bekommen hat. Aber selbst als der düstere Lord erneut seiner Kritik auf Poppys schuhmodische Verirrungen deutet, reagiert diese mit der heiteren Gelassenheit des altersweisen Obi Wan Kenobi. Diese Gelassenheit wird allerdings an der nächsten Straßenkreuzung schon wieder auf eine harte Probe gestellt. Denn Scott weist seine Schülerin an, die Fahrzeugtüren zu verriegeln, da unmittelbar in ihrer Nähe zwei Fahrradfahrer vorbei fahren, deren dunkle Hautfarbe im Kopf des Fahrlehrers sofort eine wilde Fantasie von Kannibalismus und grausamen Vodoo-Ritualen auslöst. Viel Spaß noch für den Rest der Fahrstunde, Poppy! Möge die Macht mit dir sein! Im Schlepptau Heathers besucht Poppy nun zum ersten Mal den Flamenco-Kursus, der von Rosita aus Sevilla (Karina Fernandez) geleitet wird, also von einer waschechten Spanierin, deren imposante Erscheinung dementsprechend viel ‚Grandezza’ verströmt. Olé! Nach einigen von Kastagnettengeklapper begleiteten Tanzversuchen der durchaus bemühten angelsächsischen Grobmotorikerinnen, schreitet die Lehrerin unwirsch ein. Sie attestiert ihren Schülerinnen, allen voran Poppy, einen gravierenden Mangel an Leidensfähigkeit, Verzweiflung und sonstiger Seelenpein. Schließlich ist das Leben kein Ponyhof, sondern, wie schon in den dunkelsten Passagen der heiligen Schrift nachzulesen ist, gefälligst immer noch ein Jammertal. So reflektiert auch der Flamenco nicht zuletzt die innere Verfassung der Jahrhunderte lang unterdrückten und misshandelten weiblichen Kreatur in einer jeweils sehr persönlich zu interpretierenden Weise. Dass Rosita selbst in der Lage ist, sehr persönlich zu interpretieren, illustriert sie nun eindringlich durch einen sehenswerten Tränenausbruch und ebenso bühnenreifes Davonrennen. Ihr kubistisch zerwühltes Gesicht erinnert dabei stark an die berühmte ‚Weinende Frau’ ihres Landsmanns Pablo Picasso, der bekanntlich auch nicht gerade als Frauenversteher in die Geschichte eingegangen ist. Nachdem im großen iberischen Gefühlskino der Vorhang gefallen ist, erörtern Poppy und Heather in ihrem Pub Fragestellungen erotischer Natur. Wie, will die Rektorin wissen, ist es eigentlich um Poppys Liebesleben bestellt? Dort, so erläutert Poppy freimütig, sei zwar seit geraumer Zeit einiges bestellt, aber immer noch nichts abholbereit. Ist aber gar nicht schlimm. Später kreist die Debatte um Heathers Tochter, welche inzwischen das Teenager-Alter erreicht hat. Heather wäre entzückt, wenn sich ihr Nachwuchs möglichst bald für einen einjährigen Auslandsaufenthalt begeistern ließe, denn eine Mutter will für ihr eigen Fleisch und Blut immer nur das Beste. Und Reisen erweitert bekanntlich den Horizont - nicht zuletzt denjenigen Heathers, da die Tochter für längere Zeit hinter selbigem verschwunden wäre. Poppy sieht sich daraufhin ermuntert, von ihrer eigenen Weltreise zu berichten, die sie und Zoe bis nach Südostasien und Australien führte. Den kulturellen Höhepunkt dieses Gewalttrips bildete ein sechsmonatiger Zauberei-Work-Shop in Thailand. Am nächsten Tag in der Schule sieht Poppy, wie ein Junge (Jack MacGeachin) einen Mitschüler auf dem Pausenhof mit Schlägen traktiert. Kaum hat die dritte Fahrstunde begonnen, ist Scott mit seiner Geduld schon wieder am Ende. Der Automobilfanatiker wirft seiner Auszubildenden vor, jeglichen Lernfortschritt absichtlich zu sabotieren. Sie sei nicht nur ständig abgelenkt beim Wagenlenken, sondern auch arrogant, destruktiv und verherrliche darüber hinaus Chaos und Anarchie als anzustrebenden Gesellschaftszustand. Ihr Lehrerinnenexamen müsse sie ja wohl beim Bingo erworben haben. Er selbst sei übrigens nie gerne zur Schule gegangen, da man dort versucht habe, sein stürmisch drängendes Genie unter nichtsnutzigem Bildungsballast zu ersticken. Obwohl Scotts Charakteranalyse allenfalls dem skrupellosen Führer einer international operierenden Terrororganisation schmeicheln würde, bewahrt sich Poppy ihre unverwüstliche Grundfröhlichkeit, um die sie sogar der Dalai Lama beneiden kann. In der Schule beobachtet Poppy eine weitere brutale Ausschreitung des aggressiven Schülers. Dieses Mal greift sie beherzt ein. Die Flamenco-Klasse wirbelt heute mit dem gebotenen Ernst und so vorbildlich zur Schau gestellter Verquältheit übers Parkett, dass die gestrenge Rosita sich sogar zu einem kleinen Lob hinreißen lässt. In Poppys Klasse fällt der gewalttätige Junge erneut unangenehm auf. Nachdem die Schulstunde beendet ist, stellt ihn die Lehrerin deshalb zur Rede und bietet ihm ein offenes Ohr sowie ihre Hilfe an. Später bespricht Poppy mit Heather den Fall des Problemkindes. Die Rektorin schlägt vor, einen Spezialisten hinzuzuziehen. Auf ihrem abendlichen Heimweg vernimmt Poppy plötzlich nicht gerade Vertrauen erweckende Geräusche. Normale Menschen würden jetzt mit gesundem Fluchtverhalten reagieren. Die arglose Grundschullehrerin aber geht der Ursache des gespenstischen Singsangs nach und trifft auf einen Obdachlosen (Stanley Townsend). Poppy lässt sich sofort auf ein Gespräch mit dem eloquenten Trunkenbold ein, dessen inhaltliche Einwürfe abwechselnd aus hellsichtigen Philosophemen, kryptischem Gebrabbel und gelegentlichen Gewaltandrohungen bestehen. Dessen ungeachtet versteht man sich aber wirklich prima. Nach dem interessanten Disput schreitet der faszinierende Mystiker im Dunkel davon. Am nächsten Morgen bringen Poppy und Heather den offenbar verwirrten Schüler mit dem eigens herbeigerufenen Sozialarbeiter Tim (Samuel Roukin) zusammen. Der kleine Nick, so der Name des Jungen, offenbart im anschließenden Gespräch, dass er von dem neuen Freund seiner Mutter körperlich misshandelt wird. Als Poppy Tim nach diesem Termin zum Ausgang des Schulgebäudes begleitet herrscht zwischen ihnen eine Atmosphäre, die eindeutig als ‚flirty’ bezeichnet werden kann. Zum Beweis dafür werden schließlich Telefonnummern ausgetauscht. Kann Tim, obwohl auf dem Parkplatz kein Schimmel wiehernd auf ihn wartet, in Poppys Leben die Prinzenrolle übernehmen? Schon wieder Fahrstunde. Heute wird’s richtig persönlich. Ob er, Scott, mal einige persönliche Fragen stellen dürfe? Aber natürlich, Scott! Wie alt sind Sie eigentlich, leben Sie noch bei ihren Eltern oder ganz allein? Sie wohne, antwortet Poppy wahrheitsgemäß aber gleichzeitig etwas missverständlich, seit zehn Jahren mit einer Frau zusammen, die sie sehr liebe. Ach, so ist das also. Dass Scotts Gedanken jetzt schnurstracks in die Richtung der griechischen Ferieninsel Lesbos schweifen, bleibt Poppy nicht verborgen. Sie findet die Situation aber so amüsant, dass sie zu deren Aufklärung keinerlei Beitrag leistet. Scotts nächster Redebeitrag thematisiert dann erneut Poppys völlig inakzeptables Schuhwerk, das sie als normale, ernstzunehmende Verkehrsteilnehmerin eindeutig disqualifiziert! Als Poppy bei der Umrundung einer scharfen Kurve dann zu allem Überfluss noch den unschuldigen Witz über einen entgegenkommenden, aber natürlich imaginären Schwerlastzug reißt, reißt zeitgleich auch Scotts ohnehin kaum belastbarer Geduldsfaden endgültig. Sowas hat er noch mit keiner anderen Schülerin erlebt! Eine Rochade wird verordnet, welche die Dame auf dem Beifahrersitz schachmatt setzt. Den Rest der vermurksten Fahrstunde füllt ein weiterer Beitrag aus Scotts beliebter Vorlesungsreihe ‚Die Schattenseiten des Multikulturalismus’ aus. Poppy, Suzy und Zoe, letztere genießt bereits das unschätzbare Privileg einer europaweit anerkannten Fahrerlaubnis, brausen mit dem Auto in Richtung Küste, um der hochschwangeren Helen und ihrem sanftmütigen Ehemann Jamie (Oliver Maltman) den dringend erbetenen Anstandsbesuch abzustatten. Nach einer ausgedehnten Sight-Seeing-Tour durch Helens winziges, aber gepflegtes Eigenheim, dessen liebevolle Innengestaltung - wie nicht versäumt wird zu berichten - viel Zeit und Nerven gekostet hat, findet im nicht minder winzigen Garten, der natürlich trotzdem viel Arbeit macht, ein Barbecue statt. Um schon einmal die Durchschlagskraft ihrer demnächst ständig geforderten mütterlichen Autorität auf ihre Praxistauglichkeit zu überprüfen, wird zunächst Suzys und Jamies Vorhaben, sich an niveaulosen Computerspielen zu ergötzen, resolut unterbunden. Dann möchte das schwangere Familiengericht von Poppy wissen, ob sich in Anbetracht der im Schwesterleib heranreifenden Frucht nicht auch in ihr Mutterinstinkte regen würden. Und wann sie eigentlich damit beginnen wolle, sich wie ein erwachsenes Mitglied der abendländischen Zivilisation zu verhalten? Die Angeklagte gibt daraufhin reinsten Gewissens zu Protokoll, dass sie glücklich sei und ihr freies, ungebundenes Leben in vollen Zügen genieße. Diese unverschämte Form der Selbstzufriedenheit wertet Helen als volle Breitseite gegen ihre bürgerliche Existierweise und stürmt deshalb wutentbrannt ihren privatesten Gemächern zu. Anderntags soll die üble Dunstwolke hässlicher Verstimmung durch eine steife Brise frischer gesunder Seeluft vertrieben werden. Zu diesem Zweck wird ein Spaziergang entlang der Küste unternommen, bei dem man pausenlos schön tief durchatmen kann und muss. Dann klingelt Poppys Telefon. Es ist Tim, der sich für kommende Woche mit Poppy verabreden will. Wieder zurück in der Hauptstadt sieht Poppy durch die Autoscheibe ganz deutlich, wie Scott vor ihrem Haus herumlungert und zu ihrer Wohnung hinauf schaut. Als Poppy ihrem Stalker frank und frei zuruft, sucht der ertappte Fahrlehrer schlagartig das Weite. Poppys und Tims erstes Date verläuft so, wie nach Ansicht führender Beziehungsexpertinnen jenseits der Wechseljahre frühestens das dritte verlaufen sollte. Denn der in einer Bar mit harmloser Plauderei begonnene Abend endet in Tims Wohnung und mündet dort in eine Situation, auf die nichtindizierte Familienfilme reflexhaft mit einem diskreten Kameraschwenk und quäkender Saxophonmusik reagieren. Am nächsten Morgen chauffiert Tim Poppy nach Hause und lernt bei dieser Gelegenheit Zoe kennen. Und dann auch noch Scott, der Poppys Umerziehung zur erfolgreichen Verkehrsteilnehmerin weiterhin als seine heilige patriotische Pflicht betrachtet. In Anbetracht des sehr herzlichen Kusses, den Tim Poppy zum Abschied gibt, beginnt der Fahrlehrer jedoch zu ahnen, dass seine ungelehrige Schülerin sich während der letzten Nacht auf einem anderem Gebiet bereits zu einer sehr erfolgreichen Verkehrsteilnehmerin gemausert hat. Diese Erkenntnis treibt Scotts ohnehin latent heikle Gemütslage auf einen Grad der Labilität, für dessen poetische Umschreibung das Bild einer entsicherten Kalaschnikow noch zu harmlos erscheint. So empfielt sich Poppy nicht gerade für eine Diplomatinnenlaufbahn, als sie Scott wenig später sehr direkt auf seine Stalking-Aktion von letzter Woche anspricht. Er sei ja gar nicht in der Stadt gewesen, kommt es barschen Tones zurück. Wer’s glaubt! Poppy jedenfalls nicht, was sie wie immer unverblümt zum Ausdruck bringt. Die Fahrweise des Fahrlehrers gewinnt jetzt immer mehr an Sportlichkeit. Während sich die Autofahrt allmählich der Lichtgeschwindigkeit annähert gerät auch Scotts Rassismus immer mehr in Fahrt. Als Poppy endlich das Steuer übernehmen soll, erklärt sie die Fahrstunde vorsichtshalber für beendet und nimmt die Wagenschlüssel an sich. Diese Meuterei gegen den Kapitän aller Stadt- und Landstraßen kommt dem Tritt auf eine Tellermine gleich: Scott beginnt, Poppy gewaltsam an den Haaren zu zerren. Nachdem es Poppy gelungen ist, sich aus seinen Fängen und dem Fahrzeug zu befreien, finden dann rund um dasselbe auch noch einige wilde Jagdszenen statt, die zwar lächerlich anmuten, aber keineswegs zum Lachen sind. Laut unter Zornestränen schreiend und tobend wirft Scott Poppy vor, mit seinen Gefühlen gespielt zu haben. Poppys Wunsch, in die Wissenschaft des Autofahrens eingeführt zu werden, sei nur ein Vorwand dafür gewesen, erst hemmungslos mit ihm zu flirten, um ihn dann grausam zurückzuweisen. Schließlich gelingt es Poppy, indem sie sich für ihr nachgerade abscheuliches Verhalten bei ihm entschuldigt, Scott einigermaßen zu beruhigen. Auf seine abenteuerliche Frage, „Nächste Woche, selbe Zeit?“, gibt sie jedoch keine Antwort mehr, sondern nur schweigend und kopfschüttelnd den Autoschlüssel zurück. Ihren nachdenklichen Heimweg tritt die enttäuschte Fahrschülerin wieder als Fußgängerin an. Poppy bewegt sich bald wieder in ruhigeren Gewässern, genauer gesagt, gemeinsam mit Zoe in einem Ruderboot auf dem friedlichen See eines Londoner Parks. Animiert durch die körperliche Ertüchtigung kündigt Zoe entschlossen an, das Rauchen aufzugeben und legt auch ihrer Sportsfreundin nahe, etwas aufzugeben, nämlich ihr überfreundliches und allzu vertrauensseliges Verhalten gegenüber fremden Menschen. Außerdem rät sie Poppy, Scott bei der Polizei anzuzeigen. Aber Poppy winkt ab, das würde ihm sicher nicht weiterhelfen. Poppy hält inne und bemerkt, wie glücklich sie beide doch eigentlich sind. Dem kann Zoe nicht widersprechen. Dann ruft Tim auf Poppys Handy an, was einiges Liebesgeflüster nach sich zieht. Und dann rudern Poppy und Zoe weiter.

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