Original: Gegenüber
Regie: Jan Bonny
Darsteller: Jochen Striebeck, Guntram Brattia
Laufzeit: 105min
FSK: ab 16 Jahren
Genre: Drama (Deutschland)
Filmstart: 11. Oktober 2007
Bewertung: 10,0 (1 Kommentar, 1 Vote)
Mit seiner ruhigen und besonnen Art kann Streifenpolizist Georg Hoffmann (Matthias Brandt) seinem jüngeren Partner Michael (Wotan Wilke Möhring) bei einem riskanten Einsatz das Leben retten. Während Vorgesetzte und Kollegen ihn als Helden feiern, erzählt er seiner Frau Anne (Victoria Trauttmansdorff) nichts von dem Vorfall.
Schon lange ist Georg Streifenpolizist und seit über 20 Jahren ist er mit Anne, einer attraktiven Grundschullehrerin, verheiratet. Alle Kollegen und Bekannten halten die beiden für ein perfektes Ehepaar, und Georg bringt regelmäßig Blumen mit nach Hause. Die beiden könnten sich gerade etwas Zeit für einander nehmen – Tochter Marie (Anna Brass) und Sohn Lukas (Pablo Ben-Yakov) sind zum Studium aus dem Haus. Anne ist es wichtig, dass ihre Kinder zur Universität gehen, und vor allem, dass ihre Tochter Lehrerin wird, genau wie sie. Scheinbar führt die Familie ein stilles, unauffälliges Leben in der Essener Vorstadt, das viel Alltag und wenig Aufregung zu bieten hat.
Sonntags kommen die Kinder zum Frühstück, und jeden Mittwoch fährt die ganze Familie zum Abendessen zu Annes Eltern. Diese Abende enden fast immer mit Belehrungen des Großvaters Hans Josef (Jochen Striebeck), da er meint, seine Tochter hätte mehr aus ihrem Leben machen können als an einer Grundschule zu unterrichten. Er macht auch keinen Hehl daraus, dass er den zurückhaltenden Georg für einen Versager hält - spätestens seit einem misslungenen Bauprojekt.
Rituell und als Höhepunkt an jedem dieser Abende füllt Hans Josef einen Scheck aus, mit dem er das Studium seiner Enkel finanziert und seiner Tochter demonstriert, dass sie finanziell auf seine Unterstützung angewiesen ist. Während Anne unter dem Verhalten ihres Vaters leidet und sich nach seiner Anerkennung sehnt, läßt Georg Hans Josefs Spitzen mit stoischer Teilnahmslosigkeit über sich ergehen. Aufgrund seines couragierten Verhaltens, als Georg Michaels Leben rettete, soll er endlich befördert werden, und er soll ausgerechnet den Posten bekommen, den Michael seit langem haben will. Georg will gar nicht unbedingt aufsteigen; er wünscht sich eigentlich nur, dass alles einfach möglichst gut, möglichst harmonisch ist. Er hat kein Interesse an Veränderungen, und vor allem möchte er nicht auffallen, nicht die Aufmerksamkeit auf sich lenken.
Erst als Michael zu Besuch kommt, erfährt Anne von der verschwiegenen Heldentat. Für sie stellt Georgs Schweigen einen Vertrauensbruch dar, auf den sie mit einem Wutausbruch reagiert. Nachdem Michael gegangen und sie mit ihrem Ehemann wieder alleine ist, steigert sich ihre Rage noch. Schnell wird klar, dass die Situation zwischen den beiden nicht zum ersten Mal in Gewalt eskaliert - und Georg flüchtet sich die Passivität, mit der er auf schwierige Situationen reagiert: „Das ist doch kein Drama, Anne!“ versucht er, sie zu beschwichtigen.
Als Georg seiner Frau später von der anstehenden Beförderung erzählt, gerät das labile Gleichgewicht ihrer Familie immer stärker ins Wanken. Auch wenn Anne auf ihren Mann stolz sein will, hat sie auch Angst davor, ins Hintertreffen zu geraten. Beim wöchentlichen Abendessen zeigt ihr Vater seinem Schwiegersohn seine Anerkennung, was Anne für sich als Herabwürdigung empfindet. Erneut fällt es ihr schwer, ihre Wut zu kontrollieren - bei einer Autofahrt kommt es beinahe zu einem Unfall.
Eines Abends bringt Georg seine Kollegen auf ein Feierabendbier mit nach Hause. Voller Stolz will Anne auf Georgs Beförderung anstoßen. Michael, der gehofft hatte, dass Georg ihm zuliebe auf die Beförderung verzichtet, ist enttäuscht. Seinen Frust spült er mit Alkohol hinunter; ausgiebig flirtet er mit Anne - mit unausweichlichen Konsequenzen.
Bald schon lassen sich die Probleme der Familie auch nicht mehr vor Außenstehenden verbergen - das Paar hat sich immer tiefer in einem Netz aus Vorwürfen, Verheimlichen, Ausweichen, Aggression und scheinbarer Versöhnung verstrickt. Und auch die Spuren der körperlichen Gewalt sind kaum noch zu übersehen.
Unter dem Weihnachtsbaum nimmt die familiäre Tragödie ihren Lauf. „Das ist doch kein Drama, Anne!“ – Doch, es ist eines...
Super Film!
Es ist ein Film zum Nachdenken. Nichts für Leute, die zum Spaß ins Kino gehen, eine Liebesschnulze oder Action sehen wollen. Er ist einfach gemacht, aber doch ist er sehr niveauvoll!!! Er zeigt, dass nicht nur immer die Männer die Ar***lö**** innerhalb einer Beziehung sind!
Tolle Wendung am Filmende!