Eine Perle Ewigkeit

DVD / Blu-ray / iTunes / Trailer :: IMDB (6,7)
Original: La teta asustada | The Milk Of Sorrow
Regie: Claudia Llosa
Darsteller: Magaly Solier, Susi Sanchez
Laufzeit: 97min
FSK: ab 12 Jahren
Genre: Drama (Peru, Spanien)
Verleih: Neue Visionen Filmverleih
Filmstart: 05. November 2009
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
Ihre Verwandtschaft hat sich längst daran gewöhnt, dass Fausta ein bisschen anders ist: Eine stille und schüchterne junge Frau, die mitten in der hügeligen und staubigen Stadtrandsiedlung in ihrer eigenen Welt, einer Welt voller gesungener Erinnerungen, Bilder und Geheimnisse lebt, die älter sind als sie selbst. Grund dafür ist das große Leid, das ihrer Mutter widerfahren ist, als Fausta noch nicht geboren war. Einem alten, peruanischen Glauben nach überträgt sich die Angst von den Müttern auf die nächste Generation. Nun lebt sie in Faustas Körper weiter und bricht sich von Zeit zu Zeit Bahn. In dem Mythos heißt es, dass die Kinder jener Mütter von den Geistern der Toten verfolgt werden, die ihre Hände nach ihren Seelen ausstrecken. Immer wenn Fausta diese Bedrohung spürt, flüchtet sie sich in alte peruanische Volkslieder, die sie ihrer Mutter vorsingt und die sie trösten und beruhigen. Ihrer Umgebung sind diese weit zurückreichenden Zusammenhänge bekannt, auch wenn niemand viele Worte darüber verliert. Jeder weiß von Faustas Angst, allein auf die Straße zu gehen. Selbst auf kürzesten Wegen lässt sie sich von einem Verwandten begleiten. Im Limaer Krankenhaus hingegen hat man keinen Namen für Faustas Krankheit und kann ihr nicht weiterhelfen. Fausta trägt etwas in sich, das aus medizinischer Sicht nicht existiert. Nach dem Tod ihrer Mutter beschließt Fausta, den Leichnam in das Dorf zurückzubringen, in dem schon ihr Vater begraben liegt, doch fehlt ihr dafür das nötige Geld. Viel Zeit bleibt nicht, denn Faustas Onkel duldet weder Tote noch traurige Erinnerungen im Haus, schon gar nicht, da die Hochzeit seiner einzigen Tochter Maxima bevorsteht. Er fügt sich Faustas Plan, stellt aber eine Bedingung: Bis zur Hochzeit muss alles geregelt sein, sonst droht er, sich um die Angelegenheit selbst zu kümmern. Das möchte Fausta um jeden Preis verhindern. Sie ist es ihrer Mutter schuldig – und auch sich selbst. In ihrem von warmen und satten Farben beherrschten Zimmer kann sie allein sein und sich ihrer Mutter gleichzeitig nah fühlen. Die Sorgen und Gefühle, über die sie sonst nicht sprechen kann, nehmen in ihrem Gesang Form und Gestalt an, was eine beruhigende, aber auch bewahrende Wirkung hat. Während Fausta hier ganz zu sich kommen kann, dringt von außen immer wieder der Lärm planschender Kinder oder ausgelassener Hochzeitsgäste herein. Wie alle Familienmitglieder unterstützt Fausta ihren Onkel und ihre Tante bei der Arbeit ihres Hochzeitsunternehmens, mit dem sie Feste veranstalten, die einer immergleichen Choreographie kommerzialisierter Rituale aus Eheversprechen, Fotoshooting und kaltem Büfett folgen. In Perus kargem Hinterland, wo sonst nichts zu gedeihen scheint, haben sie es sich zur Aufgabe gemacht, den Brautpaaren pompöse Feste zu schenken. Doch die unbekümmerten Hochzeitsgesellschaften mit ihren weißen Marzipantorten und rosaroten Treppen, die ins Nirgendwo führen, bleiben Fausta ebenso fremd wie die Villa der berühmten Pianistin. Auf Anraten ihrer Tante tritt Fausta als Hausangestellte in Mrs. Aidas Dienst, in der Hoffnung, mit dem hier verdienten Geld die letzte Reise ihrer Mutter bezahlen zu können. Dafür ist sie sogar bereit, sich ihrer Angst vor dem Alleinsein zu stellen. Wie eine Oase mitten in der hektischen Stadt liegt Mrs. Aidas von hohen Mauern umgebene Villa im Kolonialstil in einem prächtigen Garten mit dichten Hecken und hohen Bäumen. Faustas Dienst reicht vom Abend bis zum Morgen, wenn sie das schwere Tor für Noé öffnet, den ruhigen, freundlichen Gärtner, zu dem sie allmählich Vertrauen fasst. Als Fausta eines Tages nicht von ihrer Cousine abgeholt wird und vor der Entscheidung steht, mit einem aufdringlichen Verehrer oder allein zu gehen, bietet Noé an, sie zu begleiten. Fausta nimmt sein Angebot, wenn auch zögerlich, an und erzählt ihm von den Mythen und Sagen ihres Dorfes. Noé wird Faustas regelmäßiger Begleiter auf ihren Wegen von der Villa nach Hause. Zwischen ihnen entwickelt sich eine zarte Freundschaft, die keiner großen Worte bedarf. So wie Noé davon überzeugt ist, dass die Natur eine Sprache spricht, auf die man sich nur einlassen muss, verstehen auch er und Fausta sich auf fast magische Weise. Während sein Reich, der Garten mit den Geranien, Kamelien und Gänseblümchen Fausta an ihre Kindheit erinnert, bleibt ihr die herrschaftliche Villa mit den vielen Zimmern, in denen man sich verlaufen kann und den schweren, alten Möbeln unheimlich und fremd. Zuflucht findet sie auch hier in den alten, indianischen Liedern, an denen sie sich in Momenten größter Angst festzuhalten versucht. Die Liebe zur Musik ist eine Leidenschaft, die sie mit der Pianistin verbindet und die beide doch unüberbrückbar voneinander trennt. Denn beide haben ein von Grund auf verschiedenes Verständnis davon. Mrs. Aida steht kurz vor einem wichtigen Konzert und leidet an Nervosität und mangelnder Inspiration. Eines Abends wird sie zufällig Ohrenzeugin von Faustas Lied, an dem sie großen Gefallen findet. Ihre Bitten es noch einmal für sie zu singen, bleiben zunächst erfolglos. Erst, als Mrs. Aida ihr einen Pakt vorschlägt, kann Fausta ihre Angst überwinden. Jedes Mal, wenn Fausta ihr das Lied von der Meerjungfrau vorsingt, bekommt sie eine Perle ihrer kostbaren Halskette, ein unschätzbarer Wert, mit dem Fausta ihrer Mutter den wohlverdienten Frieden schenken könnte. Bis zum Abend des Konzerts sind alle Perlen von Mrs. Aidas in Faustas Besitz übergegangen und liegen in der Villa für sie bereit. In Mrs. Aidas Garderobe die letzten Takte des Konzerts abwartend, erkennt Fausta plötzlich ihr eigenes Lied wieder, dem sie wie hypnotisiert folgt. Die Interpretation von Faustas Lied beschert der Pianistin den lang ersehnten Erfolg, womit Faustas Dienste nicht länger vonnöten sind. Sie hat ihre Schuldigkeit getan und wird prompt ohne den versprochenen Lohn entlassen. Fausta kehrt allein nach Hause zurück. Verzweifelt bittet sie ihren Onkel um Vergebung, denn sie hat es nicht geschafft, ihre Mutter bis zum Tag der Hochzeit zu beerdigen. In tiefer Nacht, als die Feierlichkeiten noch andauern, trifft sie eine Entscheidung, die ihr Leben verändern wird. Sie macht sich allein auf den Weg, um sich das zu nehmen, was ihr zusteht und sich endlich von den Toten zu befreien.

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