Original: Nicostratos le pélican
Regie: Olivier Horlait
Darsteller: Emir Kusturica, Thibault Le Guellec
Laufzeit: 95min
FSK: ???
Genre: Drama, Komödie (Frankreich, Griechenland)
Filmstart: 11. Oktober 2012
Bewertung: n/a (1 Kommentar, 0 Votes)
Yannis ist vierzehn Jahre alt. Er lebt auf Zora, einer kleinen griechischen Insel, auf der es nur drei oder vier verwinkelte Wege gibt. Nur selten verirren sich Touristen oder gar ein Reisebus auf die Insel, die von der Außenwelt abgeschottet und verträumt im Mittelmeer liegt. Es ist, als wäre die Zeit stehen geblieben, noch nicht einmal das Mobiltelefonnetz hat man bis auf die Insel ausgebaut. Wenn man telefonieren möchte, muss man in den Hafen gehen und Aristoteles, Chef des gleichnamigen Cafés, freundlich um die Erlaubnis bitten, telefonieren zu dürfen. Auf dem Markt prägen orthodoxe Priester in ihren schwarzen Kutten das Bild, die mit ihren Sprösslingen an der Hand einkaufen gehen. Manchmal kehren sie auch bei Aristoteles ein und trinken, die Bärte in die Sonne gestreckt, das eine oder andere Glas.
Seit dem Tod seiner Mutter wohnt Yannis mit seinem Vater allein in einem abgeschiedenen Fischerhaus in einer kleinen Bucht. Es ist ein bescheidener, aber funktioneller Wohnort. Demosthenes liebt seinen Sohn Yannis, aber weiß nicht, wie er seine Zuneigung ausdrücken soll. So leben die beiden in dieser idyllischen Umgebung in einem sehr gespannten Verhältnis. Demosthenes‘ Ungeschicktheit im Umgang mit seinem Sohn, seine Schüchternheit und seine Strenge lassen ihn teilweise unverhältnismäßig streng erscheinen. Nur diejenigen, die ihn wirklich gut kennen, wissen, dass er kein schlechter Mensch ist. Ein Blick, ein Lächeln von seiner Seite entspannt hin und wieder die Situation zwischen den beiden und lässt erahnen, wie sehr sie sich mögen. Yannis hat keine gewöhnliche Kindheit. Er wächst in der Einöde auf, arbeitet für seinen Vater, bessert Fischernetze aus, schöpft Ziegenkäse, bebaut den Garten und versucht ein- oder zwei Mal in der Woche die magere Produktion der Familie auf dem Markt zu verkaufen.
Die Geschichte beginnt als Demosthenes ihn beauftragt, einige Flaschen des heimlich destillierten Alkohols zu einem Kapitän zu bringen. Auf dem Schiff des Seemannes findet Yannis einen übel zugerichteten Baby-Vogel und beschließt ihn zu retten. Doch beim Versuch, das Vögelchen von Bord zu schmuggeln, wird er erwischt und muss die Freiheit des Vogels gegen das goldene Kreuz seiner verstorbenen Mutter, eintauschen. Es scheint beinahe, als würde ihn dieser Tausch erleichtern.
Yannis muss die Existenz des Vogels vor seinem Vater geheim halten und verfängt sich schon bald in einem Netz aus Lügen. Er versteckt ihn im Schuppen des Hauses und baut eine kleine Klappe ein, so das ihn der Vogel, den er Nicostratos tauft, jederzeit besuchen kann. Liebevoll nimmt er ihn, versteckt in seinem Rucksack, auf seinen Ausflügen mit und zeigt ihm die Insel. Doch Yannis muss bald erkennen, dass es sich bei dem Vögelchen um einen Pelikan handelt, den größten Vogel Europas, der eine Größe bis zu 1,50 Meter erreichen kann. Schnell lässt sich sein neuer Freund nicht mehr verstecken, zieht die Aufmerksamkeit des Vaters auf sich und wird aus dem Haus gejagt. Schwer kann Yannis seinem Vater verzeihen, dass er ihm seinen einzigen Freund geraubt hat.
Im Lauf des Sommers freundet sich Yannis mit der etwas älteren Angeliki an, die in ihren Ferien im Café ihres Onkels Aristoteles aushilft. Angeliki ist ganz anders als Yannis – modern, laut, eigensinnig und frech. Das hübsche Mädchen, ihre Vielseitigkeit und ihre unwiderstehlich gute Laune, ziehen Yannis magisch an und faszinieren ihn. Angeliki eröffnet Yannis einen Blick über die Insel hinaus, sie stört seine Rauheit und Schüchternheit nicht, sondern fühlt sich davon herausgefordert und verführt ihn sanft. Sie zeigt ihm die wilde Metropole Athen und er führt sie an verborgene und paradiesische Orte der Insel. Auch an jenen, an dem er seinen treuen Freund Nicostratos nun versteckt. Angeliki ist fasziniert von dem großen Vogel.
Als Nicostratos eines Tages auf dem Marktplatz der Insel auftaucht, um Yannis zu besuchen, werden die ersten Touristen auf ihn aufmerksam. So ungewöhnlich ist sein Anblick im griechischen Insel-Paradies, dass sich das seltene Phänomen schnell herumspricht. Ehe sich Yannis versieht, wird die Insel zum Touristenmagneten. Angeliki, die einen ausgeprägten Sinn für gute Geschäfte hat, versucht Yannis davon zu überzeugen, dass mit dem Vogel gutes Geld zu machen sei. Doch die neue Aufmerksamkeit bringt das sensible Gleichgewicht der Inselbewohner ins Wanken und es entsteht ein kunterbuntes Durcheinander zwischen Touristen, Dorfeitelkeiten, Raki, Priestern und Yannis, der sich zum ersten Mal verliebt.