Dixie Chicks: Shut Up and Sing

DVD / Blu-ray / iTunes / Trailer :: Website :: IMDB (5,9)
Original: Shut Up and Sing
Regie: Barbara Kopple, Cecilia Peck
Darsteller: Natalie Maines, Emily Robison
Laufzeit: 93min
FSK: ab 6 Jahren
Genre: Musik, Biografie, Dokumentation (USA)
Verleih: Central
Filmstart: 09. August 2007
Bewertung: n/a (3 Kommentare, 0 Votes)
Januar 2003: Die Dixie Chicks, mit 30 Millionen verkauften Alben die erfolgreichste Frauenband aller Zeiten, dürfen auf dem Höhepunkt ihrer Karriere beim Super Bowl die Nationalhymne der USA singen – live, dreistimmig und begleitet vom enthusiastischen Beifall der Zuschauer. Eine Sprecherin des Teekonzerns, der die bevorstehende „Top of the World“-Tournee des Damen-Trios finanziell unterstützt, zeigt sich euphorisch: Die neue Teesorte des Sponsors sei ähnlich erfrischend wie die Neubelebung der Countrymusik durch die Dixie Chicks. 10. März 2003: Just am Vorabend der US-Invasion im Irak starten die drei Texanerinnen ihre Welttournee in London, wo am Nachmittag desselben Tages eine gigantische Demonstration gegen den drohenden Krieg stattfand – mit rund einer Million Teilnehmern die größte politische Kundgebung in der Geschichte Großbritanniens. Bei ihrem Konzertauftritt im Shepherds Bush Empire lässt sich Leadsängerin Natalie Maines nach der ergreifenden Country-Ballade „Travelin’ Soldier“ zu einem spontanen Kommentar hinreißen: „Nur damit ihr es wisst – wir sind auf eurer Seite. Wir wollen diesen Krieg nicht. Und wir schämen uns dafür, dass der Präsident der Vereinigten Staaten aus Texas stammt“, sagt sie lachend unter dem begeisterten Jubel der Fans. Da ahnt sie noch nicht, was für einen Skandal sie mit dieser flapsigen Bemerkung auslösen wird. Die britische Zeitung „The Guardian“ zitiert Natalies Kommentar, die Nachrichtenagentur AP greift die Geschichte auf, und daraufhin verbreitet sich die Meldung in den US-Medien wie ein Lauffeuer. Ein gewaltiger Proteststurm bricht los: Politiker, Journalisten und Country-Fans reagieren empört; Internet-Websites rufen dazu auf, den Dixie Chicks den Mund zu verbieten. Die drei Musikerinnen diskutieren unterdessen mit ihrem Manager Simon Renshaw, ob sie zur Klarstellung ein neues Statement abgeben sollen, um die Wogen zu glätten. Mit britischem Sarkasmus entwirft Simon eine Art Märtyrer-Vision: Wäre es nicht toll, wenn die Lieder der Dixie Chicks von Radiostationen verbannt und ihre CDs von fanatischen Gegnern verbrannt würden? In Wahrheit kommt jedoch alles noch viel schlimmer: In den USA beginnt eine beispiellose Hexenjagd gegen die bislang völlig unpolitischen Dixie Chicks, die bald zum Staatsfeind Nummer eins avancieren. Hauptinitiatorin der Hetzkampagne ist offenbar eine rechtsradikale Gruppe namens „Free Republic“, die als perfekt organisiert gilt und auffallend gute Kontakte zu den wichtigen Rundfunkstationen unterhält. Countrysender boykottieren fortan die Musik des texanischen Trios, rufen zur Vernichtung von deren CDs auf und stellen dafür eigens große Mülltonnen bereit. Wütende Ex-Fans zerstampfen Dixie-Chicks-CDs öffentlich mit ihren Schuhen oder zermalmen sie gar mit einem Bulldozer. Eine Radiohörerin fordert dazu auf, die drei aufmüpfigen Musikerinnen an Bomben festzubinden und über Bagdad abzuwerfen: Inmitten der allgemeinen Kriegshysterie zeigt der Patriotismus seine hässlichste Fratze. Beunruhigt vom Imageverlust der Band und von den massiv einbrechenden Tonträger-Verkaufszahlen, erwägt der Teekonzern seinen Ausstieg als Toursponsor. Die Dixie Chicks versuchen indes, die ganze Affäre positiv zu sehen – immerhin genießen sie nun mehr öffentliche Aufmerksamkeit, als sie je zu träumen wagten. Bei Fotoaufnahmen für das Cover der berühmten Showbiz-Zeitschrift „Entertainment Weekly“ treten sie mit nackten Argumenten die Flucht nach vorn an – sie lassen sämtliche Hüllen fallen und pinseln sich die Attribute auf die Haut, mit denen man sie in den vergangenen Wochen diffamiert hatte: „Verräterinnen“, „Großmaul“, „Saddams Engel“, „Dixie-Schlampen“. Natalie Maines bedauert in einem Fernsehinterview ausdrücklich ihre Wortwahl, nicht jedoch die Tatsache, dass sie Kritik am US-Präsidenten geäußert hatte. Auf einer Pressekonferenz begrüßt sie die neu gewonnene musikalische Freiheit der Band: Nachdem ihre Songs ohnehin von den Radiosendern boykottiert würden, müssten sie sich nun auch nicht mehr nach deren Musikgeschmack richten. Los Angeles 2005: Zusammen mit ihren beiden Mitstreiterinnen, der Geigerin Martie Maguire und der mittlerweile hochschwangeren Gitarristin und Banjo-Spielerin Emily Robison, hat sich Leadsängerin Natalie Maines für eine Weile nach Kalifornien zurückgezogen. In den Sunset Sound Studios wollen die Dixie Chicks gemeinsam an der Musik und den Texten für ihre neue CD „Taking the Long Way“ arbeiten. Das Album wird für die Gruppe fast zu einer Art Therapie, in der sie die tief greifenden Erfahrungen der letzten beiden Jahre verarbeiten. Musikalisch unterstützt werden sie dabei unter anderem von Natalies Vater, dem Gitarristen Lloyd Maines, sowie von Chad Smith, dem Drummer der Red Hot Chili Peppers, mit dem das Damen-Trio zwischendurch eine Fachsimpelei über die Chemie und Hierarchie innerhalb einer Band beginnt. Die drei Musikerinnen beschließen, ihre neuen, noch sehr ungeschliffenen Songs dem legendären Rockmusik-Produzenten Rick Rubin vorzuspielen. Dieser findet das Rohmaterial fantastisch und erklärt sich bereit, das Album zu produzieren. Bei der Geburt ihrer Zwillinge wird Emily von Martie und Natalie begleitet. Martie hat selbst vor ein paar Jahren Zwillinge bekommen. Für alle drei Mütter ist es selbstverständlich, ab und zu den eigenen Nachwuchs mit ins Studio zu bringen. Manager Simon Renshaw erzählt, wie er die Dixie Chicks 1994 zum ersten Mal traf – damals spielten sie noch unzeitgemäße Western-Swing-Musik, offenbarten aber bereits enormes musikalisches Talent. Nun bittet er das Trio zu einer gemeinsamen Lagebesprechung: Es gilt, eine Strategie für die Veröffentlichung und Verbreitung des neuen Albums zu finden. Denn der traditionelle Weg über die Country-Radiosender ist den Dixie Chicks mittlerweile verbaut. Rückblende: Im Mai 2003 startet die US-Tournee des Trios – das Konzert in Greenville, South Carolina ist der erste Live-Auftritt seit Beginn der Hetzkampagne. Vor der ausverkauften Arena mit 14.000 Plätzen formieren sich massive Proteste von aufgebrachten Bush-Anhängern: Sie fordern die Dixie Chicks wahlweise auf, das Maul zu halten oder nach Frankreich auszuwandern – schließlich würden sie Vaterlandsverrat und Kommunismus unterstützen. Doch der mitreißende Auftritt der drei Musikerinnen wird zum Triumph: Statt des befürchteten Buhgewitters ernten sie Ovationen. Die Radiostationen weigern sich indes seit Wochen, ihre Musik zu spielen. Clayton Allen, der Programmdirektor des Senders „KJ97 San Antonio“, gibt unumwunden zu, kein anderer Künstler hätte je so viele Hassbriefe und Beschwerdeanrufe bekommen wie die Dixie Chicks; selbst wenn ein Countrysender plötzlich auf die Idee käme, Marilyn Manson zu spielen, würde er wahrscheinlich nicht so viele negative Reaktionen auslösen. Und Paul Beane, Geschäftsführer der Radiostation „KRBL Lubbock“, hält es für finanziellen Selbstmord, die Dixie Chicks zu spielen, so lange es keinen Stimmungsumschwung im Land gäbe. Natalie Maines reagiert auf ihre Art: „Nachdem wir uns nun schon in die Scheiße geritten haben, ist es unsere verdammte Pflicht, uns noch weiter reinzureiten“, sagt sie. In einer Pressekonferenz bezeichnet sie es als ungerecht, dass Country-Star Toby Keith nicht ebenso von den Sendern boykottiert werde. Keith hatte in einer Show ein gefälschtes CD-Cover gezeigt, auf dem Natalie in einer Fotomontage Arm in Arm mit Saddam Hussein zu sehen war – gekrönt von der Aufschrift „Dixie Duo: Songs of Peace & Love“. Daraufhin trägt Natalie bei einem Konzert in der texanischen Hauptstadt Austin ein T-Shirt mit der Buchstabenkombination „F.U.T.K.“. Auf Nachfrage erklärt sie, die Initialen stünden nicht etwa für „Fuck U, Toby Keith“, sondern vielmehr für „Friends United Together in Kindness“. In der Folgezeit basteln sich Fans der Dixie Chicks ihre eigenen „F.U.T.K“-Shirts und bieten vor Fernsehkameras immer neue Deutungsmöglichkeiten an – zum Beispiel „Freedom, Unity, Truth, Knowledge“. In einer Anhörung vor dem zuständigen Senatsausschuss wirft Dixies-Manager Simon Renshaw den Radiostationen gezielten Boykott vor. Lewis Dickney, Präsident von „Cumulus Broadcasting“, behauptet dagegen, bei seiner Organisation handle es sich lediglich um einen Zusammenschluss von unabhängigen Sendern. Senator John McCain hält ihm jedoch vor, im Hauptquartier der Firma „Cumulus Broadcasting“ sei eine Entscheidung über die Dixie Chicks getroffen worden, die für die DJs der beteiligten Sender zwingend gewesen sei – insofern könne man wohl kaum von Unabhängigkeit reden. Im Gespräch mit Manager Simon Renshaw deutet Dixies-Leadsängerin Natalie Maines die Möglichkeit der Band an, sich mit der nächsten CD völlig von der Countrymusik zu verabschieden. Los Angeles 2005: Martie Maguire zeigt sich erleichtert darüber, dass ihr Trio sich mit dem neuen Album nicht zu weit von seinen Country-Wurzeln entfernt hat – sie hätte sich von Produzent Rick Rubin nur ungern eine Rockmusik-Platte aufzwingen lassen. Die drei Frauen ziehen sich für eine Weile in ihre jeweiligen Familien nach Texas zurück: Martie zu ihrem Ehemann, dem Schauspieler Gareth Maguire, und ihren Zwillingstöchtern in ihr Haus nach Austin; Emily zu ihrem Gatten, dem Musiker Charlie Robison, und ihren drei Kindern auf ihre Farm in San Antonio; Natalie zu ihrem Mann, dem Schauspieler Adrian Pasdar, und ihren beiden Söhnen in das gemeinsame Haus in Lubbock, Natalies Geburtsort. Ihr Manager Simon Renshaw sucht noch immer nach einer Strategie, um die Fans der Dixie Chicks mit dem neuen Sound der Gruppe vertraut zu machen. Natalie befürchtet voreilige Verurteilungen durch Kritiker oder Fans. Gemeinsam lassen die drei Musikerinnen die zwei Jahre zurückliegenden Ereignisse noch mal Revue passieren: Emily fand die Hetzkampagne damals sehr Furcht erregend; Natalie erschien der Skandal so bizarr, dass sie schon fast darüber lachen konnte; und Martie erinnert sich daran, dass die Morddrohung das Geschehen plötzlich in eine ganz andere Liga katapultierte. Rückblende: Im Juni 2003 taucht auf einmal ein anonymer Drohbrief auf, in dem es heißt, Natalie Maines werde am 6. Juli in Dallas erschossen. Die Polizei glaubt zu wissen, wer hinter dem Schreiben steckt. Der Chef der Security-Truppe garantiert, den verdächtigten Mann während des Konzerts der Dixie Chicks nicht aus den Augen zu lassen. Verschiedene Sicherheitsmaßnahmen werden diskutiert; man einigt sich darauf, an allen Eingängen der Konzertarena Metalldetektoren einzusetzen und die drei Musikerinnen mit einem Polizeifahrzeug vom Flughafen direkt bis zur Bühne zu befördern. Sprung ins Jahr 2006: Die Dixie Chicks nehmen „Not Ready To Make Nice“ auf, ihren bisher emotionalsten Song. Es folgen die Dreharbeiten für das dazu gehörige Video und ein Fotoshooting. Nachdem die Radiostationen noch immer kaum Interesse zeigen, will die Plattenfirma, dass das Trio so viele Fernsehauftritte wie möglich absolviert. Der Druck auf die drei Musikerinnen erhöht sich: Keiner wagt eine Prognose darüber, ob ihnen mit der musikalischen Neuorientierung ein erfolgreiches Comeback gelingen wird. Emily bringt die Stimmung in der Band auf den Punkt: „Es fühlt sich so an, als hätte man uns zusammengeschlagen und wieder zurück in den Ring geschubst!“ Auf jeden Fall möchten die Dixie Chicks wieder auf Tour – aber wird überhaupt jemand ein Ticket für eines ihrer Konzerte lösen? Für den 15. Juni planen die drei ihre Rückkehr nach London, ins Shepherds Bush Empire, an den Ort des Verbrechens…

Kommentare

(3) El_Hefe · 19. September 2007
hm, muss ich mir noch kaufen, nette geschichte + gute musik
(2) Maffay · 15. August 2007
dixie chicks kennst du nicht?..........na dann hast du was verpasst...........ich kenn sicher auch nicht alle sachen von denen, aber iss ne hörprobe wert. sehr gute mucke.
(1) k289372 · 25. Juli 2007
Dixie Chicks? Kenne ich ja überhaupt nicht