Die Nordsee - Unser Meer

DVD / Blu-ray / iTunes / Trailer :: IMDB (7,4)
Regie: Florian Graner
Darsteller: ?????
Laufzeit: 94min
FSK: ohne Altersbeschränkung
Genre: Dokumentation (Deutschland)
Verleih: Polyband
Filmstart: 18. April 2013
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
Die Nordsee hat wahrhaftig viele Gesichter. Das Wattenmeer zwischen den Niederlanden und Dänemark ist das größte der Welt. Seit 2009 gehören weite Teile zum UNESCO-Weltnaturerbe. Seine Unberührtheit und die enorme Produktivität locken unzählige Tiere an. Gewaltige Zugvogelschwärme legen zwei Mal im Jahr hier Zwischenstopp ein, um sich für ihren weiten Weg in die Brut- oder Winterreviere lebenswichtige Reserven anzufressen. Ihre Flugkünste zählen zu den Naturschauspielen, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Die Halligen und Inseln Nordfrieslands sind ebenfalls eine weltweite Besonderheit. Seit Jahrtausenden trotzen die Menschen der Nordsee das Land ab, bauen Lahnungen, um Meter um Meter an Boden zu gewinnen. Aus der Luft wird deutlich, dass die Nordsee selbst wie ein riesiger Organismus ist. Immer wieder verändert das Meer die Küste und die zahllosen Priele, die weiten Wattflächen und Salzmarschen – Meer und Land wirken zusammen – Werden und Vergehen – einmalig auf der Erde. Auf Helgoland, Deutschlands einziger Hochseeinsel, sind die steilen Klippen während der Brutzeit voll belegt mit Basstölpeln, Dreizehenmöwen und Trottellummen. Die Basstölpel brüten erst seit 1991 auf dem roten Felseiland. Mit Erfolg – heute sind es bereits über 1.000 Vögel. Wenn die Fischschwärme vor der Küste eintreffen, werden aus den Tölpeln elegante Jäger, die sich kopfüber und mit hoher Präzisionin die Fluten stürzen. Auf der Nachbarinsel, der Düne, kommen regelmäßig Kegelrobben an Land. Auch sie werden seit einigen Jahren immer mehr. Mit etwas Glück kann man den großen Raubtieren im Sommer nahe kommen – wenn sie neugierig mit den Badenden auf Tuchfühlung gehen. Ein weiterer Schatz Helgolands liegt unter Wasser. Auf felsigem Grund lebt der mittlerweile selten gewordene Helgoländer Hummer. Das zerklüftete Felswatt bietet vielen Tieren Schutz: Seeanemonen und Taschenkrebse, Lederkorallen, mit dem merkwürdigen Namen „Tote Mannshand“ und zahlreiche Fischarten leben hier. Für die Kegelrobben ist es ein Jagdrevier der Extraklasse, ungewöhnliche Begegnungen mit Haien, sprechenden Artgenossen und Menschen inklusive. Die Nordsee ist auch Lebensraum der kleinsten Wale der Welt. Vor Sylt ziehen Schweinswale ihre Kreise. Die quirligen Meeressäuger sind schwer zu filmen und werden hin und wieder schon mal mit Delphinen verwechselt. In Dänemark endet das Wattenmeer – auf abgelegenen Sandbänken ruhen sich Robben von der kräftezehrenden Jagd aus. Die Salzwiesen von Tipperne bieten im Frühjahr ein außergewöhnliches Spektakel: die Balz der Kampfläufer. Bei den skurrilen Vögeln präsentiert sich jedes Männchen in seinem eigenen Federdesign, um den Weibchen zu gefallen. In Deutschland brüten die schrägen Vögel längst nicht mehr – man muss schon nach Dänemark reisen, um sie bei der Balz zu beobachten. Nicht weit vom ungewöhnlichen Vogelvolk liegt die Wanderdüne von Rubjerg Knude – bis zu 100 Meter hoch. Um 1910 begann der Sand auf den Leuchtturm zuzuwandern. Wenige Jahre später wurde das Seezeichen aufgegeben. Weiter nördlich ändert die Nordseeküste ihr Gesicht: hunderte kleiner Felseninseln bilden die malerische Schärenküste Norwegens und riesige Fjorde ziehen das Meer bis weit ins Landesinnere hinein. Hat man die Gletscherriesen von einst passiert, stößt man auf Moschusochsen, mit Ziegen verwandte Zotteltiere, die sich zur Fortpflanzungszeit eindrucksvolle Duelle liefern. Zurück im Fjordland stürzen die Felswände über 1.000 Meter ins Meer. Was kaum einer weiß: hier liegt das Reich der Kaltwasserkorallen. Ihr Lebensraum sind die dunklen Tiefen der Nordsee. Anders als ihre tropischen Vertreter, können sie sich nicht auf die Symbiose mit Photosynthese betreibenden Algen verlassen. Um immer genügend Nahrung in Form von Kleinstlebewesen wie Plankton, Larven oder Krebschen vor ihre Tentakel zu bekommen, bevorzugen sie Orte, an denen starke Strömungen herrschen. Überall entlang der Nordsee zeigt sich: Das Meer vor unserer Haustür ist ein Lebensraum der Superlative. Pottwale, die größten Raubtiere unserer Erde, tauchen an der Grenze zum Nordmeer nach Riesenkalmaren und Schwertwale jagen im Team geschickt nach Heringen. In den Tiefen ziehen Geisterhaie, auch Chimären genannt, ihre Bahnen. Besonders unheimlich aber ist der Eis- oder Grönlandhai. Sieben Meter kann er lang werden und wohl 200 Jahre alt. In seinen Augen sitzt ein Parasit, der ihn erblinden lässt und von dem manche annehmen, er würde im Dunkeln leuchten. Sein sensationeller Geruchssinn führt den Eishai zu seiner Beute: Aas – die tote Robbe wird er in einem Stück verschlingen. Weiter geht die Reise, einmal quer über die Nordsee, nach Westen, in Richtung Schottland. Auf malerischen Felsklippen thronen Vogelkolonien. Die bezauberndsten Vertreter sind sicherlich die Papageientaucher. Mit ihren farbenprächtigen Schnäbeln und dem traurigen Blick erinnern sie während der Brutzeit an Zirkusclowns. Schottlands berühmtester Vogelfelsen aber ist Bass Rock, eine kleine Insel unweit der Küste, der die Basstölpel ihren Namen verdanken. Tausende der eleganten Hochseebewohner ziehen hier zur Brutzeit ihre Jungen groß. Eine weitere Besonderheit sind die prächtigen Rothirsche Schottlands, die bis an die Küste wandern, um dort Algen zu fressen. Die Brunft der Hirsche und die phantastischen Flüge über das Hochland sind ein weiteres Highlight des Films. Im Süden Englands schließlich, vor den berühmten Kreidefelsen von Dover, tauchen einmal im Jahr für wenige Tage Fische auf, die selbst den Weißen Hai in den Schatten stellen: Riesenhaie. Sie sind bis zu zehn Meter lang und nach dem Walhai die zweitgrößten Fische der Erde. Fürchten muss man sich vor ihnen allerdings nicht. Das Schaf im Wolfspelz ist ein Planktonfresser, das mit weit aufgerissenem Maul durch das Meer pflügt, um Kleinkrebse und Fischeier zu filtern. Ein letztes Mal springen wir über die Nordsee und gelangen zur niederländischen Oosterschelde, einer Region, die unter Kennern berühmt ist als Treffpunkt des Gemeinen Tintenfischs, auch Sepie genannt. Seit etwa 20 Jahren erobern die schillernden Persönlichkeiten aus dem Nordatlantik das Gebiet, um sich zu paaren und um ihre Eipakete in der Strömung zu fixieren. Immer wieder schieben sich die Tiere aneinander vorbei und taxieren ihre Stärke. Kopf an Kopf – Tentakel an Tentakel – mal im Kampf, mal im Liebesspiel. Nicht mehr lange und die ersten Stürme fegen über die oft so friedlich daliegende Nordsee. Dann zeigt das Meer vor unserer Haustür sein wahres Gesicht, sprüht Gischt, brandet und tost – dann greift der „Blanke Hans“ wie seit Jahrtausenden nach der Küste. Ausgerechnet in dieser ungemütlichen Zeit, mitten im Winter, bringen die Kegelrobben ihre Jungen zur Welt. Auf der Helgoländer Düne säugen die Weibchen ihren Nachwuchs liebevoll mit nahrhafter Milch, mag es auch noch so bitterkalt sein. Kurze Zeit später kommt es zwischen gleichstarken Robbenbullen zu erbitterten Kämpfen um die Weibchen. Der Sieger darf sich mit ihnen paaren und neue Nachkommen zeugen – in einem der großartigsten Lebensräume unserer Erde – der Nordsee – unserem Meer.

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