Original: Les bien-aimés | The Beloved
Regie: Christophe Honore
Darsteller: Chiara Mastroianni, Catherine Deneuve
Laufzeit: 139min
FSK: ab 12 Jahren
Genre: Drama, Musical, Romanze (Frankreich)
Filmstart: 03. Mai 2012
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
Paris 60er Jahre: Die junge Schuhverkäuferin Madeleine (Ludivine Sagnier) lässt nach Ladenschluss ein Paar eleganter roter Roger Vivier Absatzschuhe mitgehen. Als sie damit stolz auf der Straße hin und her läuft, wird sie von einem Mann prompt für eine Prostituierte gehalten. Zuerst ist Madeleine pikiert, doch dann bietet ihr der Freier gleich 70.000 Francs, und mit einem Blick auf die sündhaft teuren Schuhe lässt sie sich darauf ein. So avanciert sie zum Mädchen für gewisse Stunden, die sich mit ihrem Nebeneinkommen Geld für den für sie sonst unerschwinglichen Luxus im Leben sichert. Bis einer ihrer Kunden ihr Geliebter wird – der junge Arzt Jaromil (Rasha Bukvic) aus der Tschechoslowakei, der sich zur Ausbildung in Paris befindet. Als er wieder in seine Heimat zurückkehrt, macht er ihr einen Heiratsantrag – und nach einigem Zögern willigt Madeleine ein.
Prag 1968: Das junge Paar lebt mit Tochter Véra in der tschechischen Hauptstadt, doch der Familiensegen ist längst gestört – Jaromil hat eine Affäre. Schließlich kann Madeleine diesen Zustand nicht mehr ertragen. Sie sucht ihren Mann bei seiner Geliebten – auf dem Weg dorthin sieht sie die sowjetischen Panzer einfahren. Sie fordert ihren Mann auf, mit ihr zurück nach Paris zu kommen, doch er will nicht auf sie hören.
Paris 1978: Madeleine hat den Gendarmen François (Guillaume Denaiffe) geheiratet –ein plötzlicher Anruf von Jaromil, der sich zu einem medizinischen Kongress in Paris aufhält, weckt ihre nie vergessenen Gefühle. Trotz anfänglicher Skepsis kommt sie mit ihm in sein Hotel und schläft mit ihm – er selbst beteuert seine Liebe: „Ich lebe, weil du an mich denkst.“ Im Aufwallen der Emotionen beschließen beide, wieder ein gemeinsames Leben anzufangen. Madeleine bringt Jaromil nach Hause – zu seiner 14jährigen Tochter (Clara Couste), die ihn seit der Rückkehr nach Paris nicht mehr gesehen hat. Doch bevor alle drei das Haus verlassen können, kehrt François zurück. Jaromil versteckt sich in Véras Zimmer. Ihr erklärt er seine moralischen Prinzipien. Während dessen schläft Madeleine mit François. Jaromil, aus seinem Versteck getreten, sieht die beiden und zieht enttäuscht davon. Madeleine erklärt ihrer Tochter tief unglücklich, warum sie François heiratete: Weil sie alleine in Paris nicht zurechtkam, sondern jemand zur Unterstützung brauchte. Doch Véra kämpft mit ihren eigenen Problemen – sehnsüchtig nach Liebe zieht sie ziellos durch Paris.
London/ Paris 1997: Véra (Chiara Mastroianni) ist mit ihrem Kollegen und Ex-Lover Clément (Louis Garrel) nach London gekommen, wo dieser ein Buch präsentieren soll. In einem Club flirtet sie – zum Leidwesen Cléments – mit verschiedenen Männern und tanzt ekstatisch, bis sie den Drummer Henderson (Paul Schneider) erblickt. Für Véra ist es Liebe auf den ersten Blick. Als die Band die Bühne verlassen hat, sucht sie nach ihm und findet ihn vor dem Club. Sie landen bei Henderson zu Hause und erzählen sich von ihrer beider Leben – Véra berichtet offen von der amourösen Vergangenheit ihrer Mutter. Henderson ist ein amerikanischer Arzt, der sich im selbstgewählten Exil in London befindet. Als die sichtlich angetrunkene Véra mit ihm schlafen will, gesteht er ihr, dass er schwul ist. Beschämt verlässt Véra fluchtartig das Appartement und kehrt zurück in ihr Hotel, wo Clément, der immer noch in sie verliebt ist, schon lange wartet. Véra lässt sich von Clément verführen – als plötzlich Henderson vor der Tür steht. Er ohrfeigt Clément und verlässt das Hotel. Am nächsten Tag kommt es bei der Buchpräsentation zum Eklat: Henderson erscheint überraschend bei der Lesung; auf einer Toilette befriedigt er spontan Véras Verlangen und wird danach vom eifersüchtigen Clément niedergeschlagen.
Zurück in Paris, erwischt Véra ihre Eltern Jaromil (Milos Forman) und Madeleine (Catherine Deneuve) in flagranti. Sie wollten die Wohnung ihrer Tochter für ein Schäferstünden nutzen. Jaromil hält sich jetzt regelmäßig in Paris auf. Aber Madeleine will ihren Mann François nicht verlassen, selbst wenn auch er ihr untreu war. Véra erzählt von ihrem schwulen Bekannten – und ihre Mutter gibt ihr den guten Rat, sich nicht zu verlieben. Denn Madeleine sieht, dass ihre Tochter nicht die Leichtigkeit der Liebe früherer Zeit besitzt. Jaromil kommt zu Madeleine nach Hause und fordert von François (Michel Delpech) ungeniert die Scheidung. Madeleines Gatte weiß sehr wohl, was sich zwischen den beiden in den letzten Jahren abgespielt hat. Er hat sich damit abgefunden und wird es auch weiter tun, aber er wird Madeleine nie ganz aufgeben, weil er sie liebt. Jaromil existiert für ihn nicht.
Mittlerweile haben sich die Wogen zwischen Clément und Véra wieder geglättet – auch wenn sie Henderson noch nicht aufgegeben hat, sondern auf ihn in hoffnungsloser Liebe wartet. Immerhin hat Véra inzwischen ein enges Verhältnis zu ihrem Vater. Doch auch dieses Glück hat keinen Bestand: Auf dem Weg zu Madeleine wird Jaromil von einem herabfallenden Ast getroffen und stürzt. Zunächst scheint alles in Ordnung doch kurze Zeit später bricht er vor den Augen seiner Ex-Frau auf offener Straße zusammen und wird ins Krankenhaus eingeliefert – Diagnose: Gehirnblutung. Auch Clément besucht Jaromil im Krankenhaus und konstatiert illusionslos, dass die Zärtlichkeit zwischen ihm und Véra ganz verschwunden sei. Denn Véra hat einen „imaginären Ehemann“ – Henderson – wie sie selbst gesteht. Wenig später ist Jaromil gestorben.
1998: Véra besucht in einem Nachtclub ein Konzert von Hendersons Band und trifft ihn anschließend noch in einer Bar. Sie gesteht ihm erneut ihre Liebe während Henderson ihr klar macht, dass er niemals in der Lage sein wird, Véra das zu geben was sie sich von ihm wünscht. Außerdem befürchtet er, an AIDS erkrankt zu sein. Aus Angst vor dem Ergebnis hat er noch keinen Test machen lassen.
11. September 2001: Véra will Henderson in New York besuchen. Wegen der Terroranschläge wird ihr Flugzeug nach Montréal umgeleitet. Véra ist in einem Hotel in einer unwirklichen Welt gefangen, während draußen die Welt unter Schock steht. Henderson macht sich, begleitet von seinem neuen Freund Mathieu (Dustin Segura-Suarez), mit dem Auto auf den Weg zu ihr. Véra erklärt Henderson, dass sie sich von ihm ein Kind wünscht und dass seine AIDS-Erkrankung, an der jetzt kein Zweifel mehr besteht, kein Hindernis für sie sei. Aber er lehnt ab und verlässt die Bar – beide müssen weinen. Wenig später klopft Véra an Hendersons Zimmertür. Nach einem verzweifelt leidenschaftlichen Liebespiel zu Dritt nimmt Véra Hendersons Tabletten und verlässt, während die Männer schlafen, das Zimmer...Und das Leben der verzweifelten Liebenden und Ungeliebten nimmt eine neue tragische Wendung. Bis ihnen nur noch melancholische Reminiszenzen und Erkenntnisse zur Unausweichlichkeit der Liebe bleiben.