Die Jagd

DVD / Blu-ray / iTunes / Trailer :: IMDB (4,5)
Original: Jagten
Regie: Thomas Vinterberg
Darsteller: Mads Mikkelsen, Thomas Bo Larsen
Laufzeit: 115min
FSK: ab 12 Jahren
Genre: Drama (Dänemark)
Filmstart: 28. März 2013
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
Eigentlich steht Lucas (Mads Mikkelsen) an einem Wendepunkt in seinem Leben. Seinen früheren Job als Lehrer hat er verloren, als die Schule in seiner dänischen Kleinstadt geschlossen wurde. Und seit der Scheidung von seiner Frau darf er keinerlei telefonischen Kontakt zu ihr aufnehmen und den gemeinsamen Sohn Marcus (Lasse Fogelstrøm), immerhin schon ein Teenager, bekommt er nur alle 14 Tage zu sehen. In dem großen Haus, in dem mal eine glückliche Familie wohnte, lebt er nun ganz alleine mit seinem Hund Fanny. Doch Lucas ist niemand, der zu Wut oder Verzweiflung neigen würde – und vor allem gibt es für ihn in diesem Herbst viele Gründe, optimistisch in die Zukunft zu blicken. Da sind nicht nur die zahlreichen Freunde, mit denen er auf die Jagd geht oder abends das eine oder andere Bierchen trinkt. Er hat auch eine Stelle im Kindergarten gefunden, wo er bei Kindern wie Kollegen gleichermaßen beliebt ist und sich obendrein zu der Aushilfe Nadja (Alexandra Rapaport) hingezogen fühlt, die ihm mit forschem Selbstbewusstsein ihr Interesse signalisiert. Sogar zuhause gibt es gute Nachrichten, denn Marcus drängt so sehr darauf, wieder bei seinem Vater einziehen zu dürfen, dass seine Mutter tatsächlich zugestimmt hat. Alles könnte also endlich wieder gut werden, wäre da nicht die kleine Klara (Annika Wedderkopp). Die Tochter von seinem besten Freund Theo (Thomas Bo Larsen) ist nicht nur bei Lucas im Kindergarten, sondern hat auch sonst einen ziemlichen Narren an ihm gefressen. Nicht selten spaziert sie mit ihm und Fanny durch den Ort, wenn sie sich mal wieder verlaufen hat und ihm zufällig vor dem Supermarkt in die Arme läuft. Oder wenn morgens die Eltern streiten und Lucas sie auf dem Weg zum Kindergarten der Einfachheit halber gleich mitnimmt. So gern hat sie diesen geduldigen, netten und immer gut gelaunten Erwachsenen, dass sie ihm sogar ein selbst gebasteltes Herz schenkt und ihn im Kindergarten einen Kuss auf den Mund gibt. Warum Lucas ihr allerdings vorschlägt, das Herz doch lieber ihrer Mutter Agnes (Anne Louise Hassing) oder einem anderen Kind zu schenken, und warum er findet, dass sie solche Küsse nur ihren Eltern geben darf, versteht Klara nicht. Aus ihrer Kränkung heraus erzählt das Mädchen der Kindergartenleiterin Grethe (Susse Wold), dass sie Lucas nicht leiden könne. Er habe ihr nicht nur ein Herz geschenkt, das sie nicht haben wolle, sondern ihr auch sein Geschlechtsteil gezeigt. Und beschreibt die Sache genau so, wie sie es auf den Pornobildern gesehen hat, die sich ihr großer Bruder und seine Kumpel im Internet angucken. Grethe ist irritiert, entsetzt – und glaubt dem Kind, obwohl sie durchaus weiß, dass Klara zu einer blühenden Phantasie neigt. Nach einem Wochenende Bedenkzeit bittet sie Lucas zum Gespräch. Ohne ihm genau zu sagen, wie die Vorwürfe lauten oder um welches Kind es geht, informiert sie ihn über die Lage und empfiehlt ihm, sich einige Tage frei zu nehmen. Sie verspricht ihm, eine Lösung für die problematische Situation zu finden – und löst dennoch eine verhängnisvolle Kette von Ereignissen aus, die alles nur schlimmer machen. Noch am gleichen Vormittag zieht Grethe einen befreundeten Psychologen hinzu, der Klara allerdings eher Worte in den Mund legt als sie unvoreingenommen zu befragen. Dass das Mädchen zunächst irritiert ist, dann beteuert, gar nichts gesagt zu haben, und schließlich viel lieber weiterspielen will als sich mit dem Thema zu beschäftigen, scheinen die Erwachsenen in ihrer Besorgnis kaum noch wahrzunehmen. Und so wissen wenige Stunden später nicht nur Klaras Eltern, sondern auch das gesamte Kollegium so wie nach einem Elternabend fast die ganze Nachbarschaft über den vermeintlichen Vorfall Bescheid, ohne dass jemand auch nur die geringste Ahnung hat, was tatsächlich passiert ist. Lucas reagiert auf die Anschuldigung geschockt und kann gar nicht fassen, was vor sich geht. Kaum jemand fragt ihn nach seiner Version der Geschichte, und von sich aus will er möglichst wenig Aufhebens von der Sache machen. Schließlich weiß er die Wahrheit auf seiner Seite und ist sich sicher, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis sich alles aufgeklärt. Doch das böse Gerücht hat sich längst verselbstständigt – und eine Hexenjagd beginnt, der Lucas machtlos gegenübersteht. Theo und Agnes können ihrem Freund nicht mehr in die Augen schauen und drohen in ihrer Wut mit Gewalt, falls er sich nicht von ihnen fernhält. Daran dass Klara die Wahrheit gesagt hat, glauben sie bedingungslos, und halten auch daran fest, als ihre überforderte Tochter kleinlaut beteuert, Lucas habe doch gar nichts gemacht. Angesichts der allgemeinen Aufregung sind plötzlich auch andere Kinder davon überzeugt, dass der Kindergärtner sich ihnen gegenüber unangemessen verhalten habe. Ihre Eltern halten Lucas – wenn nötig mit Gewalt – von sich fern und verweigern jeden Kontakt, selbst seine Freunde wenden sich von ihm ab. Auch seine Exfrau ist schnell über die Lage im Bilde, bricht den gerade wieder aufgenommenen Kontakt ab und will verhindern, dass Marcus wie geplant zu seinem Vater zieht. Im Supermarkt erteilt man ihm Hausverbot. Und selbst Nadja, die sämtliche Vorwürfe zunächst für vollkommen absurd gehalten hatte, kommen langsam Zweifel an Lucas’ Unschuld. Je näher Weihnachten rückt, desto mehr steht Lucas auf verlorenem Posten. Immer weitere Vorwürfe und Gerüchte machen die Runde, ohne dass die Polizei oder sonst jemand ihn konkret darüber unterrichten würde. Nur noch Marcus, der schließlich auf eigene Faust bei seinem Vater vor der Tür steht und von der ganzen Situation sichtlich mitgenommen ist, und Lucas’ besonnener Kumpel Bruun (Lars Ranthe), der gleichzeitig der Patenonkel von Marcus ist, stehen ihm bei. Auch die beiden können allerdings nur hilflos zusehen, als eines Tages doch noch die Polizei vor der Tür steht und Lucas vorübergehend verhaftet wird. Und selbst als er kurze Zeit darauf wieder freigelassen wird, weil sich die Beweislage als mangelhaft erweist, ist sein Kampf um die Wahrheit – und seine gesamte Existenz – noch lange nicht beendet. Im Gegenteil spitzt sich die Lage immer dramatischer und brutaler zu, bevor es ausgerechnet an Heiligabend in der Kirche zur Eskalation kommt...

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