Original: The Lincoln Lawyer
Regie: Brad Furman
Darsteller: Matthew McConaughey, Ryan Phillippe
Laufzeit: 118min
FSK: ab 12 Jahren
Genre: Thriller (USA)
Filmstart: 23. Juni 2011
Bewertung: 9,8 (4 Kommentare, 4 Votes)
Wer braucht schon ein Büro, wenn er ein großes, schickes Auto hat? Mick Haller (Matthew McConaughey) jedenfalls erledigt seine Geschäfte als Rechtsanwalt nicht in einer Kanzlei, sondern auf dem Rücksitz seines Lincoln Continental. Am Steuer sitzt sein Chauffeur Earl (Laurence Mason), der den Strafverteidiger quer durch Los Angeles von Gerichtssaal zu Gerichtssaal fährt, während Assistentin Lorna (Pell James) sich von ihrem Schlafzimmer aus um Telefonate und Buchhaltung kümmert.
Auch jenseits seines Autos ist Mick alles andere als ein typischer Anwalt auf der Jagd nach dem ganz großen Fall. Viel mehr ist er voll in seinem Element, wenn er sich um die kleinen Fische kümmern kann, die sich ansonsten mit unmotivierten Pflichtverteidigern herumschlagen müssten. Immer wieder etwa hilft er der koksenden Prostituierten Gloria (Katherine Moennig) aus der Patsche und handelt schon mal einen Therapieplatz statt Gefängnis aus, wenn sie im Gegenzug Details über Drogenbosse preisgibt. Oder er vertritt kleinkriminelle Mitglieder einer Motorrad-Gang, deren Anführer (Trace Adkins) die Geschäfte mit seinem unkonventionellen Rechtsbeistand bevorzugt direkt auf dem Highway bespricht.
Weil Mick zwar bei der Gegenseite nicht besonders beliebt, aber dafür bei den Gerichts– und Gefängnisangestellten gut vernetzt ist, kann er problemlos immer wieder mit Gefallen rechnen. So wie von Val Valenzuela (John Leguizamo), einem Kautionsvermittler, der ihm hin und wieder Fälle zuschanzt. Der von Louis Roulet (Ryan Phillippe) scheint dabei besonders lukrativ zu sein. Der Sohn einer reichen Familie soll versucht haben, eine junge Frau zu vergewaltigen und womöglich zu ermorden. Kein alltäglicher Job für Mick, aber einer, der relativ wenig Arbeit und viel Geld verspricht.
Als er seinen neuen Klienten in der Untersuchungshaft besucht, beteuert Louis seine Unschuld und ist sich sicher, von einer Bar-Bekanntschaft in eine Falle gelockt worden zu sein. Die Staatsanwaltschaft, für die auch Micks Ex-Ehefrau Maggie (Marisa Tomei) arbeitet, will ihn nicht gegen Kaution auf freien Fuß setzen, schließlich wurde er mit dem Blut des Opfers an seinen Händen festgenommen. Doch weil er – von ein paar Strafzetteln abgesehen – eine weiße Weste vorzuweisen hat, erreicht Mick, dass Louis eine elektronische Fußfessel tragen muss und das Gefängnis verlassen darf.
Ein üppiges Honorar ist mit Cecil Dobbs (Bob Gunton), dem Anwalt der Familie, schnell ausgehandelt, so dass Mick und sein Freund und Privatermittler Frank Levin (William H. Macy) die Arbeit aufnehmen und mit Louis und seiner Mutter (Frances Fischer) den Fall besprechen. Deals aller Art schließt der junge Mann von vornherein aus, alles was nach einem Schuldeingeständnis aussieht, kommt für ihn nicht in Frage. In seiner Version des fraglichen Abends hat Reggie Campo (Margarita Levieva) ihn in einer Bar aufgerissen, zu sich nach Hause eingeladen und dort gleich nach seinem Eintreffen bewusstlos geschlagen. Der Polizeiakte, die Frank in die Finger bekommen hat, ist zwar zu entnehmen, dass die Frau angibt, von ihm angegriffen worden zu sein. Doch für Mick steht fest: wenn sein Klient ihm tatsächlich nichts verheimlicht, dürfte der Fall sich schnell erledigen lassen.
Zwar macht Frank deutlich, dass ihm irgendetwas an der Sache komisch vorkommt, auch weil sich herausstellt, dass Mick nicht zufällig an den Fall gekommen ist, sondern Louis explizit nach ihm gefragt hat. Zunächst aber läuft alles wie am Schnürchen: das Messer in den Polizeiakten gehört nicht Louis, ein Überwachungsvideo scheint seine Aussage zu bestätigen und Reggie entpuppt sich obendrein als Prostituierte. Die Beweislage von Staatsanwalt Ted Minton (Josh Lucas) ist dürftig. Ausgerechnet an einem unbeschwerten Nachmittag mit seiner Tochter allerdings bekommt Mick die Nachricht, dass die Polizei doch Louis’ Messer am Tatort gefunden hat. Sein Mandant hat ihn also angelogen – und Micks Zweifel wachsen.
Nachdem er Louis wütend zur Rede gestellt hat, trifft sich Mick abends mit Maggie in einer Bar, wo die beiden nicht nur über Elternfragen, sondern auch den aktuellen Fall sprechen und schließlich mal wieder zusammen im Bett landen. Getrieben von seinem unguten Gefühl, geht er am nächsten Morgen noch einmal die Akten durch und bleibt bei den Polizeifotos des schwer verletzten Opfers hängen. Reggies blutiges Gesicht erinnert ihn plötzlich an einen früheren Fall, bei dem eine ähnlich aussehende Frau vergewaltigt und mit dutzenden Messerstichen ermordet wurde. Damals hatte Mick seinem Mandanten Jesus Martinez (Michael Peña), der nie von seinen Unschuldsbeteuerungen abgerückt war, zu einem Geständnis überredet, um wenigstens mit lebenslanger Haft statt mit der Todesstrafe davonzukommen.
Angesichts der verblüffenden Parallelen fällt Mick wieder ein, dass Jesus immer von einem zweiten Mann gesprochen hatte, der am Tatabend ebenfalls an der später getöteten Prostituierten Interesse gezeigt hatte. Mit einem Foto von Louis in der Tasche macht sich der Strafverteidiger auf den Weg in das Gefängnis, wo sein früherer Klient seine Strafe absitzt – und kommt mit einer erschreckenden Erkenntnis zurück, die ihn in eine beinahe aussichtslose Lage bringt. Aus dem vermeintlichen Kinderspiel ist plötzlich ein Fall geworden, der nicht nur seine Karriere, sondern auch seine Familie in große Gefahr bringen könnte.