Chanson der Liebe

Original: Les Chansons d´amour | Love Songs
Regie: Christophe Honore
Darsteller: Ludivine Sagnier, Louis Garrel
Laufzeit: 100min
FSK: ab 6 Jahren
Genre: Drama, Musical, Romanze (Frankreich)
Filmstart: 21. August 2008
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
Paris. 10ème Arrondissement. Scheinbar ziellos durchstreift die Kamera das Viertel und zeigt alltägliches Leben, die Menschen auf den Straßen. Verwaschene, ins Graublau tendierende Farben – eine winterliche Vorabendatmosphäre breitet sich aus. Klavier und Streichinstrumente untermalen die Stimmung von Melancholie und Ruhelosigkeit der Bilder. Da pickt sich die Kamera eine Frau aus der Menge heraus, die sie verfolgen wird. Es ist Julie auf ihrem einsamen Weg durch die Straßen. Ihr Ziel ist ein Kino. Zunächst wirkt alles wie ein typisch französisches Beziehungsdrama: Julie ist verärgert, dass sie allein ins Kino geht, während ihr Freund Ismaël seine Arbeit und obendrein die schöne Kollegin Alice zu bevorzugen scheint. Doch schon in der nächsten Szene zeigt der Film sein wahres Gesicht und seinen Sinn für Überraschungen: Ismaël holt Julie nach der Vorstellung ab und auf ihrem Weg nach Hause diskutieren die beiden ihre Beziehung – doch halt! – nicht in Form eines dramatischen Gesprächs wird kommuniziert, sondern im beschwingten Pop-Chanson vertraut man sich Gefühle und Gedanken an. Kaum zu Ende gesungen, klingelt es an der Wohnungstür und die nächste verblüffende Wendung tritt ins Haus: Alice spaziert mit ihrem Pyjama im Gepäck herein und schnell wird klar, dass die beiden bereits ein Lösungsmodell für ihre eingefahrene Beziehung entwickelt haben: Eine Ménage à trois. Spätestens jetzt sind die Vorzeichen erklärt und wir tauchen tiefer in das unkonventionelle Beziehungsgefüge ein: Ein Sonntagessen bei Julies Familie, in die Ismaël fest als Schwiegersohn integriert ist und Julie beiläufig ihre Ménage à trois in der Küche bei Schwester und Mutter erwähnt. Oder: Ein beispielhafter Abend zu dritt, bei dem die Fragilität dieser noch frischen Beziehungskonstellation und Fragen nach der richtigen Balance zwischen dem Paar und der neuen Gespielin besungen werden. Kaum begreift man die feinen zwischenmenschlichen Strukturen, schon schlägt das Schicksal donnergleich zu, um alles durcheinander zu wirbeln und die Karten neu zu mischen: Unvorhergesehen erleidet Julie einen Hirnschlag und stirbt an dessen Folgen – Ismaëls Song „Delta-Charlie Delta“ mit den darauf montierten Bildern des langsamen Gewahrwerdens des Verlustes bis hin zur Trauerfeier mit den fassungslosen Hinterbliebenen lässt Trauer, Hilflosigkeit und Ohnmacht fühlbar werden. Die Komposition von Lied und Bild scheint den Zustand des Schockes regelrecht zu imitieren. Versuche der Trauerarbeit, mit dem erlittenen Schlag zurechtzukommen, reihen sich aneinander – jeder auf seine Art, unmöglich gemeinsam die Lücke der Abwesenden zu füllen. Ismaël schottet sich ab, weder Alice noch Julies Familie können ihm helfen, eher bedrängen alle ihn mit ihrem Wunsch nach Gemeinschaft, insbesondere die Schwester Jeanne mit ihrem Bedürfnis, Erinnerung heraufzubeschwören. Bei der Flucht vor den eigenen beengenden vier Wänden lernt Ismaël den zehn Jahre jüngeren Bruder von Alice’ aktueller Affäre kennen. Erwanns offensive Art lenkt ihn von seinem Schmerz ab und scheint ihm wieder erwarten zu gefallen. Es wird sich zeigen, inwieweit das Neue die alten Wunden wirklich heilen kann.

Kommentare

Dieser Film wurde leider noch nicht kommentiert.
Hier kannst du einen Kommentar abgeben.