Original: Auf halbem Weg zum Himmel | Half Way to Heaven
Regie: Andrea Lammers, Ulrich Miller
Darsteller: ?????
Laufzeit: 108min
FSK: ab 12 Jahren
Genre: Dokumentation (Deutschland)
Verleih: pop tutu film
Rund zweihundert Familien leben in "La Aurora 8 De Octubre" (Die Morgenröte des 8. Oktober) - einem Dorf, das sie vor dreizehn Jahren inmitten des guatemaltekischen Urwaldes gründeten.
Heute gibt es auf der ehemaligen Viehweide zwei Schulen, elektrischen Strom sowie eine funktionierende Straße und die Menschen, die sieben verschiedene Sprachen sprechen, verwalten sich weiterhin selbst. Außerdem haben sie den Prozess gewonnen, den sie wegen eines Massakers auf ihrem Dorfplatz angestrengt hatten.
Unser Film erzählt diese Geschichte aus dem Blickwinkel des Hauptzeugen im Prozess, der heute als illegaler Küchenhelfer in den USA lebt. Für sich selbst, seinen sechzehnjährigen Sohn und uns rekonstruiert er sein Leben. Zum ersten Mal spricht er über seine Wandlung vom Guerilla-„Kindersoldaten“ zum jungen Erwachsenen in mexikanischen Flüchtlingslagern, seine Ausbildung als Politkader und Menschenrechtsaktivist, die Rückkehr nach Guatemala mit dem Gesetzbuch in der Hand „als neue, friedliche Waffe“, über die Verstrickung in Schuldgefühle, die ihn beinahe das Leben gekostet hätte – und seine weiter andauernde Suche nach Befreiung.
Geboren wurden sie als Maya in einem rassistisch geprägten Guatemala, das ihnen kaum mehr zubilligte als einen menschenunwürdigen Tod. Ihre Kindheit verbrachten sie inmitten von sterbenden Geschwistern, in der Guerilla und als Flüchtige in Mexiko. Hier werden sie anerkannt – als „Flüchtlinge“ und bekommen so eine neue Waffe an die Hand: „international gültiges Recht“.
Nach jahrelangen Verhandlungen mit einem Staat, der sich als „demokratisch geworden“ bezeichnete, kehrten sie schließlich in die Heimat zurück, und wurden „als Hoffnung und Symbol für das ganze Land“ von der Zivilgesellschaft mit der größten Demonstration in der Geschichte Guatemalas begrüßt. Dann geht es mit den Lastern durch Schlamm und Morast zu dem vom Staat gekauften Land, das vom Militär nicht betreten werden darf.
Ein Jahr später – nur noch wenige Stunden bis zur ersten Feier anlässlich eines Jahrestages der Dorfgründung: Kinder kommen gelaufen, eine Militärpatrouille, die sich zuerst angeblich verlaufen hat, dann am Fest teilnehmen möchte. Die Soldaten werden zur Dorfmitte geführt, ein Kreis von Dörflern bildet sich um sie herum, schließlich sollen internationale Beobachter gerufen werden; die Patrouille beschließt den Ort zu verlassen, entsichert die Waffen und schießt schließlich ohne Warnung in die Menge, die weiterhin den Weg versperrt. Elf der Dorfbewohner bleiben tot liegen, darunter zwei Kinder.
Wir haben das Dorf „La Aurora 8 de Octubre“ und seine Bewohner seit 1995 immer wieder für Tage, Wochen oder Monate besucht. Als Beobachter waren wir bei Gericht mit der Kamera dabei und konnten überdies eine Menge Archivmaterial zu den Ermittlungen und aus der Geschichte der Flüchtlinge und Rückkehrer zusammengetragen. Außer mit unserem Hauptprotagonisten in den USA haben wir intensiv mit seiner Familie und ehemaligen Mitstreitern im Dorf gedreht, aber auch mit den am Prozess beteiligten Juristen und mit dem Offizier der Patrouille, die das neuerliche Massaker beging, sowie einigen seiner Soldaten.