Original: Away From Her
Regie: Sarah Polley
Darsteller: Kristen Thomson, Deanna Dezmari
Laufzeit: 110min
FSK: ohne Altersbeschränkung
Genre: Drama, Romanze (Kanada)
Filmstart: 06. Dezember 2007
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
Nach fast 45 Jahren braucht das Paar nicht mehr viele Worte. Während ihre Skier gemeinsame Spuren im Schnee hinterlassen, genießen Fiona (JULIE CHRISTIE) und der ehemalige Universitätsprofessor Grant (GORDON PINSENT) beim Langlauf über verschneite Felder gemeinsam die winterliche Stille, die jedes Geräusch in Watte zu packen scheint. Im Haushalt sitzt jeder Handgriff, der für die beiden längst zur Routine geworden ist. Abends, wenn das Paar sich an gemeinsame Erlebnisse erinnert, scherzt, oder Grant Fiona aus einem Buch vorliest, ist das Haus der beiden mit einer selbstverständlichen Zärtlichkeit erfüllt, die sich allein aus einer jahrzehntelangen tiefen Liebe entwickeln kann. Auch Fionas gelegentliche Anspielungen auf Grants Affären mit einigen seiner Studentinnen, die Jahrzehnte zurückliegen, können die tiefe Vertrautheit nicht zerstören.
Nur hin und wieder, wenn Fiona aus Versehen die frisch gespülte Pfanne in den Kühlschrank stellt oder beim Spazierengehen Dinge sagt wie: „Manchmal vergesse ich, was gelb bedeutet …“ huscht ein sorgenvoller Schatten über Grants Gesicht. Aber noch schweigt er, in der Hoffnung, diese mentalen Aussetzer bleiben Ausnahmen. Erst als Fiona bei einem Abendessen mit Freunden das Wort für „Wein“ nicht mehr einfällt, kann Grant das Problem nicht mehr leugnen: Fiona kämpft mit den ersten Symptomen der Alzheimer-Krankheit – Grant und Fiona beginnen, sich damit zu beschäftigen und darüber nachzudenken, wie sie mit dieser Krankheit leben können.
Fiona ist diejenige, die sich dafür entscheidet, in ein spezialisiertes Pflegeheim zu ziehen. Grant schaut sich in der nahe gelegenen Anlage von Meadowlake um. Die Heimleiterin Madeleine Montpellier (WENDY CREWSON) lobt ihre Einrichtung in den höchsten Tönen und Meadowlake macht in der Tat den Eindruck eines gepflegten, ruhigen Heims mit hingebungsvollem Personal und netten Patienten. Grant ist dennoch nicht begeistert von der Aussicht, dass seine „doch viel zu junge“ Frau hier ihren Lebensabend verbringen soll. Auch die kurze Begegnung mit der sympathischen Schwester Kristy (KRISTEN THOMSON), die sich rührend um die Patienten und deren Angehörige kümmert, kann Grant nicht wirklich von den Vorzügen des Heims überzeugen.
Die Leitung von Meadowlake hat für neue Patienten eine strikte Regel aufgestellt: Kein Besuch und kein telefonischer Kontakt während der ersten 30 Tage. In dieser Zeit sollen sich die Neuankömmlinge zurecht finden und nicht durch die Angehörigen an ihr ehemaliges Zuhause erinnert werden. Grant ist bestürzt... noch nie waren er und Fiona über eine so lange Zeit voneinander getrennt. Während er noch über die bevorstehende vierwöchige Trennung von Fiona nachdenkt, schweift sein Blick durch den Aufenthaltsraum von Meadowlake und bleibt an dem schweigsamen Rollstuhlfahrer Aubrey (MICHAEL MURPHY) hängen, dessen Frau Marian (OLYMPIA DUKAKIS) gerade zu Besuch ist.
Im Gegensatz zu ihrem Mann scheint Fiona die Trennung auf Zeit gelassener zu sehen: „Nach 44 Jahren sind 30 Tage keine wirklich lange Zeit.“ Und so bringt Grant seine Frau nach Meadowlake. Fiona bezieht ihr Zimmer – und obwohl Grant sie noch einmal darum bittet, wieder mit nach Hause zu kommen, bleibt seine Frau bei Ihrem Entschluss, in das Heim umzuziehen. Fiona und Grant lieben sich ein letztes Mal, bevor die Türen von Meadowlake 30 Tage lang für Grant verschlossen bleiben…
Für Grant beginnt eine schwere Zeit. Er fühlt sich allein und einsam in dem Haus, das voller Erinnerungen und Gedanken an seine Zeit mit Fiona ist. Grant läuft allein Ski und vermisst dabei schmerzlich die Frau an seiner Seite. Er verbringt die Abende allein in dem fast unerträglich stillen Wohnzimmer und beginnt sich intensiv mit der Krankheit auseinanderzusetzen, die ihm seine Frau entzieht.
Die 30 Tage sind vorbei – endlich darf Grant seine Frau besuchen. Vorsichtig hat ihn Kristy darauf vorbereitet, dass Fiona ihren Mann durchaus nicht auf Anhieb wieder erkennen könnte. Doch Grant freut sich zu sehr, Fiona endlich wieder sehen zu dürfen. Die Begegnung fällt allerdings nach einem Monat Trennung seltsam distanziert aus: Fiona sitzt mit einigen Patienten an einem Tisch und leistet Aubrey Gesellschaft beim Kartenspiel, als Grant den Raum betritt. Offensichtlich hat sie sich in den vergangenen Wochen mit dem stillen Rollstuhlfahrer angefreundet, ihre Gesten verraten Vertrautheit. Sie spricht beinahe zärtlich von ihrem neuen Freund und seiner Begeisterung für das Kartenspiel, nachdem sie Grant höflich, aber wie einen fremden Gast, begrüßt hat. Sie kehrt schneller an den Spieltisch zurück als es Grant lieb ist – nach ein paar Minuten sitzt er wieder allein auf dem Sofa im Aufenthaltsraum.
In den folgenden Tagen bemerkt Grant, dass das Band zwischen Fiona und Aubrey immer liebevoller und zärtlicher zu werden scheint. Anfangs denkt er, das Fionas Verhalten vielleicht eine Art späte „Rache“ für seine Affären vor vielen Jahren sein soll, aber Fiona scheint tatsächlich vergessen zu haben, dass sie mit Grant verheiratet ist. Irritiert versucht er täglich aufs Neue, Fiona Bruchstücke ihrer Vergangenheit ins Gedächtnis zu rufen – sei es durch Bücher oder durch Erzählungen von gemeinsamen Erlebnissen. Von Fionas Erinnerungen an ihre Ehe und ihr vorhergehendes Leben scheinen nur noch diffuse Schatten vorhanden zu sein. Schwester Kristy versucht, Grant zu trösten: „Bei der Alzheimer-Krankheit kann sich Fionas Zustand von Tag zu Tag ändern. Die verblassten Erinnerungen an ihre Ehe können täglich zurückkehren“. In den folgenden Wochen erweist sich Kristy als wichtige Stütze für den bekümmerten Grant. Dennoch schmerzt es ihn nach wie vor zu sehen, wie rührend sich seine Frau um Aubrey kümmert.
Grant bleibt nichts anderes übrig, als sich mit seiner neuen Rolle als hartnäckiger Besucher von Fiona abzufinden. Doch dann kommt der Tag, an dem seine Frau einen Wollpulli von Aubrey trägt. Grant reagiert heftig auf den ungewohnten Anblick: Er will Fiona mit aller Macht an ihre Ehe und ihr gemeinsames Leben erinnern. Laut und bestimmt redet er auf Fiona ein – und bringt dadurch sowohl sie und auch Aubrey völlig durcheinander. Verwirrt und verletzt lässt Fiona Grant stehen.
Im Gespräch mit Kristy kann Grant seinen Schmerz und die Tränen nur schwer verbergen. Seine Worte erzählen von der tiefen Liebe, die er für Fiona empfindet: „Ich wollte für immer an ihrer Seite bleiben. Sie war so voller Leben.“ Grant spürt, wie es ihm das Herz zerreißt, wenn er die Zärtlichkeiten zwischen Fiona und Aubrey mit ansieht. Grant bleibt nichts anderes übrig, als seiner Frau mit ihrem neu gefundenen Glück Raum zu lassen.
Dann kommt der Tag, an dem Aubreys Frau Marian ihren Mann aus Meadowlake abolt, um ihn wieder zu sich nach Hause zu holen. Kristy muntert Grant auf: Fiona wird sicher Aubrey langsam vergessen. Allerdings ist das Gegenteil der Fall: Nach der Abreise von Aubrey vergräbt sich Fiona in Abschiedsschmerz, Trauer und Verzweiflung. Zur Aufmunterung unternimmt Grant mit ihr einen Ausflug nach Hause. Doch Fiona scheint ihr eigenes Haus nicht mehr zu erkennen. Sie bewundert die Ordnung und Gemütlichkeit, aber sie bewegt sich als Fremde in ihrer alten Umgebung, auch wenn sie sich an manches zu erinnern glaubt.
Nach dem Ausflug reift in Grant ein Entschluss. Während Fiona immer apathischer wird und Miss Montpellier und Schwester Kristy schon darüber nachdenken, sie in den ersten Stock – die Station für die hoffnungslosen Fälle – zu verlegen, besucht Grant Marian und bittet sie, Aubrey wieder mit nach Meadowlake nehmen zu dürfen. Anfangs bleibt Marian kühl und abweisend, aber schließlich rührt es sie zutiefst, dass es Grant das Herz bricht, seine Frau so leiden zu sehen.
Und während sich Marian und Grant auch persönlich näher kommen und sich Grant langsam und schmerzvoll von der Vergangenheit löst, ist er bereit für sein größtes Opfer an die gemeinsame Liebe …