Wissen, das man im Leben bestimmt nie braucht.

„Auf jemandem / etwas rumtrampeln / herumtrampeln“
Bedeutung:
Jemanden / etwas schlecht behandeln. Jemanden scharf zurechtweisen. Jemanden fertigmachen / unterdrücken. Jemandem Vorwürfe machen. Jemanden streng behandeln.

Herkunft: Das Verb "trampeln" bezeichnet das heftige, wiederholte Aufstampfen mit den Füßen, aber auch das unkontrollierte und oft zerstörerische Laufen, was es zum geeigneten Sinnbild für bösartigen Übermut oder verächtlicher Geringschätzung macht.

Die Verwendung in übertragener Bedeutung ist seit dem 18. Jahrhundert nachweisbar, doch schon Anfang des 17. Jahrhunderts gab es den Vorläufer "auf dem Maul trumpeln" (trampeln), also respektlos behandeln. In einem Beispiel aus dem Jahr 1660 lesen wir über Luther: "Lutherus straffet ... den Pabst und Römischen Hoff darümb/ daß sie dem Keyser und Ständen des Reichs auff dem Maul trumpeln/ ihrer spotten/ sie schänden und lästern"
 
„Jemandem wird / ist Angst und Bange“
Bedeutung:
Jemand bekommt / hat Angst. Jemand macht sich Sorgen.

Herkunft: Bei dieser Zwillingsformel handelt es sich um zwei Begriffe mit dem gleichen Wortstamm. So stehen "Angst" und "Bange" ursprünglich in Zusammenhang mit "eng, beengt". "Bang" ist aus "be-ange" entstanden und ging seit Luther in die Schriftsprache ein. Die Wendung hat seinen Ursprung in der Bibel:

"Wenn der König zu Babel ihr Gerücht hören wird, so werden ihm die Fäuste entsinken; ihm wird so angst und bange werden wie einer Frau in Kindsnöten."
 
„Es mit der Angst zu tun bekommen“
Bedeutung:
Angst bekommen.

Herkunft: Das Wort "Angst" für "Furcht, Gefühl der Beklemmung" ist mit "eng" verwandt (alter germanischer Wortstamm *angu-) und beschreibt damit den Zustand des Beengten, Gedrängten.
Martin Luther beschrieb diesen Zusammenhang so: "Angst im ebraischen lautet als das enge ist, wie ich achte, das im deudschen auch angst daher komme, das enge sei, darin einem bange und wehe wird und gleich beklemmet, gedruckt und gepresset wird"
 
Ein wissenswerter Hintergrund zu den aktuellen Nachrichten:
(aber wie immer ein „Wissen, das man bestimmt nie braucht“)

23.11.2022​
Der Raub von Goldmünzen aus dem Kelten- & Römermuseum Manching:
Auszug aus den Klamm-Nachrichten:
"Nur neun Minuten brauchten die Unbekannten, um Hunderte wertvolle Goldmünzen aus dem Manchinger Museum zu stehlen. Wer sie waren, ist am Tag danach völlig unklar - die Ermittler prüfen vom Gebiet des heutigen Ungarn ..."

Nachzulesen:
https://www.klamm.de/news/gestohlen...n-neun-minuten-11N2009010122112399625154.html

"Das Wissen, das man bestimmt nie braucht":
Nun, diese Goldmünzen haben nicht nur diesen finanziellen Gold-Wert, nicht nur den unbezahlbaren archäologischen Wert. Sie sind auch ein Teil unserer Kultur, von Mythen, Sagen und von Märchen:

Die "Sterntaler“, "Regenbogenschüsselchen“ und die "Regenbogenbrücke"
Zunächst:
Die Goldmünzen sind Zahlungsmittel der Kelten, die auch als „Regenbogenschüsselchen“ bekannt sind. Als Regenbogenschüsselchen wird in der Umgangssprache ein spezieller Typus keltischer Gold- und Silbermünzen bezeichnet. Diese Münzen waren in einem Raum, der sich vom Gebiet des heutigen Ungarn über Österreich bis nach Süddeutschland erstreckte sehr verbreitet. Sie wurden vermutlich von den keltischen Stämmen der Boier, der Vindeliker und den Rheingermanen im Zeitraum von etwa 300 v. Chr. bis zur Zeitenwende hergestellt. Eine weitere Bezeichnung lautet „Muschelstatere“. Der Name Regenbogenschüsselchen entstand aufgrund der charakteristischen Schüsselform und dem Aberglauben, der besagt, daß die Goldstücke von einem Regenbogen herabtropften und am Fuß des Regenbogens auf der Erde zurückgeblieben seien.

Eine alternative Erklärung, der germanischen und der irischen Variante des Regenbogens:
Germanen:
Zunächst war der Regenbogen nach dem germanischen Glauben eine Brücke (Bifröst), die Midgard (die Welt der Menschen) und Asgard (den Sitz der Götter) miteinander verband.

Iren:
Mit dem Einzug des Christentums wandelte sich die Version des Regenbogens als Brücke. Hier wurde aus der germanischen Version der Volksglaube, daß die Regenbögen als Brücke zwischen der Welt der Menschen und der der Leprechauns (Kobolde) seien. Die Leprechauns sind der Sage nach sehr geizig und nutzen das Ende des Regenbogens dazu, ihre Schätze vor den Menschen zu verstecken. Die Naturgeister sind neben der Harfe und dem Kleeblatt die Wahrzeichen von Irland.)
- 10.jpg

Edit:
Haustiere:
In Deutschland gibt es noch die "Regenbogenbrücken-Version", daß Hunde (und Haustiere allgemein) über die "Regenbogenbrücke" in den Hundehimmel gehen. Wenn ein geliebtes Tier auf der Erde für immer eingeschlafen ist, geht es zu diesem wunderschönen Ort. Dort gibt es immer was zu fressen und zu trinken, und es ist warmes, schönes Frühlingswetter. Die alten und kranken Tiere sind wieder jung und gesund.


Sterntaler:
Ein weiterer kultureller „Hintergrund“ dieser Goldmünzen ist "Die „Sterntaler“ – das Märchen der Gebrüder Grimm.

Die Sterntaler
(Gebrüder Grimm)
Es war einmal ein kleines Mädchen, dem war Vater und Mutter gestorben, und es war so arm, daß es kein Kämmerchen mehr hatte, darin zu wohnen, und kein Bettchen mehr hatte, darin zu schlafen, und endlich gar nichts mehr als die Kleider auf dem Leib und ein Stückchen Brot in der Hand, das ihm ein mitleidiges Herz geschenkt hatte. Es war aber gut und fromm. Und weil es so von aller Welt verlassen war, ging es im Vertrauen auf den lieben Gott hinaus ins Feld. Da begegnete ihm ein armer Mann, der sprach: »Ach, gib mir etwas zu essen, ich bin so hungerig.« Es reichte ihm das ganze Stückchen Brot und sagte: »Gott segne dir's«, und ging weiter. Da kam ein Kind, das jammerte und sprach: »Es friert mich so an meinem Kopfe, schenk mir etwas, womit ich ihn bedecken kann.« Da tat es seine Mütze ab und gab sie ihm.
Und als es noch eine Weile gegangen war, kam wieder ein Kind und hatte kein Leibchen an und fror: da gab es ihm seins; und noch weiter, da bat eins um ein Röcklein, das gab es auch von sich hin. Endlich gelangte es in einen Wald, und es war schon dunkel geworden, da kam noch eins und bat um ein Hemdlein, und das fromme Mädchen dachte: »Es ist dunkle Nacht, da sieht dich niemand, du kannst wohl dein Hemd weggeben«, und zog das Hemd ab und gab es auch noch hin.
Und wie es so stand und gar nichts mehr hatte, fielen auf einmal die Sterne vom Himmel, und waren lauter blanke Taler; und ob es gleich sein Hemdlein weggegeben, so hatte es ein neues an, und das war vom allerfeinsten Linnen. Da sammelte es sich die Taler hinein und war reich für sein Lebtag.

Die wahre Geschichte, die hinter „Die Sterntaler“ steckt:
Das Märchen, das die Gebrüder Grimm in ihrer Sammlung aufnahmen beruht auf biblische Motive. Sei es St. Martin, der seinen Mantel mit einem Bettler teilt oder sei es die Rede von Jesus: „…"Geh hin, verkaufe alles, was du hast, und gib's den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm und folge mir nach! …" Oder auch das Matthäus-Zitat: "Ihr sollt Euch nicht Schätze sammeln auf Erden …. Sammelt Euch aber Schätze im Himmel … Denn wo Dein Schatz ist, da ist auch dein Herz." Zu das Markus-Zitat: „„Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.“
Kurz formuliert: Wer bereit ist, seine irdische Güter zu teilen, Barmherzigkeit zu zeigen, erhält seine Belohnung vom Himmel, sei es vor oder nach dem Tod. Wer uneigennützig gibt, dem wird gegeben.

- 8.jpg
Die gestohlenen Goldmünzen - die "Regenbogenschüsselchen" - die "Sterntaler"

Historisch gab früher tatsächlich diese „Taler“, die scheinbar vom Himmel geregnet waren. Diese „Sterntaler“ gelangten auf wundersame Weise in die Hände armer Menschen. Vor allem nach heftigen Regenfällen entdeckten Bauern in Süddeutschland immer wieder vereinzelte – oder gar Ansammlungen von Goldmünzen. Allerdings handelte es sich nicht um eine im Umlauf befindliche Währung. Es waren Goldstücke ohne Ziffern, jedoch mit geheimnisvollen Zeichen und einem hoch gebogenen Rand. Die Glückspilze nannten ihren neuen kostbaren Besitz „Regenbogenschüsselchen“. Denn damals glaubten die Menschen, am Ende eines jeden Regenbogens ruhe ein Goldschatz. Diesen Mythos kannten natürlich auch die Gebrüder Grimm. Bei diesen Regenbogenschüsselchen handelte es sich in Wahrheit um keltische Gold- und Silbermünzen.

Der Name Sterntaler:
Als die Gebrüder Grimm dem Märchen einen neuen Titel – „Sterntaler“ – vergeben denken sie dabei wohl an eine Münze. Denn dieses Geldstück nennt sich im Volksmund „Sterntaler“. Fürst Friedrich II. von Hessen läßt diese Münzen 1778 prägen. Der Stern des von Friedrich II. von Hessen um 1770 gegründeten Ritterordens „Goldener Löwe“ bildet hier auf einer Seite des Sterntalers das Motiv. Auf der anderen Seite befindet sich sein Abbild.

- 9.jpg
In den damaligen britischen Kolonien in Amerika wird diese Münze jedoch vom Volksmund „Blutdollar“ genannt. Der Grund ist, dass die hessischen Soldaten, die an England „vermietet“ wurden im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1775-1785) mit dieser Münze besoldet wurden.
 
Zuletzt bearbeitet:
„Mit einer Sache zu tun haben“
Bedeutung:
Mit einer Sache zusammenhängen. Mit etwas vergleichbar / verknüpft sein. Mit etwas in Verbindung stehen. In eine Sache involviert sein.

Herkunft: Die Formel "zu tun haben mit ..." drückt zunächst die Beschäftigung mit einer Sache oder Person im Sinne einer bestimmten Handlungsweise und Tätigkeit aus. Hier ist sie noch weiter verallgemeinert und meint jede Art von Beziehung, in der zwei Objekte miteinander stehen können.
 
„Angst vor der eigenen Courage haben / bekommen“
Bedeutung:
Sich nicht trauen, etwas zu tun. Sich im letzten Augenblick zurückziehen. Eine riskante Unternehmung letztlich doch nicht tun, nachdem man sich vorher schon vorgewagt hatte.

Herkunft: Diese Redewendung ist ein kleiner rhetorischer Kniff, deren scheinbare Widersprüchlichkeit die Unentschlossenheit des Subjektes veranschaulichen soll bzw. sich auf eine zeitlich unterschiedliche Bewertung einer Unternehmung oder eines Plans bezieht.

Das Wort "Courage" (Mut, Kühnheit) wurde im 16. Jahrhundert aus dem Französischen entlehnt. Die Redensart selbst wurde wohl von Jakob Rießer, Geheimrat und Mitglied der Nationalliberalen Partei im Jahr 1911 geprägt und wurde rasch populär, auch wenn es ältere Belege und Varianten aus dem 19. Jahrhundert gibt.
 
„Vor der eigenen Türe kehren / fegen“
Bedeutung:
Hier gibt es gleich zwei Bedeutungen:
Einmal die sehr negative Variante: Sich um seine eigenen Angelegenheiten kümmern und nicht um fremde Angelegenheiten:
„Was interessieren mich Emigranten, die im Mittelmeer ertrinken – wir haben selber genug Probleme.“
„Was interessieren mich die ganzen Hungersnöte und all die Kriege in der Welt. Wir sollten uns erst einmal um die eigenen Probleme kümmern!“
„Was interessiert mich die Ausbeutung der Arbeitskräfte in der `Dritten Welt` - ich bekomme ja auch nur Mindestlohn“
„Was interessiert mich Kinderartbeit in der `dritten Welt – hier gibt es doch genug eigene Probleme!“


… und dann gibt es noch die sehr positive Auslegung dieser Redensart:
Sich selbst gegenüber selbstkritisch sein – anstatt lediglich nur andere zu kritisieren.

Herkunft: Diese Redensart ist seit dem 16. Jahrhundert belegt, wahrscheinlich aber älter. Goethe hat sie in seinen "Zahmen Xenien" wie folgt gestaltet:
"Ein jeder kehre vor seiner Tür, / Und rein ist jedes Stadtquartier"
 
„Etwas / sich in Stellung bringen“
Bedeutung:
Etwas / sich positionieren / präsentieren. Etwas bereitstellen. Etwas an seinen Ort der Bestimmung bringen.

Herkunft: Das mit "stellen" verwandte Substantiv "Stellung" vereinigt mehrere Bedeutungen auf sich. Auszugehen ist zunächst von der Handlung des Stellens, auch die Art und Weise, wie etwas steht und angeordnet ist. Semantische Erweiterungen gibt es in Bezug auf militärisch befestigte Anlagen oder - in Bezug auf eine Person - ihre Körperhaltung, ihr Posten, ihr Ansehen, ihre Einstellung oder ihre Position innerhalb der Hierarchie.
Die häufige Wortverbindung "in Stellung bringen" betont vor allem die Vorbereitung auf den zukünftigen Einsatz oder die angedachte Funktion einer Person oder Sache.
 
„Etwas zu Rande / zurande bringen“
Bedeutung:
Etwas zu Ende bringen, Fertig werden, etwas schaffen / bewältigen.

Herkunft: Diese Wendung lehnt sich an die Bedeutung Ufer, Saum eines Gewässers an, die früher in einer heute vergessenen Zwillingsformel "Rand und Land" stark hervortrat. Noch heute wird ja Misserfolg bildlich und redensartlich häufig mit Wendungen des Untergangs und des Ertrinkens ausgedrückt, so dass hier ein größerer bildhafter Zusammenhang bestand, der heute nicht mehr so empfunden wird.
 
„Etwas unters / unter das Volk bringen“
Bedeutung:
Etwas verteilen / verbreiten. Dafür sorgen, daß etwas bekannt wird. (Geld) rasch ausgeben. (Waren) verkaufen. Etwas in Umlauf bringen.

Herkunft: Diese Redewendung ist schon sehr alt. Bereits Luther verwendete sie 1545 in seiner Bibelübersetzung:
"Laß die Berge den Frieden bringen unter das Volk und die Hügel die Gerechtigkeit."
Übrigens gibt es auch den seltenen Ausdruck "vulgarisieren", das "unzulässig vereinfachen" bedeutet, früher aber auch für "unters Volk bringen" verwendet wurde. Es leitet sich aus dem lateinischen "vulgo" ab
 
„Etwas unter Dach und Fach bringen“
Bedeutung:
Etwas erledigen / abschließen / fertigstellen. Etwas beschließen.

Herkunft: Das alte Wort Fach hat u. a. die Bedeutungen "Mauer", "Wand" und "Abteilung", "Zimmer". Die architektonische Bedeutung ist noch in dem Begriff "Fachwerk" erhalten, während sonst heute eher an abgeteilte Sparten (etwa Schulfächer) oder an Mobiliar (Schrankfächer) gedacht wird. In der Paarformel "unter Dach und Fach" ist zweifellos die obere (Dach) und die seitliche (Fach) Begrenzung eines Raumes gemeint, die Sicherheit bieten soll. Aus den Komponenten der vollständigen Umschlossenheit hat sich dann die Bedeutung entwickelt, dass etwas (z. B. eine Arbeit, ein Vorhaben, ein Vertrag) "fertig" und "abgeschlossen" und somit "in Sicherheit" ist.
 
„Dem Volk aufs Maul schauen“
Bedeutung:
Zuhören, was das gemeine Volk sagt.

Herkunft: Die Redensart stammt von Martin Luther und war sein Prinzip bei der Übersetzung der Bibel ins Deutsche:
"Man muss die Mutter im Hause, die Kinder auf den Gassen, den gemeinen Mann auf dem Markt fragen und denselbigen aufs Maul sehen, wie sie reden und danach dolmetschen, so verstehen sie es dann und merken, dass man Deutsch mit ihnen redet."
Es ist bekannt, dass Luther bei seiner Übersetzungstätigkeit oft lange mit einzelnen Passagen gerungen hat, weil es ihm darum ging, die Bibel dem Volk verständlich zu machen. Natürlich ist Luther bekannt für seine derbe Ausdrucksweise in seinen Tischreden und Schmähschriften, doch in der Bibelübersetzung verzichtete er auf derartige Ausdrücke. Dort übersetzte er nicht wortwörtlich, sondern sinngemäß. Insbesondere, indem er Elemente aus dem Niederdeutschen (Norden) und dem Oberdeutschen (Süden) übernahm, leistete er einen enormen Beitrag zur Vereinheitlichung der deutschen Sprache.
In diesem Sinne wäre die Bedeutung der Redewendung "sich der Umgangssprache bedienen". Heute wird der Spruch eher Verantwortlichen (z. B. Politikern) gegenüber geäußert, um ihnen nahezulegen, den Menschen zuzuhören und sich mit ihren konkreten Sorgen und Nöten auseinanderzusetzen. Dabei schwingt oft der Vorwurf mit, diese hätten sich von den Alltagsproblemen so sehr entfernt, dass sie diese gar nicht mehr mitbekommen würden.
 
„Zwei / mehrere Dinge / alle / alles unter einen Hut bringen / bekommen / kriegen“
Bedeutung:
„Unterschiedliche Dinge miteinander vereinbaren / harmonisch ausgleichen / gegenseitig anpassen / zusammenfassen; Einigkeit erzielen“

Herkunft: Die Redensart verwendet das Bild vom kollektiven Kopf, der durch die gemeinsame Aushandlung eines bestimmten Standpunktes zu entstehen scheint und das wir schon im Mittelalter finden. Der kollektive Kopf ist Bestandteil der Organismus-Metaphorik, nach der abstrakte Dinge, Organisationen usw. mit Körperteilen und -funktionen bezeichnet werden können. Daher auch das Sprichwort: Es ist schwer, viele Köpfe unter einen Hut zu bringen. Ein weiterer Aspekt ist die einheitliche Kopfbedeckung der Soldaten.

Schriftliche Belege finden sich im 17. Jahrhundert. Z. B. heißt es 1689 bei Daniel Casper von Lohenstein:
"... brachte er ... ein Kriegs-Heer auf die Beine ... und schickte es ... wieder die Marckmänner; welche noch zur Zeit weder unter einander einig / noch so vermessen gewest waren / sich öffentlich wieder ihren Fürsten auffzulehnen; nunmehr aber durch die Noth leicht unter einen Hut gebracht wurden"

 
„Noch ein / zwei / mehrere / viele / andere Eisen im Feuer haben“
Bedeutung:
Einen weiteren Plan verfolgen; noch weitere Möglichkeiten / Pläne / Chancen ha- 11.jpgben; mehrere Dinge gleichzeitig betreiben und deshalb mehrere Erfolgsaussichten haben.

Herkunft: Der Schmied kann das Eisen nur bearbeiten, solange es glüht, weil es dann gebogen und gehämmert werden kann. Während er an einem Werkstück arbeitet, liegen bereits andere Rohstücke im Feuer, damit es keine Arbeitsunterbrechung gibt.
Im Sinne der Redensart kann man also auch dann weiterarbeiten und weiterkommen, wenn ein bestimmter (Arbeits-)Vorgang gescheitert ist, weil man "mehrere Eisen im Feuer" hat.

Eine andere Deutung bezieht sich auf das Bügeln vor der Erfindung des Stromes. Dabei wurden in manchen Haushalten mehrere gußeiserne Bügeleisen auf die Herdplatte gestellt, um schneller bügeln zu können.
- 10.jpg
 
„Guter Dinge sein“
Bedeutung:
Munter, hoffnungsfroh, optimistisch sein. Gute Laune haben.

Herkunft: Die Redensart ist seit dem 15. Jahrhundert nachgewiesen und bezieht sich nicht auf "Ding", sondern das früher häufige mittelhochdeutsche Wort "Gedinge", das "zuversichtliches Erwarten" bedeutete.
 
„Zwei Hasen nachlaufen“
„Wer zwei Hasen (gleichzeitig) jagt, fängt keinen“
„Wer zwei Hasen jagt, läßt den einen laufen und den anderen verliert er“
„Wer zwei Hasen zugleich nachläuft, wird keinen erwischen“
Bedeutung:
Man sollte sich auf das Wesentliche / das Wichtige konzentrieren; Man sollte nicht mehrere Dinge gleichzeitig tun.

Herkunft: Das Sprichwort gibt es in vielen Varianten und ist schon Mitte des 16. Jahrhunderts bei Johannes Mathesius bezeugt.
Für die im Netz verbreitete Aussage, es stamme aus Japan oder von Konfuzius, gibt es keinen Beleg. Vielmehr ist es schon seit Jahrhunderten in vielen romanischen und germanischen Sprachen verbreitet.
 
„Alle / alles über einen Kamm scheren“
Bedeutung:
Alle / alles unterschiedslos behandeln; nicht differenzieren. Vom Einzelfall aufs Allgemeine schließen.

Herkunft: Die seit dem 16. Jahrhundert bezeugte Redewendung geht wohl auf die alten Gepflogenheiten beim Bader zurück, der alle Kunden mit demselben Kamm frisierte.
Eine andere Deutung bezieht sich auf das Scheren der Schafe. Die Wolle wird nach der Schur durch Kämme verschiedener Stärke gezogen, um grobe und feine Wolle zu sondern. Wer also alles über einen Kamm schert, der kann diese Differenzierung nicht vornehmen und behandelt alles gleich.
 
„Die Achillesferse sein“
Bedeutung:
Der wunde Punkt sein. Die empfindliche / verwundbare / Stelle sein. Die Schwachstelle sein.

Herkunft: Die Redewendung stammt aus der griechischen Mythologie. Der griechische Held Achilles wurde als Kind von seiner Mutter Thetis in den Unterweltfluss Styx getaucht und dadurch unverwundbar. Nur die Ferse, an der Achilles gehalten wurde, wurde vom Wasser nicht benetzt und blieb dadurch ungeschützt. Vor Troja war Achilles der schnellste und stärkste Held der Griechen. Erst Paris gelang es, Achilles durch einen Pfeilschuss in die Ferse zu töten.
Anhang anzeigen 14681