Wissen, das man im Leben bestimmt nie braucht.

„das tut nicht Not“
Bedeutung: Das ist nicht notwendig

Herkunft: Diese ein wenig veraltete Redensart wird von der „Waterkant“ (Norddeutschland) bis in etwa NRW verwendet. Sie ist zwar auch in Bayern bekannt – wird dort aber kaum verwendet. Vor allem wird diese Formulierung in Norddeutschland und im Ruhrpott benutzt. Dadurch, daß es in der heutigen Zeit beruflich notwendig ist, den Wohnort zu wechseln - und durch den Umzug ehemaliger DDR-Bürger in den Westen und westlicher Bürger in die ehemalige DDR - vermischen sich aber die diversen Redensarten, die eigentlich regional verwendet wurden. Wieder bekannt gemacht hat es wohl vor allem Werner Brösel mit seinen „Werner“-Filmen und der Comic-Reihe.
 
„Marodeure“ / „Merode Brüder“
Bedeutung: Marodeur: Eine Person, die am Rande von Kampfhandlungen brandschatzt, plündert, erpresst, raubt, stiehlt, vergewaltigt und mordet.

Herkunft: „Marodeure“ oder „Merode-Brüder“ gab es bereits in der Antike – aber der Begriff ensteht erst so richtig im Dreißigjährigen Krieg. Der Begriff „Marodeur“ ist abgeleitet vom französischen „maraude“ oder „maraudage“ („Felddiebstahl“) bedeutet. Der Ursprung für das deutsche Wort „marode“ („heruntergekommen“, „verfallen“ oder „verkommen“). „Merode Brüder“: eigentlich 1635 meuternde Soldaten des braunschweig-lüneburgischen – dann schwedischen Obristen Werner v. Merode, die zunächst an der Elbe meuterten, um dann als Deserteure Marodeur-Banden zu bildeten. Die zweite Herkunft, die im „Simplicissimus“ verwendet wird sind die Verbände des kaiserlichen Obristen Johann II. v. Mérode, die vorwiegend aus Franzosen und Wallonen bestanden. „Merode Brüder“ wurde kurz darauf für alle Marodeure benutzt.
Bei „Marodeuren“ handelt es sich meist um durch Krankheit oder Verwundung kampfuntauglich gewordene Soldaten. Sie wurden ausgemustert und mittellos nach Hause geschickt. In der Heimat wären sie durch ihre Versehrtheit arbeitslos. Wer nimmt einen Bauern, einen Werber, Schuster … ohne Beine, ohne Arme, Finger, Augen …? Andere Marodeure sind desertiert oder wegen Verfehlungen aus der Truppe ausgestoßen. Ohne Zukunft schließen sie sich zu Diebesbanden, Nachzügler, Feldstreicher, aber auch streifenden Soldaten zusammen. Sie nutzen das Chaos des Krieges. Der Marodeur brandschatzt, plündert, erpresst, raubt, stiehlt, vergewaltigt und mordet am Rande der Kampfhandlungen. Je länger der Krieg andauert, desto größer wird naturgemäß das Marodeursunwesen, weil die Zahl der Menschen wächst, die keine andere Überlebensmöglichkeit mehr haben oder sehen. . Soldaten, die 1635 an der Elbe meuterten und dann auseinander liefen.
 
„Hasardeure“
Bedeutung: Ein „Hasardeur“ ist ein Draufgänger (von „auf etwas losgehen“), auch Heißsporn, Haudegen oder Teufelskerl. Es ist ein Mensch, der sich kurz entschlossen, beherzt, teilweise unüberlegt und rücksichtslos auf eine Sache einlässt.

Herkunft: Die Quelle für "Hasardeure“ ist „hasard“ leitet sich ab von altfranzösisch „hasart“ für ein altes „Würfelspiel“ ab. Das Wort kommt aus dem Arabischen: „yasara“ für „würfeln“. Schon im 14. Jahrhundert wurde von Geoffrey Chaucer in den Canterbury Tales ein altenglisches Spiel erwähnt, das als Hasard bezeichnet und mit zwei Würfeln gespielt wurde. Das „hasard" wurde schnell allgemein für Glücksspiele verwendet.
Da ein Glücksspieler sehr oft keinem Risiko aus dem Weg geht und keine Rücksicht auf sein Leben nimmt wurde dieses Verhalten auf das Finanz- und Bankwesen übertragen, bei der Politik, dem Militär, später dem Extremsport … da war der Weg zur heutigen Bedeutung nicht mehr weit.
 
„Bukanier“
Bedeutung: Ein Bukanier ist ein Pirat.

Herkunft: Die Bukaniere (engl. buccaneers) waren zunächst französische Siedler, die am Anfang des 17. Jahrhunderts auf Hispaniola und umgebenden Inseln verwilderte Stiere und Schweine für Schiffe als Proviant jagten. Ein Bukanier erhält seinen Namen von dem französischen „boucanier“ (Fleischräucherer). Der Begriff kommt aber ebenso von dem indianischen „Bukan“ (die „Arawak“ meinten damit einen Grill, der mit „Grünholz“ und schwacher Flamme das Manati-Fleisch räuchert). Gegen Ende des 17. Jahrhunderts, änderten sie die Lebensweise und wurden Kaperfahrer in englischen Diensten. Ihr Gegenstück in französischen Diensten waren insbesondere die „Flibustiers“. Als Freibeuter attackierten sie den spanischen, französischen und niederländischen Schiffsverkehr zwischen den karibischen Inseln während des späten 17. Jahrhunderts. Der Unterschied von Piraten zu Freibeutern besteht darin, daß Freibeuter während eines Konflikts (oder bei „Unstimmigkeiten“) mit einem anderen Staat einen Freibrief des Regenten besitzt – und somit ein „legaler“ Pirat ist.
Ursprünglich waren Bukanier-Schiffsmannschaften größer und besser geeignet für Angriffe auf Küstenstädte. Sie beschränkten sich darauf, die Karibik unsicher zu machen. Der Ausdruck „Bukanier“ verallgemeinerte sich dadurch zu einem Synonym für Freibeuter und schließlich überhaupt für Piraten. Sie selbst bezeichneten sich als „Brüder der Küste“.

Die englischen Siedler, die Jamaika besetzten, sorgten für die Verbreitung des Begriffs „Bukanier“ als Bezeichnung für diese Art von Piraten. Der Name verbreitete sich weiter und wurde ab 1684, als die erste englische Übersetzung Alexandre Olivier Exquemelins „The Buccaneers of America“ veröffentlicht wurde, zum Gemeingut.
 
„jemanden geht ein Licht auf“
Bedeutung: Man begreift etwas. Man sieht endlich die Zusammenhänge.

Herkunft:
Licht steht von je her für Erkenntnis: So ist „Luzifer“ (der Teufel, Satan ...) übersetzt der „Lichtbringer“. Er ist, derjenige, der in der Bibel Adam und Eva dazu bringt, verbotener Weise vom Baum der „Erkenntnis“ zu naschen. Ähnlich, wie in der griechischen Mythologie Prometheus der Menschheit das Feuer bringt. Zu gut Deutsch: Wenn jemand endlich zu einer Erkenntnis kommt – dann geht ihm ein Licht auf.
 
„jemanden die Kauleiste tiefer legen“
Bedeutung: Eine Person zusammenschlagen. Jemanden sehr stark verprügeln.

Herkunft: Da diese derbe Umgangssprache aus dem Straßenjargon kommt gibt es keine richtige Entwicklung. Es gibt keine Erklärung für diese sarkastische Umschreibung. Dafür, daß eine Person zusammengeschlagen wird - oder (bei einer wörtlichen Auslegung) daß bei einer Schlägerei dem Gegner der Kiefer gebrochen oder zertrümmert wird.
 
„einen Steinwurf entfernt“
Bedeutung: Etwas ist ganz nah – in geringer Entfernung – nur ein paar Schritte entfernt – in nächster Nähe – nicht weit entfernt - in Reichweite.

Herkunft: Sowohl in der Jagd, bei dem Militär, der Seefahrt und im Zivilleben mußte man abschätzen, wie weit eine Strecke ist. Wie viel Schießpulver man für einen Schuß nimmt, wie weit die Munition reichen wird, wie weit wird der Schuß durch Wind und Wetter abgelenkt … Wie viel Kilometer man noch schafft, wie lange der Proviant noch reichen wird … Ohne die heutige Technik – einem Entfernungsmesser - war man auf ein Einschätzen angewiesen. Entweder man peilte über den Daumen *1 – oder man nahm bekannte Größen.
Das Problem war, daß gerade bei Truppen aus verschiedenen Gebieten oder Ländern verschiedene Maße verwendet wurden: Eine Meile, eine Seemeile, Yard, Inch, Fuß, Elle, Zoll, Rute, Spanne, Schritt, Klafter, Faden, … Ein weiteres Problem: Selbst bei der Größe gab es keine einheitliche Länge: Eine „Rute“ z.B. war in Preußen 3,77 Meter lang – in Böhmen 4,77 Meter lang.
Hingegen gab es Begriffe, die jeder grob abschätzen konnte. Jeder kennt z.B. heute die Länge eines Fußballplatzes – also gäbe man heute als Entfernung zum Ziel die Entfernung von ca. drei Fußballplätzen an. Früher nutze man andere bekannte Größen: Eine „Tagesreise“, eine Stunde Marsch, … Eine weitere Schätzung, die recht bekannt war stellte der kurze „Steinwurf“ dar. Heute steht „einen Steinwurf entfernt“ für eine kürzere Entfernung.


*1: Siehe Beitrag: „über den Daumen peilen“ / "Pi mal Daumen"
https://www.klamm.de/forum/f5/wissen-das-man-im-leben-bestimmt-nie-braucht-481123-8.html#post8131892
 
„einen Katzensprung entfernt“
Bedeutung: Auch wieder: Etwas ist ganz nah – in geringer Entfernung – nur ein paar Schritte entfernt – in nächster Nähe – nicht weit entfernt - in Reichweite.

Herkunft: Obwohl beide Sprichwörter für eine kurze Strecke benutzt werden bestehen anscheinend Unterschiede: Einmal existiert der Unterschied, daß man einen Stein bedeutend weiter werfen kann, als eine Katze springen kann. Denn ein durchschnittlicher Mensch kann einen Stein ca. 100 Meter weit werfen. Aber keine Katze kann so weit springen.
Wenn man sich die meisten Verwendungen anschaut, dann merkt man, daß von der Person, der die Entfernung angibt unbewußt die Redewendung mit der Katze für eine kurze zeitliche Entfernung verwendet wird. Zum Beispiel für die kurze Fahrstrecke:

„Meine Fahrt von Köln nach Bonn war ein Katzensprung. In 15 Minuten war ich dort.“
KEINER wird sagen:
„Meine Fahrt von Köln nach Bonn war ein Steinwurf. In 15 Minuten war ich dort.“

Bei einer Einschätzung, die die Entfernung geschätzt wird hingegen benutzt man beide Redewendungen:
„Bis zur Burg ist es nur noch ein Steinwurf. In ca. 200 Metern sind Sie da.“
Oder eben:
„Bis zur Burg ist es nur noch ein Katzensprung. In ca. 200 Metern sind Sie da.“
 
„harte Bandagen“
Bedeutung: Der Spruch „harte Bandagen“ meint, daß eine Person sein Gegenüber sehr verbissen und mit wirklich allen zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpft. Auf seinen Gegner nimmt er dabei weder moralisch – noch nach irgendwelchen Regeln Rücksicht.

Herkunft: Die Redensart „harte Bandagen“ kommt aus dem Boxsport. Die ältesten Darstellungen kommen aus Mykene (ca. 2000 Jahre v.Chr.) Im antiken Griechenland war der Boxkampf sehr beliebt. Im Jahre 688 v. Chr. nahm man diese Sportart als „olympisches Disziplin“ auf. Im Gegensatz zu heute hatte ein Boxkampf keine festgesetzte Dauer. Er endete erst, wenn ein Teilnehmer aufgab oder nicht mehr kämpfen konnte. Man unterteilte die Kämpfer nach dem Alter – nicht nach Gewichtsklassen. Während des Trainings benutzten die Boxer oft weiche Handschuhe. Genau wie heute übten auch die griechischen Boxer mit einem Sandsack. Die Regeln beim Boxen verboten es, den Gegner festzuhalten (was hingegen beim Ringen erlaubt war), auf die Genitalien zu schlagen und die Boxhandschuhe mehr als üblich zu verstärken. Trotz dieser Regeln erlitten Boxer häufig Verletzungen und ihre Gesichter wurden durch den Sport entstellt. Daher hielten die Griechen das Boxen für die gefährlichste der drei Kampfsportarten. Um die Hände , Knochen und Knöchel zu schützen, wickelten die Sportler Lederriemen aus Ochsenhaut um ihre Finger und Unterarme. Auf der Innenseite waren diese Handschuhe mit Wolle gepolstert und auf der Außenseite waren harte Lederstreifen angebracht, um härter zuschlagen zu können.
Mit diesen Bandagen konnten die Kämpfer ihre Gegner bedeutend schneller kampfunfähig machen. Je härter das Material der Bandagen war, desto schwerer und verletzender waren die Faustschläge. Im Laufe der Zeit veränderte sich der Faustkampf: Es wurden feste Regeln aufgestellt, die ihn zu einer mehr und mehr fairen Sportart machten. In England - dem Ursprungsland des modernen Boxens, wurden 1838 die Boxhandschuhe eingeführt. Wie die Bandagen, sollten auch die Handschuhe die Hände - aber auch den Gegner schützen. Denn die gepolsterten Boxhandschuhe verringern das Verletzungsrisiko: Sie dämpfen die Wucht eines Schlages, weil sie elastisch sind und beim Aufprall nachgeben. Die harten Lederbandagen hingegen geben gar nicht nach und sind zusätzlich gefährlich, weil das Leder die Haut aufreißen kann.

Wer mit „harten Bandagen“ seinem Gegner gegenüber tritt bekämpft nicht nach humanen Regeln, wie im Boxkampf von heute. Er kämpft mit allen Mitteln –wie im antiken Boxkampf. Er nimmt auf seinen Gegner keine Rücksicht. Es geht nur darum, den Gegner möglichst schnell zu besiegen.
 
„der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“
Bedeutung: Die Nachkommen verhalten sich ähnlich wie ihre Eltern, sehen so aus, wie ihre „Erzeuger“. Sie haben sehr oft die selben Eigenschaften und interessieren sich für die selben Sachen, wie die Eltern.

Herkunft: Genau, wie "ein Apfel, der vom Baum fällt" - und dann nicht weit vom Stamm am Boden landet kommt es sehr oft vor, daß die Kinder sich nicht sehr in ihren Entscheidungen von den Eltern unterscheiden. Daß Kinder in ihrem Charakter nicht anders sind, als ihre „Erzeuger“.
Hier wird eine Frage aufgegriffen, die die Menschheit von der Antike bis heute beschäftigt: Wird der Mensch mehr von den Genen, der Erziehung oder von der Umwelt geprägt. Solche Einflüsse, wie „Kind werde ja nicht Metzger, wie Dein Vater“ oder „Sieh zu, daß Du auch Beamter wirst.“ (Erziehung), Lehrer oder Freunde, eigene Vorbilder die Einfluß nehmen (Umwelt). Oder, daß man eben genau so wird, wie der Vater – oder die Mutter. Wenn ein Kind den Verhaltensweisen der Eltern ähnelt, wenn ein Kind so aussieht, wie Vater oder Mutter – dann spricht davon, daß „der Apfel nicht weit vom Stamm fällt“.

Ironische Abwandlungen:
Der Apfel fällt nicht weit vom Birnbaum.
Der Apfel fällt nicht weit vom Pferd.
 
„Berliner“ (Gebäck)
Bedeutung: Der „Berliner Pfannkuchen“ (kurz: „Berliner“) ist ein etwa faustgroßes Siedegebäck, das schwimmend in Fett ausgebacken wird, aus süßem Hefeteig mit einer Füllung aus Konfitüre besteht und meist mit feinem Zucker bestäubt oder mit einer Glasur überzogen wird.

Herkunft: Erste Vorstufen dieser „Krapfen“ tauchen schon im Altertum auf. In Schmalz gebackene „Hefeballen“ sind im norddeutschen Raum seit dem 16. Jahrhundert belegt. Im Gegensatz u den „Berlinern“ waren sie aber unregelmäßig geformt und blieben ohne die Konfitüre-Füllung. Zudem waren sie nicht im Fett frittiert – sie wurden im Ofen gebacken. Hier und in Dänemark gibt es noch heute die diversesten Varianten dieser „Förtchen“.

Nach einer populären Legende nach wurden „Berliner Pfannkuchen“ im Jahr 1756 von einem Berliner Zuckerbäcker kreiert. Dieser wollte eigentlich als Kanonier unter Friedrich dem Großen dienen. Leider erwies er sich als wehruntauglich. Durch seinen Beruf durfte er aber beim Regiment als „Feldbäcker bleiben. Als Dank entwickelte er die ersten „Berliner Pfannkuchen“. Er gab den Hefeteigstücken die runde Ballenform von Kanonenkugeln. Da kein Backofen zur Verfügung stand, garte er seine „Berliner Pfannkuchen“ über dem offenem Feuer in mit heißem Fett gefüllten Pfannen.

Die Verbreitung der Berliner Pfannkuchen in ganz Deutschland folgte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts: Mit dem Aufstieg Berlins Hauptstadt des neu gebildeten Deutschen Reiches setzte sich der „Berliner“ durch.

Eine Tradition während des Karnevals / Fastnacht und zu Sylvester sind „Berliner Pfannkuchen“. Man setzt seinen Gästen einige dieser „Berliner“ vor – von denen einer oder zwei falsch gefüllt sind: Zum Scherz werden teilweise „Berliner Pfannkuchen mit Senf oder früher mit Sägespänen statt der Konfitüre gefüllt, ohne daß man es von außen erkennen kann.
 
„viele Köche verderben den Brei“
Bedeutung: Wenn zu viele Menschen an derselben Sache arbeiten, dann kann man davon ausgehen, daß nichts Vernünftiges dabei herauskommt.


Herkunft: Das Problem ist, daß bei zu vielen Köchen jeder meint, „seinen Senf“ hinzuzufügen müssen. Beim Salzen gibt jeder die vorgesehene Menge Salz in das Essen – ohne daß es die Kollegen mitbekommen. Die Folge: Das Essen ist total versalzen.
Jeder Koch hat seine Vorstelllungen, wie man es am Besten machen soll. Jeder will, daß „sein Rezept“ genommen werden muß. Daß das Gericht nur auf die Art hergestellt werden darf, wie er es gelernt hat.

Auf eine allgemeine Arbeit übertragen ist das „kulinarische Problem“ wie folgt: Je mehr Leute an einer Arbeit eigene Ansichten haben – desto schwerer ist es, eine Linie zu finden. Jeder will, daß seine Ansicht genommen wird, wie man das Projekt anfangen soll. Sehr schnell kommt es zum Streit – Kompetenzgerangel, wer am Besten geeignet ist zu entscheiden, zu geringer Austausch der wirklichen Inormationen zu dem Projekt und Widersprüche führen dazu, daß die Arbeit zu langsam vorankommt oder im schlimmsten Fall ganz ausfällt. Im Volksmund sind da vor allem die „politische Entscheidungen“ und das „Beamtentum“ betroffen. (Flughafen "BER", "Stuttgard 21", ... unverständliche und sinnlose Gesetze, Vorschriften, Formulare ...)
 
„Wer im Glashaus sitzt sollte nicht mit Steinen werfen“
Bedeutung: Man sollte nicht an anderen Menschen herum kritisieren, wenn man selber nicht viel besser ist.
Im Prinzip wie „Man sollte sich selber an die Nase fassen.“ Eine weitere Redewendung: „Wer mit dem Finger auf andere Leute zeigt – auf dem zeigen zur selben Zeit drei Finger auf sich selbst“ …

Herkunft: Dieses Sprichwort hat seine Quelle in der Bibel:
Die Zitate werden Jesus von Nazareth zugeordnet:

Matthäus Evangelium: Die Bergpredigt:
Mt 7,3 Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge und nimmst nicht wahr den Balken in deinem Auge?
Mt 7,4 Oder wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt, ich will dir den Splitter aus deinem Auge ziehen! – und siehe, ein Balken ist in deinem Auge?
Mt 7,5 Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge; danach kannst du sehen und den Splitter aus deines Bruders Auge ziehen.

Lukas Evangelium: Feldpredigt:
Lk 6,41 Was siehst du den Splitter in deines Bruders Auge, aber den Balken im eigenen Auge nimmst du nicht wahr?
Lk 6,42a Wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt still, Bruder, ich will dir den Splitter aus deinem Auge ziehen, und du siehst selbst nicht den Balken in deinem Auge?
Lk 6,42b Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, danach kannst du sehen und den Splitter aus deines Bruders Auge ziehen.

Abwandlungen:
Wer im Glashaus sitzt sollte keine Steine essen.
Wer im Glashaus sitzt, fällt selbst hinein.
Wer im Glashaus sitzt, sollte in den Keller kacken gehen.
Wer im Schlachthaus sitzt, sollte nicht mit Schweinen werfen.
Wer nicht hören will gewinnt.
 
„Stille Wasser sind tief“
Bedeutung: Man wird von einer Person überrascht. Introvertierte Menschen (intovertiert: schüchtern, zurückhaltend, auf das eigene Seelenleben gerichtet, nach innen gekehrt, verschlossen) sind oft ruhig und überlassen anderen Menschen das Rampenlicht. Manchmal werden sie daher als arrogant oder hochnäsig wahrgenommen, was jedoch meistens gar nicht stimmt. Zur Überraschung der Mitmenschen wissen diese ruhigen Mitmenschen oft sehr viel. Sie trauen sich nur nicht, ihr Wissen mitzuteilen.

Herkunft: Der Ursprung der Formulierung "Stille Wasser sind tief“ kommt aus der Natur:
Hier ist ein Gewässer, wie ein See, den man nicht kennt, auf dem ersten Blick nicht sehr tief. Vielleicht weil der See unscheinbar und klein ist. Doch trotz der ruhigen Oberfläche und der klaren Sicht zum Boden können natürliche Seen durch das klare Wasser sehr tief sein und auch starke Strömungen und Turbulenzen besitzen.

Erst danach kommt die Verwendung des Spruchs aus der Welt des Theaters: Hier verwendete Friedrich Ludwig Schröder (1744 bis 1816) diese Weisheit aus der Natur für sein Lustspiel: "Stille Wasser sind tief" (1786).
 
„Man Soll den Tag nicht vor dem Abend loben“
Bedeutung: Erwarte niemals, daß etwas gut ausgeht, bevor das Ergebnis feststeht. Niemals einer Sache zu sicher sein, denn auch wenn die ersten Ergebnisse positiv aussehen kann noch bis zum Schluß alles verloren sein.

Herkunft: Die Quelle ist wieder ein Mal die Bibel.:
Sprüche 27:1: „Rühme dich nicht des morgenden Tages; denn du weißt nicht, was heute sich begeben mag.

In der Zeit des Rokoko schreibt der Dichter Friedrich von Hagedorn (1708 bis 1754) im Gedicht „Der Zeisig“: „Wisst, sprach er, daß ich schon durch Schaden klüger bin / Man muß den schönsten Tag nicht vor dem Abend loben"
 
„Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn“
Bedeutung: Diese Redewendung wird meist abwertend verwendet. Sie steht dafür, daß auch dem Unfähigsten irgendwann einmal etwas gelingen kann. Im Vergleich mit dem blinden Huhn wird der Person unterstellt, daß es ein reiner Glücksfall ist - und nicht auf das Können zurückzuführen ist.

Herkunft: Die Herkunft ist nicht geklärt. Das Sprichwort ist schon sehr alt und findet sich bereits in der umfangreichen Sprichwort-Sammlung des Theologen Friederich Petri aus dem 16. und 17. Jahrhundert („Der Teutschen Weissheit“) Sie enthält 21.643 Einträge, die aus mündlich überliefertem Material, älteren Sammlungen und Dichtungen alphabetisch zusammengetragen wurden.

Abwandlung:
Auch ein blindes Huhn trinkt mal ein´ Korn
 
„auf keinen grünen Zweig kommen“
Bedeutung: Man bringt es im Leben zu nichts. Man hat kein Glück, keinen Erfolg. Trotz eines Vollzeitarbeit oder trotz mehrerer Jobs bekommt man so wenig Lohn, daß es zwar zum Leben reicht – es aber nicht für Hobbies, Freizeitaktivitäten (Kino, auswärts essen gehen, Urlaub …) oder die einfachsten „Luxusartikel“ reicht.

Herkunft: Es gab in den „heidnischen Zeiten“ in der Antike gewisse Bräuche. Einige dieser Bräuche haben sich hinüber in das Christentum gerettet und wurden zu christlichen Bräuchen: Ostern (die Göttin „Ostara“ bzw. „Eostrae“): der Hase und die Eier (Symbole der Fruchtbarkeit), das Feuerwerk an Sylvester – das „Vertreiben der bösen Geister“ zum Jahreswechsel …

So gab es auch zuerst in dem heidnischen Leben der Germanen und später im Christentum das Symbol des „immergrünen Zweiges“. (Symbol der Fruchtbarkeit – früher, bei einem Leben ohne "Rente" ist eben der Familiennachwuchs die einzige „Altersvorsorge“.) Der Verkäufer überreichte dem neuen Besitzer des Grundstücks oder des Hauses einen „immergrünen Zweig“ (Eibe, Nadelbaumzweig, Mistelzweig*1 …). Die guten Geister, die in diesen Zweigen wohnten zogen mit dem Zweig mit ins neue Heim ein. Wer aber kein eigenes Heim besitzt – der bekommt eben keinen der Zweige überreicht. Ein Mieter, ein Leibeigener, ein Pächter wird „auf keinen grünen Zweig kommen“.

*1: Die Quelle für unsere "Mistelzweig"-Tradition, dem Wiehnachtsbaum und dem Adventskranz.
 

Wo es langsam auf Weihnachten zugeht – „erster Advent“ - hier schon einmal die erste Redensart:

„Der Weihnachtsbaum“
Bedeutung: Wohl jeder kennt den Weihnachtsbaum: Eine Tanne, die ganz nach dem persönlichen Geschmack geschmückt wird – und fast immer durch Lichter beleuchtet ist. Es ist wohl mit dem Weihnachtsmann das bekannteste Symbol für Weihnachten.

Herkunft: Die Redensart „auf keinem grünen Zweig kommen ist die Quelle so einiger Traditionen. So ist in der Adventszeit der der Weihnachtsbaum, der Adventskranz aus Tannenzweigen und der Tannenzweig mit der Kerze eine Abwandlung des Symbols vom „grünen Zweig“. Das Weihnachtsfest ist im Prinzip das römische Fest der Saturnalien. Hier schmückten die Römer ihre Wohnung mit Girlanden oder mit grünen Zweigen, wie Loorbeerzweige.

Wer mehr erfahren möchte und Interesse hat: Infos über dieses Thema: Der Thread „Warten auf den Weihnachtsmann“, der Beitrag „Der lange Weg des Weihnachtsfestes“ – die Überschriften: „Saturnalien“ und „Der Weihnachtsbaum“. Hier der Link: zu dem Beitrag:
https://www.klamm.de/forum/f5/warten-auf-den-weihnachtsmann-476191-3.html#post8046586
 
„Das Hufeisen als Glückssymbol“
Bedeutung: Wie die Überschrift bereits verrät ist das Hufeisen für viele Menschen ein Glücksbringer.

Herkunft:
Pferde sind Fluchttiere und leben in der Natur vor allem in der Steppe. Sie laufen so vor allemauf sandigem Boden. … und genau dafür sind ihre Hufe auch ausgelegt. In der Zivilisation werden diese Tiere aber mit Straßen aus Stein, Asphalt und ähnlichen harten Oberflächen konfrontiert. Zur Erhaltung der Hufe braucht man also in der Zivilisation auf Dauer einen Schutz.

Bereits im alten Ägypten verwendete man geflochtene Sandalen für die Pferde, um die Hufe der Tiere zu schonen. Mit Riemen oder Stricken wurden diese „Hippsandalen“ an das Pferdebein gebunden. Die Römer verwendeten bereits mit Lederriemchen festgebundenen Hipposandalen aus Bronze oder Eisen, aber auch hier verursachten die Riemen Scheuerwunden. Ein schneleres Reiten war mit diesen schweren, angebundenen Eisen nicht möglich, da sie bei höheren Gangarten sehr oft abfielen und mit ihrer Eisensohle nur wenig Haftung boten. Manche besaßen Stollen für den besseren Halt auf morastigem oder weichem Untergrund.
Erste genagelte Hufeisen, wie sie bis heute verwendet werden, scheinen von den Kelten erfunden worden zu sein. Sie sind seit der spätkeltischen Zeit (2. oder 1. Jahrhundert v. Chr.) in Gebrauch. Mit der Eroberung Galliens wurden sie von den Römern übernommen und verbessert. Zahlreicher werden archäologische Funde von aufgenagelter Hufeisen erst um 600.

Der Glücksbringer:
Es ist allgemein bekannt, daß Hufeisen Glück bringen. Die „U“-Förmigen Pferdeschuhe als Glücksbringer geht bis ins 2. Jahrhundert nach Christus zurück. Als man herausfand, daß sich Eisen unter starker Hitze in Form bringen ließ, wurde begonnen, Pferdehufe damit zu beschlagen. Da man damals noch nicht, dass die Pferde an der Hornschicht des Hufes keine Nerven haben und ihnen somit das Schmerzempfinden beim Anpassen der heißen Eisen fehlte glaubte man man an, daß das Hufeisen „magische Kräfte“ besaß. Zudem war der Rohstoff Eisen ein sehr wertvoller Rohstoff. Fand man ein Hufeisen, galt das als glückliche Fügung.
Diesem Glücksbringer wurde nachgesagt, Krankheit und Unglück vom Haus fernzuhalten, wenn man das Hufeisen über der Tür, an der Wand oder am Scheunentor anbringt.

Dem Aberglauben nach geht das Glück des Hufeisens auf den heiligen Dunstan zurück. Dunstan soll dem Teufel den Huf unter Schmerzen beschlagen haben und hörte erst mit dem Hämmern auf, nachdem der Teufel ihm versprochen hatte, alle zu verschonen, die ein Hufeisen besaßen.
Allerdings ist es wichtig, bei dem Aufhängen des Hufeisens einige Varianten zu beachten, um „das Glück aufzufangen“:
Das Hufeisen muß mit der Öffnung nach oben aufgehängt werden, damit das Glück nicht „herausfällt“. Außerdem gleicht der Glücksbringer damit einer alten Legende nach den Hörnern eines Gottes, der auf die Naturgötter aufpasste.
Nach einer anderen Regel sollte das Hufeisen mit der Öffnung nach unten aufgehängt werden. So könne das Glück auslaufen und sich verbreiten.
Bei einer dritten Variante wird der Glücksbringer mit der Öffnung nach rechts an die Wand oder über die Tür gehängt. Das symbolisiert den Buchstaben C und steht für Christus.
 
„Brot und Salz“
Bedeutung: Brot und Salz sind als symbolhaftes Geschenk in vielen Ländern ein Brauch, der bei unterschiedlichen Gelegenheiten gepflegt wird.

Herkunft: Es gibt zahlreiche heidnische Bräuche, die sich in die heutige Zeit gerettet haben: Ein neuer Nachbar, ein Bauherr eines neuen Hauses, der Käufer eines Hauses, bei einer neuen Mietwohnung und bei dem Eintritt in den Ehestand … man bekommt ein Laib Brot und Salz überreicht. (Symbol für „Gemeinschaft“, Wohlstand und Sesshaftigkeit.
Zugleich soll die Gabe vor dem Teufel sowie vor bösem Zauber und Verwünschungen schützen.

Salz war besonders kostbar: In Gebieten, in denen man kein Meeressalz gewinnen konnte, in dem man keinen Salzstollen abbauen konnte mußte man das lebenswichtige Salz importieren.

Wie lebenswichtig Salz ist: Etwa 200 Gramm beträgt der Salzgehalt im Körper. Ohne Salz wären die Zellen nicht lebensfähig, die Organe, das Gehirn und die Muskeln würden nicht funktionieren und der Wasserhaushalt geriete aus dem Lot. Das Natrium leitet die Impulse der Nervenbahnen an Zellen im ganzen Körper weiter. Es gibt die Bewegungsimpulse an die Muskeln weiter. Somit ist es daran beteiligt, dass das Herz schlägt oder man sich bewegen kann.
Vor der modernen Technik – ohne eine Kühlung diente Salz auch zur Konservierung von Lebensmitteln.