US-Häftling vor Exekution durch Erschießen

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25 April 2006
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Folgende News wurde am 18.06.2010 um 00:30:38 Uhr veröffentlicht:
US-Häftling vor Exekution durch Erschießen
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Washington (dpa) - Im US-Staat Utah soll in wenigen Stunden ein verurteilter Mörder durch ein Erschießungskommando hingerichtet werden. Die Exekution im Gefängnis von Draper ist für kurz nach Mitternacht Ortszeit geplant. Es ist die dritte Hinrichtung durch Gewehrkugeln, seit die Todesstrafe 1976 in den USA wieder eingeführt wurde. Der 49-jährige Häftling Ronnie Gardner hatte vor 25 Jahren bei einem Fluchtversuch in einem Gerichtsgebäude einen Anwalt erschossen. Er hatte die Wahl zwischen Erschießen und der Giftspritze.
 
Wieso 5? Dachte einer hatte Platzpatronen?

Waren ja 5 beteiligt. Laut US-Gesetz wäre der Platzpatronenschütze (aus der Perspektive einer Mordanklage) gleich schuldig, wie die Leute mit den echten Kugeln.

Übrigens sehr interessant:

Ausgerechnet die Familie des Opfers hatte sich aber intensiv dafür eingesetzt, seine Strafe in lebenslange Haft umzuwandeln. Burdell sei ein Gegner der Todesstrafe gewesen, argumentierten die Hinterbliebenen vor einer Woche vor einem Begnadigungsausschuss - vergebens. Quelle

Wenn schon die Opferfamilie die Größe hat zu vergeben und sich gegen die Hinrichtung einzusetzen, dann sollte der Staat sich wirklich überlegen, ob ein Mord auf Staatskosten wirklich das richtige Strafwerkzeug ist.
 
Wenn schon die Opferfamilie die Größe hat zu vergeben und sich gegen die Hinrichtung einzusetzen, dann sollte der Staat sich wirklich überlegen, ob ein Mord auf Staatskosten wirklich das richtige Strafwerkzeug ist.

Von vergeben steht da ja nichts. Man kann ja auch prinzipiell gegen die legalisierte Tötung sein ohne dem Täter zu vergeben.
 
Wieso 5? Dachte einer hatte Platzpatronen?

Ist es normalerweise nicht so, dass 4 Leute Platzpatronen haben und einer die Kugel, damit sich keiner Vorwürfe machen kann/muss? Zumindest ist das bei der Giftspritze so, da schalten 2 Leute das Gerät ein, aber nur einer tut es wirklich. Ob das psychologisch wertvoll ist, wage ich zu bezweifeln. Ich hätte als Scharfrichter lieber Gewissen übber mein Handeln und nicht immer den Gedanken "War ich es oder war ich es doch nicht?". Wobei bei einem Scharfrichter gar nicht erst solche Gedanken aufkommen sollten.

Ich verstehe die Diskussion nicht. Geht es hier jetzt um die Legitimation der Todesstrafe oder die Mittel, mit denen die Exekution durchgeführt wurde? Weil dann müsste ich @jayjay5 recht geben: Er hätte ja auch die Spritze nehmen können. Und hier überlege ich mir gerade, für was ich mich entscheiden würde...
 
Von vergeben steht da ja nichts. Man kann ja auch prinzipiell gegen die legalisierte Tötung sein ohne dem Täter zu vergeben.

In der Originalquelle von desertnews steht das mit der Vergebung. Die wollen sich jetzt sogar um die Familie von Gardner kümmern. Steht bei der Tagesschau auch nicht drin.
 
Ich glaube nicht an ein Leben nach dem Tod und deshalb würde ich behaupten, dass eine lebenslange Gefängnisstrafe (mit "lebenslang" meine ich hier wirklich "ein Leben lang" - nicht nur 25 Jahre oder so) die größere Bestrafung für den Täter ist. Eine Todesstrafe ist nur eine psychische Strafe für seine (unschuldigen) Hinterbliebenen.
 
Ich verstehe die Diskussion nicht. Geht es hier jetzt um die Legitimation der Todesstrafe oder die Mittel, mit denen die Exekution durchgeführt wurde?

So wie ich Spockonline verstehe geht es um die Legitimation an sich. Besonders aus dem Hintergrund heraus, dass die indirekt geschädigten (direkt war es wohl das Opfer) selbst diese Strafe nicht wünschten. Aber ich denke mal, dass das nur ein weiteres Argument für den Fall ist und sie generell dagegen ist. Ich persönlich übrigens auch.
 
Ich glaube die eigentliche Strafe der Todes Strafe ist die zeit bis zur Exekution, die sich ja meistens Jahre hinzieht.
 
So wie ich Spockonline verstehe geht es um die Legitimation an sich. Besonders aus dem Hintergrund heraus, dass die indirekt geschädigten (direkt war es wohl das Opfer) selbst diese Strafe nicht wünschten. Aber ich denke mal, dass das nur ein weiteres Argument für den Fall ist und sie generell dagegen ist. Ich persönlich übrigens auch.

Du hast Recht; da ich das Töten generell verurteile, kann ich die Todesstrafe nicht befürworten; man kann nicht einerseits gegen Mord sein und auf der anderen Seite einen Mord auf Staatskosten zustimmen.
 
Todeskandidat Nummer 1213 starb im Kugelhagel

Folgende News wurde am 18.06.2010 um 18:07:03 Uhr veröffentlicht:
Todeskandidat Nummer 1213 starb im Kugelhagel
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Washington (dpa) - Nummer 1213 starb im Gewehrfeuer: Erstmals seit 14 Jahren ist in den USA ein Häftling durch ein Erschießungskommando hingerichtet worden. Der 49-jährige Ronnie Lee Gardner wurde am Freitag um 0:17 Uhr (Ortszeit - 0817 MESZ) im Staatsgefängnis von Draper im Bundesstaat Utah für tot erklärt, nachdem fünf Schützen auf sein mit einem Stück Tuch gekennzeichnetes Herz geschossen hatten. Das berichtete die «Salt Lake Tribune». Er hatte sich diese Art der Hinrichtung selbst ausgesucht, nachdem er vor 25 Jahren wegen Mordes an einem Anwalt verurteilt worden war. 1213 Hinrichtungen gab es seit der Wiedereinführung der Todesstrafe vor 34 Jahren in den USA, aber Gardner war erst der dritte Gefangene, der durch Gewehrkugeln exekutiert wurde. Alle drei Hinrichtungen dieser Art gab es in Utah, die letzte 1996. Die Exekution sei sehr ruhig verlaufen, berichteten US-Medien. Angeschnallt auf einem*Stuhl und das Gesicht von einer Kapuze verdeckt, nickte Gardner dem Erschießungskommando kurz zu, um zu signalisieren, dass er bereit sei. Gefragt nach seinen letzten Worten sagte er: «Ich habe keine. » Wenige Stunden vor der Hinrichtung hatte Utahs Gouverneur Gary Herbert ein letztes Gnadengesuch abgelehnt, wie kurz zuvor auch der Oberste Gerichtshof in Washington. Die letzten Stunden habe Gardner friedvoll verbrachte, berichteten Zeugen. Er habe vom Nachmittag an alle Teile der Fantasy-Trilogie «Herr der Ringe» gesehen und einen Krimi gelesen. Kurz vor der Hinrichtung leistete ihm noch mit ein Mormonen-Priester Beistand. Sein letztes Mahl bestand aus Hummer, Steak und Apfelkuchen mit Eis - er aß es bereits am Dienstag, danach hatte er 48 Stunden gefastet. Die fünf Schützen feuerten um 0. 15 Uhr, eines der Gewehre war mit einer Platzpatrone geladen. Damit bleibt offen, wessen Schüsse tödlich waren: Das soll Schuldgefühle vermeiden helfen. Es gab zweimal einen lauten Knall. Die vier 30-Millimeter-Kugeln hinterließen Löcher auf der Rückseite des Stuhls. Mehrere Zeugen waren anwesend, seine Familie wollte nicht dabei sein. Gardner hatte vor 25 Jahren bei einem Fluchtversuch in einem Gerichtsgebäude den Rechtsanwalt Michael Burdell erschossen. Ausgerechnet die Familie des Opfers hatte sich intensiv dafür eingesetzt, seine Strafe in lebenslange Haft umzuwandeln. Burdell sei ein Gegner der Todesstrafe gewesen, sagten die Hinterbliebenen. Der Staat Utah hatte bereits 2004 die Erschießungskommandos abgeschafft und verwendet jetzt die Giftspritze. Da Gardner vorher zum Tode verurteilt worden war, hatte er die Wahl zwischen Erschießen oder Erhängen. Er hatte seine Beweggründe bis zum Ende nicht öffentlich gemacht. Einer seiner Vorgänger, Gary Gilmore, hatte vor mehr als 30 Jahren gesagt, er habe sich bewusst für die blutige Variante entschieden, um der Welt die Barbarei der Exekutionen drastisch vor Augen zu führen. Zuletzt war 1996 in Utah der verurteilte Kindermörder John Albert Taylor durch ein Erschießungskommando hingerichtet worden.
 
30mm ist natürlich schon heftig. Aber wenn man schon so etwas so furchtbares durchzieht, dann doch bitte so, dass es auch sicher und schnell zum Tode führt... Daher wohl auch das große Kaliber.
 
er habe sich bewusst für die blutige Variante entschieden, um der Welt die Barbarei der Exekutionen drastisch vor Augen zu führen
Das dürfte er bei 4x30mm gegenüber den Zeugen wohl geschafft haben.
Die sind doch alle verrückt *kopfschüttel*
 
30mm ist natürlich schon heftig. Aber wenn man schon so etwas so furchtbares durchzieht, dann doch bitte so, dass es auch sicher und schnell zum Tode führt... Daher wohl auch das große Kaliber.

30mm ist ein Geschützkaliber, kein Gewehrkaliber.
Wahrscheinlich wars das alte NATO Standartkaliber 7,62x51mm (letzte Zahl ist die Patronenlänge), das auf amerikanisch .308 heißt (weil der Durchmesser ca. 0,308 inch beträgt).
Irgendwer hat das wohl rinfach als 30mm übertragen ohne umzurechnen.
 
Zuletzt bearbeitet:
man kann nicht einerseits gegen Mord sein und auf der anderen Seite einen Mord auf Staatskosten zustimmen.

Aber gegen Freiheitsberaubung schon?

Oder gegen Diebstahl (Steuern oder Strafzettel oder sonstiges ist auch nichts anderes)?

Nur dadurch, dass die Masse ein Verhalten duldet ist es keine Straftat. Das tatsächliche Verhalten (Geld wegnehmen; Freiheit rauben; Verwunden (=Medikamente - spätestens durch Nebenwirkungen)...) ist für die Beurteilung völlig irrelevant. Warum ist das beim Töten also anders?