Geschichte Umfrage: Jeder Vierte sieht «gute Seiten» in Nazi-Zeit

Also Du vergleichst doch, dann hätten wir das nach mühseliger Arbeit ja doch noch geklärt. Und es bleibt mir auch wieder nichts anderes übrig, als Dich zu belehren. Das römische Reich wurde als Königreich gegründet, war dann lange Republik und erlebte dann verschiedene Kaiser-Dynastien. Es erlebte Phasen der Diktatur, jedoch auch die Löslosung von Selbigem. Dies ist dem "dritten Reich" nicht vergönnt gewesen, es war von 33 bis 45 Diktatur, bestand aus Kriegsvorbereitung und Krieg und war dann zuende.
Auch hierfür wieder herzlichen Dank :)

Deshalb ist auch die Frage "was haben die Römer uns je gebracht" - in der positiven Konnotation, die auf diese Frage folgt - auf die Nazi-Diktatur nicht übertragbar.
Gut, also ich werde mich zukünftig mit Zitaten aus Kommödien zurückhalten.

Kann ich Deine Meinung also gedanklich auch kurz mit "alles doof in einer Diktatur" zusammenfassen?

Gruß,
Photon
 
Die einzig richtige Antwort wäre aber "Absolut gar nichts!" und nicht "Ach, die Familienpolitik war schon ganz gut, wenn man dort mal alle negativen Aspekte ausklammert und die Autobahnen, ja, die Autobahnen waren ganz toll..."


Ach ja, ein Glück das Leute wie du in der Minderheit sind. Deine Aussage mit "Rein gar nix" ist völliger Schwachsinn! Es gab durchaus früher auch positive Seiten, aber ach ja ich vergaß, jetzt befürworte ich ja die Judenverfolgung, Vergasung, den 2. Weltkrieg :roll:

Du siehst was du sehen willst mehr nicht, weiß ja nicht woher du deine sturre Einstellung hast aber es wäre ebsser dich aus der Disskussion rauszuhalten da du keineswegs im kleinsten Teil dadran denkst deine Meinung zu überlegen.
 
Kann ich Deine Meinung also gedanklich auch kurz mit "alles doof in einer Diktatur" zusammenfassen?

Nein, kannst Du nicht. Ich zitiere mich einfach selbst:

In den Newskommentaren hatte jemand zu dieser Nachricht treffend geschrieben, dass die berühmt-berüchtigte Frage "war wirklich alles schlecht?" extra dumm gehalten ist, damit es eine spektakuläre Antwort gibt. Ich denke, Deutschland ist im Großen und Ganzen gut aufgeklärt. Leute wie Photon beweisen aber auch regelmäßig, dass es einen guten Grund gibt, allergisch auf diese "nicht alles war schlecht"-Ausflüge zu reagieren. Nicht selten steckt unverfrorener und undifferenzierter Revisionismus dahinter.
 
Nein, kannst Du nicht. Ich zitiere mich einfach selbst:
Gut, also fasse ich gedanklich zusammen: Sinnlose Pöbelei :)

Oder es gilt in Deinem Leben erstmal: "Jeder ist ein Geschichtsrevisionist/Propagandist/Antisemit, bis seine politische Korrektheit von mir überprüft wurde" :)

Auch gut und Gruß,
Photon
 
Ich bin auch der Meinung, dass man mit soetwas wie der NS-Zeit niemals etwas Positives verbinden darf - und kann. Das ist ethisch nicht vertretbar.
Den Nationalsozialismus muss man als Ganzes sehen - und keiner kann mir da erzählen, es sei gut gewesen.
Und die Argumentation und Beispiele für das "Gute" der Zeit unter H****r sind total schwachsinnig und falsch.
H****r hat lang nicht so viel für die Autobahnen getan, wie alle denken. Das erste Konzept der Autobahn kam von Konrad Adenauer. Aber da der Meister H****r nicht dumm war, (MOMENT! Ich sage NICHT, dass ich H****r gut finde, nicht falsch verstehen. Aber er war offensichtlich ein Genie - sonst wäre es nie so weit gekommen. Wer dazu nähere Informationen will, soll es schreiben.) propagierte er es so, dass Konrad Adenauer nur die Bundesstraße entwickelt hätte und er der "Erfinder" der Autobahn sei. Er wollte eben, dass er ewig damit in Verbindung gebracht wird.
Und Arbeitslosigkeit hat er dadurch auch nicht wirklich beseitigt - nur 125.000 Arbeitslose wurden unter miserablen Bedingungen eingesetzt. H****r baute 4000 km Autobahnstrecke - ähm.. er ließ sie bauen.

Die Argumente von Marty würde ich weitgehenst so wie sie da stehen unterschreiben.
 
[...](MOMENT! Ich sage NICHT, dass ich H****r gut finde, nicht falsch verstehen. Aber er war offensichtlich ein Genie - sonst wäre es nie so weit gekommen. Wer dazu nähere Informationen will, soll es schreiben.) [...]
Sehr gut, vorbildlich distanziert.

Davon abgesehen, findest du Vorzüge aus dem Regime der DDR, die man heute liebend gern noch hätte? Oder gilt auch auch für dich: Diktatur = alles doof?

Gruß,
Photon
 
Davon abgesehen, findest du Vorzüge aus dem Regime der DDR, die man heute liebend gern noch hätte? Oder gilt auch auch für dich: Diktatur = alles doof?


Generell würde ich sagen, dass man auch hier das politische System als Ganzes sehen muss. Allerdings ist dieses Thema nicht so heikel wie das über die NS-Zeit. Die Auswirkungen waren in gewisser Weise geringer (also die Auswirkungen der DDR selbst - nicht die des Volkes unter Stalin) - was nicht heißen soll, dass es nicht schlimm war.
Natürlich war es in der DDR "einfacher" einen Arbeitsplatz zu bekommen - aber die Menschen wollten trotzdem raus. Auch hier sollte man das ganze Netz der Tatsachen betrachten. Was bringt ein Arbeitsplatz, wenn die Lebenbedingungen generell total bescheiden sind? (Im Sinne von Freiheit etc - Diktatur eben.)
Das ist übertragbar auf alles - jeder Vorteil hat seinen Ursprung in der Diktatur bzw. im Regime und wenn nicht, dann kann man nicht wirklich sagen, dass es etwas Positives des Regimes war, denn es entspringt ja nicht daher. :roll:
 
Ach ja, ein Glück das Leute wie du in der Minderheit sind. Deine Aussage mit "Rein gar nix" ist völliger Schwachsinn! Es gab durchaus früher auch positive Seiten, aber ach ja ich vergaß, jetzt befürworte ich ja die Judenverfolgung, Vergasung, den 2. Weltkrieg :roll:

Du siehst was du sehen willst mehr nicht, weiß ja nicht woher du deine sturre Einstellung hast aber es wäre ebsser dich aus der Disskussion rauszuhalten da du keineswegs im kleinsten Teil dadran denkst deine Meinung zu überlegen.

(sorry für Volledit!)
Uiuiui! Hast Du Dir da mal überlegt, was Du da schreibst? Martys Meinung ist zum Glück nicht die Minderheit in Deutschland! Es gibt Ansätze im 3.Reich, die vielleicht mal gut waren, aber nicht in voller Konsequenz durchgesetzt worden sind, sondern durch Fehlpolitik, Größenwahn und Fanatismus nach dem Ansatz immer in grausamen Ergebnissen geendet sind. Bitte befasse Dich mal mehr mit der Realität und der Geschichte, bevor Du hier erfahrene und belesene User angreifst und Unterstellungen loslässt, die Du vielleicht selbst noch garnicht begriffen hast.

1. Es gab eine vorbildliche Familienpolitik -> Sie war dafür gedacht, dass sich der Arier durchsetzt und Juden und viele andere austerben. Ein reiner fanatischer Akt des Überlebensdrangs einer nicht vorhandenen Rasse! "Deutsche"Frauen wurden kaserniert und von (zweifelhaft) deutschen Offizieren vergewaltigt um eine Rasse zu vermehren. Es gab eine eigene Organisation dafür!
2. Kinder mit zweifelhafter Herkunft wurden in Heime gesperrt, in denen kein Wort gesprochen wurde, damit sie selbst das Sprechen nicht lernen um ihren (angeblich) angeborenen Verhalten der Abtrünnigkeit nicht Rechnung tragen können.
3. Millionen von unschuldigen Menschen wurden für ihre Herkunft bestraft, ohne dass sie jemals eine Straftat begangen haben.
4. etc. etc.

Wo bitte, soll man etwas Positives sehen?

Wenn ich ganz tief in mich gehe und meine ganzen Lehren annehme und taktisch als ehemaliger Soldat denke, dann kann ich vielleicht sehen, dass Herr H. ein guter Kriegsherr war, der vor seinem Größenwahn gute Erfolge erzielt hat. Aber selbst da fehlt der Grund für sein Verhalten!

Meine Bitte: Bevor Ihr hier diskutiert, dann informiert Euch bitte!
In den Machenschaften des 3.Reiches gibt es keinerlei positive Gedanken. Alles, was vielleicht noch heute einen Grundzug der wünschenwerten Gedanken hatte, hatte damals einen nicht akzeptablen Hintergedanken.

Denkt lieber darüber nach, wie man ohne diese Gedanken heute bessere Gedanken umsetznen kann ;)
 
Zitat von Photon:
Also ich kann mir nicht vorstellen, dass ein "wenig gebildeter 14-jähriger" auch nur im Ansatz erfasst, was hier geschrieben steht.

Böh, guck dir mal an was ein fast 14ähriger Schweizer in diesem Thread abläßt. Da wird mir mulmig.

Du machst ja deutlich, daß du kein dummer Demagoge bist, dafür sind deine Postings imho differenziert genug. Aber warum beharrst du darauf, Verbesserungen im sozialen Bereich in Verbindung mit dem 3. Reich zu bringen?

Es gab in der BRD auch mal wünschenswerte Dinge wie Pazifismus (keine Armee, keine Wehrpflicht, Unantastbarkeit des Post- und Telekommunikationsgeheimnisses). Trotzdem will ich die reaktionäre Gesellschaftshaltung der 50er nicht mehr haben.

In fünfzig Jahren wird auch irgendwer sagen, daß im ausgehenden 20. Jh nicht alles schlecht war, aber guck dir mal an was Schmidt im bleiernen Herbst, was Schily mit dem Ottokatalog, was Schäuble aktuell an persönlicher Freiheit abschreiben und geschrieben haben. Irgendwann unterscheidet sich das auch nicht mehr von einer Diktatur, wenn es so weiter geht.

Und gerade deshalb ist die Verharmlosung diktatorischer Prinzipien so gefährlich. Der Österreicher hat das auch in Häppchen verbraten. Und alle konnten sagen: ist doch nicht sooo schlimm, und es betrifft uns ja auch nicht.
Wenn dich eine Diktatur ob deiner Herkunft, Religion, politischer oder sexueller Orientierung einlocht, wirst du sicher im Nachhinein nicht hervorheben, daß du ja auch Vorteile wie freie Kost und Logis hattest.

Was Marty schon implizit gesagt hat: es gibt kein Gutes im Schlechten.

Gute Seiten an der Nazizeit zu sehen ist schlichtweg ein Paradoxon. Deshalb solltest du deine im Ansatz verständliche, im Resultat aber falsche Ausgangsfrage und deine Antwort darauf noch mal überdenken.
 
[...] Böh, guck dir mal an was ein fast 14ähriger Schweizer in diesem Thread abläßt. Da wird mir mulmig.
Ja, ich hatte den Thread auch zum Teil mitverfolgt. Naja, aber auch er wird im Klamm-Forum nicht den Stein des Weisen finden ;)

[...] Aber warum beharrst du darauf, Verbesserungen im sozialen Bereich in Verbindung mit dem 3. Reich zu bringen?
Vorrangig nicht mit dem Dritten Reich, sondern mit einer Diktatur. Und parallel dazu die Frage, was den Leuten aus der Zeit des Dritten Reiches im Kopf geblieben ist, dem man etwas Positives abgewinnen kann. Das Ausmaß des ganzen Regimes wurde erst (lange) nach dem Krieg klar. Es müssen folglich andere Dinge sein als Krieg, Vergasungen und dergleichen. Und es müssen Dinge sein, die es heute nicht oder nur noch rudimentär gibt.

Wie oft hört man in Gesprächen: "Das hätte es unter H****r nicht gegeben!". Natürlich kann man sich jedes Mal die Mühe machen und demjenigen ein Gespräch aufdrängeln, Geschichtsunterricht betreiben und ihn schulmeistern. Also kann machen wer will, ich nicht. Ich frage mich stattdessen, was denn heute wohl falsch läuft und ob/wie man sowas ändern kann.

Dabei ist es eigentlich völlig egal, ob man über die Zeit des Dritten Reiches oder die der DDR spricht (aus deutscher Geschichte; international gibt es noch viel Beispiele). MartyMcFly hatte dazu einen ganz guten Ansatz gebracht, als er sagte, dass man dazu das Denunziantentum neu aufleben lassen und Geheimdienste verstärkt im inneren zum Einsatz kommen müssten. Das wäre sicherlich eine, wenn auch nicht wünschenswerte Lösung. Aber was heißt "Denunziantentum"? So gesehen fällt sogar "Aktenzeichen XY ungelöst" darunter... Also dann die allgemeinere Frage: Was kann man tun? Und später: Wie kann man es tun? Vorher vielleicht: Kann man es tun?

Es gab in der BRD auch mal wünschenswerte Dinge wie Pazifismus (keine Armee, keine Wehrpflicht, Unantastbarkeit des Post- und Telekommunikationsgeheimnisses). Trotzdem will ich die reaktionäre Gesellschaftshaltung der 50er nicht mehr haben.
Genau das ist der Punkt: Die reaktionäre Gesellschaft der 50er Jahre nicht mehr, aber Du hättest die Aspekte wie beispielsweise Wahrung des Telekom-Geheimnisses doch gern wieder in diesem Umfang. Geht mir übrigens genauso. Und nun fragen wir uns: Infiefern ist das vereinbar mit dem Wunsch nach mehr Sicherheit auf den Straßen? Kann man Sicherheit ohne ganzheitliche Überwachung gewährleisten? Wenn nicht: Sollte man Gesetze verschärfen und wenn nicht: Sollte man für eine konsequentere Nutzung bestehender Gesetze sein?

In fünfzig Jahren wird auch irgendwer sagen, daß im ausgehenden 20. Jh nicht alles schlecht war, [...] Irgendwann unterscheidet sich das auch nicht mehr von einer Diktatur, wenn es so weiter geht.
Und daraufhin die Frage: Geht es uns dann besser oder schlechter als jetzt? Dazu hat jeder sicher eine andere Meinung, deswegen auch diese Diskussion. Ich für meinen Teil kann damit leben, wenn an allen öffentlichen Orten Kameras hängen, die die Menschen Tag und Nacht überwachen. Aber ich kann nicht damit leben, wenn meine Telefonate, mein Email-Verkehr und meine Post kontrolliert werden. Einem anderen gehen die Kameras schon zu weit, wieder ein anderer möchte nicht mal von der Presse fotografiert werden. Und wieder ein anderer kann gar nicht genug Überwachung bekommen, um ein Maximum an (trügerischer) Sicherheit zu haben (Wie ich meine: Schäuble).

Aber wenn jemand sagt: "Das hätte es unter H****r nicht gegeben!" oder eben "Das war unter H****r besser!", dann sollte man sich schon mal die Mühe machen und fragen, was er genau damit meint und ob man einige Dinge ins Heute übertragen kann. Nicht gleich wieder aus dem Geschichtsbuch Inhalte zitieren, die ohnehin jedem mehr als bekannt sind. Denn Kriege und Genozide sind damit ganz sicher nicht gemeint...

[...]Wenn dich eine Diktatur ob deiner Herkunft, Religion, politischer oder sexueller Orientierung einlocht, wirst du sicher im Nachhinein nicht hervorheben, daß du ja auch Vorteile wie freie Kost und Logis hattest.
Gutes Beispiel. Nein, würde ich nicht! Aber ich erinnere mich an die Befreiung vom Hitlerfaschismus, wo die KZs erstmal für jeden aufgeschlossen wurden. Klar, man hätte auch nicht die Zeit und Kapazitäten gehabt zu prüfen, wer nun weswegen dort einsaß. Aber ein KZ wurde ja nicht errichtet, um Massenhinrichtungen zu veranstalten. Es war ein Arbeitslager für Schwerverbrecher (sollte es heute übrigens auch geben). Die Leute wurden verknackt, um ihre Schuld abzuarbeiten und nicht bei Kabelfernsehen und Fitnessraum abzulogieren. Erst später wurde es von H****r zweckentfremdend dazu benutzt, auch Hinrichtungen zu veranstalten. Dazu kam, dass eben auch die Herkunft und Religion schon ein Straftatbestand sein konnte. Mit der Öffnung der KZs sind eben aber auch Mörder, Vergewaltiger und dergleichen wieder auf freien Fuß gekommen, die nachher alle behaupteten, politische Häftlinge gewesen zu sein. Wenn alte Menschen über KZs sprechen, dann meinen sie also oft nicht das KZ als Massengrab, sondern als Arbeitslager. Und Arbeitslager gab es auch schon vor H****r.

All diese Dinge und noch viel mehr sind es, die die Leute meinen mit "..das war gut unter H****r". Einige positive Seiten hat man ja stillschweigend übernommen, hat sie nur nicht als solche kenntlich gemacht, wie beispielsweise die gesetzlichen Krankenkassen. Mir fällt leider kein Beipspiel aus der DDR ein, vielleicht die Ampelmännchen... Aber auch hier war das gleiche Prinzip: DDR war schlecht und Klassenfeind, also muss erstmal alles weg und durch andere Dinge ersetzt werden. Genauso wurde 1990 verfahren. Erst später hat man begonnen, die graue Masse unter dem Scheitel zu benutzen und sich gefragt, was man hätte vielleicht doch übernehmen können. Auch das ist wohl ein Punkt, den viele zum kotzen finden.

[...] Deshalb solltest du deine im Ansatz verständliche, im Resultat aber falsche Ausgangsfrage und deine Antwort darauf noch mal überdenken.
Wahrscheinlich hätte ich besser fragen sollen: "Vorzüge aus vergangenen Gesellschaftssystemen", wäre sicher verständlicher gewesen.

Gruß,
Photon
 
Wie oft hört man in Gesprächen: "Das hätte es unter H****r nicht gegeben!". Natürlich kann man sich jedes Mal die Mühe machen und demjenigen ein Gespräch aufdrängeln, Geschichtsunterricht betreiben und ihn schulmeistern. Also kann machen wer will, ich nicht. Ich frage mich stattdessen, was denn heute wohl falsch läuft und ob/wie man sowas ändern kann.

Was Du nicht verstehst ist, dass man sich auf H****r nicht berufen kann, weil er mit scheinbaren Verbesserungen das Volk betrogen hat; so endet jede Totalität, das Individuum ist der Verlierer, auch bzw gerade die, die sich bedingungslos den Führern verschreiben. Wenn jemand nicht differenzieren kann und sagt, unter H****r gab es weniger kriminelle Ausländer auf den Straßen, dann übersieht er eben, dass eben alle Ausländer pauschal zusammengepfercht, ausgewiesen und ermordet wurden. Wenn jemand sagt, unter H****r hatten alle Arbeit, dann wird verschwiegen, dass diese Maßnahmen auf Pump waren, die mit Kriegen ausgeglichen werden sollten bzw mussten.

Wenn Du gesellschaftliche Änderungen forderst, wieso dann um Himmels willen immer am Beispiel eines beispiellosen Tyrannen? Hier liegt die Paradoxizität.
 
[...] Wenn Du gesellschaftliche Änderungen forderst, wieso dann um Himmels willen immer am Beispiel eines beispiellosen Tyrannen? Hier liegt die Paradoxizität.
Weil ich die Frage anders stelle (wie geschrieben): Was gab es damals, was es heute nicht mehr gibt? Und weiter: Kann man das heute irgendwie realisieren? Wenn ja: Wie kann man es heute realisieren? Und vorher: Will man das heute realisieren?

Du kannst auch gerne jemanden, der sagt "Unter H****r war gab es das nicht!", fragen, ob er auch Genozide und Weltkriege meint. Ich möchte wetten, dass Du nicht einen einzigen findest, der mit "Ja" antwortet (obwohl, vielleicht gibt es doch noch einen einzigen, wer weiß...). Und statt dann Geschichtsbücher zu zitieren könntest Du Dich fragen, was damals H****r benötigte, um das realisieren - hast Du ja getan. Aber dann nicht einfach aufhören, sondern weiterfragen, ob es heute machbar ist und wenn ja, wie.

Das ganze hat nämlich nur ganz peripher mit H****r und seinem Regime zu tun, auch bei den Leuten, die das sagen. Denn ich möchte wetten, dass den meisten einfach nur wichtig ist, dass das Problem beseitigt wird. Wie ist den meisten leider auch egal, aber muss es ja uns nicht sein...

Gruß,
Photon
 
Was gab es damals, was es heute nicht mehr gibt? Und weiter: Kann man das heute irgendwie realisieren? Wenn ja: Wie kann man es heute realisieren? Und vorher: Will man das heute realisieren?

Ja nur warum setzt man sich eigentlich der Problematik des Vergleiches aus? Wieso sagt man nicht einfach "ich will weniger Gewalt auf den Straßen" oder "ich will weniger Arbeitslose"? Dann kann man sich direkt mit den Lösungsvorschlägen beschäftigen und muss nicht erst groß erklären, warum die "Lösungen" Hitlers zum Scheitern verurteilt waren bzw auf Unrecht basierten. Das ist es, worauf ich hinaus will.
 
Ohne jetzt auf genaue Details einzugehen, ich behaupte jede, wirklich JEDE Zeit hatte ihre guten Seiten. Ob das jetzt die Zeit unter H****r, unter Hussein, unter Stalin oder für unsere Antiamerikaner die Zeit unter Bush war, spielt keine Rolle. Sicher gab es überall auch eine Menge negative Seiten, manchmal haben diese auch deutlich überwogen (meine Meinung überall, außer Bush), aber kann man wirklich die Behauptung aufstellen das es dort NIEMALS etwas positives gab?

EDIT: Fehler gesehen und korrigiert
 
Zuletzt bearbeitet:
Und parallel dazu die Frage, was den Leuten aus der Zeit des Dritten Reiches im Kopf geblieben ist, dem man etwas Positives abgewinnen kann. Das Ausmaß des ganzen Regimes wurde erst (lange) nach dem Krieg klar. Es müssen folglich andere Dinge sein als Krieg, Vergasungen und dergleichen. Und es müssen Dinge sein, die es heute nicht oder nur noch rudimentär gibt.

Um so erstaunlicher, dass eine Frau Herman, geboren 1958, genau zu den Zeiten aufgewachsen ist, als die Aufarbeitung in der damaligen Bundesrepublik endlich anfing und sie heute über Sachen spricht und diese verklärt, obwohl sie sie selbst nicht erlebt hat.
 
"Autobahn" und "Familienpolitk" - was für Phrasen. Hätte man mal genau nachgefragt, blieben von den 25% nicht viele üblich. Bedenklich auch, daß das Wie und das Warum so einfach ausgeblendet wird. Das ist schlicht und einfach menschenverachtend. Beispiele dafür spare ich mir besser.

Aber wie hier schon geschrieben, war ja die Umfrage mit dieser Fragestellung auf solch einen "Skandal" aus. Das Ergebnisse finde ich aber beinahe beruhigend. Hätte ich mit einer schlimmere Zustimmungsquote gerechnet. Deutschland ist also nicht verloren. :p
 
Ja nur warum setzt man sich eigentlich der Problematik des Vergleiches aus? Wieso sagt man nicht einfach "ich will weniger Gewalt auf den Straßen" oder "ich will weniger Arbeitslose"? Dann kann man sich direkt mit den Lösungsvorschlägen beschäftigen und muss nicht erst groß erklären, warum die "Lösungen" Hitlers zum Scheitern verurteilt waren bzw auf Unrecht basierten. [...]
Auch wieder wahr.

Meist hört man das ja auch immer im Kontext. Niemand stellt sich hin und behauptet: "Unter H****r / in der DDR / unter Wilhelm war alles besser". Man wird mit einem Problem konfrontiert und stellt fest, dass es sowas damals nicht oder nur sehr selten gab. Dann fällt auch meist dieser Satz, dass "es sowas unter XY nicht gab". Und wenn dann gefragt wird, ob es auch positive Seiten an XY gab, ist die naheliegendste Antwort natürlich "Ja". Schon deshalb halte ich diese Umfrage für weit weniger problematisch, als viele andere hier.

Gruß,
Photon
 
Der Denkansatz, den du beschreibst, ist ebenso einleuchtend und einfach wie unzutreffend, eindimensional und bei genauerem hinsehen lächerlich naiv!

Wenn man glaubt, dass man auch einfache Fragen einfach Antworten kann, dann tappt man genau in die Falle, die solche Fragen beinhalten.

Den beispielhaften Schluss: "Es gab keine Arbeitslosen unter H****r, also muss doch was gutes an seiner Regierungszeit dran sein" kann man doch nicht exemplarisch für ein Fazit der NS-Zeit nehmen, da kommt man zwangsläufig in einen Erklärungsnotstand. Man darf nicht nur fragen WAS, sondern muss gleichzeitig auch das WARUM und WIE im Auge behalten. Einiges mag da richtige Werkzeug an der richtigen Stelle gewesen sein, aber die Tatsache, dass diese Werkzeuge heute noch benutzt werden ändert doch nichts an der Tatsache, das sie damals benutzt wurden, um die falschen Ziele zu verfolgen.