Ist die GEZ-Abgabe gerechtfertigt?


  • Umfrageteilnehmer
    128
Ich bin der Meinung, man sollte es machen, wie in den Niederlanden (dort wurde die Rundfunkgebühr schon vor mehr als 20 Jahren abgeschafft):

1. Beim Kauf eines TVs, Radios oder sonstiges Empfanggerät, zahlt der Käufer eine Rundfunkpauschale aufm Kaufpreis. Ich glaube, aktuell 8 %. Die gehen in den großen Sammeltopf.
2. Die Sender müssen sich selbst über Mitglieder finanzieren. Daher gibt jeder Sender unter anderem sein eigenes Programmheft heraus, was man abonnieren kann.
3. Der Staat verteilt das Geld ausm großen Sammeltopf an die Sender - wer wieviel bekommt, hängt von den Quoten und den Mitgliederzahlen ab.

Das bedeutet im Endeffekt, dass der Kunde bestimmt, was/wer im TV zu sehen ist, wer mehr/weniger Sendezeit erhält und wie gut/schlecht das Angebot der Sender ist. Aus dem Grund müssen zum Beispiel jetzt 8 von 21 Sender sich ab August einen Kanal teilen, weil ihnen die Sendezeit gekürzt wurde (zu wenig Mitglieder) und 2 Sender verschwinden komplett (beides katholische TV-Sender, die es seit 30 Jahren gab), weil zu schlechte Quoten.
 
Ein System, das von Einschaltquoten und Werbeeinnahmen abhängig ist, ist nicht das, was ich als öffentlich-rechtlichen Rundfunk möchte. Dafür haben wir Privatfernsehen.

Wie schaffen die Holländer es dann noch, ein vernünftiges Program für Kinder, körperlich-Behinderte und alte Menschen zu senden?

Marty
 
Wie schaffen die Holländer es dann noch, ein vernünftiges Program für Kinder, körperlich-Behinderte und alte Menschen zu senden?

Marty

Jeder Sender ist verpflichtet in seiner Sendezeit anteilmäßig sämtliche Zielgruppen zu bedienen. Also wer viel Sendezeit/Tag hat muss zum Beispiel täglich mehr/längere Sendungen für (Beispiel) Behinderte machen, als ein Sender, der 2 Stunden weniger Sendezeit hat. Und da gibt es Sender, die machen zwar das Programm und geben es dann an andere Sender weiter. Wie zum Beispiel "Knoop in je zakdoek" für geistig Behinderte. Wird von Teleac gemacht, aber reihum von allen Sendern ausgestrahlt. Gibt es schon seit 1990 übrigens die Sendung - habe hier so etwas noch nicht im Angebot von ARD(ZDF entdeckt.
 
Das hört sich insgesamt sehr durchdacht an... Ich muss mal da reinzappen, glaube ich. Verstehen kann ich die ja zum Glück halbwegs.

Marty
 
Schön und gut, aber worin liegt nun der Vorteil gegenüber dem Vorschlag mit Spartensendern?

Ich meine, wenn man dutzende ÖR Sender hat, die alle anteilsmäßig das Gleiche senden, dann habe ich schonwieder den Geschmack von rausgeschmissenem Geld dabei. Da wären mir Spartensender viel lieber. Die ließen sich beliebig schnell um weitere Themen erweitern oder eben auch wieder abschalten. Wesentlich flexibler, finde ich.
 
Schön und gut, aber worin liegt nun der Vorteil gegenüber dem Vorschlag mit Spartensendern?

Ich meine, wenn man dutzende ÖR Sender hat, die alle anteilsmäßig das Gleiche senden, dann habe ich schonwieder den Geschmack von rausgeschmissenem Geld dabei. Da wären mir Spartensender viel lieber. Die ließen sich beliebig schnell um weitere Themen erweitern oder eben auch wieder abschalten. Wesentlich flexibler, finde ich.

Es kann ja jeder Sender in seiner Hauptsendezeit tun und lassen was er will. Da gibt es Filmsender, Nachrichtensender, Showsender, Quizsender (mit echten Quizshows - kein Anrufgedöns). Gibt da auch RTL-Ableger usw. aber jeder Sender ist nicht nur Privatsender, sondern verpflichtet sich auch einen Teil ÖR zu sein. Der eine mehr, der andere Weniger. Und wie man die ÖR-Pflichtzeit aufteilt, bleibt denen auch überlassen. Der ein packt alles in kleine Häpchen/Tag, der andere packt die gesamte Zeit auf 1 Tag die Woche zusammen.
 
Ok, aber das klingt nach Konkurrenz unter den ÖR-Sendern. Ich meine, übertragen wir mal das Beispiel auf Deutschland. Hier will ich doch gar nicht, dass die ÖR untereinander in Konkurrenz stehen. Schließlich zahle ich ja für alle, sogar für den Bayern und Hessen, wo es mich grundsätzlich überhaupt nicht interessiert, welche Lederhose wo geplatzt ist.

Denkst Du nicht auch, dass es viel besser wäre, wenn man Spartensender hätte, die schon deswegen gar nicht untereinander in Konkurrenz stehen? Von mir aus einen Sender, der nur Serien bringt den ganzen Tag. Ein anderer nur Schul- und Kinderfernsehen. Wieder ein anderer nur Nachrichten. Und so weiter. Dass mich zwar dann auch nicht alle Sender interessieren werden, ist ja ohne Frage. Aber wenigstens habe ich dann die Wahl, das für mich völlig uninteressante völlig auszublenden. Und man hätte die Möglichkeit, seine Kinder fernsehen zu lassen, ohne dass sie nach einer Sendung sofort 1000 neue Wünsche hätten, weil mehr Werbung als Sendung lief...
 
1. Beim Kauf eines TVs, Radios oder sonstiges Empfanggerät, zahlt der Käufer eine Rundfunkpauschale aufm Kaufpreis. Ich glaube, aktuell 8 %. Die gehen in den großen Sammeltopf.
Kauft der geneigte Niederländer dann seine Flimmerkiste ehern im Ausland oder lohnt sich das nicht?

3. Der Staat verteilt das Geld ausm großen Sammeltopf an die Sender - wer wieviel bekommt, hängt von den Quoten und den Mitgliederzahlen ab.
Was letztendlich sich negativ auf die Vielfalt auswirken dürften.

Aus dem Grund müssen zum Beispiel jetzt 8 von 21 Sender sich ab August einen Kanal teilen, weil ihnen die Sendezeit gekürzt wurde (zu wenig Mitglieder) und 2 Sender verschwinden komplett (beides katholische TV-Sender, die es seit 30 Jahren gab), weil zu schlechte Quoten.
Müssen dann andere Sender deren "Pflichtteil" übernehmen?
 
Und da darf man eben nicht mit Werbewirksamkeit und Zuschauerzahl argumentieren, sondern man muss eben mit dem Auftrag des ÖR argumentieren.
Und genau dieser Auftrag ist nicht eindeutig festgeschrieben. Und das ist etwas, was mir am aktuellen System fehlt.

Das System aus Holland klingt interessant. Wobei ich da auch die Gefahr sehe, dass Sendungen mit wenig Einschaltpotential wirklich zu ungünstigen Zeiten gesendet werden.

anddie
 
Sorry, Link vergessen: https://de.wikipedia.org/wiki/Europäische_Bürgerinitiative

Eine bei Openpedition unterschriebene Pedition bedingt nicht automatisch, dass sich das Parlament damit befassen muss. Dazu muss sie erstmal eingereicht und bearbeitet werden - und so wie ich das verstanden habe, obliegt es dem Ersteller, hier alle Formen und Fristen zu wahren und einzuhalten. Bei einer ePedition oder einer EBI läuft die Sache automatisch.
 
Das wollte ich damit ausdrücken. Nicht, dass der Inhalt belanglos wäre (obwohl ich das im Falle der GEZ auch glaube), sondern der beschrittene Weg.
 
Also so furchtbar das auch ist, bin ich nicht schockiert. Auch nicht entsetzt oder verwundert, sondern es kommt, wie erwartet. Früher hat sich schon die GEZ mit halblegalen Methoden Zutritt zu Wohnungen verschafft um die Fernsehgeräte zu zählen. Es gab sogar Geschichten von Einschüchterungsversuchen und dergleichen. Wenn sie jetzt mehr oder weniger legale Wege gehen, um an ihr Geld zu kommen, verfahren sie im Grunde nicht anders, wie es auch ein Konzern tun würde, der

1. die Möglichkeit hat und
2. keine Sorge um schwindene Kundenzahl zu haben braucht

Was sollte also die GEZ davon abhalten zu verfahren, wie sie verfährt? Und warum sollten sie sich anders verhalten?