News Macht Schule krank? - Legastheniker reicht Klage ein

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25 April 2006
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Folgende News wurde am 27.04.2010 um 17:51:24 Uhr veröffentlicht:
Macht Schule krank? - Legastheniker reicht Klage ein
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KASSEL (AFP/ch) - Die Frage, ob Schule krank machen kann, wird das Bundesverfassungsgericht beschäftigen. In einem am Dienstag verkündeten Urteil schloss das Bundessozialgericht (BSG) in Kassel dies zwar nicht aus, es verwehrte aber einem Legastheniker eine Rente wegen psychischer Folgeschäden.
Der Kläger will nun das Bundesverfassungsgericht anrufen: Mehreren Hunderttausend Kindern werde nicht nur eine angemessene Förderung verweigert, falscher pädagogischer Umgang in der Schule mache sie zusätzlich systematisch krank, argumentiert er.
'Man kann sagen, dass die Schule schuld ist'
Nach Schätzung des Bundesverbandes Legasthenie und Dyskalkulie (BVL) in Hannover sind von den beiden Lernstörungen jeweils etwa fünf Prozent aller Menschen betroffen. Bundesweit 400. 000 von ihnen seien Schulkinder.
Abgesehen von Mecklenburg-Vorpommern würden sie aber nicht systematisch und störungsgerecht gefördert. Bei etwa 40 Prozent der betroffenen Kinder seien psychische und seelische Krankheiten die Folge, sagte BVL-Sprecherin Annette Höinghaus.
"Man kann sagen, dass daran die Schule schuld ist. "
Genau dies machte mit seiner Klage ein heute 20-Jähriger aus Niedersachsen geltend. Er ist psychisch krank, daher zu 60 Prozent schwerbehindert und hat trotz überdurchschnittlicher Intelligenz keinen Schulabschluss.
Der falsche Umgang der Schule mit Legasthenie und Dyskalkulie habe ihn zusätzlich "neurotisiert", argumentiert er.
'Wie-Berufskrankheit'
Vor den Sozialgerichten verlangte er die Anerkennung seiner psychischen Erkrankung als sogenannte Wie-Berufskrankheit.
Dies ist eine Krankheit, die noch nicht in die offizielle Liste der Berufskrankheiten aufgenommen wurde, bei der das Gericht die Voraussetzungen hierfür aber als gegeben ansieht. Die Entschädigung von Berufskrankheiten ist Aufgabe der gesetzlichen Unfallversicherung; dort sind auch Schüler beitragsfrei versichert.
Das BSG wies die Klage aus formalen Gründen ab. Voraussetzung für eine Wie-Berufskrankheit sei hier, dass die Schule nicht nur im Einzelfall sondern generell negativ auf eine Gruppe von Kindern einwirke.
Einer gegenteiligen Feststellung des Landessozialgerichts Celle habe der Kläger nicht rechtlich wirksam widersprochen. Daher könne auch offen bleiben, ob es überhaupt für Schüler "eine Berufskrankheit ohne Beruf" geben könne.
 
Macht Schule krank?

Ich bin nun seit 3 Jahren stell. Rektor an einer Haupt-und Realschule.Vorher war ich Lehrer für 5 Jahre an einer Förderschule. Ich muss aus meinem Standpunkt sagen,so einfach ist die Frage nicht zu beantworten. Ich wurde von der Politik im Stich gelassen, da heute bei mir einige Klassen eine Stärke von 28 Schülern haben. Diese kann ich beim besten Willen nicht einzeln betreuen. Dafür reicht die Zeit des Unterrichts bei weitem nicht aus. Die einzige Möglichkeit das Bildungsniveau wieder in den Griff zum bekommen, ist mal wieder Lehrer in Vollzeit einzustellen. Denn der größte Teil der heutigen Lehrer haben nur eine 1/2 oder 3/4 Stelle (bei uns an der Schule z.Z. 72 %).
Sowie schon als Kommentare abgegeben, sind Legastheniker keine dummen Menschen. Doch haben diese Schüler ein Problem (auch wenn sie in Mathematik oder anderen Fächern gute Noten haben),so wie sie eine schriftliche Aufgabe bekommen muss ein Lehrer daneben stehen. Das geht bei 22 und mehr Schüler schon gar nicht. Dafür sind die Förderschulen auch da,da die Klassenstärke kleiner ist und man dann auch Zeit für den einzelnen Schüler hat. In der Grundschule ist dieses Unterfangen noch wesentlich schlimmer, da hier die Anforderungen an den Schüler (jünger) viel höher sind. Er soll ja erst einmal das Grundwissen für die weitere Bildung vermittelt bekommen.
Ob auf Grund der Bildung hier psychische Störungen auftraten kann wohl keiner beantworten.
Nur sollte ein Rentenanspruch auf Schüler ohne Berufsausbildung ausgesprochen werden, dann kann ich meinen Beruf an den Nagel hängen. Es würde fast jeder Hauptschüler ohne Prüfung die 9 Klasse verlassen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Kann mir schon vorstellen, dass er durch diese Störung enorme Nachteile hatte und auch psychisch darunter gelitten hat, aber nicht, dass er nur deshalb keinen Schulabschluss hat oder dass dadurch seine 60%ige Behinderung enstanden ist.
Oder gibt es keine Gesetze, die bei Legasthenikern ein anderes Bewertungssystem in der Schule vorschreiben (meine, mal sowas gehört zu haben)?
Aber trotzdem haben diese Kinder einen speziellen Unterricht verdient, genauso wie z.B. Autisten (edit: ich meine hier die "leichteren" Fälle). Die andere Frage ist natürlich, wer das bezahlt...
 
Zuletzt bearbeitet:
Dieses leichtere Bewertungssystem wird ja gerade in diesen Förderschulen angewandt. Hier sind ja extra die Klassen klein gehalten,um mit dem Schülern in anderen Formen zu lernen. Es soll ja jedem beim Lernen geholfen werden,doch oft genug sehen es auch die Eltern nicht ein. Dann bist du als Lehrer der blöde,wenn das Kind nicht die Versetzung schaft.
 
Ein Kind mit LRS kann nur dann gefördert werden, wenn die Krankheit auch erkannt wird. Wie viele Schüler fangen mit einer speziellen Förderung erst an, wenn sie 13, 14 oder 15 Sind?
 
Richtig, darkkurt! Ein Grund dafür dürfte sein, daß es dafür zuwenig Psychologen/Psychiater gibt, die das diagnostizieren können. Von Therapie noch gar nicht zu reden.

Ich z. B. wohne mitten zwischen Hannover und Bremen. Meinen Sohn hab ich nach Hannover bringen müssen, um abklären zu lassen, woher seine Schulprobleme kommen. Er hat keine LRS, dafür aber ne mathematische Begabung, die nur um einen Bewertungspunkt unter der offiziellen Grenze zur Hochbegabung liegt. Förderung irgendeiner Art? Gleich Null! :evil:
 
Oder gibt es keine Gesetze, die bei Legasthenikern ein anderes Bewertungssystem in der Schule vorschreiben (meine, mal sowas gehört zu haben)?

Bis zu einer gewissen Klassenstufe meines Wissens. Aber allerspätestens im Abi spielt das keine Rolle und die -3 NP sind garantiert...

Ganz toll war immer ein Lehrer:"Mein Neffe hat eine Rechenschwäche. Also darf ich dir für deine Rechtschreibung auch ne Note abziehen..."
 
Ich wurde von der Politik im Stich gelassen, da heute bei mir einige Klassen eine Stärke von 28 Schülern haben. Diese kann ich beim besten Willen nicht einzeln betreuen. Dafür reicht die Zeit des Unterrichts bei weitem nicht aus.

Vor zwei Jahren, als ich noch auf die Realschule ging, waren wir 31 Schüler in der Klasse. Heute auf dem Berufskolleg sind wir 14, dennoch kann ich keinen Unterschied in der Qualität des Unterrichtes feststellen.
Meiner Meinung nach kommt es nicht auf die Größe der Klasse an, sondern auf die Lehrer an, wenn es darum geht den Schülern Wissen zu vermitteln.
 
Und was das deutsche Schulsystem anrichtet, kann man unter https://de.wikipedia.org/wiki/Albert_Einstein#M.C3.BCnchen_und_Schulausbildung_1880.E2.80.931896 lesen. Komme mir keiner mit dem Argument, das wäre ja über 100 Jahre her! Das läuft nämlich leider immer noch so.:evil:
Du meinst, daß sich Schüler gegen die Lehrer auflehnen, ohne Abschluß abgehen, das Abi nachmachen und dann einen Nobelpreis gewinnen? Ja schrecklich sowas...

Wie wäre es denn, wenn sich die Eltern einfach mal auch ein bisschen intensiver um ihre Sprößlinge kümmern würden, anstatt alles auf die Lehrer abzuwälzen? Wenn ich mit meinem Kind regelmäßig Hausaufgaben mache, dann sollte mir doch auffallen, wo es Schwächen und Stärken hat. Dementsprechend kann ich dann handeln. Ihr macht es euch da ein bisschen zu einfach!
 
Nein, nur wenn Du mit einem Punkt (übrigens: das heißt 114 von 115 nötigen Punkten) am Raster vorbei schrammst, gibt es statt ner halbwegs tauglichen Förderung gar nix. Dann kannste sämtliche Fahrtkosten zu Förderunterricht u. ä. selber zahlen. Und das ist zeitlich wie finanziell aufwändig.

Ne gute Schule kann solche Fähigkeiten selber fördern. Ne nicht-so-gute-Schule hat da so ihre Probleme. Und dann kannste Dir den Mund fusselig reden.
 
Erwartest du jetzt im Ernst, daß der Staat sich um dein Kind kümmert? Gehts noch? Such dir ne gute Schule und gut ist's. Zahl den Förderunterricht selbst. Ich glaubs ja echt nicht. Zeitaufwändig? Wenn du die Zeit nicht für dein Kind investieren willst, dann laß es, aber beschwer dich nicht.
 
birnchen, hast du Kinder? Weißt du, was ein Schulwechsel für ein Kind bedeutet - noch dazu einer, der auch gleich mit nem Umzug in ne andere Stadt verbunden wäre? 2mal wöchentlich Förderunterricht in 50 km Entfernung = 2 komplette Nachmittage für das Kind und für mich. Ich hab keinen Halbtagsjob, so daß ich das "mal eben so nebenbei" wegstecken könnte.
 
birnchen, hast du Kinder? Weißt du, was ein Schulwechsel für ein Kind bedeutet - noch dazu einer, der auch gleich mit nem Umzug in ne andere Stadt verbunden wäre?

also den Part kann ich gut nachvollziehen, bin mit 13 ins Internat gekommen weil man meine "grandiosen" mathematischen Fähigkeiten fördern wollte.... war 2 Stunden Fahrtweg mit den Öffentlichen von meinen Eltern weg

funktioniert hat es eher weniger, weil die Eltern so weit weg waren hatten die Kinder besseres zu tun --> sich gegenseitig zu mobben und entweder schloß man sich der mobbenden Gruppe an oder man wurde gemoppt und weil ich schon damals nicht zu ner Gruppe von hässlichen kleinen Mathestrebern gehören wollte, die andere mobben und zudem nicht das Selbstvertrauen hatte mich dagegen zu wehren, wurde ich halt gemoppt

das endete aber nachdem ich mit 15 Jahren einen von Ihnen mit nem Besenstiel verkloppen wollte, nachdem sich der wieder einiges geleistet hatte, er duckte sich dabei unglücklich weg so das ich ihn voll eins auf dem Kopf gegeben habe und anschließend der Rettungswagen zum nähen kam und nach sah ob er ne Gehirnerschütterung hatte - hatte zumindest den Erfolg das Ich ein Einzelzimmer bekam und fortan in Ruge gelassen wurde ;)

war alles in allem ne schwierige Zeit für mich, zum Mathe lernen kam ich jedenfalls nicht sehr :p
 
Das kommt doch auch aufs Kind an, oder wollt ihr mir jetzt erzählen, daß alle Kinder, die mal im Internat waren, einen an der Klatsche haben?

Laß das doch das Kind entscheiden.
 
oder wollt ihr mir jetzt erzählen, daß alle Kinder, die mal im Internat waren, einen an der Klatsche haben?
ne die richtige Klatsche entwickelt sich erst später, wenn man die Sache verarbeitet hat, war jedenfalls bei mir so :biggrin:

Laß das doch das Kind entscheiden.

zeig mir mal das Kind das mit 13 oder 15 sagt:" ach meine Freizeit und Wohnraumnähe sind mir nicht wichtig, ich verzichte auf beides zum Mathe lernen"
 
das endete aber nachdem ich mit 15 Jahren einen von Ihnen mit nem Besenstiel verkloppen wollte, nachdem sich der wieder einiges geleistet hatte, er duckte sich dabei unglücklich weg so das ich ihn voll eins auf dem Kopf gegeben habe
Da geb ich jetzt zu, daß ich das aus rein technischem Interesse gern gesehen hätte. Mir ist der Bewegungsablauf nicht klar.
und anschließend der Rettungswagen zum nähen kam und nach sah ob er ne Gehirnerschütterung hatte
Und? Hatte er? War da was zum Erschüttern? (Nein, so ganz ohne Gehässigkeit geht's nicht.)
Laß das doch das Kind entscheiden.
Als diese Entscheidung anstand, war mein Sohn ACHT Jahre alt.
 
Es gibt durchaus auch reife 13- oder 15-jährige die an ihre Zukunft denken und keinen Bock mehr haben, sich in der Schule zu langweilen.

Ich hab 3 mal die Schule gewechselt und geschadet hat es mir nicht.

edit:

Als diese Entscheidung anstand, war mein Sohn ACHT Jahre alt.
Was bitte ist so schlimm daran, wenn ein 8-jähriger die Schule wechselt? :roll:
 
Da geb ich jetzt zu, daß ich das aus rein technischem Interesse gern gesehen hätte. Mir ist der Bewegungsablauf nicht klar.

so genau weiß ich das nicht mehr, aber irgendwie hatte ich seine Schulter angepeilt und er wollte sich unter dem Schlag wegrollen, hat dann aber seine Masse nicht schnell genug beschleunigt bekommen

Und? Hatte er? War da was zum Erschüttern? (Nein, so ganz ohne Gehässigkeit geht's nicht.)

nein war nicht erschüttert, und nen bissl was im Kopf hatten die Leute ja alle- zumindest hatte fast jeder irgend nen Test gehabt der ihn als überdurchschnittlich intelligent auswies

ich hatte auch nen Test auf dem IQ 130 stand, aber mein eigentlicher Fehler war das ich in der 5. oder 6. Klasse in der Mathekreisolympiade den ersten Platz geholt habe --> deshalb kamen meine Eltern erst auf die ganze Luftnummer