Kinder und Pornos - ich glaubs nicht!

@mighty-mohab:


Berechtigt dich deine Erfahrung, über das Verhalten anderer zu richten? Gesetzt den Fall, du hast die Erfahrung gemacht, A sei schlecht. Ein anderer hat die gegenteilige Erfahrung, A ist gut, gemacht - wer soll da richten?

Genau darum geht es: eine gesellschaftliche Norm kann nicht (in dieser Zeit noch weniger als in früheren) jahrelang, jahrzehntelang unreflektiert aufrecht erhalten werden. Verhalten, Menschen, Gesellschaft, Umwelt, alles ist im Wandel, nur die "Normen" bleiben bestehen. Mit der Folge, dass die Veränderung als "Abartigkeit" gesehen wird. Gesellschaftliche Normen müssen, sofern man welche haben möchte, in einem ständigen, ununterbrochenen Diskurs stehen, konstant hinterfragt werden, einem dauerhaften Wandel unterliegen. Nur, wenn unsere Ethik sich unserer Entwicklung anpasst, kann diese Entwicklung gelingen.
Der Vergleich mit dem Tumor hinkt massiv ^^ Man kann Biologisches nicht mit Ethischem/Soziologischem vergleichen...


Nein, nicht von der Gleichheit vor dem Gesetz (bzw. nur ganz am Rande). Vielmehr von der Gleichheit aller Menschen im Bezug darauf, Mensch zu sein, einen eigenen Charakter zu haben, eigene Meinungen, eigene Ansichten, eigene Erfahrungen. Wir gleichen uns darin, dass wir individuell sind, wir gleichen uns darin, vielfältig zu sein. Eine Ethik ist also immer eine Auflösung dieser Gleichheit, indem einige vorschreiben, was für alle gelten soll.
Denn Ethik ist nicht der kleinste gemeinsame Nenner, sondern ein - momentan unreflektiertes - Gerüst, das seit zweitausend Jahren und mehr mit nur geringem Wandel die Individuen zu einer kaum lebensfähigen Masse zusammenzwängt.



Es geht nicht um Erkenntnisse. Es geht um Freiheit! Es ist nicht das Ziel, herauszufinden, wie eine individualistische, gesellschaftslose Welt sein würde, sondern es gilt, diese Welt zu erschaffen, um darin zu leben oder unterzugehen.

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Ich glaube, langsam sind wir auf einer Ebene angekommen, die mit dem Thema wenig zu tun hat...eigenen Thread aufmachen?
 
Wenn du das Problem hier als Unterschichtenproblem ansiehst dann ist das das Problem.
...Thomas Rüth...Essen-Katernberg
...Gabriele Heinemann...Berlin-Neukölln
...Ayten Köse...Neukölln
...Bernd Siggelkow...Berlin-Hellersdorf...
Du musst zugeben, dass dieser Schluss allerdings mehr als nur naheliegend ist, wenn solch drastische Beispiele immer aus derartigen Bezirken kommen.

Ich stelle einfach mal aus reiner Intuition die These auf, dass Kinder aus einem soliden Elternhaus mit Freunden aus einem soliden Elternhaus deutlich weniger anfällig für derartige Grenzüberschreitungen sind.
Bushido und Sido können noch so viel singen, die "Gewaltspiele" noch so realistisch sein, die meisten haben in dem alter schon "Filmchen" gesehen seit X Generationen. Am Ende bleibt irgendwo die innere Hemmschwelle der Kinder, Schüchternheit, Angst, etc. wie man es ganz normal tagtäglich in Bus und Bahn beobachten kann, wenn sich Junge und Mädchen tatsächlich gegenüber stehen.

Wenn diese Hemmschwellen plötzlich fallen, muss man sich fragen, wer es vorgemacht hat. Wenn es nicht die Eltern waren, dann die Freunde des Kindes. Und wer hat es denen gezeigt? Den Sprung vom Briefchen schreiben zum Gang-Bang? deren Freunde? deren Freunde? deren Freunde? Am Ende der Kette stehen unvermeidlich irgendwann verantwortungslose Eltern.
 
[...]
das Problem dabei ist das 14 jährige die mit dem Pornoweltbild und den Texten von Bushido und Stupido daher kommen, normalerweise Lehrer in keiner Weise als Vorbilder akzeptieren werden

Es sei denn der Lehrer und der Unterricht ist irgendwie cool, mit Tanz, Kampf-, Sport Unterricht und solchen Dingen kann man sie schonmal erreichen und kann dann vielleicht überhaupt erst Hoffnung haben irgendwas in Ihnen bewirken zu können
[...]

Guter Ansatz.
Ich bin der Meinung, dass Bushido etc in die Klassenräume MÜSSEN. Also das Thema an sich.
Ich Interessiere mich für jede Musikrichtung und lese viel nach, so auch deutschen Rap/HipHop. Und schaut man sich mal einige "Gangster-Rapper" an, so wundert man sich schon ein wenig. Reden über "GangBang", Ghettos und Vollrausch von diversen Drogen, haben aber z.T. eine gute Schulausbildung und lebten in einem guten Familienhaus.

Aber es wirkt bei den jungen Hörern eben und lässt sich gut verkaufen, da es schon irgendwie cool ist, wenn jemand davon rappt, dass er der Boss in seinem Vierel ist, dazu noch 2-3 Kraftausdrücke und sexuelle Erfahrungen, mit denen keiner diesen Kinder(!) etwas anfangen kann.
Alle wollen genauso sein und machen es nach, dass es aber lediglich ein Song ist und der Rapper selbst früher nicht so war, weiß von ihnen niemand oder will es auch gar nicht wissen.

Aber niemand spricht mit ihnen darüber, außer eben gleichaltriege. Daher denke ich, dass Bushido, Sido und andere Künstler dieser Szene in den Schulunterricht einbezogen werden müssen. Einerseits kann man den Schülern so etwas beibringen, indem die Schüler auch Interesse haben (Einfach mal einen Songtext von Bushido in Satzteile gliedern und Wortarten bestimmen. Man wird sich wundern, mit wieviel Elan die Schüler dabei sind! Bei mir war es früher mit Fußball der Fall. Die aktuelle Bundeliga-Tabelle in ein Diagramm umschreiben, man hat das Spaß gemacht und ich habe dabei gelernt, ganz nebenbei. Oder einfach ein Diagramm von den verkauften CDs von Sido machen, man muss eben etwas geschickt verbergen, dass es trotzdem etwas mit Schule zu tun hat)

So hat man zumindest wieder ihre Aufmerksamkeit. Unterricht muss heuzutage cool sein, denn zu wissen, dass "spielen" ein Verb ist, ist uncool und ist ein Grund zum Mobben. Aber "ficken" ist auch ein Verb...
Ich will die Texte jedoch nicht verherlichen, aber man muss mit ihnen hantieren, DENN:
Alle hören sie und keiner gibt einen Kommentar dazu ab (Keine Authoritätsperson), man lässt die Kinder mit den Texten allein. Der Index bringt dabei nichts im Zeitalter von Web 2.0
Also die Texte im Unterricht besprechnen und mit ihnen hantieren.
Die Schule erzieht die Kinder auch und hat somit eine gewisse Verantwortung. Über diverse Elternhäuse möchte ich jetzt lieber nicht herziehen...

Wenn den Kindern also keiner sagt, dass die Texte fiktiv sind bzw ihre Idole 10-20 jahre älter sind, wen wundert dann noch diese Entwicklung?

Noch ein Beispiel:
Bushido hat nun ein Biographie geschrieben, die von 0 auf 1 der Verkaufslisten eingestiegen ist. 574.000 Ergebnisse (Hape Kerkelings Bestseller bringt es gerade mal auf 442.000!), wenn man nach seinem Buch bei Google sucht und Zitate wie diese findet:
Ich lese nicht viel also so Bücher .....
Aber das Buch habe ich schon 2 mal gelessen [...]Peace
lese zwar kaum mal ein buch aber das werde ich mir mal holen
ich bin zwar kein großer leser und muss auch sagen hab in meinem ganzen leben noch kein gescheites buch zuende gelesen aber das werd ich mir holen
Habs mir heut geholt .. design etc hammer ^^
einleitung ist auch cool.. ich setz mcih jz ran und tu bissel lesen.. mein 3tes buch xD 1x schule .. 1x sido bio .. und jz bushido bio ^^
aufjedenfall cooles ding!


Sagt glaube ich alles. Man muss eben mit der Zeit gehen und diese Menschen nicht verachten, sondern die beste Abwehr ist der Angriff. Denn letztendlich sind es grandiose Bussiness-Menschen, die das machen, was die Kids hören wollen.

Zum Schluss noch dieses Zitat:
"[...] ich bin sicher, keine Leseinitiative bringt so viele Kids zum Lesen wie Ihr Buch", so UN-Sonderbotschafter Willi Lemke in einem offenen Brief an Bushido im Tagesspiegel zum Erscheinen seiner Biografie.[...]"

Mfg SC
 
Schon gesehen ^^

Damit verabschiede ich mich von hier...meine bescheidene Meinung ist gesagt, und den Rest der Diskussion kann sich jeder denken ^^