Das mag sein. Aber ich kann mir kaum vorstellen, dass die max. 1 Mio. Rentner im Osten, die das betrifft, 80 Mrd. Euro Rente im Jahr bekommen.
Es betrifft auch Rentner im Westen, wenn sie nach der Wende nach Westen gegangen sind, um dort zu leben und zu arbeiten.
Und auch das hier: https://www.zeit.de/2011/14/S-Ostfrauen
Das perfide dabei ist, dass die RV keinen Anspruch auf einen Staatszuschuss gehabt hätte, sondern die Ostrenten aus Beiträgen zu bezahlen hatte, aber dadurch eine Lücke entstand, die dann den Staatszuschuss nötig gemacht hat.
Ich gehe von ca. 3-4 Mio. oder mehr Betroffenen aus und nicht nur von einer Mio. In Deutschland leben ca. 20 Mio. Rentner, bei nur ca. 40 Mio. Erwerbstätigen.

Natürlich. Aber auch China kann nicht endlos an einem festen Wechselkurs festhalten.
Die Chinesen haben halt keine unabhängige Notenbank und der Wechselkurs wird von der Partei gemacht.
 
Es betrifft auch Rentner im Westen, wenn sie nach der Wende nach Westen gegangen sind, um dort zu leben und zu arbeiten.
Wo die heute leben, ist doch egal. Es geht per Definition um Menschen, die in der DDR wie auch immer einen Rentenanspruch erarbeitet haben und den heute von der BRD ausgezahlt bekommen als Rente.

Ich gehe von ca. 3-4 Mio. oder mehr Betroffenen aus und nicht nur von einer Mio.
Über die Zahlen kann man streiten. In Summe wird es wohl insgesamt ca. 10 Mio. Menschen betreffen bei 16,7 Mio. Einwohnern, die die DDR zur Wende hatte und davon abgezogen Kinder, Jugendliche und Rentner, die heute schon tot sind. Aber diese 10 Mio. haben ja keine volle Rentenhistorie. Wer heute 50 ist, hat ja max. 10 Jahre DDR-Rentenbeitragszeit gehabt, Jüngere noch weniger.

Nur, wer heute 87 oder älter ist, hätte einen vollen Rentenanspruch ohne jemals in die heutige RV eingezahlt zu haben.

Und wie hoch sind die Rentenansprüche denn für jeden Einzelnen?

Die 80 Mrd. fliessen doch nur, um den Rentenbeitrag künstlich niedrig zu halten auf Kosten aller Nichtversicherter.

Ich habe aber langsam das Gefühl, der Staat möchte gar nicht sparen, selbst in Einnahmerekordjahren schafft man es, noch immer neue Schulden zu machen. Und das, ohne das auch nur ein Cent für eine Eurorettung geflossen ist... Traurig.

Marty
 
Seit wann sind Steuern ein Umlageverfahren?
Ist doch eine der Hauptfunktionen. Geld von denen zu transportieren die mehr haben als sie brauchen zu denen bei denen es schlechter aussieht.

Das dabei die Grenzen zwischen Sozialversicherung und Steuermitteln, besonders bei der Rente so sehr aufgeweicht wurden, dass der Mann von der Straße nicht mal mehr geneigt ist zwischen beiden zu differenzieren ist- kann man ihn dann auch nicht verübeln.

Es ist doch auch völlig in Ordnung, dass man diese Ansprüche überführt. Aber warum muss man 22 Jahre nach Ende der DDR immer noch 80 Mrd. Euro pro Jahr aus Steuergeldern aufbringen, um Ostrenten zu bezahlen?

Woher kommen denn diese Zahl 80 Mrd überhaupt? Ich kann mir grad nicht erklären wo soviel Geld hingehen soll.

Ich habe aber langsam das Gefühl, der Staat möchte gar nicht sparen, selbst in Einnahmerekordjahren schafft man es, noch immer neue Schulden zu machen. Und das, ohne das auch nur ein Cent für eine Eurorettung geflossen ist... Traurig.
Das ist nicht traurig, sondern Absicht und systembedingt. Irgendwer muss die ganzen Schulden ja haben die den Guthaben gegenüber stehen und dafür stellt sich der Staat dann auch regelmäßig zur Verfügung.
 
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Das ist nicht traurig, sondern Absicht und systembedingt. Irgendwer muss die ganzen Schulden ja haben die den Guthaben gegenüber stehen und dafür stellt sich der Staat dann auch regelmäßig zur Verfügung.

Ja genau!
Eigentlich muss man gar kein Genie sein um zu wissen, wieso es die Globalisierung gibt. Kriege werden heutzutage diplomatisch gelöst.

Der Euro hat auch den Deutschen genützt. Man müsste allerdings noch hinzufügen, den deutschen Banken und Versicherungen. Ohne Wechselkursrisiken konnten somit die ganzen Geschäfte gemacht werden, die hier in Deutschland verboten sind.

Sowie Reiche als auch Arme merken eigentlich nicht, dass diese für die Zerstörung des Systems verantwortlich sind.

Das wird solange weitergeführt, bis so beispielsweise von Dirk Müller immer wieder geäußert, die Umverteilung von oben nach unten von den Bürgern durchgeführt wird. Die Occupy-Bewegung ist schon das ersten Anzeichen dafür.

Ich entsinne mich an Präsidentschaftskandidatin Gesine Schwan, die bereits im Jahr 2008/2009 vor sozialen Unruhen gesprochen hat. Damals wurde sie ausgelacht und heute sind die sozialen Unruhen da.

Nur was interessiert die Presse das Geschwätz von gestern. Den Leser einer großen Boulevard-Zeitung wirds auch nicht mehr interessieren.

Man könne ja doch nichts ändern. Tja falsch gedacht. Jeder hat 2 Stimmen, die eine ist das Kreuz auf den Wahlzettel und die zweite Stimme ist der Geldschein.
 
Ist doch eine der Hauptfunktionen. Geld von denen zu transportieren die mehr haben als sie brauchen zu denen bei denen es schlechter aussieht.
Steuermittel sind dazu da, den Staat und seine Ausgaben zu finanzieren. In der Regel gehen keine Steuermittel direkt in eine Umverteilung.

Woher kommen denn diese Zahl 80 Mrd überhaupt?
Aus z.B. dem Bundeshaushalt

Darin ist der Bundeszuschuss an die Rentenkassen von rund 80 Milliarden Euro enthalten.

Das ist nicht traurig, sondern Absicht und systembedingt. Irgendwer muss die ganzen Schulden ja haben die den Guthaben gegenüber stehen und dafür stellt sich der Staat dann auch regelmäßig zur Verfügung.
Das verstehe ich, soweit es um die reine Geldmenge geht, aber warum muss das der Staat sein, der produziert das Geld doch?

Marty
 
Steuermittel sind dazu da, den Staat und seine Ausgaben zu finanzieren. In der Regel gehen keine Steuermittel direkt in eine Umverteilung.
Indirekt ist doch direkt genug. Direkt wäre ja auch ein wenig zu offensichtlich und wozu sozialen Sprengstoff schaffen wenn es nicht nötig ist.

OK also für alle Rentner, dann sind ja 80 Mrd Loch schnell zusammen :mrgreen:. Im Osten zahlt man ja auch nen bissl was in die Rentenkassen ein, da wäre so ein Loch ja schwer anzuhäufen*.

(* nen Loch anzuhäufen ist natürlich Unsinn, ich mag aber den Widerspruch also lass ich es so stehen :) )

Das verstehe ich, soweit es um die reine Geldmenge geht, aber warum muss das der Staat sein, der produziert das Geld doch?
Das Geld wird doch nicht vom Staat produziert, sondern, sofern man produzieren sprechen kann, von der Zentralbank die man eigentlich unabhängig halten sollte.

Die gesamte Schuldenlast soll ja auch nicht nur auf den Staat verteilt sein, man ermuntert auch indirekt Konsumenten zu Krediten für Konsum (Eigenheim ist das beste Beispiel denk ich) und Unternehmen zum investieren auf Pump.

Die gesamten Schulden müssen jedenfalls irgendwo bleiben, am besten teilt man sie wohl möglichst geeignet auf, damit am Ende keine einzelnde Institution zuviel davon hat.
Man ist sich,so denke ich, auch unter Ökonomen überein gekommen, das sich Inflation um 2%, Neuverschuldung um 2-3% bei Effizienssteigerungen um 4% und damit verbunden ein sanfter aber bestimmer Wachstumszwang insgesamt mehr Vorteile als Nachteile mit sich bringt.
 
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wozu sozialen Sprengstoff schaffen wenn es nicht nötig ist.
Dann kann man die Rentenbeiträge ja abschaffen, das schafft dann soziale Glückseligkeit und einen sofort überschuldeten Staat.

OK also für alle Rentner, dann sind ja 80 Mrd Loch schnell zusammen
Nein, denn eigentlich sollten die Beiträge die aktuellen Renten doch decken. Dieser Zuschuss wurde nur für die in der DDR erwirtschafteten Rentenzeiten eingeführt. Er wird aber längst nicht mehr nur dafür genutzt. Und das ist Verarsche am Steuerzahler und Irreführung in der Rentenversicherung.

Das Geld wird doch nicht vom Staat produziert, sondern, sofern man produzieren sprechen kann, von der Zentralbank die man eigentlich unabhängig halten sollte.
Ja, idealerweise und in der netten VWL-Theorie. Und in der Praxis bedienen sich Staaten gerne ihrer Zentralbanken um sich soviel Geld zu drucken wie nötig.

man ermuntert auch indirekt Konsumenten zu Krediten für Konsum (Eigenheim ist das beste Beispiel denk ich) und Unternehmen zum investieren auf Pump.
Ich kaufe gerade ein Haus, daran verdient der Staat an Steuern Unsummen. Wieso muss er mir dann das Schulden machen vormachen? Meinst Du, wenn der Staat keine Schulden mehr macht, dann mache ich auch keine mehr?

Die gesamten Schulden müssen jedenfalls irgendwo bleiben, am besten teilt man sie wohl möglichst geeignet auf, damit am Ende keine einzelnde Institution zuviel davon hat.
Verstehe ich nicht wirklich. Wo steht denn, dass ein Staat überhaupt Schulden machen muss? Er kann doch einfach nur das ausgeben, was reinkommt.

Marty
 
Nettes Thema eigentlich aber aus Zeitmangel muss ich mich echt ein wenig kurz halten :)

Und das ist Verarsche am Steuerzahler und Irreführung in der Rentenversicherung.
kurz zusammengefasst läuft es darauf hinaus ja

Ja, idealerweise und in der netten VWL-Theorie. Und in der Praxis bedienen sich Staaten gerne ihrer Zentralbanken um sich soviel Geld zu drucken wie nötig.
Die Praxis ist meist noch viel schlimmer, wenn man sich mal die private FED anschaut und welche Macht man damit in die Hände des Bockes gibt der Gärtner geworden ist.

Ich kaufe gerade ein Haus, daran verdient der Staat an Steuern Unsummen. Wieso muss er mir dann das Schulden machen vormachen?
Er motiviert Dich doch dazu. Mit Eigenheimzulage für privat und wenn Du es zum vermieten kaufst motiviert er Dich sogar dazu die gesamten Schulden bis zum Ende der Laufzeit zu behalten. Das Prinzip kennst Du ja, dass muss ich hier nicht erklären.

Jeder vernünftige Mensch würde normalerweise Kredite von Anfang an abbezahlen soweit wie es eben geht, glaubst Du es ist Zufall das Dich der Staat dazu motiviert sie möglichst lange zu behalten?


Meinst Du, wenn der Staat keine Schulden mehr macht, dann mache ich auch keine mehr
Er muss es Dir nicht vormachen. Selber Schulden machen ist für ihn halt am einfachsten, aber er möchte halt auch gern das Du das Selbe privat und am besten in Deiner Rolle als Unternehmer noch einmal machst.

Verstehe ich nicht wirklich. Wo steht denn, dass ein Staat überhaupt Schulden machen muss? Er kann doch einfach nur das ausgeben, was reinkommt.
Das muss ja nirgends stehen und trotzdem funktioniert es in so ziemlich jeden Staat der Welt wie von Geisterhand.
 
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Das muss ja nirgends stehen und trotzdem funktioniert es in so ziemlich jeden Staat der Welt wie von Geisterhand.

Das merke ich ja nun täglich. Aber das muss doch nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Es muss doch anders gehen. Und da wäre ich glücklich, wenn wir in der aktuellen Lage mal wieder daran denken, auch als Staat solide zu wirtschaften.

Und ein Anfang wäre, Kosten nicht zu verschleiern und das Volk um deren Höhe für dumm zu verkaufen.

Aber das ist vermutlich zu idealistisch und nur in einem System möglich, indem man nicht ständig vom ungebildeten Volk wiedergewählt werden muss.

Marty
 
Das merke ich ja nun täglich. Aber das muss doch nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Es muss doch anders gehen. Und da wäre ich glücklich, wenn wir in der aktuellen Lage mal wieder daran denken, auch als Staat solide zu wirtschaften.

Und ein Anfang wäre, Kosten nicht zu verschleiern und das Volk um deren Höhe für dumm zu verkaufen.

Aber das ist vermutlich zu idealistisch und nur in einem System möglich, indem man nicht ständig vom ungebildeten Volk wiedergewählt werden muss.

Da bin ich voll Deiner Meinung. Nur wer stellt das Konzept auf und hat den Mut das festgefahrende System so sehr zu verändern? Von der Politik können wir da leider nicht viel erwarten, schon weil die eigentlich ganz gut davon lebt das alles genauso bleibt.

Aber was sollen wir machen?
Wegen der einen oder anderen Sache auf die Straße gehen hilft uns bei der Währungs- und Systemkriese auch nicht viel weiter.
Am 1. Mai Steine werfen genauso wenig.
Beim nächsten Mal anders wählen? Klar bringt jedes Mal viel :roll:
...die anderen Optionen haben in etwa die selben Aussichten :-?
 
Kurz überlegen: Die DDR war auch überschuldet, also bringt der totalitäre Sozialismus keine Lösung. Das dritte Reich war am Ende überschuldet, eine Diktatur bringt uns ausser einem Krieg auch keine Änderung.

Ich habe ja die Hoffnung, dass sich in Griechenland und Italien etwas tut, nachdem dort mittlerweile Menschen mit ein bisschen mehr Hintergrundbildung das Sagen haben. Ich bin gerne hoffnungsvoll...

Und bei uns werde ich das dann wohl selber mal machen müssen, Du darfst dann Wirtschaftsminister werden.

Marty
 
OK schlimmer als Schäuble vs. Rösler wird es auch nicht :mrgreen:

Ich muss Dich aber warnen, bin immernoch für:

-Schwundgeldsysteme mit sehr moderatem Schwund
-ein Bürgergeld leicht über dem heutigen Hartz 4 Niveau
-höhere Mehrwertsteuer, höhere Steuer auf Kapitalerträge
- niedrige Steuern auf Arbeitseinkommen

Ich mach mal ein ausführliches Konzept fertig und schick es Dir dann :mrgreen:
 
-Schwundgeldsysteme mit sehr moderatem Schwund
-ein Bürgergeld leicht über dem heutigen Hartz 4 Niveau
-höhere Mehrwertsteuer, höhere Steuer auf Kapitalerträge
- niedrige Steuern auf Arbeitseinkommen

Dieses System kann uns nicht mehr helfen, daher ist es auch gut, über Alternativen zu diskutieren.

Sozialismus und Kapitalismus sind beide gescheitert. Zwar gab es gewisse Errungenschaften. Die Frage ist nur, zu welchem Preis dies alles geschehen ist.

Der "arabische Frühling" kam jedenfalls nicht, weil die "bösen" Diktatoren auf einmal noch böser geworden sind. Vielmehr weil seit 2008 die Rohstoffpreise explodiert sind. Was tut man denn, wenn man nichts mehr zu essen hat? Man sucht sich einen Feind. Danach merkt man eigentlich, dass sich nicht wesentlich etwas ändert, sondern nur die Köpfe sich geändert haben aber das System dassselbe geblieben ist.

Eigentlich muss es eine geistige Revolution geben, eine nachhaltige. Habgier und den Willen sich über andere Menschen zu erheben und macht ausüben zu wollen sind unbegrenzt. Es bringt jedenfalls nichts, wenn wir an diesen perfiden System festhalten.

Ein Terroranschlag verursacht Angst und Schrecken. Die paar Hundert Leute die an einen Terroranschlag sterben sind auch sehr "relevant", schaut man sich die Leute an, die jährlich an den Folgen eines Autounfalls oder einer "harmlosen" Grippe sterben.

Jeden Tag verhungern über 20.000 Menschen! Nachhaltig ist das sicher nicht. Nur spricht niemand darüber.
 
Kurz überlegen: Die DDR war auch überschuldet, also bringt der totalitäre Sozialismus keine Lösung. Das dritte Reich war am Ende überschuldet, eine Diktatur bringt uns ausser einem Krieg auch keine Änderung.
Sozialismus funktioniert eben nicht, egal ob nationaler oder internationaler.
Flat Tax und etwas mehr Nachtwächterstaat könnten was bringen, so wie in der Slowakei.

In GR tut sich tatsächlich was:
Griechenland muss Rentenkürzungen vornehmen
 
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Ich muss Dich aber warnen, bin immernoch für:

-Schwundgeldsysteme mit sehr moderatem Schwund
-ein Bürgergeld leicht über dem heutigen Hartz 4 Niveau
-höhere Mehrwertsteuer, höhere Steuer auf Kapitalerträge
- niedrige Steuern auf Arbeitseinkommen
In einer Koalitionsvereinbarung würde ich das mit dem Schwundgeld noch mal diskutieren wollen, alles andere findet meine volle Zustimmung.

Grundsätzlich muss erarbeitetes Einkommen immer niedriger besteuert werden als Einkommen, das aus Vermögen generiert wird. Auch würde ich das Anhäufen von Vermögen besteuern, um im Gegensatz Konsumsteuern zu senken. Man könnte Geldvermögen besteuern, damit könntest Du dann Dein Schwundgeld realisieren.

Ein Grundeinkommen ist mir sehr wichtig. Wir müssen weg davon, dass Arbeit wichtigster Lebensinhalt ist, um seinen Unterhalt zu sichern. Künstler, Denker und Erfinder würden davon deutlich profitieren.

Griechenland muss vor allem Beamte vor die Tür setzen, die nicht arbeiten.

Marty
 
Ratingriese stellt Eurozone an den Pranger

Folgende News wurde am 06.12.2011 um 17:54:13 Uhr veröffentlicht:
Ratingriese stellt Eurozone an den Pranger
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Frankfurt/Berlin (dpa) - Der Druck auf die Euro-Retter wächst: Unmittelbar vor dem mit hohen Erwartungen verbundenen EU-Gipfel Ende dieser Woche droht die US-Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) quasi der gesamten Eurozone mit der Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit. Während sich Europas Politiker mühen, die Schuldenkrise endlich in den Griff zu bekommen, steht plötzlich auch Deutschlands Bestnote «AAA» auf der Kippe. Damit würde auch der Euro-Rettungsschirm EFSF seine Topbonität verlieren. S&P hat immer größere Zweifel, ob Europas Regierungen ihren seit Monaten brodelnden Streit beilegen und die Vertrauenskrise an den Märkten bekämpfen können. Die Bundesregierung sieht sich in ihrem Kurs bestärkt, die Eurozone auf ein solideres Fundament zu stellen. An den Börsen trübte sich die Stimmung ein, Kurseinbrüche blieben aber aus. «Die Warnung von S&P hat den Markt... nicht in Panik versetzt, da die Probleme ziemlich offensichtlich sind», sagte eine Händlerin. Die Bundesregierung blieb gelassen. «Was eine Ratingagentur macht, das ist in der Verantwortung der Ratingagentur», sagte Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Zugleich betonte sie die Notwendigkeit der von Deutschland und Frankreich bis März angestrebten radikalen und raschen Reform der Euro-Zone: «Wir werden am Donnerstag und Freitag die Entscheidungen treffen, die wir für die Euro-Zone für wichtig und unabdingbar halten.» Dies sei ein Beitrag zur Stabilisierung der Eurozone. Auch werde so Vertrauen gewonnen. S&P-Europa-Chefanalyst Moritz Kraemer verteidigte die Entscheidung gegen Kritik: Die Krise sei zu einer «systemischen Vertrauenskrise» ausgeufert. «Eine Herabstufung ist auf keinen Fall sicher», versicherte Kraemer zugleich. Entscheidend sei, dass das Treffen der Staats- und Regierungschef «glaubwürdige und solide Lösungen» bringe. S&P stellte auf einen Schlag die Kreditwürdigkeit von 15 der 17 Eurostaaten unter strenge Beobachtung. Dabei wählte die Agentur sogar die schärfere Form des «CreditWatch with negative implications», was eine höhere Dringlichkeit der Überprüfung bedeutet. S&P hat nun maximal 90 Tage Zeit, eine Entscheidung zu treffen. «Wir werden eher früher als später entscheiden», kündigte Kraemer an. Je nach den Ergebnissen des EU-Gipfels droht eine massenhafte Herabstufung. Zur Begründung verwies die Agentur am späten Montagabend unter anderem auf das ihrer Ansicht nach unkoordinierte und unentschlossene Handeln der Politiker. Auch sei unklar, wie die Politik langfristig mehr wirtschaftliche, finanzielle und steuerliche Annäherung in den Euro-Staaten gewährleistet wolle. Erschwerend hinzu komme die drohende Rezession im Euroraum im kommenden Jahr. Diese wird durch den Sparzwang in mehreren Ländern verschärft. Nach Italien kündigte am Dienstag auch Irland Sanierungsschritte an. Die irische Regierung will 2012 unter anderem die Mehrwertsteuer um zwei Punkte auf 23 Prozent erhöhen, um den überschuldeten Staatshaushalt auf Vordermann zu bringen. Schon jetzt wächst die Wirtschaft im Euroraum nur noch minimal. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sei im dritten Quartal verglichen mit dem Vorquartal um lediglich 0,2 Prozent gestiegen, teilte die europäische Statistikbehörde Eurostat in Luxemburg mit. Auch im zweiten Quartal 2011 war die Wirtschaft um 0,2 Prozent gewachsen. S&P könnte bald auch Deutschlands Spitzenrating um eine Stufe senken. Die Exportnation sei eng innerhalb Europas verflochten, das berge Gefahren für die deutsche Wirtschaft. Nach Überzeugung des Wirtschaftsprofessors und Regierungsberaters Clemens Fuest haben die S&P-Experten Deutschland auch deshalb ins Visier genommen, weil sich die größte Euro-Volkswirtschaft mit den Rettungshilfen für Schuldensünder verheben könnte. Frankreich als zweitem wirtschaftlichen Schwergewicht Europas droht sogar die Absenkung um bis zu zwei Stufen. Außerdem führen derzeit auch die Niederlande, Österreich, Finnland und Luxemburg die Bestnote «AAA». Ein gutes Rating ist Voraussetzung für Staaten und Unternehmen, um sich an den Kapitalmärkten zu günstigen Konditionen frisches Geld zu besorgen. Schlechtere Bonitätsnoten führen in der Regel dazu, dass Schuldner höhere Zinsen zahlen müssen.
 
Das liegt eigentlich nur daran, dass eine wirtschaftliche Rezession erwartet wird. Das bedeutet dann höhere Staatsausgaben, die man sich auf dem Niveau nicht mehr leisten kann.
Deutschland werden natürlich die Garantien für EFSF zu den Schulden gezählt.
 
SPD-Politiker Heil: Merkel hat Krise verschärft

Folgende News wurde am 06.12.2011 um 18:33:57 Uhr veröffentlicht:
SPD-Politiker Heil: Merkel hat Krise verschärft
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Bonn (dts) - Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Hubertus Heil, hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vorgeworfen, die Krise verschärft zu haben. Heil erklärte in der Fernsehsendung "Phoenix Runde" (Phoenix), dass die Kanzlerin "durch ihr Zögern und Zaudern und durch das Ausschließen von Dingen, die dann gekommen sind, die Krise, auch ökonomisch, verschärft" habe. Auch seine Partei habe keine Blaupause, wie die Euro-Krise zu lösen sei, "aber wir wissen, wie man mit europäischen Partnern umgeht und wie man in Europa Dinge umsetzt", sagte Heil. Die SPD habe sich überdies in der aktuellen Situation nicht "kleinkariert anti-europäisch auf Kosten der Regierung profiliert", sondern vertrete "eine klare überzeugende Haltung". Dass die SPD keine Fundamentalopposition gegenüber Merkels Europa-Politik betreibe, zeuge von der Verantwortung, der sich die Partei bewusst sei.
 
Ohne Merkel wäre der Euro schon vor zwei Jahren gestorben, als GR mit Einschränkungen beim Euro-Umlauf anfing, denn nächste Schritt wäre der Ausstieg gewesen.
Für die SPD ist es schwierig sich, mit den selben Ansichten wie die CDU sie hat, von der CDU abzugrenzen. Aber der SPD wäre der Euro schon um die Ohren geflogen.