Diskussion über Jugendkriminalität

Verurteilen tun die Gerichte, aber bis jemand vor Gericht gestellt werden kann, ist die Ermittlungsarbeit der Polizei gefragt. Du kannst ja nicht einfach irgendjemanden aus der Menge greifen und sagen: Du Ausländer, du schuldig, du verurteilt.
Exakt richtig. Und deshalb darf man die PKS nicht als Grundlage nehmen für solch eine Diskussion. Weil in dieser Statistik auch alle erfasst sind, die nachher freigesprochen werden. Und ich bin mir sicher, dass Menschen mit Migrationshintergrund und Ausländer häufiger verdächtigt werden als andere. Das ist aber bei der Polizei auch ein Ergebnis aus Erfahrung und Menschenkenntnis.

Marty
 
(...) Und deshalb darf man die PKS nicht als Grundlage nehmen für solch eine Diskussion. Weil in dieser Statistik auch alle erfasst sind, die nachher freigesprochen werden. (...)

Und aus diesem Grund wollte ich gern von Timo wissen, auf welcher Grundlage (Studie, Statistik etc.) er seine Äußerung aufbaut. Zur Erinnerung: Timo meinte, dass es
timo_hildebrand schrieb:
(...) Straftaten (gibt), die faktisch nur von Menschen mit Migrationshintergrund begangen werden können und somit in Statistiken auftauchen. (...)
Darauf hin meinte Nightfire, dass Timo dies bestimmt aus der Ecke der PKS hätte. Und wie wir nun feststellten, ist die PKS für diese Diskussion nicht ausreichend ;)

Ich bin ja auch nur so heiß hinterher ( :mrgreen: ), weil mir selbst hier Studien vorliegen, die diesen Unterschied zwischen Ausländer, Deutscher und Personen mit Mig-Hintergrund haben. Leider gibt es diese nicht im Internet und ist derzeit auch so nicht öffentlich zugängig. Bisher kannte ich kaum andere Studien mit diesem "Unterschied", daher mein Interesse. ;)

Mal was Neues zum eigentlichen Thread-Thema:
Was haltet ihr von dem Vorschlag Kochs und der FDP, dass auch unter 14jährige unter das Jugendstrafrecht fallen sollen?

Ich bin mir ehrlich gesagt noch nicht sicher, was ich davon halten soll :-? Ich kann mich erinnern, dass es solch eine Diskussion vor Jahren schon einmal gab, bei der dieser Türkisch-stämmige Junge mit 12 Jahren schon etliche Straftaten begann und dann abgeshcoben wurde, oder so ähnlich. Damals gabe es den Vorschlag, die Strafmündigkeit auf 12 Jahre herabzusetzen. Wär das so verkehrt?

Gruß, Poo
 
[...] Zur Erinnerung: Timo meinte, [...]
Also ich bin mir nicht sicher, ob wir von timo_hildebrand nochmal was hören werden. War wohl nur eine Floskel oder sein Browser tut nicht mehr, wie er wohl will :)

[...] Damals gabe es den Vorschlag, die Strafmündigkeit auf 12 Jahre herabzusetzen. Wär das so verkehrt?
Auf jeden Fall läuft was verkehrt, wenn viele - sagen wir mal "Leute" - ihre minderjährigen Kinder bewusst auf Laden- und Taschendiebstahl trainieren, weil das Alter allein ein Freifahrtschein ist. Oder wenn Minderjährige inzwischen wie alte Berufsverbrecher vor Gericht sitzen und den Richter blöd angrinsen im besten Wissen, dass der ihrer sowieso nicht habhaft werden kann.

Die Zeiten haben sich leider irgendwie geändert. Früher konnte ein Kaufhausdetektiv vielleicht noch ein Kind, das gerade einen Lutscher geklaut hat, allein mit seinem bösen Blick zur Reumütigkeit bringen. Heute legt jede Göre entweder erstmal die Karte seines Anwalts vor oder droht dem Detektiv gleich mit Mord, nachdem er dessen "Mudda und Hund gefiggt" und beide "Nazischweine mit Messa in Rücken, Alda" gerichtet hat.

Koch mag zwar auf einer Populismuswelle schwimmen, aber ich halte den Gedanken, das straffähige Alter herunterzusetzen, für zeitgemäß.

Gruß,
Photon
 
Koch mag zwar auf einer Populismuswelle schwimmen, aber ich halte den Gedanken, das straffähige Alter herunterzusetzen, für zeitgemäß.

Hat er das denn überhaupt vorgeschlagen? Soweit ich das verstanden habe spricht er doch nur von Ausnahmefällen. Sprich, wenn ein 13 Jähriger seine Klassenkameradin missbraucht oder so. Generell fänd ich das Herabsetzen nämlich durchaus übertrieben. Aber in Ausnahmen, die eine beonders schwere Tat darstellen sehe es für mich wieder anders aus.
 
(...) Generell fänd ich das Herabsetzen nämlich durchaus übertrieben. Aber in Ausnahmen, die eine beonders schwere Tat darstellen sehe es für mich wieder anders aus.

Wo würdest du die Grenze ziehen? Wie sollte eine besonders schwere Tat definiert werden? Nach der gleichen Defintion wie im Strafrecht üblich?

Gruß, Poo
 
Wo würdest du die Grenze ziehen? Wie sollte eine besonders schwere Tat definiert werden? Nach der gleichen Defintion wie im Strafrecht üblich?

Gruß, Poo

Wie ist es denn im Strafrecht definiert? Also wenn jemand körperlich oder geistig zu schaden kommt fände ich schonmal gut als grobe Diskussionsgrundlage. Wobei natürlich nicht jede "Kinderrauferei" damit gemeint ist. Daher Diskussionsgrundlage. Aber man könnte auch ein Gremium bilden, welches darüber bestimmt. Wo dann ein Jurist, einer vom Kinderschutzbund und so Leute drin sitzen. Die dann feststellen ob der Fall trotz Alters vor Gericht muss. Aber denke das ist rechtlich dann nicht Möglich.
 
Hat er das denn überhaupt vorgeschlagen? Soweit ich das verstanden habe spricht er doch nur von Ausnahmefällen. Sprich, wenn ein 13 Jähriger seine Klassenkameradin missbraucht oder so. [...]
Ja, natürlich hast du recht. Der Tagesspiegel schreibt:
Tagesspiegel schrieb:
[...]
Der Präsident des Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, warnte in den Dortmunder "Ruhr Nachrichten" davor, "Kinder fürs ganze Leben zu stigmatisieren". Anstelle einer schärferen Bestrafung von Kindern unter 14 Jahren forderte er, weitere geschlossene Erziehungsheime zu schaffen.
[...]
Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg, wies den neuen Vorstoß Kochs ebenfalls scharf zurück. "Wir brauchen doch keine Kinderknäste", sagte er der "Passauer Neuen Presse". "Der Vorschlag ist populistisch und unseriös. Die Strafmündigkeitsgrenze darf nicht herabgesetzt werden." Der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, Christian Pfeiffer, sagte demselben Blatt: "Das macht keinen Sinn. Je jünger Menschen hinter Gitter kommen, umso höher ist ihre Rückfallquote."
[...]
Nun stehen wir aber vor einem Problem :think: Einerseits haben die Kritiker auch recht. Schließlich wirkt ja der Knastaufenthalt auch bei Erwachsenen nicht gerade Wunder. Und Maßnahmen in Erziehungsheimen greifen überhaupt auch nur, wenn sie rechtzeitig zur Anwendung kommen. Andererseits kann es nicht sein, dass jeder Minderjährige nur aufgrund seines Alters generellen Welpenschutz genießt. Ich habe auch genug Mist in dem Alter gemacht. Aber Vergewaltigungen, Drogendealerei, Erpressung, Überfälle, Raub, Messerstechereien, Totschlag oder sogar Mord gehörten nie dazu. Und sie gehörten nicht deshalb nicht dazu, weil ich Angst vor der Polizei hatte, sondern weil ich es von mir heraus niemals getan hätte.

Wenn dieses Unrechtsbewusstsein fehlt, dann kann man es sich einfach machen und Computerspielen / Fernsehen die Schuld geben und den Unschuldigen mimen. Man kann aber auch mal den Kopf benutzen und sich fragen, warum das System versagt und was man dagegen aktiv tun kann. Als Notbremse halte ich die Idee von Koch praktikabel, allerdings ist es ganz sicher nicht der Stein des Weisen.

Gruß,
Photon
 
Ich bin ja auch nur so heiß hinterher ( :mrgreen: ), weil mir selbst hier Studien vorliegen, die diesen Unterschied zwischen Ausländer, Deutscher und Personen mit Mig-Hintergrund haben.
Dann habe ich eine blöde Frage: Was ist in diesen Studien eine Person mit "Migrationshintergund"? Wieviele Generationen "deutsch" darf da miteingeflossen sein?

Damals gabe es den Vorschlag, die Strafmündigkeit auf 12 Jahre herabzusetzen. Wär das so verkehrt?
Nein, wäre es meiner Meinung nach überhaupt nicht. Ein 12-jähriger, der regelmässig Straftaten verübt, sollte sich spätestens beim 2. Mal schon im Klaren darüber sein, was er da macht.

Wieso kann ein 10-jähriger für einen Schaden, den er verursacht, haften, aber für eine Straftat nicht?

Es geht dabei ja nicht primär um Strafen in Form von Gefängnisstrafen, es geht dabei auch um die Möglichkeit der Verfolgungsbehörden, überhaupt etwas machen zu können. Es muss einfach möglich sein, mit staatlichen Mitteln auch einem Kind seine Grenzen zu zeigen.

Das mag beim ersten Kaugummiklau noch mit einem "DuDuDu... mach das nie wieder" eines Polizisten erledigt sein, spätetens beim 3. Handyraub oder Taschengelderpressung aber auch schon mal ein paar Tage "Erziehungsurlaub" bedürfen.

Ich wäre für eine Herabsetzung auf 6 Jahre. Mag sich krass anhören, sollte aber doch eigentlich kein Problem darstellen. In dem Alter kann man evtl. auch noch etwas korrigieren an der Erziehung.

Marty
 
Wie ist es denn im Strafrecht definiert?
Unterschiedlich, je nach Straftatbestand. Zum Beispiel gibt es die Unterscheidung von Körperverletzung, gefährliche Körperverletzung und schwere Körperverletzung. Ein weiteres Beispiel ist die getrennte paragraphische Einteilung von Diebstahl und besonders schwere Diebstahl. Und so zieht es sich durch's ganze StGB. Werde aber noch ins kommentierte StGB nachschauen. Vielleicht steht ja da was allgemeingültigeres, werde es euch auf jeden Fall wissen lassen ;)

Dann habe ich eine blöde Frage: Was ist in diesen Studien eine Person mit "Migrationshintergund"? Wieviele Generationen "deutsch" darf da miteingeflossen sein?

Genaueres habe ich schon weiter oben erklärt. Weiterhin reichte es für diese Studie aus, wenn die bestimmte Person hier geboren wurde. Ob die Eltern in Deutschland geboren wurden oder nicht, war hier völlig gleichgültig. Obwohl das ein durchaus interessanter Aspekt ist, das gebe ich zu. Nur die Umsetzung stelle ich mir problematisch und zeitaufwendig vor... kommt auf die untersuchende Hypothese an.

Es geht dabei ja nicht primär um Strafen in Form von Gefängnisstrafen, es geht dabei auch um die Möglichkeit der Verfolgungsbehörden, überhaupt etwas machen zu können. Es muss einfach möglich sein, mit staatlichen Mitteln auch einem Kind seine Grenzen zu zeigen.
(...) Ich wäre für eine Herabsetzung auf 6 Jahre. Mag sich krass anhören, sollte aber doch eigentlich kein Problem darstellen. In dem Alter kann man evtl. auch noch etwas korrigieren an der Erziehung.

Ja, ich finde auch, dass von Seiten der Behörden mehr Einsatz erbracht werden müßte. Es gibt aber dennoch den Schutz der Familie. Ich stelle mir die Umsetzung von erzieherischen Maßnahmen seitens des Staates sehr problematisch vor. Bei der Arbeit zusammen mit den Eltern muß angesetzt werden. Aber wenn die kein Problem sehen, weil der Kleine doch immer so artig ist, dann hat der Staat derzeit keinerlei Befugnis etwas zu tun. Rhetorische Frage: Sollte man denn wirklich einen Teil der Erziehung den Eltern entreißen?

Gruß, Poo
 
[...] Rhetorische Frage: Sollte man denn wirklich einen Teil der Erziehung den Eltern entreißen?
Rhetorische Gegenfrage: Welche Erziehung?

Wenn Eltern nicht in der Lage sind, die Kinder wenigstens halbwegs sozial heranzuziehen, muss der Staat unterstützend eingreifen. Die Verhaltensweisen, von denen wir hier reden, sind aber eindeutig asozial und kriminell.

Dabei sollen die Kinder den Eltern ja nicht weggenommen werden (obwohl ich in besonders schweren Fällen auch zu "doch wegnehmen" tendieren würde). Aber es gibt ja noch viele andere Möglichkeiten, Menschen zu sozialisieren. Und damit meine ich nicht "Discoverbote" oder "Handyverbote".

Gruß,
Photon
 
Noch ist es ja nicht aus der Welt, was auch gut so ist. Koch wurde ja nur dahingehend kritisiert, Kinder in eigens für sie geschaffene Gefängisse zu stecken. Aber alle sind sich darüber einig, dass etwas neu geregelt werden muss (okay, die SPD weiß noch nicht, dass sie dafür ist ;) ).

Kleine Anmerkung am Rande (da mich sowas aufregt):
Ansich finde ich den Artikel ganz gut, und habe mich schon fast über die Sachlichkeit und den Ernst der Politiker gefreut, bis ich beim letzten Satz ankam:
(...)Der Grünen-Vorsitzende Reinhard Bütikofer warf Koch «astreine NPD-Sprache» vor, weil Koch gesagt hatte, er lasse sich von türkischen Vertretern nicht den Mund verbieten.
Es nervt langsam, dass es immer wieder Menschen gibt, die einen kategorisieren müssen :mad: Können die nicht mal was Produktives zum Thema beitragen?! *rrrrrr*

Gruß, Poo
 
Naja, die CDU ist nicht die einzige Partei, die Wahlkampf betreibt...;)
Aber mal ehrlich: Ständig nur zu meckern und jeden Vorstoß in die richtige Richtung erstmal mit dumm-dämlichen Parolen zu blockieren ist nun nicht unbedingt die Art von Wahlkampf, den ich mir vorstelle. Viel sinnvoller wäre dann schon eher gewesen:

"Wir haben ein wachsendes Problem mit Jugendkriminalität. Wir wollen aber keine Kinder einsperren und deshalb schlagen wir vor, dass jeder jugendliche Gewalttäter 3 Wochen lang ohne Kompott oder Nachtisch ins Bett gehen muss."

Das wäre zwar auch Grütze, aber wenigstens ein Hauch von konstruktiv...

Gruß,
Photon
 
Ist ja richtig und mir bewußt. Schade, dass Wahlkampf immer nur Polemik beinhaltet. Und noch schader ( ;) ) ist, dass die Menscehn sowas nicht merken.

Naja wie soll man das denn auch merken? Polemik funktioniert doch nur dann, wenn man etwas äußert was von einer gewissen Anzahl von Wählern auch gewünscht wird. Ansonsten würde man damit ja keine Stimmen gewinnen sondern verlieren. Und wie willst du etwas kritisieren, was du im enddefekt möchtest?
 
(...) wenn man etwas äußert was von einer gewissen Anzahl von Wählern auch gewünscht wird.
Naja, sie meinen wohl zu wissen, was sich eine gewisse Anzahl von Wählern wünscht, weil es die Öffentlichkeit so gebietet. Wahlkampf ist schon schlimm. Macht sich keiner mehr die Mühe und liest Parteiprogramme :-? fallen alle nur auf Sprüche rein.
Und wie willst du etwas kritisieren, was du im enddefekt möchtest?
Ja, der Schein muß gewahrt werden ;)

Gruß, Poo

OffTopic off
 
Kleine Anmerkung am Rande (da mich sowas aufregt):
Ansich finde ich den Artikel ganz gut, und habe mich schon fast über die Sachlichkeit und den Ernst der Politiker gefreut, bis ich beim letzten Satz ankam:

(...)Der Grünen-Vorsitzende Reinhard Bütikofer warf Koch «astreine NPD-Sprache» vor, weil Koch gesagt hatte, er lasse sich von türkischen Vertretern nicht den Mund verbieten.

Es nervt langsam, dass es immer wieder Menschen gibt, die einen kategorisieren müssen Können die nicht mal was Produktives zum Thema beitragen?! *rrrrrr*

Fairerweise sollte man aber auch erwähnen das selbst die NPD der Meinung ist.

»Wenn etablierte Politiker NPD-Argumente übernehmen, dann wird das auch dazu führen, daß immer mehr Bürger Vertrauen in die Politik der NPD gewinnen und folglich auch NPD wählen«, erklärte der Parteivorsitzende Udo Voigt am Dienstag in Berlin. Koch müsse seine Forderungen allerdings auch umsetzen – er dürfe »nicht nur aus wahltaktischen Gründen von der NPD abschreiben«.

-https://www.jungewelt.de/2008/01-09/046.php

Cya Nightfire