Israel erklärt Grass zur unerwünschten Person

08. April 2012, 12:18 Uhr · Quelle: dpa

Berlin/Tel Aviv (dpa) - Literaturnobelpreisträger Günter Grass darf wegen seines israelkritischen Gedichts nicht mehr nach Israel einreisen. Die israelische Regierung erklärte ihn am Sonntag zur Persona non grata, bestätigte ein Sprecher des Innenministers Eli Jischai.

Auch in Deutschland geht die Kritik an dem 84-Jährigen wegen seines Gedichts weiter. In einem Beitrag für die «Bild am Sonntag» schrieb Außenminister Guido Westerwelle: «Israel und Iran auf eine gleiche moralische Stufe zu stellen, ist nicht geistreich, sondern absurd.»

Grass hatte in seinem am Mittwoch veröffentlichten Gedicht «Was gesagt werden muss» angeprangert, dass der Iran von einem atomaren Präventivschlag durch Israel bedroht sei, der das iranische Volk auslöschen könne. Er warf Israel vor, als Atommacht den Weltfrieden zu gefährden. Das Gedicht hatte ihm im In- und Ausland den Vorwurf des Antisemitismus eingebracht. Grass hatte sich verteidigt und seinen Kritikern Hass und eine Kampagne gegen ihn vorgeworfen.

Der israelische Innenminister Jischai sagte nach Angaben seines Sprechers, das Gedicht von Grass habe darauf abgezielt, «das Feuer des Hasses auf den Staat Israel und das Volk Israel anzufachen». Grass wolle so «die Idee weiterbringen, die er früher mit dem Tragen der SS-Uniform offen unterstützt hat». Außerdem erklärte Jischai: «Wenn Günter Grass weiter seine verqueren und lügnerischen Werke verbreiten will, sollte er dies vom Iran aus tun, dort kann er sicher ein begeistertes Publikum finden.»

Das Außenministerium hatte zunächst bestritten, dass Grass nun Persona non grata - also eine unerwünschte Person - sei. Sprecher Jigal Palmor sagte der Nachrichtenagentur dpa, ihm sei davon nichts bekannt: «Das erscheint mir Quatsch, ich weiß nicht, wo das herkommt.»

Der israelische Außenminister Avigdor Lieberman kritisierte Grass allerdings nach Rundfunkangaben scharf. Bei einem Treffen mit dem italienischen Regierungschef Mario Monti habe er gesagt, die Äußerungen von Grass seien ein Ausdruck des Zynismus. Intellektuelle wie er seien bereit, «Juden auf dem Altar der Antisemiten zu opfern».

Westerwelle (FDP) schrieb in seinem Gastbeitrag weiter: «Iran verweigert völkerrechtswidrig seit Jahren umfassende Zusammenarbeit bei der Kontrolle seines Nuklearprogramms.» Und er warnte: «Denen, die das auch jüngst nicht wahrhaben wollten, sei gesagt: Das alles ist keine Spielwiese für Polemik, Ideologie und Vorurteile, sondern bitterer Ernst.» Iran habe das Recht auf eine zivile Nutzung der Atomenergie. Es habe nicht das Recht auf atomare Bewaffnung. «Wer die davon ausgehende Bedrohung verharmlost, verweigert sich der Realität.»

Auch Schriftstellerkollegen kritisierten Grass: Rolf Hochhuth schrieb von Scham, Daniel Jonah Goldhagen warf Grass vor, er bediene Klischees und Vorurteile. Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki sagte der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung», es sei «ein ekelhaftes Gedicht», das politisch und literarisch wertlos sei. Der Literaturnobelpreisträger stelle «die Welt auf den Kopf». «Der Iran will Israel auslöschen, das kündigt der Präsident immer wieder an, und Günter Grass dichtet das Gegenteil», sagte Reich-Ranicki, der aus einer jüdischen Familie stammt.

Der Schriftsteller Wolf Biermann verteidigte Grass «im Namen der Meinungsfreiheit», sein Israel-Gedicht aber bezeichnete er als «literarische Todsünde». In der «Welt am Sonntag» schreibt der Liedermacher, «wenn dem Künstler keine originellen Ideen mehr kommen, versucht mancher sich an einem künstlichen Tabubruch wie Grass».

Literatur / Israel / Iran
08.04.2012 · 12:18 Uhr
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