Wilders nach Freispruch: Sieg für Meinungsfreiheit

23. Juni 2011, 15:43 Uhr · Quelle: dpa

Amsterdam (dpa) - Geert Wilders bejubelt seinen Freispruch als «Sieg für die Meinungsfreiheit». Hollands Regierung freut sich für den mit ihr verbündeten Islamkritiker und Rechtspopulisten. Muslime sind enttäuscht. Wilders-Gegner wollen die UN einschalten.

Der umstrittene Islamgegner wurde vom Vorwurf der Aufstachelung zum Hass gegen Muslime sowie in allen anderen Anklagepunkten freigesprochen. Islamkritische Äußerungen des Chefs der populistischen Partei für die Freiheit (PVV) - darunter die Beschimpfung der Religion der Muslime als faschistische Terror-Ideologie - seien zwar äußerst grob, aber nicht strafbar, befand am Donnerstag das zuständige Gericht in Amsterdam. Wilders jubelte: «Ich bin froh über dieses Urteil.» Regierungschef Mark Rutte äußerte sich erleichtert. Muslime reagierten enttäuscht.

Wilders Islamkritik - darunter die Gleichstellung des Koran mit Adolf Hitlers «Mein Kampf» - sei zwar oft überzogen, sagte der Vorsitzende Richter, Marcel van Oosten, bei der Urteilsverkündung. Sie sei aber im Rahmen einer breiten öffentlichen Debatte über die multikulturelle Gesellschaft vorgebracht worden und sei trotz der scharfen Form legitim.

Vor allem aber habe der Politiker nicht Muslime als Individuen angegriffen, sondern den Islam als solchen kritisiert. Allerdings, erklärte Van Oosten, hätten einige Äußerungen von Wilders fast den Tatbestand der Diskriminierung von Menschengruppen erfüllt. Dazu gehöre die Forderung «die Grenzen für alle nicht-westlichen Ausländer dicht zu machen». Im Falle eines Schuldspruchs hätte Wilders maximal eine Gefängnisstrafe von einem Jahr gedroht.

«Dieses Urteil ist nicht nur ein Sieg für mich, sondern für alle Niederländer», betonte Wilders in einer Erklärung. «Heute hat die Freiheit der Meinungsäußerung gesiegt. Glücklicherweise ist Kritik am Islam in den Niederlanden noch erlaubt und Widerstand gegen die Islamisierung ist kein Verbrechen.» Das Gericht habe ihm daher «keinen Maulkorb umgelegt», sagte der 47-Jährige. «Ich habe gesprochen, ich spreche und ich werde weiter sprechen.»

Auch der niederländische Regierungschef Mark Rutte von der rechtsliberalen Partei VVD begrüßte das Urteil. «Das ist eine prima Nachricht für Geert Wilders, mit dem wir auf der Basis eines Duldungsabkommens gut zusammenarbeiten», sagte der Ministerpräsident. Ruttes Minderheitsregierung aus Rechtsliberalen und Christdemokraten stützt sich im Parlament offiziell auf die Wilders-Partei als Mehrheitsbeschafferin.

Verschiedene Muslim-Verbände kritisierten den Richterspruch. «Wir respektieren das Urteil, aber wir konstatieren, dass die gegen Muslime gerichteten Äußerungen von Wilders offenbar juristisch zulässig sind. Das ist enttäuschend», erklärte die Gesellschaft Marokkanischer Niederländer (SNM). Die oppositionellen Sozialdemokraten kündigten an, «weiter die Konfrontation mit Wilders zu suchen». Dies solle aber sachlich und «nicht auf verletzende Art und Weise» erfolgen.

Mehrere Organisationen und Einzelkläger, die den Wilders-Prozess gegen den Willen der Staatsanwaltschaft durchgesetzt hatten, kündigten Beschwerde beim Menschenrechtsausschuss der Vereinten Nationen an. «Durch den Freispruch ist das Recht von Minderheiten verletzt worden, vor Aufstachelung zum Hass gegen sie geschützt zu werden», erklärten deren Anwältin Ties Prakken. «Deshalb werden wir unser Recht nun bei den UN einfordern.»

Wilders hatte während des Prozesses wie auch außerhalb des Gerichts mehrfach gewarnt, der freie und demokratische Westen sei durch eine schleichende Islamisierung bedroht. Als Politiker habe er das Recht und die Pflicht, öffentlich davor zu warnen.

Ähnlich wie Wilders - und schließlich auch seine Richter - hatte am Ende die Staatsanwaltschaft erklärt, dessen umstrittene Äußerungen seien nicht gegen Muslime als Menschen gerichtet gewesen. Dies gelte auch für Wilders' Internet-Film «Fitna», der 2008 weltweit unter Muslimen Empörung auslöste. Darin wird der Koran als ideologische Basis der Attentäter bei den Anschlägen auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001 dargestellt.

Der PVV-Chef musste sich neben angeblicher Aufstachelung zum Hass auch wegen mutmaßlicher Diskriminierung sowie Beleidigung von Muslimen als Gruppe verantworten. «Ich beleidige niemanden, ich stifte nicht zum Hass an, ich diskriminiere niemanden», sagte Wilders, der das Gericht in seinem Schlusswort zu einem klaren Freispruch aufgefordert hatte. «Das einzige, was ich gemacht habe und weiter tun werde, ist die Wahrheit zu sagen.»

Links zum Thema
PVV
Religion / Islam / Urteile / Niederlande
23.06.2011 · 15:43 Uhr
[17 Kommentare]
Iran-Krieg - Libanon
Washington/Teheran (dpa) - Heftige Angriffe Israels im Libanon, neuer Beschuss aus dem Iran auf Länder in der Region und ein erneuter Stopp für die Schifffahrt in der Straße von Hormus könnten die Waffenruhe im Iran-Krieg gefährden. Der Iran erwägt nach Angaben der Nachrichtenagentur Fars, wegen der israelischen Angriffe auf die Hisbollah im Libanon aus […] (11)
vor 35 Minuten
Karol G hat enthüllt, dass ihr geraten wurde, sich nicht gegen die US-Einwanderungsbehörden zu äußern
(BANG) - Karol G hat enthüllt, dass ihr geraten wurde, sich nicht gegen die US-Einwanderungsbehörden zu äußern, da sie sich sonst angeblich Probleme mit ihrem Visum einhandeln könnte. Der kolumbianische Superstar bereitet sich darauf vor, an beiden Sonntagen beim Coachella-Festival in Indio, Kalifornien, als Headliner aufzutreten. Neben ihr gehören auch […] (00)
vor 2 Stunden
Teufel MOTIV GO 2 – Klang, der überall dabei ist – zuhause und unterwegs
Teufel präsentiert den MOTIV GO 2, die aktualisierte Neuauflage des stylischen, portablen Bluetooth-Stereo-Speakers, der kraftvollen Sound mit alltagstauglicher Robustheit verbindet. Zwei präzise Vollbereichstreiber und zwei passive Bassmembranen sorgen für lebendigen, druckvollen Stereo-Klang. Mit Teufel Dynamore entsteht ein beeindruckend weites […] (00)
vor 1 Stunde
Warum Benzin in Deutschland so teuer ist – und wie sich der Preis wirklich zusammensetzt
Wer aktuell an die Tankstelle fährt, kennt das Gefühl: Der Blick auf die Zapfsäule sorgt oft für Stirnrunzeln. Preise von rund zwei Euro pro Liter sind längst keine Seltenheit mehr. Viele fragen sich deshalb völlig zurecht: Warum ist Benzin eigentlich so teuer – und wer verdient daran wirklich? Die Antwort darauf ist deutlich komplexer, als es auf den […] (01)
vor 1 Stunde
Regé-Jean Page ist 'ziemlich begeistert' von romantischen Komödien.
(BANG) - Regé-Jean Page ist "ziemlich begeistert" von romantischen Komödien. Der 38-jährige Schauspieler spielt an der Seite von Halle Bailey in 'You, Me and Tuscany' mit, der neuen romantischen Komödie unter der Regie von Kat Coiro. Er hat nun erklärt, warum er ein Fan des Genres ist. "Ich meine, wer möchte nicht ins Schwärmen geraten? Das ist eine […] (00)
vor 8 Stunden
Nina Engel
Skopje (dpa) - Die deutschen Handballerinnen bleiben in der Europameisterschafts-Qualifikation weiter ungeschlagen. Das runderneuerte Team von Bundestrainer Markus Gaugisch setzte sich am fünften Spieltag gegen Nordmazedonien mit 35: 27 (19: 14) durch. Beste Werferin in Skopje war vor rund 400 Zuschauern Nina Engel mit neun Toren. Da die Vize- […] (00)
vor 34 Minuten
bitcoin, crypto, finance, coin, money, currency, cryptocurrency, blockchain, investment, closeup
Altcoins zeigen technische Signale, die seit 2020 nicht mehr beobachtet wurden. Ein Ausbruch aus einem mehrjährigen Keilmuster und ein bevorstehender MACD-Crossover ziehen diese Woche die Aufmerksamkeit auf sich. Ausbruchsmuster und Momentum-Signale kehren zurück Der Analyst Mark Chadwick wies in einem Beitrag auf X am 8. April auf diese Signale hin […] (00)
vor 40 Minuten
ClickRent-Datenleck: 2,5 Millionen Kunden des Autovermieters betroffen
Lahr, 08.04.2026 (lifePR) - Beim spanischen Autovermieter ClickRent ist es offenbar zu einem massiven Datenschutzvorfall gekommen, der für Millionen Kunden erhebliche Folgen haben kann. Nach Berichten spanischer Medien vom 31. März 2026 und 1. April 2026 sollen rund 2,5 Millionen Datensätze betroffen sein; abgeflossen sein sollen unter anderem Ausweisdokumente, […] (00)
vor 2 Stunden
 
Bodo Ramelow (Archiv)
Berlin - Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow sieht die Ursache für Antisemitismus in […] (00)
Donald Trump (Archiv)
Washington - US-Präsident Donald Trump warnt vor Waffenlieferungen an den Iran und […] (00)
Ölpreise auf einem Smartphone (Archiv)
Wien - Der Vorstandsvorsitzende des österreichischen Energie- und Chemiekonzerns OMV, […] (02)
Frankfurter Börse
Frankfurt/Main - Der Dax ist am Mittwoch nach der Feuerpause im Iran-Krieg mit einem […] (00)
Xbox Game Pass April 2026: Alle neuen Spiele, Termine und Abgänge
Der April wird für viele Gamer richtig spannend. Microsoft zündet im Xbox Game Pass […] (00)
«Die Geissens» donnern massiv in den Oster-Blues
An Ostern ist die Protz-Familie traditionell immer im Feiertagsloch - auch dieses Jahr. In […] (00)
Seth Rogen
(BANG) - Seth Rogen sagt, dass die zweite Staffel von 'The Studio' den Verlust von […] (00)
Dax mit positivem Ausblick Der Dax zeigt sich am Mittwoch optimistisch, nachdem eine […] (00)
 
 
Suchbegriff